Magazinrundschau - Archiv

The New York Times

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Magazinrundschau vom 02.10.2007 - New York Times

Der Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger Joseph Stiglitz ist ganz einverstanden mit den Theorien, die die Globalisierungsgegnerin Naomi Klein in ihrem neuen Buch "Die Schock-Strategie - Der Aufstieg des Katastrophen-Kapitalismus" entwickelt: "Klein bringt eine eindrucksvolle Beschreibung der politischen Intrigen und des menschlichen Preises, die gefordert sind, um widerstrebenden Ländern eine unanständige Wirtschaftspolitik aufzudrängen. Sie malt ein bestürzendes Porträt nicht allein Milton Friedmans, sondern all jener, die seine Doktrinen aufgriffen, um ihre eigenen Interessen durchzusetzen. Bestürzend ist auch zu sehen, wie viele der Protagonisten des Irak-Kriegs zuvor schon in schändlichen Episoden der amerikanischen Außenpolitik engagiert waren. Sie zieht eine klare Linie von der Folter in Lateinamerika in den siebziger Jahren bis zu Abu Ghraib und Guantanomo Bay."

Außerdem in der Book Review: Der Reiseschrifter Paul Theroux feiert Tim Jeals große Biografie über den Afrika-Eroberer Stanley (erstes Kapitel). Und Stephen King denkt in einem Essay über Kurzgeschichten nach, die für Redakteure, Verleger oder andere Schriftsteller geschrieben zu werden scheinen - nur nicht für Leser.

Das Magazine bringt eine Spezialnummer zu Beginn der College-Saison.

Magazinrundschau vom 25.09.2007 - New York Times

"An manchen Momenten kann eine Konversation mit Haneke sich anfühlen wie ein verborgenes Treffen mit dem Anführer der Filmbefreiungsfront", gibt John Wray im New York Times Magazine zu. Aber das ist auch fast sein einziger Kommentar in einem großen und ausführlichen Porträt des österreichischen Filmregisseurs Michael Haneke, der mit dem US-Remake seines Films "Funny Games" gerade seinen ersten Film in Amerika gedreht hat. Befragt zu seinem Verhältnis zur Gewalt, verweist Haneke auf das Problem, das er mit "Pulp Fiction" hat: ""Das Problem liegt im Komischen - hier ist eine Gefahr, denn der Humor macht die Gewalt konsumierbar. Humor dieser Art ist in Ordnung, sogar nützlich, so lange er den Betrachter dazu zwingt, darüber nachzudenken, warum er lacht. Das aber geschieht in 'Pulp Fiction' nicht."

In der Titelgeschichte porträtiert Jeffrey Rosen den mit 87 Jahren ältesten, mit 32 Jahren im Amt auch dienstältesten und vielleicht liberalsten unter den Richtern des Supreme Court, John Paul Stevens: "In Strafrechts- und Todesstrafen-Fällen hat Stevens öfter gegen die Regierung und zugunsten des Einzelnen gestimmt als irgendein anderer der amtierenden Richter. Er gibt mehr abweichende Meinungen zu Protokoll als irgendeiner seiner Kollegen. Er ist der ausdrücklichste Verteidiger der Notwendigkeit der gerichtlichen Überprüfung der Exekutive. In der jüngeren Vergangenheit hat er die Mehrheitsmeinungen in zwei der wichtigsten Urteile verfasst, die gegen die Behandlung von Verdächtigen im Krieg gegen den Terror durch die Bush-Regierung ergingen."

