Magazinrundschau - Archiv

The New York Times

802 Presseschau-Absätze - Seite 54 von 81

Magazinrundschau vom 10.07.2007 - New York Times

John Irvings Kritik über Günter Grass' "Beim Häuten der Zwiebel" ist eine einzige Liebeserklärung an den bewunderten Schriftsteller. An der deutschen Kritik über Grass' spätes SS-Bekenntnis will er nichts gelten lassen: "Warum hat er so lange gewartet, bevor er es erzählte, fragen seine Kritiker (als wäre er zu irgendeiner Zeit nicht dafür kritisiert worden)." Und weiter: "Gute Schriftsteller schreiben über wichtige Dinge, bevor sie über sie plaudern; gute Schriftsteller erzählen Geschichten nicht, bevor sie sie aufgeschrieben haben." Und was Irving besonders beeindruckt: "Atemberaubend an dieser Autobiografie ist Grass' Ehrlichkeit über seine Unehrlichkeit."

Im Magazin porträtiert Roger Cohen die israelische Außenministerin und potenzielle neue Premierministerin Tzipi Livni. Desweiteren ist ein Essay von Akiko Busch abgedruckt, in dem die Autorin erklärt, warum es erfüllend ist, einen Fluss zu durchschwimmen. Jaimie Epstein widerspricht John Irving, der in seinem Grass-Artikel behauptet, literarische Kenntnisse hätten im geholfen, Mädchen kennenzulernen. Laut Epstein steht das einer romantischen Annäherung eher im Weg.

Magazinrundschau vom 03.07.2007 - New York Times

Die Autorin Martha Southgate überlegt in der Book Review, warum es so wenig erfolgreiche junge schwarze Schriftsteller in den USA gibt. Toni Morrison etwa habe ihren ersten Roman erst mit fast vierzig veröffentlicht. "Bis dahin hatte sie viele Jahre lang als Lehrerin und Lektorin bei Random House gearbeitet... Was hält uns also auf? Manchmal ist es einfach die ganz normale Schwierigkeit, Familie, Schreiben und Geldverdienen unter einen Hut zu bringen. Doch afroamerikanische Schriftsteller zeugen auch von einem größeren Problem, das man als interne oder kulturelle Sanktionierung bezeichnen könnte. Es ist einfach schwerer, sich für ein Leben als Schriftsteller zu entscheiden, wenn man kein finanzielles Polster oder keine lange Tradition besitzt, sich in die Boheme zu stürzen."

Weitere Artikel: Andrew Meier hat Anna Politkowskajas nun auch auf Englisch erschienenes "Russisches Tagebuch" gelesen, muss aber festellen, dass sie von ihrem Übersetzer und ihrem Lektor kaum besser behandelt wurde als von Putin. Besprochen werden unter anderem auch Mildred Armstrong Kalishs Erinnerungen an ihre Methodisten-Kindheit im Iowa der Großen Depression und Paul Colliers Vorschläge zur Bekämpfung der Armut "The Bottom Billion".

Im Magazin berichtet Jack Hitt, wie die Nasa mit Hilfe von Garagen-Bastlern versucht, ihrer Mondmission neues Leben einzuhauchen. In einem Wettbewerb hat sie fast alles ausgeschrieben, was man so braucht - vom fliegenden Auto bis zur Mond-Sonde. Als einen der Tüftler stellt Hitt den arbeitslosen Peter Homer aus Maine vor, der es mit seiner Erfindung auf ein Preisgeld von 200.000 Dollar gebracht hat: "Ein Raumschiff zu erfinden hatte Homer schnell ausschließen müssen, er entschied jedoch, dass die Erfindung eines neues Weltraum-Handschuhs im Bereich seiner Möglichkeiten lag... Das klingt zwar nicht nach der glamourösesten aller Aufgaben beim Entdecken unbekannter Welten, nicht einmal nach einem großen Problem. Doch ein solcher Handschuh geht mit vielen Widrigkeiten einher, die - wie ein Kieselstein im Schuh - ein Team im Weltraum halb wahnsinnig machen kann. Weil die Luft im Weltraum-Anzug unter hohem Druck steht, muss ein Astronaut jedes Mal, wenn er einen Muskel bewegt, den Widerstand des Anzugs überwinden. Und wenn es wie bei einer Hand um höchst präzise Bewegungen geht, sind die feinen Sehnen schnell erschöpft und die Finger wundgescheuert."

