Magazinrundschau - Archiv

The Guardian

443 Presseschau-Absätze - Seite 20 von 45

Magazinrundschau vom 08.03.2016 - Guardian

Die Erinnerung ist ein Verbündeter der Gerechtigkeit, aber nicht des Friedens, schreibt David Rieff im Guardian und plädiert dafür, den Wert von Erinnerung vor allem im Nahen Osten, im Balkan oder in Nordirland nicht absolut zu setzen: "Es gibt Fälle, in denen das Vergessen der Vergangenheit unrecht tut, aber die Erinnerung der Gegenwart. Wenn das kollektive Gedächtnis Gemeinschaften dazu verurteilt, den Schmerz historischer Wunden und die Bitterkeit historischen Grolls zu spüren, dann sollte nicht die Pflicht zu erinnern hochgehalten werden, sondern die Pflicht zu vergessen. Kann man mit Bestimmtheit sagen, was in welchen Situationen besser wäre? Nein, darauf gibt es keine kategorische Antwort. Aber angesichts der menschlichen Neigung zur Aggression könnte das Vergessen, bei allen damit verbundenen Opfern, die einzig sichere Reaktion sein - und sollte Maß der Erleichterung sein, nicht der Bestürzung. Es gibt viele Beispiele in der Geschichte, in denen das Vergessen früher Oberhand gewann, als vernünftigerweise erwartet werden konnte. Als etwa General de Gaulle in seinem berühmtem Umschwung beschloss, dass Frankreich Algeriens Unabhängigkeit anerkennen würde, soll einer seiner Berater mit dem Ausruf protestiert haben: 'Es wurde doch so viel Blut vergossen', woraufhin de Gaulle antwortete: 'Nichts trocknet schneller als Blut".

Tolu Ogunlesi und Andrew Esiebo schicken eine Reportage mit beeindruckenden Bildern aus Makoko, dem schwimmenden Slum von Lagos.

Magazinrundschau vom 01.03.2016 - Guardian

Vor dem Erscheinen des nächsten Bandes aus seiner megalomanen Autobiografie "Mein Kampf" erzählt Karl Ove Knausgard, wie er - trotz aller Bewunderung für Tolstoi - von Turgenjew lernte, authentisch und lebensnah zu schreiben, denn dessen Figuren, meint er, verweisen auf nichts anderes als auf sich selbst: "Ich wollte nicht über einen Vater und seinen Sohn schreiben. Ich wollte über meinen Vater und mich schreiben. Das war mir all die Jahre über nicht bewusst, in denen ich die Geschichte aufzuschreiben versuchte. Für mich ist Schreiben blind und intuitiv, entweder funktioniert es oder nicht, wie und warum es das tut, kann man kann nur im Nachhinein erklären. Was funktioniert, gewinnt am Ende allein aus sich selbst. Als ich mich also nach zehn Jahren hinsetzte und einige Seiten über etwas verfasst, das mir widerfahren war und das mich so beschämte, dass ich bisher mit keiner Menschenseele darüber gesprochen hatte, und das alles unter meinem eigenen Namen, da hatte ich keine Ahnung, warum ich das tat und was das mit meinem Roman zu tun haben würde. Ich schickte es meinem Lektor, der es als 'manisch bekenntnishaft' beschrieb, und mir schien, dass er ein wenig auf Abstand ging, denn es war beunruhigend und in keinem literarischen Sinne gut. Aber da war etwas anderes, und das sahen wir beide. Was das war? Zuerst einmal Freiheit."

Jason Burke beschreibt, wie der Medienwandel nicht nur die Verbreitungskanäle des Terrorismus verändert, sondern auch dessen Struktur. Die Anschläge vom 11. September entsprachen in Inszenierung und Organisation noch dem Fernsehen: zentralisiert, hierarchisch und strikt kontrolliert von Osama bin Laden. Später unter al-Zarkawi rangen einzelne al-Qaida-Gruppen um Aufmerksamkeit im heftig umkämpften Online-Gewerbe. Der IS praktiziert heute mit Smartphones und Handy-Kameras den "führerlosen Dschihad": "Seine Devise lautet, dass die extremistischen Aktivisten Prinzipien, nicht Organisationen bräuchten und ermutigt werden sollten, als Individuen zu handeln, von Texten geleitet, die jeder online finden kann, und ohne zu einer Gruppe gehören zu müssen. Terroristen kommunizieren über verschiedene Kanäle gleichzeitig. Anschläge werden in kleinen Gruppen geplant, nicht zentral. Die Struktur terroristischer Gruppen spiegelt - vielfältig, fragmentiert und dynamisch - die sich wandelnde Struktur der Medien, deren Aufmerksamkeit sie suchen."

