Immer wenn die Bundesrepublik
symbolisch bedeutsam werden will, delegiert sie die Organisation der Zeremonie an die
Kirchen, so auch jetzt eine Rückgabe von Gebeinen der im Kolonialismus ermordeten
Herero und Nama. Der Herero-Aktivist
Israel Kaunatjike begrüßt im Interview mit Elisabeth Kimmerle von der
taz die Rückgabe - aber nicht die Zeremonie: "Ich verstehe nicht, warum die Zeremonie in der Kirche stattfindet. Die Menschen, deren Gebeine hierher gebracht wurden, waren
keine Christen. Sie sind ermordet worden, und die Kirche war involviert. Ich persönlich bin dafür, dass die Restitution
im Bundestag stattfindet und sich die Bundesrepublik sofort entschuldigt. Wir NGOs bleiben
draußen vor der Kirche, weil wir finden, dass es nicht respektvoll ist, diese Zeremonie in der Kirche stattfinden zu lassen." Kimmerle
berichtet in einem zweiten Artikel von der Rückgabe.
Der Historiker
Jost Dülffer hat lange über die
deutschen Geheimdienste geforscht und in diesem Jahr ein
Buch über die "Organisation Gehlen" veröffentlicht, wie der BND in den sechziger Jahren nach seinem Leiter Reinhard Gehlen, der schon für die Nazis spioniert hatte, genannt wurde. Im
Interview mit der
FR spricht er über die Rolle des Geheimdienstes in den 60er Jahren unter Adenauer, Nazis beim BND und die
Rolle der Medien: "Gehlen hatte eine Reihe von 'Spezis',
Journalisten seines Vertrauens, denen er von Zeit zu Zeit vermeintliche Sensationsgeschichten zur Veröffentlichung lieferte. Im Gegenzug standen dann Elogen über den BND und seinen Chef in den Blättern." Zu diesen Spezis gehörte die
Springer Presse,
Marion Gräfin Dönhoff von der
Zeit und: "Bei meinen Recherchen bin ich auch auf ein Detail gestoßen, das Sie bei der
FR besonders interessieren dürfte: Der schon erwähnte BND-Oberst
Adolf Wicht pflegte eigene Kontakte zum
FR-Gründungsherausgeber
Karl Gerold, der bei vielen im Ruch eines Kommunistenfreunds stand. Wicht zeigte ihm allerhand Material, das Gerold interessant fand. Und auch wenn er - wie er Wicht bedeutete - nicht direkt mit dem BND zu tun haben wollte, wurde Gerold so doch zu einer
Art Sympathisant, der sich gern auch mal nach Pullach in die BND-Zentrale einladen ließ. Sie sehen daran, wie die Gehlensche Landschaftspflege funktionierte."