Magazinrundschau vom 26.06.2007 - New York Times

Die Keramiken der Inka aus Machu Picchu mögen ja unelegant sein, aber Peru will sie trotzdem zurück - vom Yale Peabody Museum. Die Fragen, die sich hier stellen, sind freilich, meint Arthur Lubow in der Titelgeschichte des New York Times Magazines. "Auch andere Nationen verlangen die Rückerstattung von Kulturschätzen, die mächtigere Nationen vor langer Zeit außer Landes gebracht haben. Die Griechen wollen den Parthenon-Fries vom British Museum zurück; die Ägypter wollen vom selben Museum den Rosetta-Stein zurückerhalten und außerdem die Nofretete-Büste aus dem Ägyptischen Museum in Berlin. Wo soll das enden? Vielleicht gibt eine umfassende Forderung aus China einen Vorgeschmack. Die chinesische Regierung hat im Kampf gegen die Plünderung der Gegenwart wie der Vergangenheit die Vereinigten Staaten um ein Importverbot für alle chinesischen Kunstgegenstände gebeten, die vor 1911 entstanden sind. Das Außenministerium denkt seit zwei Jahren über diese chinesische Forderung nach."

In der Sunday Book Review bespricht der Historiker Richard Evans die nun erschienene Übersetzung von Saul Friedländers großer Studie "Die Jahre der Vernichtung". Eine makellose akademische Arbeit, lobt Evans - aber auch sehr viel mehr als das: "Was 'Die Jahre der Vernichtung' auf literarisches Niveau hebt, ist die gekonnte Verflechtung individueller Zeugnisse mit der breiteren Beschreibung der Ereignisse. Friedländer lässt den Leser niemals vergessen, was die Prozesse, die er beschreibt, auf menschlicher und persönlicher Ebene bedeuten."

Außerdem gibt es unter anderem Rezensionen zu Per Pettersons Roman "Out Stealing Horses" und einem Buch, in dem Katie Rophie sieben ungewöhnliche Ehen in britischen Literaturzirkeln zwischen 1910 und dem Zweiten Weltkrieg porträtiert.

Magazinrundschau vom 12.06.2007 - New York Times

Das New York Times Magazine hat in dieser Woche einen großen Schwerpunkt zum Thema pekuniärer Ungleichheit. Auf dem Titel ist John Edwards zu sehen, der die Bekämpfung der Armut in den USA zum Schwerpunkt seines Präsidentschaftswahlkampfs gemacht hat. Matt Bai hat ihn unter anderem nach New Orleans begleitet, hält aber wenig von einer Dramatisierung der Lage: "Es ist wahr, dass die offizielle Armutsrate bei manchem Auf und Ab heute ungefähr da liegt, wo sie vor vierzig Jahren schon lag (14,2 Prozent waren es 1967, bei der letzten Zählung knapp unter 13), es ist aber auch wahr, dass sich das, was wir Armut nennen, dramatisch verändert hat. Unter Johnson gab es in ländlichen Gebieten noch Bedürftige, die keine Elektritzität, kein fließendes Wasser, keine Grundschulausbildung hatten. Heute haben die meisten Städte auch in ländlichen Gegenden Satelliten-Fernsehen und selbst die schlimmsten der in den Sechzigern entstandenen Sozialbauten haben, auch wenn das Leben dort furchtbar ist, dichte Dächer und funktionierende Leitungen."

Die präzisen statistischen Daten für die USA, die Roger Lowenstein vorstellt, zeigen freilich das eigentliche Problem: stagnierende Einkommen am unteren Ende - und explodierende am oberen. Oder, wie es David Leonhardt im Porträt des ein wenig wirtschaftsskeptisch gewordenen einstigen Clinton-Beraters Lawrence H. Summers formuliert: "Es ist, als schickte jeder Haushalt aus den unteren 80 Prozent der Einkommensstatistik einmal im Jahr einen Scheck über 7000 Dollar an das eine Prozent an der Spitze." Mimi Swartz hat die von Millionären bewohnte, vor Miami gelegene Luxussiedlung "Fisher Island" besucht, die nur per Fähre, Hubschrauber und Privatflugzeug erreichbar ist. Jason DeParle fragt, wem eine mögliche Globalisierung der Arbeit zugute kommt.