Magazinrundschau vom 11.09.2007 - New York Times

In der Sunday Book Review bespricht Patricia Cohen das neue globalisierungskritische Buch von Naomi Klein mit dem Titel "The Shock Doctrine", das bereits auf heftigen Widerstand der Ökonomen trifft: "In ihrem Buch argumentiert sie, dass die Schocktherapie, die westliche Ökonomen in den letzten dreißig Jahren verordnet haben, den betroffenen Ländern nicht ohne eine politische Schocktherapie aufgenötigt hätte werden können - nämlich die brutale Unterdrückung und Suspendierung demokratischer Rechte. Die Länder des Westens hätten gemeinsam mit dem Internationalen Währungsfonds und der Weltbank im Grunde diverse Katastrophen - Hyperinflation, den Tsunami, den Krieg im Irak - ausgenutzt, um radikale Veränderungen wie Privatisierung, Deregulierung und gravierende Einschnitte in Sozialsysteme durchzudrücken. Diese Strategien, die von ausländischen und amerikanischen Schülern des laissez-faire-Ökonomen Milton Friedman durchgesetzt worden seien, hätten bittere Armut und Not für Millionen bedeutet, während sie den multinationalen Konzernen oft die Möglichkeit offerierten, die wertvollsten Besitzstände der Nationen zu Schleuderpreisen zu erwerben."

David Oshinsky hat sich im an der University of Texas in Austin befindlichen Archiv des Verlags Alfred A. Knopf umgesehen - und stieß auf jede Menge peinlicher Ablehnungsgutachten, zu Werken von literarischen Größen wie Jack Kerouac und Jean-Paul Sartre, Jorge Luis Borges und Syliva Plath. Außerdem gibt es eine Rezension zu zwei neuen Büchern über den Nahen Osten, nämlich "World War IV: The Long Struggle Against Islamofascism" von Rudy Giulianis Politberater Norman Podhoretz (das als persönliche Abrechnung mit der Linken heftig verrissen wird) und Michael A. Ladeens "The Iranian Time Bomb".

Die Titelgeschichte des New York Times Magazine ist dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten Rudolph Giuliani gewidmet, gegen dessen Erfolg sechs durchnummerierte Gründe sprechen (ist zu schwulenfreundlich, trägt gern Frauenkleider in der Öffentlichkeit, ist ein Unsympath) - und den man trotzdem, warnt Matt Bai, nicht unterschätzen sollte. Mark Edmundson informiert über das Interesse, das der erklärte Atheist Sigmund Freud spät in seinem Leben der Religion entgegenbrachte.

Magazinrundschau vom 04.09.2007 - New York Times

Im Magazin porträtiert Lynn Hirschberg Rick Rubin, den legendären Produzenten von Public Enemy, Johnny Cash oder den Dixie Chicks. Nun wurde er von Columbia Records angeheuert, um die Musikindustrie zu retten. Offenbar wird Rubin nicht umsonst als Guru verehrt. "Rubin trägt seine übliche Uniform aus weiten Khakihosen und einem weißen Walle-T-Shirt, er hat die Sonnenbrille in der Tasche und ist barfuß. Durch seine Hände gleitet eine buddhistische Gebetskette, die seinem Träger Weisheit bringen soll. Da Rubins Bart und Haare fast sein Gesicht bedecken, wirkt seine Stimme, die weich und zuversichtlich ist, noch lebendiger. Er scheint eins mit dem Raum zu sein, der vom Boden bis zur Decke mit Büchern angefüllt ist, die meisten spiritueller Natur, ob nun über Buddhismus, Biblisches oder die New-Age-Suche nach Erleuchtung. Die Bücherei und das ganze Haus sind angefüllt mit religiösen Symbolen und Erinnerungen aus der Welt des Pop. Ein massiver Messingbuddha wird von ebenso großen Lautsprechern eingerahmt, alte Pappfiguren von John, Paul, George und Ringo sind rund um eine vielarmige Vishnu-Statue platziert."

Außerdem staunt Frederick Kaufmann über die Untiefen des Tierfuttergeschäfts. Und Michael R. Gordon zweifelt, ob der Fahnenwechsel einer Sunni-Rebellen südlich von Bagdad von Dauer ist.

