Magazinrundschau - Archiv

The New Yorker

855 Presseschau-Absätze - Seite 77 von 86

Magazinrundschau vom 29.03.2004 - New Yorker

Die Europäer werden immer größer - warum bloß die Amerikaner nicht? Diesem herrlichen Thema geht Burkhard Bilger in einem material- und aufschlussreichen Artikel nach. "Wenn es eine Antwort darauf gibt, dann ist sie in Holland zu finden, wo jeder eine Theorie über den Körperbau hat. Der Kinderarzt Hans van Wieringen erklärt die zunehmende Größe der Bevölkerung mit der medizinischen Versorgung: Die Niederländer haben die besten Geburts- und Kinderkrankenhäuser der Welt, die von allen Bürgern kostenlos genutzt werden können. Andere verwiesen auf die Landschaft (Flachländer seien von Natur aus groß, sagten sie, genau wie Bergvölker von Natur aus klein), auf den Calvinismus (Protestanten seien größer als Katholiken, weil ihre Familien weniger Mäuler zu stopfen hätten) oder auf die niederländische Vorliebe für Milch (eine bayrische Studie hat einen direkten Zusammenhang zwischen Körpergröße und der Pro-Kopf-Anzahl von Kühen herausgefunden). Und ein Mann behauptete, die Niederländer seien größer als die Italiener, weil sie zu vernünftigen Zeiten schlafen gingen."

Weiteres: Dana Goodyear porträtiert einen 19-jährigen "spitzbübischen" Künstler namens Neck Face (mehr hier), der seine Graffiti-Tätigkeiten derzeit etwas einschränkt, um seinen Wechsel ins seriöse Kunstfach nicht zu gefährden. John Kenney berichtet über einen Auslandskorrespondenten von US Today, der gehen musste, weil er seine Redakteure bei einer internen Befragung über einige seiner Geschichten "wiederholt getäuscht" hatte. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "Super Goat Man" von Jonathan Lethem.

Besprechungen: Louis Menand rezensiert ein Buch über die seltsame Karriere des liberalen Politikers und demokratischen Präsidentschaftskandidaten von 1968 Eugene McCarthy. Anthony Lane sah im Kino das Remake der Brüder Coen von "The Ladykillers" mit Tom Hanks in der Hauptrolle, die 1955 von Alec Guinness gespielt wurde, und "Intermission" von John Crowly.

Nur in der Printausgabe: Ein Porträt des Schauspielers Laurence Fishburne ("Matrix"), ein Brief aus China, ein Artikel über die Trackboyz - ein Produzententeam aus St. Louis, das Nelly großgemacht hat und jetzt dasselbe für einen gewissen J-Kwon tun soll - sowie Lyrik von Mary Oliver und Robert Hass.

Magazinrundschau vom 22.03.2004 - New Yorker

In einer lesenswerten Reportage berichtet Katherine Boo über einen Fall "kreativer Zerstörung" in einer südtexanischen Kleinstadt, nachdem dort die T-Shirt-Firma Fruit of the Loom ihren Produktionsstandort aufgegeben hatte. "Die erste Aufgabe der Rapid Response Unit (eigentlich ein 26jähriger Mensch mit Stoppelhaaren namens Mario Maldonado) bestand darin, den Schock von 800 Arbeitern aufzufangen, die noch wenige Wochen zuvor geglaubt hatten, ihre Jobs seien sicher. Die zweite Aufgabe war härter: Eben diese Arbeiter angesichts zweistelliger Arbeitslosenraten und einer Armutsrate von dreißig Prozent davon zu überzeugen, dass dieser radikale Kahlschlag in Wirklichkeit eine Superchance sei." Warum? Das lesen Sie bitte selbst.