In der New York Times Book Review liefert Irvine Welsh eine begeisterte Besprechung von Andrzej Stasiuks ins Englisch übersetztem Roman "Neun": "Ein Merkmal eines genuinen Autors ist seine oder ihre Fähigkeit, einen Ort zu beschwören, der uns sofort vertraut erscheint, obwohl wir damit keinerlei persönliche Erfahrung verbinden... Andrzej Stasiuk ist so ein Autor." Und Tom Bissell würdigt den kürzlich verstorbenen polnischen Reporter Ryszard Kapuscinski und sein Buch "Meine Reisen mit Herodot".

Magazinrundschau vom 05.06.2007 - New York Times

Wurden Jesus beim letzten Abendmahl Fliegenpilze aufgetischt? Wilde Blüten der Kulturgeschichtsschreibung entdeckt Dick Teresi in Andy Letchers Buch über halluzinogene Pilze ("Shroom"): "Pilz-Mythologen wie Terence McKenna bedienen sich der zweifelhaften Logik der Neo-Darwinisten: Was immer geschehen sein könnte, ist auch geschehen. Daher die Annahme, unsere steinzeitlichen Vorfahren hätten in Viehmist gezogene Psilocybe (Gattung der Kahlköpfe) verspeist und dadurch einen schärferen Blick und einen evolutionären Vorteil erhalten. In mittlerer Dosis beförderten die Pilze die Fortpflanzungsfähigkeit, hohe Dosen brachten die Protomenschen zum Sprechen. Ihre ersten Worte lauteten wohl: Oh, wow!" Mit solchen Märchen, meint Teresi, räumt Letcher auf, ohne allerdings die Lust auf einen Mushroom-Trip zu schmälern.

Weiteres: Jonathan Lethem schwärmt von Ian McEwans Fähigkeit, den Horror des Alltäglichen zu beschwören - in seinem neuen Roman " On Chesil Beach" (Auszug, Autorenfeature). Christgau findet Chris Salewiczs' Biografie über den "Clash"-Frontmann Joe Strummer gut gemeint, aber etwas schwerfällig (Auszug "Redemption Song"). Dick Cavett liest Jeff Wiltses Sozialgeschichte der Badeanstalt (Auszug "Contested Waters") auch als Geschichte des Rassismus in den USA. Und die Times empfiehlt Sommerlektüre: Reiseliteratur, Comics und Kochbücher.

Magazinrundschau vom 29.05.2007 - New York Times

Christopher Caldwell schreibt für das New York Times Magazine eine große Reportage über das Problem der Integration in Deutschland, für das er auch Necla Kelek und Seyran Ates interviewt. Unter anderem staunt er über den großen Erfolg von Erinnerungsbüchern muslimischer Frauen in Deutschland: "Warum die Deutschen diese Bücher in solcher Zahl konsumieren, ist unklar. Deutschland war immer ein Land mit unersättlichem Interesse für andere Kulturen, daher seine Rolle in der Entstehung der Sozialwissenschaften und daher auch die unglaubliche Konzentration von Museen in Berlin. Es kann auch sein, dass die Deutschen die Ethik der Reue nach dem Zweiten Weltkrieg zu tief verinnerlichten, als dass sie genug Selbstvertrauen oder Neigung für pauschale oder kritische Werturteile über andere Kulturen verspürten. Sie brauchen Nichtdeutsche oder Halbdeutsche oder Neudeutsche, um diese Dinge zu sagen." Caldwell bereitet ein Buch über Islam in Europa vor.

Die in Teheran lebende amerikanisch-iranische Autorin Azadeh Moaveni schildert für die New York Times Book Review die Auswüchse der literarischen Kritik im Iran: "Das Ministerium untersucht Buchmanuskripte vor allem auf erotische oder religiöse Verstöße. Wenn es ein Roman heute durch die Zensur geschafft hat, dann vermuten die Iraner, dass darin herumgepfuscht wurde und dass sie besser versuchen sollten, eine Ausgabe aus der Zeit des Schahs oder eine Raubkopie zu bekommen. Auch in der Fiktion müssen alle Beziehungen dem islamischen Gesetz entsprechen. In der jüngsten Ausgabe von 'Madame Bovary' ist Emmas Ehebruch ausgelassen. Figuren, die in westlichen Romanen Champagner oder Whisky trinken, finden sich in der iranischen Ausgabe mit einem Glas doogh, einem Joghurtgetränk (Rezept) wieder, das noch nie jemand beschwipste."

Die Times hat sich mit der Besprechung von Don DeLillos neuem Roman "Falling Man" (erstes Kapitel) bis vorgestern Zeit gelassen.