Die Sunday Book Review wird grün: Noch einen Schritt weiter als Rachel Carson mit ihrem "Silent Spring" geht Alan Weisman mit seinem morbiden, aber laut Jennifer Schuessler faszinierendem Ökothriller "The World Without Us". Handelnde Personen gibt es hier nicht, es gibt überhaupt keine Personen mehr, die Menschheit ist auf einen Schlag ausgelöscht. "Sogar in den Zentren der besiedelten Welt würde der Verfall schnell einsetzen. Wenn niemand an den Pumpen steht, würden sich New Yorks U-Bahn-Tunnel innerhalb von zwei Tagen mit Wasser füllen. In 20 Jahren wäre die Lexington Avenue ein Fluss. Von Feuer und Wind gebeutelte Hochhäuser würden irgendwann umstürzen wie gigantische Bäume. Nur Wochen nach unserem Verschwinden würden die 441 Atomkraftwerke zu radioaktiven Haufen zusammenschmelzen, während die petrochemischen Anlagen, die auch heute schon 'tickende Zeitbomben' sind, sich auf Jahrzehnte hinaus in brennende und giftspuckende Geysire verwandeln würden. Abseits dieser Problemzonen schildert Weisman eine Welt auf ihrem langsamen Weg zurück in die Wildnis. Nach ungefähr 100 000 Jahren wären die Kohlendioxidwerte wieder auf vormenschlicher Höhe. Domestizierte Arten, von der Kuh zur Karotte, würden sich hin zu ihren Vorfahren zurückentwickeln."

Weiteres: Als "eine Art Meisterwerk" bezeichnet Jim Lewis den neuen Roman "Tree of Smoke" von Dennis Johnson, einem Experten für Trauer und Hoffnungslosigkeit - aber immer originell präsentiert. Nick Gillespie studiert Matt Bais "The Argument", eine nicht sehr freundliche Analyse der amerikanischen Demokraten. Pagan Kennedy begibt sich auf Myspace, um herauszufinden, aus welchem Holz die Leser seiner Bücher geschnitzt sind. Viele essen vegane Erdnussbutter, wie er feststellen muss.

Magazinrundschau vom 21.08.2007 - New York Times

In einem ausgreifenden Essay für das New York Times Magazine (in Wahrheit ein Vorabdruck aus seinem kommenden Buch "The Stillborn God - Religion, Politics and the Modern West") kommt nach Ian Buruma und Timothy Garton Ash mit Mark Lilla (mehr hier) nun ein weiterer angelsächsischer Großintellektueller zum Ergebnis, dass wohl nur Tariq Ramadan dem europäischen Islam einen Weg zur Integration weisen kann. Lillas Essay handelt von "politischer Theologie", die auch im Christentum bis vor nicht allzu langer Zeit virulent war, und er legt dar, dass eine Liberalisierung von Theologie, wie sie im Islam etwa Bassam Tibi vorschlägt, längst nicht so attraktiv sei: "Natürlich sprechen wir lieber mit islamischen Liberalisierern, denn sie sprechen unsere Sprache: Sie akzeptieren die intellektuellen Voraussetzungen der Trennung von Religion und Politik... Sie sind keine politischen Theologen. Aber Reformation schafft wesentlich größere Aussichten auf einen dauerhaften polischen Wandel als Liberalisierung. Reformatoren sprechen von innerhalb der gläubigen Gemeinde und geben ihr somit zwingende theologische Gründe, um Erneuerungen als authentische Interpretationen ihres Glaubens zu begreifen."

In der Sunday Book Review liest Luc Sante eine Neuausgabe von Jack Kerouacs epochalem Buch "On the Road", das vor fünfzig Jahren zum ersten Mal erschien. Und Matt Weiland liest ein Buch John Lelands, das anlassgerecht erklärt "Why Kerouac Matters". Und Leah Hager Cohen empfiehlt ein offensichtlich faszinierendes Buch von Margalit Fox über ein Berberdorf mit einer sehr hohen Rate von Gehörlosen, das eine eigene Zeichensprache entwickelte, die dort von Tauben und Hörenden verstanden wird. Besprochen wird auch Handkes neuer Roman "Crossing the Sierra de Gredos".