Magazinrundschau vom 23.02.2016 - Guardian

In den tausend Jahren seiner Geschichte ging es Polen nie so gut wie heute, doch die PiS-Regierung verbreitet eine giftige Stimmung, als wäre das Land von Deutschen und Sowjets gleichzeitig besetzt. Christian Davies geht diesem Missverhältnis in einer langen historische Analyse nach und wirft der Partei von Jaroslaw Kaczyński vor, ihre Wut auf Polens Liberale in einen "Krieg gegen die liberale Demokratie" münden zu lassen. "Auch wenn die illiberale Wende des Landes meist als Teil einer größeren illiberalen Welle in Mitteleuropa beschrieben wird, hat sie tiefere Ursache; sie reicht zurück zu dem Bürgerkrieg, der unter den Politikern der Solidarnosć in der Stunde ihres Triumphs ausbrach. In ihren Untersuchungen zum Zusammenbruch der Solidarnosć bemerkte die irische Journalisten Jacqueline Hayden 1994, dass seit damals einige glauben, Beschimpfungen und Verleumdungen seien die Norm in der Politik, und wenn man den Giftbecher denen reicht, mit denen man gerade noch gemeinsam unter dem antikommunistischen Banner marschierte, führe das im Ergebnis zu einer phänomenalen Reinigung der politischen Atmosphäre."

Colm Toibin rekonstruiert zu Henry James' hundertstem Todestag, wie die Familie, namentlich Schwägerin Alice und ihr Sohn Harry, alles daran setzten, den Nachlass und vor allem die Briefe vor ihrer Veröffentlichung zu desinfizieren. Trotzdem: "Ein Jahr nach Erscheinen der Edition, schrieb Alice an ihren Sohn Harry: 'Die Leute neigen dazu, seine albernen Briefe an junge Männer auf so niederträchtige Weise zu interpretieren. Armer Onkel Henry.'"

Und der guten alten Zeiten wegen: Roger Lewis liest vergnügt Jeremy Lewis' Biografie des exzentrischen Erben David Astor, der 1948 den Observer übernahm und die Auflage in zehn Jahren prompt verdoppelte: "Vita Sackville-West übermahm die Garten-Kolumne, Kenneth Tynan ging ins Theater. Kim Philby wurde für den Nahen Osten zuständig. 'Er scheint ein extrem zuverlässiger Bursche zu sein, meinte Astor."

Magazinrundschau vom 09.02.2016 - Guardian

Andrew Walker beschreibt in einem langen Report die Anfänge der Terrorgruppe Boko Haram, die der charismatische Mohammed Yusuf in den Neunziger im Norden Nigerias gründete, unter anderem um seine Ressentiments gegen die superreichen Studenten der Maidiguri Universität auszutoben. Die Niederschlagung des Aufstands von 2009 überlebte er nicht: "Unter Abubakar Shekau, Yusufs einstigem Stellvertreter, wurde Rache das oberste Ziel Boko Harams. Zuerst nahm die Gruppe die Polizei ins Visier, sie überfiel ihre Stationen und raubte Waffen. Höhere Dienstgrade, lokale Politiker und Chiefs wurden in ihren Wohnungen ermordet. Nach dem Aufstand hatten die Behörden von den traditionellen Oberhäuptern verlangt, Mitglieder von Boko Haram zu identifizieren, die dann hingerichtet wurden, während ihr Besitz als Belohnung an die Informanten ging. Jetzt kehrte die Gruppe zurück, um all die zu ermorden, die sie verraten hatten, und sich ihren Besitz zurückzuholen, die Kriegsbeute ... Boko Haram entfesselte Attentatsserien in Maiduguri, Jos, Kaduna und Abuja, die Gruppe koordinierte verheerende Angriffe auf Sicherheitskräfte in Kano. Sie griff Kirchen an, Universitäten und Schulen, Busstationen und Märkte und tötete Tausende. Innerhalb weniger Jahre, zwischen 2011 und 2014, wurde aus den versprengten Überbleibels einer radikalen Sekte eine ausgewachsene Terrorgruppe."

