Daniel Mendelsohn
lässt durchblicken, dass
Wolfgang Petersens Film "Troja" vor lauter
politischer Korrektheit eher irrige und schon absurd abwegige Einblicke in die hellenische Zivilisation gibt. "Beseelt von dem Wunsch, auch die kleinste
Andeutung von Homoerotik aus den Ereignissen auszumerzen - in klassischen Zeiten ging es weniger darum, ob Achilles und sein geliebter Patrokles
es taten, als vielmehr darum, wie in Platons Symposium,
wer genau was mit wem tat - macht Benioff Patrokles zu Achilles'
"Cousin", eine seltsame Wahl, die (besonders in einer Zeit, als Familienbande weniger als eh und je zählten) mit voranschreitender Handlung zunehmend aberwitzig wird. Schaut man sich 'Troja' an, könnte man meinen, es hätte für die Griechen des Bronzenen Zeitalters
keinen höheren Wert gegeben als Vetternschaft. 'Er hat meinen Cousin getötet!' schreit Achilles Priam an, als dieser am Ende der Geschichte zu ihm kommt, um um den Leichnam seines Sohnes zu bitten. 'Du hast deinen Cousin verloren, nun hast du mir meinen genommen', sagt eine trauernde Briseis (in dieser Version, Hektors Cousine) zu Achilles, 'wann wird es ein Ende damit haben?' Die Vorstellung dieses Films, dass
ganze Zivilisationen zerstört wurden aufgrund maßloser Verbundenheit zu Verwandten einer Seitenlinie, ist, sicherlich, eine Premiere in der weltweiten Mythos- Schmiede."
Mark Danner
wendet sich entschieden gegen die Verteidigungs-Strategie der US-Armeeführung, die
Folter-Vorfälle im Irak gingen auf "wenige faule Äpfel zurück", und greift dazu einen Bericht von
gefangengenommenen Reuters-Journalisten auf, von denen erst abgelassen wurde, als ihnen ein
Badge mit der Aufschrift "C" angeheftet wurde. "Verschiedene Soldaten, verschiedene Einheit, verschiedene Basis. Und doch ist offensichtich, dass vieles von dem, was man den 'thematischen Inhalt' der Misshandlungen nennen könnte, ist sehr ähnlich: das Überziehen von Hauben, der Lärm, die 'Stress-Haltungen', die sexuellen Erniedrigungen, die angedrohte Körperverletzung und der Missbrauch - alles scheint vom selben Drehbuch zu stammen,
ein so bekanntes Drehbuch, dass ein jeder Soldat, dem die Reuters-Leute in der Volturno Basis begegneten, seine Rolle zu kennen schien und sie spielen konnte. All das, sowie der allgemein anerkannte Bagde, deutet auf ein
klares Programm hin, das vorsätzlich erdacht und methodisch verbreitet wurde mit der Absicht - in den Worten von General Sanchez' Memorandum des 12. Oktobers -, den amerikanischen Truppen zu helfen,
"die Emotionen und Schwächen eines Inhaftierten zu manipulieren".
Weitere Artikel: Michael Massing
liefert seine Gesamteinschätzung der
Berichterstattung, wie sie von den
großen amerikanischen Tageszeitungen im Vorfeld des Irakkrieges betrieben wurde - dabei geht er natürlich auch auf die inzwishen schon berühmte Sebstbezichtigung der
New York Times ein. Alison Lurie
will ihre Leser vom trägen und liebreizend-dümmlichen
Walt-Disney-Pinocchio kurieren. Thomas R. Edwards hat sich am
"komplexen Hinterland-Horror" erfreut, den
John Gregory Dunne in seinem jüngsten Mordfall "Nothing Lost" entwickelt. Und Ian Hacking
kann der
Studie ("Spinoza: Joy, Sorrow, and the Feeling Brain") des Neurologen
Antonio Damasio nur wenig abgewinnen, zumal Damasio seltsamerweise den Emotionen jegliche Beziehung zur Kognition abspricht.