Magazinrundschau vom 14.08.2007 - New York Times

Ada Calhoun ist begeistert, wie Karen Abbot in ihrer Geschichte des einst mondänsten Bordells der USA die gegenseitige Abhängigkeit von Hedonismus und Puritanismus beschreibt. "Im brutalen Rotlichtbezirk von Chicago zu Beginn des 20. Jahrhunderts verfuhren die meisten Hurenhäuser nach dem Prinzip 'Effizienz statt Fantasie'. Im Everleigh Club jedoch, einem Doppelhaus in der South Dearborn Street, trugen die 'Schmetterlinge' Abendkleider, aßen Bonbons und lasen Balzac. Das Haus verfügte über drei Streichorchester, einen mit Parfüm gefüllten Brunnen, Spucknäpfe aus 18-karätigem Gold und dreißig opulente, themenbezogene Schlafzimmer, ausgestattet mit Extras wie einer lebensgroßen Abbild von Kleopatra oder einer Anlage, um Feuerwerkskörper abzubrennen. Die Patroninnen, Ada und Minna Everleigh, bestanden darauf, dass sich hier 'ein Mann nie bedrängt oder betrogen, desillusioniert oder allein' fühlen sollte."

Ziemlich ungnädig verfährt Christopher Htichens mit dem Finale von J.K. Rowlings "Harry Potter". Auch wenn seine Tochter die Lektüre offenbar genossen hat, stößt dem Vater einiges auf. "Woher kommt das Böse? Diese Frage bleibt die gleiche, wenn man sie manichäisch umdeutet: Wie können Voldemort und seine bösen Truppen derartige Macht haben, es aber nicht hinbekommen, einen sanften und ziemlich schlecht organisierten Schuljungen zu zerstören? In einer Kurzgeschichte könnte man mit dieser Unstimmigkeit leben und sie schnell in die eine oder andere Richtung auflösen. Aber im Verlauf von sieben Büchern verliert das Rätsel jedenfalls für den Leser an Faszination, und in seiner letzten Episode wird das Ganze ziemlich nervig. Gibt es wirklich keinen Death Eater oder Dementor, der den simplen Vorteil des Überraschungseffekts begreift?"

Weiteres: Amerigo Vespucci, immerhin Namenspate der Weltmacht, war nicht gerade ein Vorbildcharakter, erfährt Nathaniel Philbrick aus Felipe Fernandez-Armestos "wundervoll idiosynkratischer und intelligenter" neuer Biografie. "Wie sich herausstellte, wurde Amerika - diese Nation notorischer Hökerer, Träumer und Spin Doctors - genau nach dem richtigen Typ benannt." Besprochen werden außerdem Richard Klugers Frühgeschichte der Vereinigten Staaten und Christine Kenneallys Suche nach dem Grund der menschlichen Sprache.

Magazinrundschau vom 07.08.2007 - New York Times

Der Historiker Michael Ignatieff hat Harvard verlassen, um in die kanadische Politik zu gehen. In einem bemerkenswerten Essay für das New York Times Magazine zeigt er, dass er das Denken dennoch nicht verlernt hat, im Gegenteil: Er unterzieht sich einer schmerzhaften Selbstbefragung über den Irrtum des Irakkriegs, den er seinerzeit selbst befürwortete, und schärft sich die Notwendigkeit des Realitätssinns ein, der den Politiker vom Intellektuellen unterscheidet: "Als Lektion für die Zukunft nehme ich mit, dass ich mich weniger von Leuten beeinflussen lasse, die ich bewundere, wie zum Beispiel Iraker im Exil, und dass ich mich weniger von meinen Gefühlen leiten lasse. Ich war 1992 im Nordirak. Ich sah, was Saddam Hussein den Kurden angetan hatte. Seit diesem Augenblick glaubte ich, dass er gehen muss. Meine Überzeugungen hatten die Autorität persönlichen Erlebens, aber gerade deshalb verhinderten meine Gefühle harte Fragen wie diese: Können die Kurden, Sunniten und Schiiten friedvoll zusammenhalten, was Saddam Hussein durch Schrecken in Bann hielt?"