Magazinrundschau vom 26.01.2016 - Guardian

Der Guardian bringt als Longread einen Auszug aus Luke Hardings Buch über die Ermordung des Agenten und Putin-Kritikers Alexander Litwinenko. En detail hat Harding recherchiert, wie die beiden Auftragsmörder Andrei Lugovoi and Dmitri Kovtun mehrmals ansetzten, Litwinenko zu töten, bis es ihnen im November 2006 gelang: "Litwinenko war 2000 aus Moskau geflüchtet. Im britischen Exil wurde er zu Putins provokantestem Kritiker. Er war Autor und Journalist und von 2003 an britischer Agent, angestellt vom MI6 als Experte für Russlands Organisiertes Verbrechen. Er versorgte die Agenten ihrer Majestät und deren spanische Kollegen mit haarsträubenden Informationen über die russische Mafia in Spanien. Diese Mafia hatte ausgiebige Kontakte zu hochrangigen russischen Politikern, die Spur führte offenbar bis zum Präsidenten, und reichte bis in die 90er Jahre zurück, als Putin, damals noch Assistent des Petersburger Bürgermeister Anatoli Sabtschak, eng mit Ganoven zusammenarbeitete. Eine Woche später sollte Litwinenko vor einem spanischen Staatsanwalt aussagen. So erklären sich offenbar die verzweifelten Anstrengungen des Kremls, ihn zu töten. Die Männer aus Moskau benutzten, wie Kovtun gegenüber einem Freund gestand, 'ein sehr teures Gift'. Über seine Eigenschaften wusste er wenig. Das Gift war Polonium 201, ein seltenes radioaktives Isotop, winzig, unsichtbar, nicht nachweisbar.... Als Mörder waren Lugovoi und Kovtun allerdings absoluten Nieten."

Außerdem: Julian Borger rekonstruiert die Jagd nach dem bosnisch-serbischen Kriegsverbrecher Ratko Mladic: "In seinen vierzehn Jahren auf der Flucht war Mladic auf eine Reihe von Institutionen und Gruppen angewiesen: Zuerst das serbische Militär, dann eine Clique von bosnisch-serbischen Kriegskumpanen, und schließlich, als diese konzentrischen Ringe wegfielen wie die Schalen einer Zwiebel, seine Familie."

Magazinrundschau vom 19.01.2016 - Guardian

Jack Shenker gibt die ägyptische Revolution noch nicht verloren: Immerhin spielen Kinder auf dem Pausenhof nicht Räuber und Gendarm, sondern Demonstranten und Feldmarschall! Vor allem würden auch unter der autoritären Herrschaft Abdel Fattah al-Sisis immer mehr Menschen oder Gruppen ihre Rechte geltend machen: "Die historische Paralle ist nicht die zu Gamal Abdel Nassers Putsch 1952, der die meisten Ägypter den staatlichen Institutionen und Entscheidungsprozessen entfremdete, sondern die Kette von Revolutionen in Europa um 1848, bei denen verschiedene Teile der Gesellschaft überhaupt erst die Politik betreten haben - bis dahin die Domäne von Armeen, Monarchien, Adligen und Kirche. Diese Aufstände erschienen zuerst gescheitert, da die alte Ordnung sich an ihre formale Herrschaft klammerte. Doch der von ihnen erzeugte Malstrom blieb über Jahrzehnte in Bewegung und führte schließlich zu dem modernen Staat wie wir ihn kennen. Genauso hat die ägyptische Revolution lange vernachlässigte Teile der Gesellschaft kopfüber in die politische Arena gestoßen."

Weiteres: Charlotte Higgins porträtiert Katie Mitchell, die mit ihrem Regietheater tatsächlich noch britische Kritiker vor den Kopf zu stoßen vermag. Von Melissa Davey lernen wir, dass im Rennen um den ersten Quantencomputer der Welt die Australierin Michelle Simmons vorn liegt.