Weiteres: In einem ausführlichen Porträt schwärmt David Remnick von dem Journalisten und Schriftsteller Abbott Joseph Liebling (1904 bis 1963, mehr hier). Jesse Lichtenstein stellt eine neue Website namens orkut vor, die ein "ausgebildeter Masseur und begeisterter Tänzer" gleichen Namens eingerichtet hat: als einen "Kreis von Freunden und treuen Bekannten, der Individuen durch ein soziales Netzwerk miteinander verbindet, das mit jedem Mitglied wächst." Wer will, kann an einem Test von Bruce McCall überprüfen, ob er für eine Beschäftigung bei einem liberalen Radiosender geeignet wäre. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "Father Daughter" von Jim Harrison.

Besprechungen: In einem ziemlich launigen Text versucht Sasha Frere-Jones hinter das Geheimnis der Popsängerin Norah Jones zu kommen ("Sie ist ja entschieden langweilig ... und wurde mehr als einmal Snorah Jones, Schnarch Jones, getauft. Aber mindestens zwanzig Millionen Leute sind da ganz anderer Auffassung. Ihr Debütalbum von 2002 hat sich jedenfalls allein in Amerika acht Millionen und in Europa zehn Millionen Mal verkauft"). David Hajdu lobt eine "entzaubernde" neue Biografie des Folksängers Woody Guthry ("Ramblin' Man: The Life and Times of Woody Guthrie", Norton); Kurzbesprechungen widmen sich unter anderem einem Roman ("halb Thriller, halb historische Liebesgeschichte"), der die Geschichte einer jungen Adligen im Florenz der Medici erzählt. Hilton Als bespricht die Theaterstücke "Frozen" von Bryony Lavery und "Embedded", geschrieben und inszeniert von Tim Robbins. Und David Denby sah im Kino "Bon Voyage" von Jean-Paul Rappeneau mit Isabelle Adjani und Gerard Depardieu und Lars von Triers "Dogville".

Nur in der Printausgabe: eine Reportage über eine Prinzessin, China und das Schicksal Tibets, die Ankündigung des neuen Projekts von Christo and Jeanne-Claude, die den Central Park verpacken wollen (mehr), und Lyrik von Eamon Grennan und John Hollander.

Magazinrundschau vom 15.03.2004 - New Yorker

In einer ausführlichen Reportage schildert Kathy Gannon die Gefahren, die entlang der Straße Kabul - Kandahar lauern. Nicht nur "plündernde Taliban und mit Drogen handelnde Kämpfer" machen Reisen und Fortbewegung in Afghanistan zu einem lebensbedrohlichem Unternehmen. Gerade die Angriffe auf "Aufbauhelfer und von ausländischen Unternehmen Beschäftigte sind Teil einer ausgeklügelten Strategie", zitiert sie einen Angestellten des Verteidigungsministeriums. "Für die Taliban ist der Wiederaufbau 'Feind Nummer eins'."

Rebecca Mead berichtet über eine Pressekonferenz, auf der die segensreiche Wirkung von Transzendentaler Meditation auf Kinder und Jungendliche präsentiert wurde. O-Ton eines Teenagers: "TM macht meinen Kopf klarer, deshalb kann ich jetzt auch jede Menge Hausaufgaben machen - wenn es sein muss, fünf Stunden lang". (Offenbar verlangsamt TM die Hirntätigkeit.) Anlässlich einer Lesung porträtiert Dana Goodyear die Lyrikerin Jane Mayhall (Bibliografie und Besprechungen hier). Und Alice Munro schrieb die Erzählung "Passion".

Besprochen werden zwei Publikationen, die anlässlich des 100. Geburtstags des Times Square die Stadt- und Sozialgeschichte seiner Entstehung aufarbeiten. Peter Schjeldahl lobt die Whitney Biennale als "ernstzunehmender und vergnüglicher als alle, wahrscheinlich sogar die Kuratoren, erwartet haben". Alex Ross beschäftigt sich mit Olivier Messiaens "Quartett auf das Ende der Zeit", das dieser 1940 in einem deutschen Kriegsgefangenenlager komponiert hatte, und bespricht eine aktuelle Aufführung des Werks durch das Metropolitan Opera Orchestra. Und Anthony Lane sah im Kino Michel Gondrys Film "Eternal Sunshine of the Spotless Mind" mit Jim Carrey und Kate Winslet.