Außerdem im Sonntagsmagazin: Emily Bazelon berichtet ausführlich von neuen Forschungen über Autistinnen, deren Symptomatik sich gravierend von der männlicher Autisten unterscheidet. Für die Sunday Book Review liest Walter Kirn einen Band mit literarischen Essays J.M. Coetzees (die sich unter anderem mit Sebald und Benjamin befassen). Außerdem empfiehlt Claire Messud den Roman "The Septembers of Shiraz" (erstes Kapitel) von Dalia Sofer, die Geschichte einer jüdischen Familie in Teheran kurz nach der Revolution von 1979.

Magazinrundschau vom 31.07.2007 - New York Times

Robin Marantz Henig hat sich für einen großen Report in der Humanoid Robotics Group des MIT umgetan und die neueste Generation der Humanoiden kennengelernt, die angeblich auf erste soziale Verhaltensweisen programmiert sind: Zum Beispiel Mertz. "Er hat Kamerasensoren hinter seinen Augen, die darauf programmiert sind, Gesichter zu erkennen; als er meins entdeckte, sollte er mich direkt ansehen, um eine Konversation in Gang zu bringen. Aber Mertz hatte an diesem Tag eine Schraube locker, und eine seiner Designerinnen, eine dunkelhaarige Frau namens Lijin Aryananda versuchte herauszufinden, was mit ihm nicht stimmte. Mertz wurde zappelig, Aryananda frustriert und ich begann mich zu fühlen, als würde ich hinter den Vorhang des Wizards of Oz spähen. Mertz besteht aus einem Metallkopf auf einem biegsamen Nacken. Er hat eine kindliche computergenerierte Stimme und expressive Brauen über seinen Pingpong-Ball-Augen - Züge, die einen Menschen freundlich gegenüber dem Roboter stimmen und die Unterhaltung angenehm machen sollen. Aber wenn etwas mit dem Code nicht stimmt, fängt Mertz an zu brabbeln wie Chatty Cathy auf Speed."

Außerdem erzählt Ayub Nuri von seiner Zeit als Helfer westlicher Journalisten in Bagdad. "Die Aufständischen hassten Fixer. Sie nannten uns Kollaborateure. Dreimal brachen sie in meine Wohnung in Bagdad ein, aber glücklicherwesie war ich nie da. Viele meiner Kollegen erhielten Briefe von bewaffneten Gruppen, in denen sie aufgefordert wurden, zu kündigen, andernfalls würden sie umgebracht. Manchmal wurden Fixer auch ohne Warnung ermordet. Vor zwei Wochen wurde Khalid W. Hassan, ein 23-jähriger Übersetzer und Reporter der New York Times in Bagdad auf dem Weg zu seinem Büro angehalten und erschossen."

In der Book Review kommt Samantha Power nach Lektüre einiger neuerer Bücher zu Islamismus und Terror zu dem Schluss: "Die Herausforderung besteht darin, die Bedrohung nicht herunterzuspielen, nur weil George Bush sie hochgespielt hat. Nach Lesley Chamberlains philosophischen Geschichte Russlands "Motherland" bemerkt Mark Lilla, dass die russischen Denker ihrem Land keinen Gefallen getan haben, als sie statt auf die Aufklärung auf den deutschen Idealismus setzten. Und David Orr rühmt die überfällige Übersetzung von Zbigniew Herberts Gesammelten Gedichten ins Englische.

Magazinrundschau vom 24.07.2007 - New York Times

Bernhard-Henri Levy gibt zu, dass Nicolas Sarkozy vieles richtig macht, selbst die nun in den USA veröffentlichten privat-politischen Bekenntnisse "Testimony". Und doch hätte er Sarkozy niemals wählen können, schreibt er, und zwar wegen seines pragmatischen, vielleicht auch zynischen Verhältnisses zur Vergangenheit (Vichy, Algerien, 68). "Die Leute haben normalerweise Erinnerungen. Sie können komplex, widersprüchlich, paradox und verwirrt sein. Aber es sind ihre. Sie bestimmen zu einem großen Teil ihre Persönlichkeit und die Identitäten, die sie für sich auswählen. Sarkozy ist ein Freibeuter von Identitäten, ein Söldner der Erinnerungen anderer. Er beansprucht alle Erinnerungen für sich, was am Ende heißen könnte, dass er keine hat. Er ist unser erster Präsident ohne Gedächtnis, der erste Präsident, der bereit ist, sich alle Ideen anzuhören, weil sie für ihn tatsächlich nicht zu unterscheiden sind. Wenn es im heutigen Frankreich einen Mann gibt, der das berühmte Ende aller Ideologien verkörpert (oder beansprucht, es zu verkörpern), an das ich nicht so recht glauben kann, dann ist es Monsieur Sarkozy, der sechste Präsident der Fünften Republik."

