Mit Florian Henckel von Donnersmarcks Film "Das Leben der Anderen" hat die Welt nach Nazis, SS und Auschwitz mit der "
Stasi" ein weiteres deutsches Synonym für das
abgrundtief Böse in der Geschichte geschenkt bekommen,
konstatiert Timothy Garton Ash. Er findet aber, dass die Deutschen selbst dran schuld sind: "Keine Nation war je brillanter, beharrlicher und innovativer in der Untersuchung, Behandlung und Wiedergabe seiner eigenen schrecklichen Vergangenheit." Ash erinnert sich aus seiner Zeit in
Berlin während der siebziger Jahre
noch gut daran, wie unkritisch viele Westler über die Verhältnisse in Ostdeutschland urteilten. "Einen Vergleich zwischen Nazi und Stasi auch nur anzudeuten galt bei vielen Westlern als altmodisch - als reaktionäre Kalter-Krieg-Hysterie, gefährlich für den Geist der detente. Der Korrespondent des
Guardian, Jonathan Steele, erklärte 1977, die Deutsche Demokratische Republik sei 'ein präsentables Modell der Art von
autoritärem Wohlfahrtsstaat, in den die osteuropäischen Staaten sich verwandelt haben'. Selbst sogenannte 'realistische'
Konservative sprachen damals über das kommunistische Ostdeutschland ganz anders als heute. Das Wort 'Stasi' kam ihnen kaum jemals über die Lippen."
Abgedruckt wird eine
Diskussion, in der
Rory Stewart, Chef der NGO
Turquoise Mountain Foundation von seiner - unerwarteten - Ernüchterung über die Entwicklung im
Irak berichtet. Nachdem er jeden Monat
10 Millionen Dollar für Aufbau-Projekte ausgegeben hat, für die sich kein Iraker interessiert, plädiert er nun für den Rückzug der Truppen: "Unsere Anwesenheit
infantilisiert das politische System des Irak. Wir sind wie ein falsches Antibiotikum."
Weiteres: Nicholas D. Kristof hat sich bei
William T. Vollmanns Porträts der
"Poor People" ein wenig
gelangweilt. Aber eines kann er nach der Lektüre festhalten: "Das wahre
Gesicht der Armut sind nicht der schmerzende Hunger und die demütigenden Lumpen, sondern die
unmöglichen Entscheidungen. Wenn man die Schulgebühren nur für einige seiner Kinder aufbringen kann, welches schickt man?" Michael Tomasky
stellt fest, dass Washingtons
Demokraten sich mehr mit Taktik als mit Inhalten befassen. Besprochen werden Jerome Hortons
Ärzte-Verteidigungsschrift von Ärzten "How Doctors Think" und
Tom Stoppards Russland-Triologie "The Coast of Utopia".