Nur in der Printausgabe: Eine Reportage über die Wiederbelebung der Drag Queen-Tradition in Omaha und Lyrik von Linda Gregg und Galway Kinnell.

Magazinrundschau vom 08.03.2004 - New Yorker

In einer herrlichen Reportage berichtet Judith Thurman von den Künsten afroamerikanischer Haarstylisten in Los Angeles, die in Frisiershows - in Hotels oder im Fernsehen - ihre teilweise abenteuerlichen Kreationen zeigen. Die Popularität derartiger Veranstaltungen, erklärt Thurman, habe durchaus etwas mit einem ganz speziellen Interesse zu tun: "Eine der kleinen Ironie der black history besteht darin, dass die bescheidenen Summen, die Millionen von Leuten für die 'Entkrausung' ihrer Haare ausgeben, einen ziemlichen Batzen ausmachen; dieses Geld blieb aber in der community und machte die kleinen Unternehmer auf diesem Sektor reich."

Weiteres: Malcolm Gladwell gratuliert der Mall zum 50. Geburtstag. Seit Einführung dieser Form von Einkaufszentren sei "Amerika nicht mehr dasselbe". William Finnegan untersucht, ob die Beziehungen der Familie Bush zu den Exil-Kubanern in Florida allmählich problematisch werden. Hendrik Hertzberg erklärt, warum junge Konservative die Homoehe unterstützen, und Nancy Franklin räsoniert über die spontaneitätsfreie Oscar-Verleihung. Die Erzählung "In the Palace of the End" kommt von Martin Amis.

Besprechungen: Nicholas Lemann las die Erinnerungen des ehemaligen Times-Journalisten Jayson Blair, der aufgrund "journalistischer Missetaten" gefeuert wurde und nun unter dem beziehungsreichen Titel "Burning Down My Masters' House" seine Version der Affäre liefert. Kurzbesprechungen gelten unter anderem dem Buch "Disarming Iraq" von Hans Blix und einer Studie über Somerset Maugham. Hilton Als schreibt über zwei "entthronende" Theaterinszenierungen am Lincoln Center, und Anthony Lane sah im Kino "Distant" von Nuri Bilge Ceylan ("ruhig und stagnierend, aber von seltsamer Anziehungskraft") und "The Run" von Andrey Zvyagintsev.

Nur in der Printausgabe: ein Modespecial mit einem Text über den Kimono und einem Porträt Miuccia Pradas, ein Bericht über die Rückkehr des Cowboys und Lyrik von Robert Wrigley und Henri Cole.

Magazinrundschau vom 01.03.2004 - New Yorker

In einem wunderbaren Porträt stellt Sasha Frere-Jones den 1992 an AIDS gestorbenen Avantgarde-Cellisten, Komponisten und Popmusikproduzenten Arthur Russell (mehr) und dessen "sanfte musikalische Revolutionen" vor. "Diese Geschichte beginnt - wie viele gute Geschichten - mit einem schwulen Mann aus Oskaloosa, der im Rahmen eines buddhistischen Seminars in einem Schrank Cello spielt. Und sie endet mit einem sanften und glänzenden Musiker, der lange vor seiner Zeit in New York stirbt."

Weiteres: Dan Baum traf einen jungen Soldaten, der von seinem Einsatz aus dem Irak zurück ist - wo er ein Bein verlor ("Wenn Leute sagen, dass die Army einer bestimmter Sorte junger Männer nur gut tun könne, denken Sie an Jungs wie Michael Cane"). Seymour M. Hersh recherchierte, warum die USA bei ihrer Jagd nach Bin Laden so "pfleglich" mit den Waffenhändlern auf dem pakistanischen Schwarzmarkt umgehen. In einer Glosse entwirft George Saunders (mehr) ein Konzept des "Absoluten Geschlechts" und erklärt, warum er gegen die gleichgeschlechtliche Ehe ist - aber auch dagegen, dass allzu weibliche Männer allzu männliche Frauen heiraten.

