Magazinrundschau - Archiv

L'Express

109 Presseschau-Absätze - Seite 7 von 11

Magazinrundschau vom 26.05.2003 - Express

Film über Film in der Bücherschau: Rithy Panh (mehr hier), Filmemacher aus Kambodscha, hat die letzten Überlebenden des Vernichtungslagers S 21, eins der Todeslager Pol Pots, aufgesucht und daraus nicht nur einen Film gemacht, sondern die über drei Jahre hinweg gesammelten Zeugenaussagen in einem Buch zusammengestellt"La machine Khmer Rouge" zu lesen, aber auch zu sehen - auf Arte am 2. Juni. Große Leidenschaft für das Kino spricht aus zwei neu erschienenen Filmbüchern, die Thierry Gandillot und Michel Grisolia vorstellen: Claude Berri und Jean- Claude Carriere erzählen in ihren autobiografischen Werken unter anderem davon, wie aufregend es war, in Zeiten der sexuellen Revolution zwei Kreise zu malen: Damals haben sie die Leinwand gerne mal gegen eine nackte Frau getauscht.

Weitere Artikel: Anlässlich der 300-Jahr-Feiern in Sankt Petersburg legt einem Daniel Rondeau den Roman "Un ete a Baden Baden" von Leonid Zypkin ans Herz, für den Susan Sontag ein Vorwort geschrieben hat. Thierry Gandillot hat mit Daniel Pennac über dessen neuen Roman "Le Dictateur et le hamac" gesprochen, der das warme Brasilien zum Schauplatz hat.

Und: An Kakteen muss man unweigerlich denken, wenn man den Namen des französischen Sängers Jacques Dutronc hört. "Le monde entier est un cactus / Il est impossible de s'asseoir / Dans la vie, Il n'y a qu'des cactus", kann keiner so schön singen und keiner findet eine besseres Lösung aus dem ganzen Schlamassel: "A mon tour j'ai pris des cactus / Dans mon lit, j'ai mis des cactus / Dans mon slip j'ai mis des cactus". Also: Die ganze Welt ist ein Kaktus und zur Lösung des Problems steckt er sich Kakteen ins Bett und in die Hose. Wem das nicht hilft, der kann einfach seine neue CD hören: Madame l?existence.

Magazinrundschau vom 19.05.2003 - Express

Pablo Picasso lebte seit 1901 bis zu seinem Tode im Jahr 1973 in Paris. L'Express enthüllt in seiner jüngsten Ausgabe, dass die Pariser Polizei von Anfang an eine Akte über ihn führte - die im Krieg von den Nazis entführt wurde und dann von Berlin in die Keller des KGB verschwand. Erst jetzt kommen diese Papiere der französischen Fremdenpolizei nach Paris zurück. Unter anderem erfährt man, dass der damals schon berühmte Picasso 1940, noch vor dem Einmarsch der Nazis, die französische Staatsbürgerschaft beantragte. Es gab zwei Gutachten, ein positives und ein negatives. "Letztlich erhielt Picasso niemals eine Antwort auf seinen Antrag, was nach den Bräuchen der Verwaltung einer Ablehnung gleichkommt."

Detailliert werden im Kulturteil französische Pleiten in Hollywood nacherzählt: "Rund 30 Milliarden Francs haben französische Unternehmer in Los Angeles gelassen, wenn man die Debakel von Francis Bouyges mit Ciby 2000 im Jahr 1990, die Blamage des Credit Lyonnais, der wenig später in die MGM-Falle trat und die Niederlage des Senders Canal Plus mit seinem Minimajor Carolco zusammenzählt. Ohne die Fortsetzungsgeschichte um Vivendi Universal zu vergessen, dessen amerikanisches Abenteuer zur Karambolage zu werden droht." Man kann also wirklich nicht behaupten, dass die Franzosen Amerika nicht lieben!

Magazinrundschau vom 12.05.2003 - Express

Gilles Jacob, Präsident des Filmfestival in Cannes, schreibt eine kleine Hommage an Federico Fellini. Auf dem diesjährigen Festival ist eine komplette Werkschau des italienischen Filmemachers zu sehen. Zum ersten Mal in der langen Geschichte des Festivals kann man ein filmisches Gesamtwerk bewundern. Gilles Jacob erinnert sich an seine persönlichen Begegnungen mit Fellini - mit dem Mann, der "lieber seine eigene Kehle durchgeschnitten hätte, als darüber zu sprechen, was er mit seinen Filmen sagen wollte", erzählt Jacob.