Magazinrundschau vom 15.05.2007 - New York Times

Im Magazin der New York Times erklärt Clive Thompson die Vorstellung vom zurückgezogen werkelnden Künstler für überholt. Der zeitgemäße Musiker etwa stelle seine Arbeiten zur Diskussion oder gemeinschaftlichen Vollendung längst schon ins Netz: "Dieser Online-Trend könnte Darwinistischen Druck erzeugen hin zu einer neuen Spezies - dem Künstler 2.0 - und das Ende des Künstlers als einer sensiblen unangepassten und scheuen Seele bedeuten ... Es könnte sich aber auch einfach um einen natürlichen Wendepunkt handeln, und die nächste Generation von Künstlern, die 'sensiblen' eingeschlossen, finden die Allgegenwart ihrer Fans dann völlig normal. Die psychologische Denkweise kippt bei den unter Zwanzigjährigen bereits in diese Richtung ... Es ist aber auch wahr, dass gerade die Einsiedler im Internet aufblühen, weil es ein Ort der Selbstentfaltung und Selbsterfindung sein kann."

Außerdem: Nir Rosen fragt nach der Verantwortung der USA für den größten Flüchtlingsstrom in Nahost seit 1948. Im Interview mit Deborah Solomon spricht die Dichterin und Pulitzerpreisträgerin Natasha Trethewey über historische Amnesie. Und der israelische Romancier David Grossman beschwört in einem Vortrag beim PEN-Festival in New York die einende Kraft des Schreibens: "Schreibend vermag ich die Leiden meines Feindes nachzuempfinden und seine berechtigten Ansprüche anzuerkennen, ohne auch nur ein Stück meiner Identität zu verlieren."

Und in der Sunday Book Review: Mit großer Spannung hat Michael Kinsley Christopher Hitchens Buch über Religion erwartet. Welche Volte würde der ideologische Überraschungskünstler diesmals schlagen? Seine Konversion zum Katholizismus bekanntegeben? Den Islam umarmen? Oder die Kirche von England verteidigen? Nun, Hitchens Buch heißt "God is not Great" und Kinsley ist wirklich überrascht: "Mit enormem Brio und großem Witz, aber auch echtem Zorn führt er einen Generalangriff gegen sämtliche Aspekte von Religion. Manchmal benutzt er nicht das Wort 'Religion', sondern spricht von 'Gottesanbetung'." (Hier das erste Kapitel)

Besprochen wird unter anderem auch John Stubbs John-Donne-Biografie "The Reformed Soul", die Donnes Weg "vom lustvollen katholischen Poeten zum leidenschaftlicher anglikanischen Prediger" bechreibt.

Magazinrundschau vom 01.05.2007 - New York Times

Im Magazin der New York Times stellt Jon Mooallem die erfolgreiche Fetisch-Seite Kink.com vor, staunend über das Selbstbewusstsein der Online-Pornoindustrie: Für die meisten Angestellten ist das eine Karriere wie jede andere auch. "Später am Nachmittag, während wir darauf warteten, dass Wild Bill geknebelt würde, erzählte mir Cohen, dass eine überproportionale Anzahl von Kink-Angestellten, er selbst eingeschlossen, an der University of Califonia in Santa Cruz studiert hätten. 'Das ist lustig', sagte er, denn er habe das Gefühl gehabt, die Fakultät sei sehr in einer siebziger Jahre mäßigen Antiporno-Haltung verhaftet. Eine andere, die gerade in Santa Cruz ihren Abschluss gemacht hatte, hörte unsere Unterhaltung und widersprach. Die zwei debattierten. Cohen erklärte ihr, dass seine Professoren alle zuviel Andrea Dworkin gelesen hätten. 'Alles dort ist eine einzige marxistisch-feministische Analyse', sagte er geringschätzig."

James Traub ist tief eingetaucht in die Welt der Muslimbrüder, die in Ägypten eine echte Opposition zu Mubarak darstellen. Auf religiösem Gebiet findet er sie moderat, auf politischem vernünftig (solange es nicht um Israel geht). Alles in allem "könnten die Muslimbrüder - trotz ihrer rhetorischen Unterstützung der Hamas - genaud die Art von moderatem Islamkörper sein, den die (amerikanische) Regierung angeblich sucht."

