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Die Buchmacher

Die Buchmacher

Ein Blick in die Branchenblätter der Buch- und Verlagswelt. Jeden Montag ab 12 Uhr.
21.03.2005. In dieser Woche: Bei welcher Buchlieferung man nicht einmal die geschlossenen Bücherkartons fotografieren darf. Und an wessen Grab das Literarische Quartett demnächst wiederaufersteht. Von Sandra Evertz

buchreport.express

Wichtiger als die Rekordzahlen, mit denen die Leipziger Buchmesse auftrumpfen kann, findet der Buchreport, dass sie sich "mit vielen eigenen Ideen etabliert und einen eigenen Platz im deutschen, teilweise sogar im internationalen Messekalender gefunden hat". Leipzig stehe auf Grund der Konkurrenz zur Frankfurter Buchmesse im Oktober und zu den Parallelveranstaltungen lit.Cologne und AudioBooksCologne unter Erfolgszwang. Dieser Druck habe sich bisher jedoch positiv auf die Produktivität der Leipziger ausgewirkt. Welche Bewährungsproben es in diesem Jahr in Leipzig zu bestehen galt, hier.

Vom "Zweiten Korb" der Urheberrechtsreform, der spätestens im April vom Bundeskabinett abgesegnet werden soll, profitieren die Hörbuchverlage. "Besonders wichtig ist der Passus, der sich auf die 'unbekannten Nutzungsarten' bezieht", erklärt der Buchreport. Bislang seien moderne Verwertungen von Werken (zum Beispiel als CD, Cassette oder Download) oft daran gescheitert, dass solche Nutzungsarten in den Verlagsverträgen nicht vorgesehen gewesen seien und die Rechte von den Verwertern hätten mühsam nachträglich eingeholt werden müssen.

Nach dem Tod von Karl Blessing (siehe Börsenblatt) stellt sich der Buchreport die Nachfolgefrage. Bislang hätten die "Bertelsmänner" bei zum Konzern gehörigen Verlagen, deren Gründer gestorben oder aus Altersgründen abgetreten seien, auf Kontinuität gesetzt, hat das Branchenmagazin recherchiert und führt als Beispiele Knaus, Blanvalet und Siedler an. An noch zwei weiteren Baustellen arbeiten die Strategen der Bertelsmann-Buchsparte derzeit: Die von Hermann Luchterhand und Wilhelm Heyne gegründeten, gleichnamigen Verlage sind in einer Umbruchphase.

Wie sich ein Reiseführer, den man nicht in die Tasche stecken kann, im fünfstelligen Zahlenbereich verkauft hat, und wie bei der Internationalen Tourismus-Börse ein fiktiver Reiseführer für Aufsehen sorgte, hier.

Geo
und Bertelsmann sind der Süddeutschen zuvorgekommen. Diese beließ es bei der Ankündigung, eine Kinder- und Jugendbuchbibliothek im Stil der SZ-Bibliothek herausgeben zu wollen. Im April geht nun, unter dem Motto "Wer liest, der wächst", die auf 20 Bände angelegte niedrigpreisige "GEOlino Bibliothek" an den Start. Bei der SZ begegnet man dem GEOlino-Projekt mit Gleichmut. "Die GEOlino-Auswahl richtet sich nach dem Kriterium 'rechtefrei'", sagte Unternehmenssprecher Sebastian Berger dem Buchreport. "Davon lassen wir uns nicht leiten. Wir wollen mit der von uns geplanten Kinderbuchbibliothek vor allem Qualität bieten."

Die SZ-Bibliothek ist bereits "im Ziel", die "Bild-Bestseller-Bibliothek" auf der Zielgeraden. Beide Reihen können zum Ende einen beachtlichen Erfolg für sich verbuchen, denn, so hat der Buchreport errechnet, wären Sonderausgaben nicht von der Spiegel-Bestsellerliste ausgeschlossen, würden sie die Hälfte der "Top 20" -Titel ausmachen. Unter den "Top 50" der Liste würden bei Berücksichtigung sogar mehr als 50 Prozent der Titel aus Billigbuchreihen stammen.

Hier die billigbuchfreien Spiegel-Bestseller der Woche.