Zu lesen sind außerdem die Erzählung "Long Ago Yesterday" von Hanif Kureishi und viele Besprechungen. So setzt sich Elizabeth Kolbert in einem Essay mit neuen und alten Publikationen zum Thema "Müttermythos" und "Gebärwünsche" auseinander. Kurzbesprechungen gelten unter anderem einer Studie über die sowjetische Erschließung des Ural als Wirtschafts- und Lebensraum. Peter Schjeldahl stellt eine Ausstellung des italienischen Manieristen Parmigianino (1503 bis 1540, mehr hier) in der Frick Collection vor, John Lahr widmet sich Aufführungen von "Fiddler on the Roof" und "Bridge and Tunnel". Und David Denby sah im Kino "Goodbye, Lenin!" von Wolfgang Becker ("eine untröstliche kleine Ironie durchzieht diesen Film") und den afghanischen Film "Osama" von Siddiq Barmak.

Nur in der Printausgabe: Porträts eines Anthropologen, der gegen Rassismus kämpfte, und der Basketballerin Diana Taurasi, dem Star des Uconn-Teams, sowie Lyrik von Mary Oliver, Eliza Griswold und Wislawa Szymborska.

Magazinrundschau vom 23.02.2004 - New Yorker

"Das Leben ist kompliziert, seine Möglichkeiten zahlreich und der menschliche Intellekt ist begrenzt", weiß Christopher Caldwell, der Trost und Erklärung in Barry Schwartz' Buch "The Paradox of Choice" gesucht und gefunden hat. Schwartz nämlich zeigt, dass es gerade die vielen Möglichkeiten sind, die uns demotivieren. "Eine einzige Möglichkeit zu viel reicht aus, uns vollständig zu lähmen", hat Caldwell erfahren. "Dies hilft auch zu erklären, warum so viele Leute noch mit dreißig versuchen, sich für eine Karriere zu entscheiden. Oder warum so viele Heiratswillige als einsame Singles enden."

Weiteres: Elizabeth Kolbert nimmt New Yorks Bürgermeister und "nicht so tollen Kommunikator" Michael Bloomberg vor seinen schlechten Umfragewerten in Schutz: "Die Einwohner einer gebeutelten Stadt haben einen Mann ohne relevante Erfahrung gewählt, um sie aus der Krise zu führen. Er macht seine Sache weitaus besser, als sie mit gutem Recht erwarten dürfen, und genau dafür bestrafen sie ihn." Alec Wilkinson ist mit Country-Sänger Lyle Lovett zur Stätte seiner Ahnen gereist - nach Klein, Texas, gegründet von dem deutschen Auswanderer Adam Klein, Lovett Ur-Urgroßvater mütterlicherseits. Paul Slansky begeht die elfhundert Tage, die George W. Bush jetzt im Weißen Haus sitzt, mit einem kleinen Quiz. Philip Gourevitch meldet sich ein wenig ermüdet vom Campaign Trail der Demokraten: John Edwards halte ständig dieselbe Rede, und John Kerry sehe immer noch aus wie eine "Reiterstatue". Nach einem Bummel durch die neuen Shops am Columbus Circle, die sich als eine Art "rue des marches" auf hochwertige, aber schnell vergängliche Lebensmittel spezialisiert haben, stellt Adam Gopnik fest: "Unser Vertrauen in den Konsum mag so stark wie eh und je sein, nur unser Vertrauen in die Zukunft ist ein wenig erschüttert."

Besprochen werden Thomas Ades' Oper "The Tempest", David Edmonds' and John Eidinow' Buch "Bobby Fischer Goes to War: How the Soviets Lost the Most Extraordinary Chess Match of All Time", das allerdings einmal mehr beweise, dass sich Schach und Prosa nicht gut vertragen, und neue Theaterstücke von Terrence McNallys "Prelude and Liebestod" bis zu Paul Weitz' "Roulette".