Magazinrundschau vom 24.04.2007 - New York Times

Nach Outlook India äußert sich nun auch die New York Times sehr wohlwollend über Mohsin Hamids Roman "The Reluctant Fundamentalist", in dem ein in Princeton ausgebildeter Pakistani einem unbestimmten Gegenüber seine Weltsicht vor bzw. nach dem 11. September 2001 erklärt. Karen Olsson sieht das Besondere in der mehrschichtigen Figurenkonzeption des zwischen seiner Zu- und Abneigung gegenüber den USA schwankenden Erzählers: "Der Titel scheint ironisch gemeint und führt zu der Frage, ob jeder muslimische Kritiker der USA als Fundamentalist gelten kann oder ob die Bezeichnung nicht doch besser auf die Vertreter der kapitalistischen amerikanischen Oberschicht passt. Allerdings ist der Roman interessanter als solche Erwägungen: Der Fundamentalist und potentielle Attentäter scheint nämlich auf beiden Seiten des Tisches zu sitzen."

Weiteres: Liesl Schillinger empfiehlt die geheimen Tagebücher des New Yorker Society-Kolumnisten Leo Lerman mit dem vielverheißenden Titel "The Grand Surprise". Rachel Donadio befragt britische und amerikanische Historiker zu den abenteuerlichen Recherchebedingungen in Putins Russland und stellt fest: Die Staatsarchive waren schon einmal leichter zugänglich.

Magazinrundschau vom 17.04.2007 - New York Times

Im Magazin der New York Times erklärt David Rieff, wie die Banlieues den französischen Wahlkampf bestimmen und warum Nicolas Sarkozy für Intellektuelle wie Pascal Bruckner der Mann der Stunde ist: "Er entlarvt Frankreichs Sonderrolle als 'Narzissmus des Scheiterns'." Seine größte Schwäche sei seine Hitzköpfigkeit, meint Bruckner. "Das ist diese Supercop-Seite an ihm, seine Neigung zum Konflikt, die ihn daran hindert, die Ruhe zu bewahren. Er hat so viel Energie, dass es manchmal scheint, er würde gleich explodieren. Wissen Sie, wenn er spricht, bewegen sich sogar seine Beine."

Wie finden die USA zu ihrem Groove zurück als "Leuchtfeuer des Fortschritts und der Hoffnung"? Thomas L. Friedman fordert einen "grünen New Deal": "Wer meint, wir werden mit unseren Umweltproblemen fertig, ohne dass es weht tut, ist ein Dummkopf oder Schwindler ... Der Klimawandel und der Krieg ums Öl werden unser Leben und das unserer Kinder so beeinträchtigen, wie einst der Kommunismus. Ein neuer Präsident hätte den Menschen klar zu machen, dass 'grün' keinen Rückschritt bedeutet, sondern eine Fülle neuer Möglichkeiten durch eine komplette neue Industrie. Es geht darum, die besten Köpfe aus den Finanzmärkten abzuziehen und auf Innovationen anzusetzen, die den Amerikanischen Traum bewahren helfen und die Träume von Millliarden anderer Menschen ermöglichen, ohne den Planeten zu ruinieren."

Und: Im Interview mit Deborah Solomon verrät der Autor Mohsin Hamid ("The Reluctant Fundamentalist"), wieviel Camus in seinem Bestseller steckt.

Einer Warnung gleicht, was Joel Agee in der Book Review über Elfriede Jelineks Roman "Gier" zu sagen hat. Von Unterhaltung oder Spannung keine Spur, meint er. Nichts läge Jelinek ferner, als eine Geschichte zu erzählen: "Ihr Metier ist die soziale Zergliederung. Nicht am lebenden Objekt, denn keine ihrer Figuren ist genug bei Bewusstsein, sich selbst oder den Leser zu überraschen ... Stattdessen findet man die rein rhetorische Existenz einer Sprache im Dienst von Spott und Missbilligung." Ergiebiger findet Agee das Buch als "ironische Umkehrung" eines pitoresken Österreich: "Ein künstlicher See, in dessen algenverseuchtem Wasser weder Enten noch Kinder schwimmen und wo zwei Männer passenderweise eine Mädchenleiche finden."

Weitere Artikel: Lucy Ellmann hält Henning Mankells neuen Roman "Depths" für reine Papierverschwendung. Dave Itzkoff stellt japanische, russische und serbische Science-Fiction vor (hier). Und Ken Kalfus sieht in Vladimir Sorokins Roman "Ljod. Das Eis" (Auszug) keine Satire, sondern eine schwer verdauliche antihumanistische Vision ohne historische Bezüge.