In der Bücherschau lobt Guillaume Piketty zwei neue biografische Werke zum französischen Widerstand während des Zweiten Weltkriegs. Zwei Historiker haben das Leben von Jean Moulin und Henry Frenay in den Blick genommen. Letzterer war bisher noch nicht Gegenstand einer wissenschaftlichen Studie. Weitere Artikel: Auf die Suche nach den Verantwortlichen der NS-Verbrechen begibt sich der Held in Imre Kertesz fantastisch kafkaesker Erzählung "Der Spurensucher". Nun auch in dem französischen Verlag Actes Sud erschienen, wie Andre Clavel berichtet (mehr erfahren Sie hier). Besprochen wird außerdem der Roman "Madame Ba" von Erik Orsenna, der die französisch-afrikanischen Beziehungen zum gesellschaftspolitischen Hintergrund der fiktiven Handlung macht. Lesen Sie das Buch, Monsieur le President!, fordert Francois Busnel. Einen Auszug finden Sie hier. Schließlich erfahren Sie in der heutigen Ausgabe, wie Sie den Durchblick bewahren.

Und: Mal ganz abgesehen von der Frage, ob Tiere denken oder Pflanzen Sex haben können, steht ganz einfach fest, dass alle Lebewesen sich einem nicht entziehen können: den Frühlingsgefühlen. Französische Biologen und Philosophen gehen in mehreren Untersuchungen der Frage nach, warum man sich ausgerechnet zu dieser Jahreszeit so gerne paart. Ja, ja der Lenz ist da!

Magazinrundschau vom 22.04.2003 - Express

Die Erfolgsstory des Verlagshauses POL erzählt Olivier Le Naire. Paul Otchakovsky-Laurence, hat es geschafft, seinen nun über 20 Jahre alten Verlag, geschickt in der französischen Verlagslandschaft zu positionieren. Zum Durchbruch verhalf ihm Marguerite Duras' Roman "La Douleur". Mittlerweile zählen Stars zu den stets verlagstreuen Autoren, wie Olivier Le Naire berichtet. Darunter Marie Darrieussecq, Camille Laurens, Emmanuel Carrere, Rene Belletto und Martin Winckler (mehr erfahren Sie hier). Dennoch möchte der Verlagsleiter das Haus nicht erweitern, aber nur aus dem einen Grund: Noch mehr könne er beim besten Willen nicht lesen!

Weitere Artikel in der Bücherschau: Philippe Alexandre bespricht die Erinnerungen des Journalisten Jacques Duquesne an seine Kindheit während des Zweiten Weltkriegs, die er in der Normandie verbrachte. Aus der Sicht des Kindes erschien ihm der Krieg manchmal wie ein großes Spiel, ein Spiel, das allerdings allein den Erwachsenen vorbehalten blieb. Die Autobiografie hat eine erschütternde Aktualität vor dem Hintergrund des Irak-Kriegs, hebt Philippe Alexandre anerkennend hervor.

Außerdem geht es in der heutigen Ausgabe um die französische Justiz, die französische Kirche und das französische Bildungssystem: Die größten Skandale der französischen Jusitzgeschichte enthüllt Philippe Bilger in seinem Buch "Un avocat general s?est echappe". Warum die Kirche in Frankreich immer weniger gesellschaftlichen Einfluss hat, erklärt die Soziologin Daniele Hervieu-Leger in einer Studie, die von Weltuntergangsstimmung zeugt: "Catholicisme, La fin d?un monde" lautet ihr Titel. Schließlich widmet sich ein umfasssendes Werk des französischen Bildungsministers Luc Ferry dem maroden Bildungssystem in Frankreich.

Und: Einer der ersten Tänzer der Opera National de Paris, Nicolas Le Riche, hat einen Traum: Einmal zusammen mit Pina Bausch arbeiten.

Magazinrundschau vom 14.04.2003 - Express

1994 musste die Schriftstellerin Taslima Nasrin ihr Heimatland Bangladesch verlassen. Mit feministischen und religionskritischen Zeitungskolumnen und ihrem Roman "Scham" hatte sie den Zorn der islamischen Geistlichen auf sich gezogen. Gegen sie wurde durch eine Fatwa ein Mordaufruf verbreitet. In der heutigen Ausgabe des Express erläutert sie in einem langen Gespräch ihre Haltung gegenüber dem Islam: "Die Religion des Islam ist nichts anderes als eine menschliche Schöpfung, die sehr alt ist. Ich denke wirklich, dass der Islam eine Folter für Frauen ist, die wir bekämpfen müssen. Mein Stift ist dabei meine einzige Waffe. Ich finde mich persönlich nicht sehr radikal in meinen Ansichten. Ich sage nur die Wahrheit." In Frankreich wird Ende 2003 ihre Autobiografie unter dem Titel "Rafale de Vent" erscheinen. Mehr erfahren Sie hier.