Magazinrundschau vom 12.01.2016 - Guardian

In einem sehr interessanten Report berichtet Oliver Burkeman, dass Freuds gute alte Psychoanalyse sich nach jüngsten Studien als deutlich sinnvoller und nachhaltiger erwiesen hat als die Kognitive Verhaltenstherapie, die seit den siebziger Jahre als das wissenschaftliche, effiziente und kostengünstige Nonplusultra gilt. Gerade bei Depressionen erzielten die Kognitive Therapieformen (KT) nur kurzfristige Scheinbesserungen: "Das revolutionäre Auftreten der KT verdankte sich vor allem dem unbeschwerten Ton des 'Kein-Unfug'. In der traditionellen Psychoanalyse - und deren neueren psychodynamische Techniken - werden scheinbar irrationale Symptome, etwa die endlose Wiederholung eines selbstzerstörerischen Verhaltensmusters in der Liebe oder bei der Arbeit, als letzten Endes doch rational angesehen. Sie ergeben durchaus Sinn im Kontext der frühesten Erfahrungen des Patienten. (Wenn jemand von seinen Eltern verlassen wurde, ist es nachvollziehbar, dass er in ständiger Angst lebt, dass auch sein Ehepartner dies tun könnte - und so seine Ehe ruiniert). KT stellt das auf den Kopf. Emotionen, die rational erscheinen können - etwa das deprimierende Gefühl, dass das eigene Leben eine Katastrophe ist - werden als Ergebnis irrationalen Denkens dargestellt. Okay, Du hast Deinen Job verloren, das heißt aber nicht, dass alles für ewige Zeiten schrecklich sein wird. Wenn dieser Ansatz richtig sein sollte, ist Veränderung viel einfacher: Dann braucht man nur die verschiedenen Denkfehler zu identifizieren und korrigieren, anstatt die verborgenen Gründe für das Leiden zu entziffern. Symptome wie Trauer oder Angst sind nicht mehr zwangsläufig Hinweise auf lange vergrabene Ängste; sie sind Eindringling, die es zu vertreiben gilt."

Magazinrundschau vom 15.12.2015 - Guardian

Jonathan Freedland spürt noch einmal den Schockwellen nach, die Israel erschütterten, als dort vor dreißig Jahren Claude Lanzmanns "Shoah" zum ersten Mal gezeigt wurde, in Jerusalems Cinemathek im Beisein von Ministerpräsident, Oberrabiner und Militärchef: "Kurz vor Beginn der Vorführung geriet Lanzmann mit der Gründerin der Cinemathek, Lia van Leer, aneinander. 'Er sagte, gebe eines, was ich wissen müsste: Wenn der Film angefangen hat, schließen Sie die Türen, niemand geht raus', erinnert sich van Leer, als ich mit ihr in Jerusalem spreche. 'Ich fragte, sind Sie verrückt? Wenn jemand auf die Toilette muss, was dann?' Erst als van Leer erklärte, dass sie Israels Premier nicht verbieten werde, auf die Toilette zu gehen, gab Lanzmann nach." Tatsächlich mussten zwei Zuschauer ins Krankenhaus gebracht werden: Ein Überlebender erlitt einen Herzinfarkt, ein anderer wurde ohnmächtig.

Rowan Williams denkt mit George Orwell und Thomas Merton über die Sprache als Mittel der Macht nach: "Das entscheidende Kriterium ist vermutlich, ob die Sprache - sei sie nun geradlinig oder nicht - eine Antwort ermöglicht. Sowohl Merton als auch Orwell konzentrieren sich auf eine gewisse bürokratische Neuschreibung der Realität, auf eine Sprache, die niemandem mehr gehört, die Sprache zeitgenössischer Manifeste, Absichtserklärungen und politischer Regulierung, eine Sprache, die vom Gesundheitsdienst bis zur akademischen Bildung den öffentlichen Raum immer mehr beherrscht. In ihrer bösartigeren Form ist es auch die Sprache von Unternehmen, die in Entwicklungsländern Steuern hinterziehen, oder schlimmer noch, von Regierungen, die Menschenrechtsverletzungen kaschieren, oder am schlimmsten, von Terroristen, die so wirkungsvoll die Kunst beherrschen, nichts Wahres oder Menschliches zu sagen."

