
Hierzulande erscheint die anti-israelische
BDS-Kampagne (Boykott, Desinvestment, Sanktionen) als nervende Splittergruppe, doch in einem großen Report
macht Nathan Thrall klar, wie sehr die Kampagne seit ihrer Gründung im Jahr 2005 das gesamte Koordinatensystem im Nahost-Konflikt verändert hat. Nur fürs Erste: "Seit ihrer Gründung vor dreizehn Jahren dürfte sie sich so viele Feinde gemacht haben wie Israelis und Palästinenser zusammen. Sie hat die
arabischen Staaten dran gehindert, ihren eigenen jahrzehntelangen Boykott aufzugeben. Sie hat die palästinensische
Autonomiebehörde beschämt, indem sie deren Zusammenarbeit mit Israels Armee anprangerte. Sie hat die
PLO verärgert, weil sie ihr die Position als internationale Vertreterin der Palästinenser streitig machte. Sie hat den
Zorn der israelischen Regierung entfacht, weil sie sie zu einer Aussätzigen unter Liberalen und Progressiven verwandelte. Sie hat die Reste des israelischen
Friedenslagers zur Verzweiflung gebracht, indem sie die Palästinenser vom Kampf gegen die Besatzung zu einem gegen Apartheid trieb. Sie hat bei der israelischen Regierung eine solch antidemokratische Gegenkampagne provoziert, dass Israels Liberale um die Zukunft ihres Landes fürchten. Und sie hat den
europäischen Geberländern Kopfzerbrechen bereitet, die von Israel gedrängt werden, in den palästinensischen Gebieten nicht mit Organisationen zusammenzuarbeiten, die BDS unterstützen, was unmöglich ist, da dies fast alle zivilgesellschaftlichen Gruppen tun... Die Kampagne hat
Filmfestivals erschüttert, Konzerte und Ausstellung auf der ganzen Welt. Sie hat palästinensische Künstler verärgert, die mit israelischen Institutionen zusammenarbeiten, und ihnen vorgeworfen, Israels Menschenrechtsverletzungen zu übertünchen. In Britannien hat BDS Gerichte und Stadträte in Aufruhr versetzt. In den USA hat BDS zwei Dutzend Bundesstaaten dazu verleitet, Gesetze zu erlassen, die einen Israel-Boykott unter Strafe stellen, und damit Israels Verbündete
in die Falle gelockt, gegen die Anwälte der Meinungsfreiheit wie die ACLU vorzugehen. Es hat die Liberalen zu einer stärkeren Unterstützung der Palästinenser gebracht und Israel zu einer strittigen Angelegenheit gemacht, die mittlerweile weniger mit den Demokraten und anderen Progressiven verbunden scheint als mit Trump, den Evangelikalen und der äußersten Rechten."
Weiteres: Chris McGreal
berichtet, wie sich die Discounter-Kette
Dollar General vor allem in sterbenden und total verarmten Regionen breitmacht, indem sie Städte und Gemeinden finanziell brutal unter Druck setzt: Derzeit eröffnet Dollar General in den USA drei Läden pro Tag."
Schriftsteller Khaled Hosseini fürchtet unsere Nachrichten-Fatigue angesichts des anhaltenden
Flüchtlingssterbens im Mittelmeer.