
Ziemlich viel Lesestoff, aber schließlich hat man für diese
Doppelnummer des New Yorker auch zwei Wochen Zeit. In einer wunderbaren Rezension
setzt sich Jim Holt mit einer
Geschichte der Witzesammler und ihrer Produkte auseinander. Angesichts der Todesanzeige eines "autodidaktischen Gelehrten für schmutige Witze" stellt er einleitend fest: "Es mag den Anschein haben, dass dem Titel
'Gelehrter für schmutzige Witze' ein gewisse Albernheit anhaftet. Ist das wirklich ein Gebiet, auf dem Gelehrsamkeit angebracht oder lohnend ist? Nun, Witze fallen in den Bereich der Folklore, gemeinsam mit Mythen, Sprichwörtern, Sagen, Kinderreimen, Rätseln und Aberglaube. Und ein gehöriger Anteil dieser Witze dreht sich um Sex oder Fäkalien. Wenn die Geschichte der Folklore anstrebt, eine
Geschichte des menschlichen Denkens zu sein - worauf einige ihrer Vertreter bestehen -, dann muss eben irgendwer die lästige Aufgabe übernehmen, obszöne, geschmacklose und blasphemische Witze zu sammeln und sie zwischen zwei Buchdeckel zu bringen."
Die
Kurzbesprechungen widmen sich unter anderem
Romandebüts und einer Studie über
Ratten, deren Autor die Tiere "für ein Spiegelbild der menschlichen Rasse" hält.
In einem kleinen Film- und Hollywood-Schwerpunk
erklärt Tad Friend, warum die Filme des Drehbuchautors und Regisseurs
Harold Ramis ("Und täglich grüßt das Murmeltier", mehr
hier) schon seit 25 Jahren
erfolgreich komisch sind. Elizabeth Kolbert
fragt sich, warum
Politiker in
Talk Shows auftreten. Und Ian Parker
stellt ein Projekt der
Farrelly-Brüder vor, die
"The Three Stooges", die Helden einer bis in die fünfziger Jahre erfolg- und umfangreichen Kurzfilmreihe von Columbia (mehr
hier und
hier), wieder zum Leben erwecken wollen.
Weiteres: Ben McGrath
porträtiert den schwarzen Cartoonisten
Aaron McGruder und untersucht, warum Zeitungsverleger dessen beliebte, aber eben auch scharfe
Polit-Cartoonserie "The Boondocks" zunehmend von ihren bunten Seiten verbannen. David Remnick
kommentiert den sich ausweitenden Krieg im
Irak, und Joshua Kurlantzick
erklärt, was an
John Kerrys gutem Französisch dann doch schlecht ist. Ian Frazier
liefert eine hübsche allegorische Glosse über den
Alltag eines Mörders ("Heute wünscht er sich, er hätte mehr Leute umgebracht, als er noch jung genug war"). Zu
lesen ist außerdem die
Erzählung "Cat ' n ' Mouse" von
Steven Millhauser.
Besprechungen: Nancy Franklin
stellt die TV-Serie
"Showbiz Moms & Dads" über die elterlichen Manager von Kindern im Showgeschäft vor. John Lahr
bespricht die Theaterproduktionen "Intimate Apparel" und "Match", Alex Ross
schwärmt von einem "ausgelassenen"
Schubert-Abend des Pianisten
Leon Fleischer in der Carnegie Hall, und David Denby
sah den zweiten Teil von Quentin Tarantinos
"Kill Bill".
Nur in der
Printausgabe: Eine Analyse des
Lustigkeitswerts von Hallmark-Grußkarten, ein Bericht, wie man
Komiker am Times Square wird, die Reportage über eine
Haussuche in Europa, der Versuch einer Beantwortung der Frage, ob man den Schriftsteller und Verfasser humoristischer Bücher
P. G. Wodehouse (mehr
hier und
hier) zu sehr lieben kann, und
Lyrik von Gerald Stern und Charles Simic.