Weiteres: Wilfrid Sheeds Hommage an das goldene Zeitalter der amerikanischen Musik ""The House That George Built? lässt Garrison Keilor (mehr) verzückt die alten Platten von George Gershwin, Irving Berlin, Cole Porter und Harold Arlen wieder rauskramen. Für das bisher wohl "verstörendste Gemälde der Unfähigkeit der CIA" hält Evan Thomas Tim Weiners kritische Geschichte "Legacy of Ashes". Der ehemalige amerikanische Tennischampion Toure liest zwei Bücher über Schwarze im Tennis.

Im Magazin denkt der einst orthodoxe Jude Noah Feldman über die Widersprüche im orthodoxen Judentum nach. Anlass war das Klassentreffen in seiner Schule in Massachusetts. "Am Ende versammelten wir uns für ein Gruppenbild vom Schulfotografen, der uns von der ersten Klasse bis zum Abschluss begleitet hatte. Als der Alumni-Newsletter ein paar Monate später eintraf, stieß ich auf das Foto. Ich sah hin, und sah nochmal hin. Meine Freundin und ich waren nirgends zu finden."

Im Aufmacher fragt sich Maggie Jones, wie man heranwachsende Sexualstraftäter von Teenagern im vorübergehenden Identitätsstress unterscheiden kann.

Magazinrundschau vom 17.07.2007 - New York Times

Steven Erlanger, Chef des New York Times-Büros in Jerusalem, porträtiert für das Magazine einen Hamas-Funktionär, der eine wichtige Rolle bei der Einnahme des Gaza-Streifens spielte: "Khaled Abu Hilal, ein dünner grauhaariger Kettenraucher, der den Rauch einsaugt wie ein Lungenkranker den Sauerstoff, steht im Zentrum der Revolution. Unter den weltlichen, nationalistischen Fatah-Anhängern ist er eine verhasste Figur. Sie sehen ihn als einen Abweichler, der die Implosion in Gaza mit inszenierte. Aber sein Weg vom Fatah-Kämpfer über den Gefangenen der Israeli zum angeekelten Fatah-Abtrünnigen, der sich mit der Hamas verbündete, ist der Weg von Gaza. Sein Zorn über Mahmud Abbas - Arafats Nachfolger als PLO-Chef und heutiger Chef der Palästinenser-Regierung - und über das, was er als die endlosen, vergeblichen und erniedrigenden Mühen einer korrupten Fatah zur Anerkennung durch Israel sieht, wird von einer wachsenden Zahl von Palästineners geteilt."

Sehr interessant auch Mark Oppenheimers Porträt des Schauspiellehrergurus Milton Katselas aus Hollywood, der auf diskrete Weise eine Menge bekannter Schauspieler zur Scientology-Sekte bekehrte.

In der New York Times Book Review zitiert Rachel Donadio, Redakteurin der ehrwürdigen Beilage, einige kritische Stimmen über Rushdie aus dem Jahr der Fatwa - etwa John Le Carre, der Rushdie aufforderte, die "Satanischen Verse" zurückzuziehen - um zum Ergebnis zu kommen, dass sie angesichts des jüngsten Ritterschlags des Autors durch das britische Establishments womöglich recht hatten. Besprochen werden neue Bücher über Hillary Clinton, eine Reisereportage Colin Thubrons über die Seidenstraße und Tom Segevs Buch über den Siebentagekrieg von 1967.