
Vor dem Erscheinen des nächsten Bandes aus seiner megalomanen Autobiografie "Mein Kampf"
erzählt Karl Ove Knausgard, wie er - trotz aller Bewunderung für Tolstoi -
von Turgenjew lernte, authentisch und lebensnah zu schreiben, denn dessen Figuren, meint er, verweisen auf nichts anderes als auf sich selbst: "Ich wollte nicht über einen Vater und seinen Sohn schreiben. Ich wollte über meinen Vater und mich schreiben. Das war mir all die Jahre über nicht bewusst, in denen ich die Geschichte aufzuschreiben versuchte. Für mich ist Schreiben
blind und intuitiv, entweder funktioniert es oder nicht, wie und warum es das tut, kann man kann nur im Nachhinein erklären. Was funktioniert, gewinnt am Ende allein aus sich selbst. Als ich mich also nach zehn Jahren hinsetzte und einige Seiten über etwas verfasst, das mir widerfahren war und
das mich so beschämte, dass ich bisher mit keiner Menschenseele darüber gesprochen hatte, und das alles unter meinem eigenen Namen, da hatte ich keine Ahnung, warum ich das tat und was das mit meinem Roman zu tun haben würde. Ich schickte es meinem Lektor, der es als '
manisch bekenntnishaft' beschrieb, und mir schien, dass er ein wenig auf Abstand ging, denn es war beunruhigend und in keinem literarischen Sinne gut. Aber da war etwas anderes, und das sahen wir beide. Was das war?
Zuerst einmal Freiheit."
Jason Burke
beschreibt, wie der
Medienwandel nicht nur die Verbreitungskanäle des
Terrorismus verändert, sondern auch dessen Struktur. Die Anschläge vom
11. September entsprachen in Inszenierung und Organisation noch dem Fernsehen: zentralisiert, hierarchisch und strikt kontrolliert von Osama bin Laden. Später unter al-Zarkawi rangen einzelne al-Qaida-Gruppen um Aufmerksamkeit im heftig umkämpften Online-Gewerbe. Der IS praktiziert heute mit Smartphones und Handy-Kameras den "
führerlosen Dschihad": "Seine Devise lautet, dass die extremistischen Aktivisten Prinzipien, nicht Organisationen bräuchten und ermutigt werden sollten, als Individuen zu handeln, von Texten geleitet, die jeder online finden kann, und ohne zu einer Gruppe gehören zu müssen. Terroristen kommunizieren über verschiedene Kanäle gleichzeitig. Anschläge werden in kleinen Gruppen geplant, nicht zentral. Die Struktur terroristischer Gruppen spiegelt -
vielfältig, fragmentiert und dynamisch - die sich wandelnde Struktur der Medien, deren Aufmerksamkeit sie suchen."