Börsenblatt

Mit 108.000 Besuchern (6000 mehr als im Vorjahr), zehntausenden Interessierten bei den 1500 Veranstaltungen des Lesefestivals "Leipzig liest" und 2142 Ausstellern aus 31 Ländern hat die gestern zu Ende gegangene Leipziger Buchmesse Rekorde aufgestellt, zieht der Onlinedienst des Börsenblatts eine erste Bilanz. Börsenvereins-Vorsteher Dieter Schormann wertete die Literaturschau als "vollen Erfolg".

"Not amused" sind die Buchhändler über die Bezugsbedingungen für "Harry Potter and The Half-Blood Prince", die ihnen letzte Woche ins Haus flatterten. Unterschreiben müssen die Sortimenter dem für den Vertrieb zuständigen Berlin Verlag beispielsweise, dass sie den neuen Potter nicht vor dem 16. Juli, eine Minute nach 1 Uhr (00:01 Uhr der britischen Sommerzeit) verkaufen. Ferner ist es den Sortimentsmitarbeitern verboten, das Buch vorher anzuschauen oder zu lesen, und damit nicht genug: Selbst das Fotografieren der geschlossenen Kartons, die das Werk enthalten, wird in dem 13 Punkte umfassenden Verkaufsvertrag untersagt.

Mit Bauchentscheidungen und ohne klares Profil können die Verlage heutzutage keinen Blumentopf gewinnen, glaubt Marketing-Fachmann Rainer Groothuis (mehr) und widerspricht auf der Meinungsseite dem vor zwei Wochen abgedruckten Beitrag des Verlegers Vito von Eichborn. Marken seien, die Buchbranche betreffend, weit mehr als blaudosige Verpackungen, schreibt Groothuis, nämlich Image, Orientierung und ein erlebbares Versprechen für die Leser. Den Verlagen diene die Markenbildung zur Existenzsicherung, sie mache unabhängiger von Zufällen, gestrigen Worten und vergessenen Taten.

Die unabhängige Literatur- und Verlagsszene muss als wichtiger Bestandteil der kulturellen Vielfalt begriffen werden, mahnt Das Wunderhorn-Verleger Manfred Metzner und fordert die Buchhändler mit der Parole "Slow Buch statt Schnelldreher" auf, ausgefallenen Verlagsprogrammen Platz zu schaffen.

Das Literarische Quartett gibt sich anlässlich des 200. Todestags Friedrich v. Schillers noch einmal die Ehre: Zur "gewohnten" Sendezeit, an einem Freitag (29. April, 22:35 Uhr, ZDF), streitet sich die Diskussionsrunde mit Marcel Reich-Ranicki, Hellmuth Karasek, Iris Radisch und Gast Elke Heidenreich über Schillers Dramen. Fehlt allerdings Sigrid Löffler.

Der Dachverband der deutschen Bibliotheken, BID (mehr), fordert die Einrichtung einer Bibliotheksentwicklungsagentur. Diese solle, erläutert das Börsenblatt, unter anderem verbindliche Qualitätsstandards erarbeiten. BID-Sprecher Georg Ruppelt fordert, dass "Bibliotheken nicht mehr nur als Medienanbieter, sondern als Institutionen der Bildung betrachtet und entsprechend in Bildungsprojekte einbezogen werden".

Personalien: Der Münchener Verleger Karl Blessing verstarb nach einer langen, schweren Krankheit im Alter von 63 Jahren. Peter Lieger ist schon nach einem halben Jahr als Geschäftsführer der Lübbe Verlagsgruppe zurückgetreten.

Meldungen: Laut einer aktuellen Konjunkturumfrage des Kölner Instituts für Handelsforschung rechnet ein gutes Fünftel der Sortimenter fest mit einen Aufschwung. Der österreichische Karikaturist Gerhard Haderer wurde für seinen Band "Das Leben des Jesus" in Griechenland wegen der "Beschimpfung einer Religionsgemeinschaft" zu sechs Monaten Haft verurteilt. Der Campus Verlag startet im April mit Campus-Digibook den Vertrieb digitaler Bücher via Internet - der Kunde erwirbt dabei für einen Titel Lese-, Druck- und Kopierrechte und bekommt über ein Passwort befristet Zugang zu den HTML-basierten Inhalten. Audible.de bietet mit seinem neuen Angebot "Podcast" den Download von vertonten Blogs, Tagebucheinträgen im Netz, an.
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