Magazinrundschau vom 09.02.2004 - New Yorker

Wieder einmal viel Lesestoff - und viel Politik in dieser Woche. George Packer analysiert die Außenpolitik der amerikanischen Liberalen, und untersucht, ob es ihnen gelingen kann, den Republikanern deren gegenwärtige Dominanz in diesem Feld wieder abzujagen. Vietnam, schreibt er, hat die Demokraten "schwer gespalten: manche wurden Republikaner, andere Pazifisten. Und hier zeigt sich eine bemerkenswerte Tatsache: Seit den sechziger Jahren hatte die Demokratische Partei keine Außenpolitik. Ihre Führer sprachen zwar auch weiterhin die Sprache des liberalen Internationalismus, aber nach Vietnam wollten die meisten Demokraten das Gespräch mit der Macht nicht mehr fortsetzen. (...) In den Neunzigern war aus dem liberalen Internationalismus bereits ein erschlaffter Muskel geworden, kraft- und saftlos. (...) Und in der Dotcom-Ära verloren die meisten Demokraten schlicht das Interesse am Rest der Welt. Clintons Außenpolitik hieß Globalisierung."

In einem wunderbaren Text beschreibt Ian Frazier seine tägliche Fahrt auf der Route 3 zwischen Manhattan und seinem Zuhause in einem Vorort von New Jersey. "Leute haben die berühmte Route 66 besungen (...); soweit ich weiß, hat das mit der Route 3 noch nie jemand getan. Sie ist unvermeidlich, überlastet, wenig verlockend - ihre unerbittliche Lebenswirklichkeit vernichtet vermutlich jeden lyrischen Impuls."

Weiteres: Jane Mayer untersucht, was Vizepräsident Dick Cheney so alles für sein altes Unternehmen Halliburton, den weltgrößten Öl- und Gaskonzern, getan hat, und Hendrik Hertzberg kommentiert das bevorstehende Duell zwischen John Kerry - George W. Bush. Zu lesen ist außerdem die Beschreibung einer Europareise kurz nach dem Krieg, die Roger Angell Ende der Vierziger mit seiner Frau unternahm, die Erzählung "La Ragazza" von Andrea Lee, und ein Bericht über den Prozess gegen die amerikanische "Hausfrau der Nation", Martha Stewart (hier).

Besprechungen: John Updike stellt das literarische Werk des 1931 in Wien geborenen, vor Hitler über Shanghai nach New York geflohenen Schriftstellers Walter Abish (mehr) vor. Judith Thurman las zwei neue Publikationen zur Geschichte der Liebe und der Lust, und die Kurzbesprechungen widmen sich unter anderem einer Gesellschaftsstudie der britischen Kolonialmacht. Peter Schjeldahl führt durch die Barnes-Collection in Philadelphia (mehr). Nancy Franklin hofft, mit ihrem Text über "The Apprentice" -"die größte Reality-Show des Landes, vielleicht der ganzen Welt, mit Donald Trump als Gott in der Hauptrolle" - irgendwann einmal Milliardärin zu werden. Und Anthony Lane sah eine Neuverfilmung von Patrica Highsmiths Roman "Ripley's Game" von Liliana Cavani (mehr): "Ladies und Gentlemen, der Preis für den besten Ripley - der unsterbliche Todesbringer ... ein Held, den Highsmith so geliebt hat, dass sie ihm fünf Bücher gewidmet hat - geht an Mr. John Malkovich."

Nur in der Printausgabe: Porträts von Michael Moore und einer nicht näher spezifizierten klassischen Musikbegabung, ein Bericht über eine der brutalste Gefängnisbanden Amerikas (online zu lesen ist ein Gespräch mit dem Autor), ein Brief aus China, der der Frage nachgeht, ob der Streit über ein Alphabet einen Dichter umgebracht hat, und Lyrik von Wislawa Szymborska, Charles Simic und Paul Muldoon.

