Einen wunderschönen Text über den Nobelpreisträger
William Faulkner hat Nobelpreisträger
J. M. Coetzee geschrieben. Anlass ist die Faulkner-Biografie
"One Matchless Time" von
Jay Parini, die Coetzee allerdings nur mäßig gelungen findet (ein gutes Gespür für den Autor spricht er ihm zu, aber auch die "Bereitschaft, ihn zu vulgarisieren"). Coetzee selbst
schreibt etwa über Faulkners seltsame Entscheidung, seine besten und produktivsten Jahre in Hollywood zu verschwenden: "Es ist nicht ungewöhnlich, dass sich Faulkner um ein ausgeglichenes Konto bemühte. Von Beginn an dachte er von sich selbst als
poete maudit, und es ist das Los eines poete maudit, gering geschätzt und
schlecht bezahlt zu werden. Alles, was also überrascht, ist, dass die Last, die er auf sich lud - eine
verschwenderische Frau, die mittellose Verwandtschaft, die unvorteilhaften Studioverträge - mit solcher Ausdauer getragen wurde, sogar auf Kosten seiner Kunst.
Loyalität ist ein wichtiges Thema in Faulkners Leben und Schreiben, aber es gibt auch so etwas wie
verrückte Loyalität,
verrückte Treue (der konföderierte Süden war voll davon)."
"Brauchen wir nach dreißig Jahren ein weiteres Buch über die
Pentagon-Papiere? Ja, tun wir",
schreibt Anthony Lewis über John Prados' and Margaret Pratt Porters
"Inside the Pentagon Papers", das noch einmal die Geschichte jener Papiere dokumentiert, die bewiesen, dass die USA bereits die Intervention in Vietnam planten, als sie noch öffentlich jegliches Interesse daran leugneten. Absolut aktuell findet Lewis die Fragen nach der
Macht des Präsidenten, der
Rolle der Gerichte und der
Aufgaben der Presse in Kriegszeiten. "Die entscheidende Lektion, die wir aus den Pentagon Papieren und danach aus Watergate gezogen haben, war, dass Präsidenten nicht
über dem Gesetz stehen. So dachten wir zumindest. Heute aber erklären uns Regierungsanwälte, dass der Präsident tatsächlich über dem Gesetz steht - dass er die
Folter von Gefangenen anordnen darf, auch wenn internationale Verträge und Bundesrecht dies verbieten."
Weitere Artikel: James C. Goodale
greift den
Bericht eines angeblich unabhängigen Panels auf, das den Fernsehsender
CBS dafür kritisiert, Dokumente über George W. Bushs nachlässigen Dienst bei der Nationalgarde vorschnell an die Öffentlichkeit gebracht zu haben. Allerdings meint Goodale, dass der Bericht nichts über die
Echtheit der Dokumente sagt und somit am Thema vorbeigeht. John Leonard
gibt zu Protokoll, dass es ihn nicht die Bohne interessiert, was
Jonathan Lethem über
Howard the Duck oder
Obi-Wan Kenobi denkt, weshalb er Lethems neue Erzählungen
"Men and Cartoons" völlig überflüssig findet. Über Don DeLillo würde er aber gern was von Lethem lesen. Patricia Storace
feiert die Erinnerungen
"Persepolis" der iranischen Comic-Zeichnerin
Majane Satrapi als brillante Erzählung, außerordentlich frisch und fesselnd.
Margaret Atwood preist die Neuauflage des Buches
"Visa for Avalon" der englischen Schriftstellerin
Bryher.