
Wieder einmal viel Lesestoff - und viel Politik in dieser Woche. George Packer
analysiert die
Außenpolitik der amerikanischen Liberalen, und untersucht, ob es ihnen gelingen kann, den Republikanern deren gegenwärtige Dominanz in diesem Feld wieder abzujagen.
Vietnam, schreibt er, hat die Demokraten "schwer gespalten: manche wurden Republikaner, andere Pazifisten. Und hier zeigt sich eine bemerkenswerte Tatsache: Seit den sechziger Jahren hatte die Demokratische Partei
keine Außenpolitik. Ihre Führer sprachen zwar auch weiterhin die Sprache des liberalen Internationalismus, aber nach Vietnam wollten die meisten Demokraten das Gespräch mit der Macht nicht mehr fortsetzen. (...) In den Neunzigern war aus dem liberalen Internationalismus bereits ein erschlaffter Muskel geworden,
kraft- und saftlos. (...) Und in der Dotcom-Ära verloren die meisten Demokraten schlicht das Interesse am Rest der Welt.
Clintons Außenpolitik hieß Globalisierung."
In einem wunderbaren Text
beschreibt Ian Frazier seine tägliche Fahrt auf der
Route 3 zwischen Manhattan und seinem Zuhause in einem Vorort von New Jersey. "Leute haben die berühmte Route 66 besungen (...); soweit ich weiß, hat das mit der Route 3 noch nie jemand getan. Sie ist unvermeidlich, überlastet, wenig verlockend - ihre
unerbittliche Lebenswirklichkeit vernichtet vermutlich jeden lyrischen Impuls."
Weiteres: Jane Mayer
untersucht, was Vizepräsident
Dick Cheney so alles für sein altes Unternehmen
Halliburton, den weltgrößten Öl- und Gaskonzern, getan hat, und Hendrik Hertzberg
kommentiert das bevorstehende
Duell zwischen John
Kerry - George W.
Bush. Zu lesen ist außerdem die
Beschreibung einer
Europareise kurz nach dem Krieg, die
Roger Angell Ende der Vierziger mit seiner Frau unternahm, die
Erzählung "La Ragazza" von
Andrea Lee, und ein
Bericht über den Prozess gegen die amerikanische "Hausfrau der Nation",
Martha Stewart (
hier).
Besprechungen:
John Updike stellt das literarische Werk des 1931 in Wien geborenen, vor Hitler über Shanghai nach New York geflohenen Schriftstellers
Walter Abish (
mehr) vor. Judith Thurman
las zwei neue Publikationen zur Geschichte
der Liebe und der Lust, und die Kurzbesprechungen
widmen sich unter anderem einer Gesellschaftsstudie der
britischen Kolonialmacht. Peter Schjeldahl
führt durch die
Barnes-Collection in Philadelphia (
mehr). Nancy Franklin
hofft, mit ihrem Text über
"The Apprentice" -"die größte Reality-Show des Landes, vielleicht der ganzen Welt, mit
Donald Trump als Gott in der Hauptrolle" - irgendwann einmal Milliardärin zu werden. Und Anthony Lane
sah eine Neuverfilmung von
Patrica Highsmiths Roman
"Ripley's Game" von
Liliana Cavani (
mehr): "Ladies und Gentlemen, der Preis für den
besten Ripley - der unsterbliche Todesbringer ... ein Held, den Highsmith so geliebt hat, dass sie ihm fünf Bücher gewidmet hat - geht an
Mr. John Malkovich."
Nur in der
Printausgabe: Porträts von
Michael Moore und einer nicht näher spezifizierten klassischen
Musikbegabung, ein Bericht über eine der brutalste
Gefängnisbanden Amerikas (
online zu lesen ist ein Gespräch mit dem Autor), ein
Brief aus China, der der Frage nachgeht, ob der
Streit über ein Alphabet einen Dichter umgebracht hat, und
Lyrik von Wislawa Szymborska, Charles Simic und Paul Muldoon.