Weiteres: K Anis Ahmed beschreibt das gefährliche Leben säkularer Blogger in Bangladesch: Laut jüngsten Umfragen befürwortet inzwischen eine Mehrheit der Bevölkerung die Todesstrafe für Blasphemie. Susanna Ristin porträtiert den britisch-indischen Autor Sunjeev Sahota. Ian Rankin huldigt dem verstorbenen William McIlvanney.

Magazinrundschau vom 08.12.2015 - Guardian

Literatur ist gerade dann am aufregendsten, wenn sie die Grenzen zwischen dem Fiktionalen und dem Faktischen verwischt, findet Geoff Dyer, der selbst gern Erfindung und Tatsachen vermischt. Für ihn bezieht sich das Dokumentarische nicht so sehr auf die Faktentreue, als auf einen Stil: "Der Schwindel, den W.G. Sebald hervorruft, gründet darin, dass wir nicht genau wissen, was wir lesen. Um einen Satz aus Clint Eastwoods 'Coogans großer Bluff' zu zitieren: 'Wir hatten keine Ahnung, was gerade passierte - obwohl es uns passierte'. Die Faszination für die Ungewissheit hat sich etwas abgeschwächt, seit Sebalds Software von seinen Gefolgsleuten zum Download freigegeben wurde, doch eine ähnliche kategorische Weigerung prägt Ben Lerners '10.04.', ein Werk, wie sein Erzähler meint, dass 'wie ein Gedicht weder Literatur noch Sachbuch ist, sondern zwischen beiden flimmert'. Dieses Flimmern wahrt im epischen Maße Karl Ove Knausgard sechsbändige 'Mein Kampf'-Serie. Ein Nebeneffekt oder eine Nachwirkung der Knausgard'schen Erschütterung war, dass er uns klarmachte, dass wir eigentlich von Plots gelangweilt waren."

Vergangene Woche bezichtigte die Pornodarstellerin Stoya ihrem Kollegen und Expartner James Deen mit zwei Tweets der Vergewaltigung. Die Affäre wirft auch ein Licht auf die Strukturen und Rahmenbedindungen unter denen die Performer in der Pornoindustrie arbeiten müssen, schreibt Melissa Gira Grant in einer großen Reportage. Dazu gehört: Bloß keinen Ärger machen und als zickig gelten. "Der vertragliche Status der Arbeit und der Druck, sich anzupassen, werden durch die Auflagen, ein positives Bild in der Öffentlichkeit zu geben, noch vergrößert - die Kehrseite des direkten Zugangs zur Öffentlichkeit durch soziale Medien, den Pornodarsteller heutzutage genießen. 'Du kriegst erst dann einen Auftrag', sagt Hill-Meyer, 'wenn Du einen Auftritt in den Sozialen Medien vorweisen kannst, eine persönliche Marke und ein Image darstellst und beides unter beträchtlichem Aufwand pflegst.'"

Magazinrundschau vom 01.12.2015 - Guardian

In einer langen Reportage zeichnen Jack Watling und Paul Raymond ein erschütterndes Bild von Mali, das sich von seinem Kollaps 2012 noch immer nicht erholt hat, wie auch der jüngste Anschlag zeigt. Das Vertrauen in die politische Klasse ist zerschlagen, religiöse Führer gewinnen immer mehr Einfluss und die Gesellschaft zerfällt in sektiererische Gruppen. Besonders schlimm ist es natürlich in Timbuktu: "Während die UN die Grundversorgung sichert, ist die Regierung noch immer nicht zurückgekehrt, Die wenigen Beamten, die sich in den Norden trauten, wurden bedroht oder schlicht ermordet... In Abwesenheit des Staates wurde Malis nördliche Wüste zu einem riesigen Gebiet der Gesetzlosigkeit mitten in Westafrika: Eine Kreuzung für Drogen, Menschen und Waffen, sie verbindet die Gebiete, die von Boko Haram in Niger und Nigeria gehalten werden, mit den Basen der Dschihad-Veteranen in Libyen und Algerien. Das ist ein Albtraum für die Sicherheit Westafrikas aber auch Europas, das die Schaffung eines weiteren Horts des Terrorismus fürchtet."