
Während führende
deutsche Tageszeitungen angesichts von pöbelnden Leserkommentaren und Weblogs eine Kontrolle des Internets fordern, sieht man in Amerika die Sache sportlicher. Sarah Boxer
gibt einen Überblick über die höchst lebendige Szene amerikanischer
Blogger, die aus dem Irak (
Informed Comment) oder in der Pause aus der Met (
Paterre Box) berichten, die Journalisten (
Little Green Footballs) oder Politiker (
Atrios) stürzen - und die von den Mainstream-Medien inzwischen
Pyjamaheddin genannt werden. Dass sie
Amateure sind, ist das Beste an ihnen, meint Boxer: "Gebt ihnen ein Gehalt, einen Buchvertrag oder einen Presseausweis und es ist nicht mehr dasselbe (und das betrifft auch die Blogs von Magazinen, Firmen oder Zeitungen). Warum? Wenn man für Geld schreibt, sorgt man sich um Prozesse, Satzstruktur, Wortwahl. Man denkt an den Boss, den Verlag, an Mama und das
Superego, das einem über die Schulter blickt. So kann man nicht bloggen."
Ehud Olmert mag nicht Israels stärkster Premier sein, aber er ist seit langem der erste, der ernsthaft Frieden mit den Palästinensern sucht,
meint der israelische
Schriftsteller Amos Elon in einer großen Analyse der gegenwärtigen Lage: "Olmert hat keine biblischen Visionen. Seine Idee von Israel ist die eines säkularen modernen Staates mit einer florierenden Wirtschaft, integriert in den globalen Handel und eng verbunden mit Europa. Nicht ganz das, was
Gott und Abraham in der Bronzezeit diskutiert haben. Sharon sprach noch von einem langen und schwierigen Kampf. Olmert sagt, die Israelis seien des Krieges müde, müde, ewig Sieger zu sein. Die Hardliner bringt er immer wieder auf die Palme, wenn er von
zwei Staaten spricht, was er oft tut. Olmert ist vielleicht der pragmatischste israelische Führer seit 1967. Es ist zu hoffen, dass er nicht zu spät kommt."
Die
Historikerin Anne Applebaum erklärt, warum
Andrzej Wajdas Film
"Katyn" über die Ermordung von 20.000 polnischen Offizieren durch den sowjetischen NKWD so wichtig sei: "In Polen evoziert das Wort Katyn nicht nur den Mord, sondern so viele sowjetische Falschheiten in Bezug auf den Zweiten Weltkrieg und die sowjetische Invasion Polens von 1939. Katyn war nicht ein einzelnes Kriegsereignis, sonder eine Reihe von Lügen und Verzerrungen, die über Jahrzehnte verbreitet wurden und die Warheit über die sowjetische Nachkriegsbesatzung und Polens Verlust seiner Eigenständigkeit verschleiern sollten."
Außerdem: Frank Rich
warnt die amerikanischen Demokraten davor, ihre eigene Stärke zu überschätzen. Besprochen werden David Rieffs
Erinnerungen an seine Mutter
Susan Sontag "Swimming in a Sea of Death", die Gustave-Courbet-
Ausstellung im New Yorker Metropolitan Museum. Und schließlich ist auch
Tony Judts Rede zur Entgegennahme des
Hannah-Arendt-Preises in Bremen zu lesen.