Neal Ascherson, Autor eines großen
Buchs über die Schwarzmeerregion, ist in das offiziell zu Georgien gehörende
Abchasien gereist, über das man im Westen wenig weiß. Anders als die Südosseten, die wohl eher zu Russland wollen, würden die Abchasen einen eigenen Staat bevorzugen, seit sie 1992/93 die Georgier - mehr als 50 Prozent der Bevölkerung - vertrieben haben. Ascherson plädiert dafür, dass die EU solche Unabhängigkeitsbestrebungen unterstützt. Er vergleicht den Konflikt überraschenderweise nicht mit
Nordirland, sondern mit der
Oder-Neiße-Grenze: "Jahrzehntelang war klar, dass jeder, der die Anerkennung der Oder-Neiße-Linie auch nur in Erwähnung zog, politischen Selbstmord beging. Das westdeutsche Fernsehen brachte den Wetterbericht, wolkig oder sonnig, für Schlesien genauso wie für Bayern. Öffentlich unterstützten die Alliierten diese Position nach Kräften. Unter der Hand gab jeder französische oder britische Diplomat zu, dass dies furchtbar und wirklichkeitsfremd war. Aber genau das haben sie daran geschätzt. Ein Westdeutschland, das so fest an dieses
unmögliche Dogma gebunden war, wäre niemals in der Lage, einen Handel mit der Sowjetunion abzuschließen, etwa Wiedervereinigung gegen Austritt aus der Nato. Erst in den 70er Jahren entschloss sich Willy Brandt, das Land aus dieser Falle hinauszuführen, indem er die territorialen Ergebnisse des Krieges und die neuen Grenzen anerkannte."
Weitere Artikel: Donald MacKenzie
erzählt, wie man einen
Hedgefonds gründet. Mahmood Mamdani
versucht zu erklären, warum Simbabwes Diktator
Robert Mugabe von seinem Volk weniger gehasst wird, als er es eigentlich verdient. Der griffigen Schlagwortkunst des
Malcolm Gladwell (
"Blink")
nähert sich Thomas Jones mit Blick auf dessen neues Buch "Outliers: The Story of Success". Besprochen werden
Steve Colls Geschichte der "Bin Ladins" und
Jean-Luc Godards nun auch auf englischsprachiger
DVD greifbare "Histoire(s) du cinema".