Magazinrundschau vom 02.02.2004 - New Yorker

Paul Goldberger durchleuchtet die "architektonischen Machenschaften" im Rennen um die Gestaltung von Ground Zero - die sich noch als äußerst "tückisch" erweisen könnten. "Im Augenblick sieht die Gestaltung eine peinliche Spitze vor, die teilweise auf frühe Pläne von David Child für eine symmetrische Kuppe, teilweise auf Daniel Libeskinds Vorschläge für eine asymmetrische Turmspitze zurückgeht sowie auf einen Entwurf des Ingenieurs Guy Nordenson, der sich ein Kabelsystem ausgedacht hat, das eine Gruppe von Windmühlen umschließen soll." Das habe so "weder etwas mit Libeskinds fesselnden Skizzen, noch mit Childs Ursprungskonzept zu tun. Es ist eine künstliche, aufgesetzte Mischung der Arbeit beider Architekten, die beide geglaubt hatten, die Gestaltung des Gebäudes selbst übernehmen zu können."

Weiteres: In einem ausführlichen Porträt stellt Hilton Als den karibischen Lyriker und Literaturnobelpreisträger Derek Walcott (mehr hier und hier) vor. Philip Gourevitch beschreibt den Aufstieg des demokratischen Präsidentschaftskandidaten John Kerry ("der steifste Kandidat im generell humorfreien demokratischen Vorwahlkampf"). Ben Grath kommentiert die jüngste wissenschaftliche Erkenntnis eines Zahnmedizinprofessors: die lernunterstützende Wirkung des Kaugummikauens ("Die wirklich bedeutenden wissenschaftliche Entdeckungen - wie Schwerkraft, Lachgas und Klettverschluss - scheinen immer zufällig gemacht zu werden"). Nancy Franklin beschreibt schließlich, warum es so schwer ist, sich von den Eltern zu lösen. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "The Last Words on Earth" von Nicole Krauss.

Besprechungen: Anthony Lane rezensiert die Autobiografie des Drehbuchautors Jozsef Esterhas, "Hollywood Animal", und in den Kurzbesprechungen wird unter anderem ein Buch über einen polnischen Offizier gelobt, der ab 1972 die Amerikaner mit hochgeheimen Papieren versorgte. David Denby fand, der "interessanteste Charakter" in Bertoluccis neuem Film "The Dreamers" sei die Pariser Wohnung, in der er spielt: "Ein Treibhaus - in dem die Luft leicht stickig werden kann." Und Peter Schjeldahl resümiert die gerade zu Ende gegangene Ausstellung "Here Is Elsewhere", die die libanesisch-britische Künstlerin Mona Hatoum aus den Beständen des Museum of Modern Art in Queens zusammengestellt hatte.

Nur in der Printausgabe: Porträts eines Obersts, der Häftlinge verteidigt, und eines Mannes, der von New York nach London ging, um dort die U-Bahn zu retten. Und Lyrik von Michael Ryan, Constance Merritt und Gerald Stern.

Magazinrundschau vom 26.01.2004 - New Yorker

"Wunder aus der Flasche" überschreibt Michael Specter seine Reportage über das Geschäft mit Schlankheitsmittelchen und Nahrungsergänzungspräparaten, die in Amerika tonnenweise verzehrt werden, deren Zusammensetzung aber oftmals nicht nur dubios, sondern nachgerade gefährlich sei. Specter fand heraus, dass es dabei um mehr als einfach nur die Einnahme von "Vitaminen" geht. So zitiert er den Verkaufstrainer einer großen Herstellerfirma: "Wenn ich die Verkäufer instruiere, sage ich ihnen: Wissen Sie, was die Leute von ihnen wollen? Nicht die Pille. Sie wollen Hoffnung von Ihnen. Das ist es, was sie wirklich von Ihnen wollen."

Des weiteren zu lesen: Die Erzählung "Delicate Wives" von John Updike, ein launiger Kommentar zu Michael Jackson, und Besprechungen. Joshua Micah Marshall sichtet mehrere Bücher, in denen es um die Frage geht, ob die Bush-Regierung nun eine "neues amerikanisches Empire geschaffen oder das alte zerstört" habe. Die Kurzrezensionen empfehlen unter anderem eine neue Studie zur amerikanischen Sklaverei, deren Autor zeigt, dass die Vereinigungen der Sklaven "viel komplexer, dauerhafter und politisierter" gewesen war, als man bisher erkannte. Besprochen wird außerdem die Inszenierung "The Light in the Piazza? von Adam Guettel am Goodman Theater in Chicago, Alex Ross sah Benjamin Brittens "Peter Grimes" in einer Aufführung des London Symphony Orchestra, und Anthony Lane begutachtet gleich drei neue Filme des belgischen Regisseurs Lucas Belvaux (mehr): "On the Run", "An Amazing Couple" und "After Life".

Nur in der Printausgabe: ein Porträt des Schiitenführers, der gerne Präsident des Irak werden würde, ein Artikel über die Galeristin Marian Goodman, das Porträt eines Schauspielers, der es auf 50 Jahre Leinwandpräsenz bringt, und Lyrik von Mary Karr und Franz Wright.

Magazinrundschau vom 19.01.2004 - New Yorker

Hilft psychologische Krisenberatung - oder schadet sie vielleicht eher? Diese Frage untersucht Jerome Groopman in seiner detailreichen Reportage über die "Trauerindustrie", die nach dem 11. September besonders in New York förmlich explodierte. Experten hatten voraus gesagt, dass "jeder fünfte New Yorker, also rund eine halbe Million Menschen, traumatisiert sein und psychologische Betreuung brauchen würden". Diese Erwartung hat sich nach Groopmans Erkenntnissen - er sprach mit Psychologen und "Betroffenen" - mitnichten erfüllt; die gängige psychologische Befragungsmethode ("Was war für Sie persönlich das Schrecklichste an dem Ereignis?") sei vielmehr häufig kontraproduktiv. Alles, was man nach derartigen Katastrophen brauche, zitiert er eine Expertin, "sei lediglich ein 'psychologisches Erste-Hilfe-Programm': die Opfer sollten an einen sicheren Ort gebracht, mit Essen und Trinken versorgt und über den Zustand von Freunden und Verwandten informiert werden. Nichts davon macht die Anwesenheit eines ausgebildeten Psychologen erforderlich."

Weitere Artikel: James Surowiecki informiert über den Milliardenbedarf von Bushs Weltraumprogramm ("Busch streicht das Lob ein für die 'kühnen' Pläne, seine Nachfolger kriegen die Rechnung"), Frank Gannon meditiert mit Hilfe von Will Smith und Aristoteles über die ideale Qualität sexueller Beziehungen, Ben McGrath berichtet über den Einsatz eines 83-jährigen Geisterjägers im offenbar von Gespenstern heimgesuchten nagelneuen Maritime Hotel in Chelsea ("Nehmen Sie keinerlei Ausrüstung wie Geigerzähler oder Quarzkristalle mit, ist alles Schwachsinn"), und Field Maloney amüsiert sich über Leute, die zu wohltätigen Zwecken Bartpflege betreiben. Zu lesen ist die Erzählung "Eminent Domain" von Antonya Nelson.

John Updike rezensiert die neuen Romane "The Confessions of Max Tivoli" (Farrar) von Andrew Sean Greer (hier) und "The Body" (Scribner) von Hanif Kureishi, die sich beide mit der Frage des Alterns und - bei Kureihisi in "drastischerer" Form - der Trennung von Körper und Geist beschäftigen. Die Kurzbesprechungen würdigen unter anderem vier neue Erzählungen von Doris Lessing (hier). Besprochen werden überdies das jüngste Stück des Dramatikers und Regisseurs Richard Foreman an seinem Ontological-Hysteric Theater, und David Denby sah zwei Filme über die (inzwischen hingerichtete) Prostituierte Aileen Wuornos, die sieben Männer umbrachte: den Dokumentarfilm "Aileen: Life and Death of a Serial Killer" von Nick Broomfield und den Spielfilm "Monster" von Patty Jenkins mit Charlize Theron in der Hauptrolle.

Nur in der Printausgabe: Artikel über Rettungsversuche der verschwundenen Wasserstraße von Los Angeles, die zweifelhafte Unterstützung eines bedrohten Wissenschaftlers durch Amnesty International, die Gefahren überfüllter Pisten für Amerikas Skiprofis und Lyrik von Linda Gregg und Charles Wright.