Magazinrundschau vom 07.04.2003 - Express

Seit den siebziger Jahren lebt der tschechische Autor Milan Kundera in Frankreich. Jetzt ist sein neuer Roman "L'Ignorance" ("Die Unwissenheit") endlich auch dort erschienen. Andre Clavel erzählt die Geschichte zwischen Kundera und Frankreich, die - zumindest auf Kunderas Seite - eine Liebesgeschichte ist. Getrübt wurde sie, als Kundera anfing, seine Romane auf französisch zu schreiben - und die Kritiker sich über ihn mokierten. Darum hielt Kundera "L'Ignorance" in Frankreich drei Jahre lang zurück. Und es scheint, als hätte er seine Kritiker angesichts der internationalen Erfolge des Romans nun gezähmt: "Eine umstürzlerische Prosa, die direkt ins Wesentliche zielt", attestiert ihm Clavel.

Weitere Artikel: Eine Lawine von Büchern über Sexualität hat den französischen Buchmarkt überrollt, berichten Jacqueline Remy und Judith Rablat. Sie empfehlen unter anderem die Anthologie "Le Sexe" herausgegeben von Emmanuel Pierrat, mit Beiträgen von Christine Angot, Chloe Delome oder auch Regine Desforges. Besprochen werden außerdem Jean Ristans intimes Porträt von Louis Aragon (hier) und drei neue Bücher über Jorge Luis Borges (die Besprechung finden Sie hier).

Mit dem Schriftsteller und Filmemacher Pierre Schoendoerffer (mehr hier) hat Thierry Gandillot über Krieg gesprochen: über den Vietnam-Krieg, den Algerienkrieg und natürlich auch über den aktuellen Krieg im Irak. Und: Wenn Sie im frühlingshaften Frankreich einem grünen Hasen begegnen, wundern Sie sich nicht, denn er ist das Ergebnis französischer Gartenbaukunst, die auf eine lange Tradition zurückblicken kann.

Magazinrundschau vom 31.03.2003 - Express

Die Position der französischen Regierung im Irak-Krieg kommentiert in dieser Woche Jacques Attali: "Was auch immer das Los der Waffen sein mag, es beweist sich jeden Tag aufs Neue, wie Recht Frankreich hatte, nicht den Forderungen der amerikanischen Regierung mit ihrer arroganten und autistischen Haltung nachzugeben." Claude Allegre denkt über die Rolle der Demokratie im Irak-Krieg nach. Ist es möglich auf antidemokratischer Basis eine Demokratie zu errichten? Kann das Anliegen, ein demokratisches Regierungssystem zu etablieren, den Krieg im Irak legitimieren? Die komplette Irak-Dossier des Express finden Sie hier.

In der Bücherschau lesen wir ein Porträt des amerikanischen Autors James Salter. "Amerika ist mein Heimatland, Frankreich ist mein Zufluchtsland", erklärt er gegenüber dem Express, "denn wie kann man es wagen, die neue Welt gegen das alte Europa auszuspielen?" Einen Auszug aus seinem neuen Roman "Bangkok" finden Sie hier. Michel Grisolia lobt einen Briefroman über den Algerienkrieg. Thierry Gandillot freut sich über die surrealistische Erzählung "Lobster" von Guillaume Lecasble. Sie handelt vom Untergang der Titanic und zwar aus der Perspektive eines Hummers.

Weitere Artikel: Gilles Medioni schreibt ein kleines Portrait der französischen Musikgruppe La Tordue. Nicht nur von der Musik zwischen Rock, Ska und Reggae schwärmt er, sondern auch von den Songtexten, die alles andere als banal seien. Der Chansonier Maxime Le Forestier plaudert im Gespräch mit Eric Libiot über Star Academy, das Fernsehen, soziales Engagement und natürlich Musik. Und: Marie Cousin lässt die Franzosen anlässlich eines internationalen Kongresses über Beleidigungen aller Art mal so richtig schimpfen. Zu den neuesten französischen Schimpfwörtern gehört unter anderem: "Fait pas ton Bush!"

Magazinrundschau vom 10.03.2003 - Express

In einem Interview erklärt Robert Kagan die Notwendigkeit einer neuen Machtpolitik. Kagan, der US-amerikanische "Guru der Neokonservativen", wiederholt die wichtigsten Thesen seines Essays "Macht und Ohnmacht", das auch in Frankreich großen Aufruhr verursacht hat (hier eine Kurzform des Aufsatzes). Während früher Europa als Domäne der Realpolitik galt und die Vereinigten Staaten den Idealismus pflegten, hätte sich dieses Verhältnis heute umgekehrt. "Ich würde sagen, dass Europa die Kantianische Vorstellung von Weltordnung angenommen hat, die Vision eines Ewigen Friedens, mit Nationalstaaten, die ihre Souveränität an supranationale Organisationen abgeben...Die Amerikaner sind näher an den Vorstellungen von Hobbes: ihrer Meinung nach muss die Weltordnung von einer Großmacht und nicht von internationalen Organisationen durchgesetzt werden."

Des weiteren findet sich ein Resümee der Auswirkungen der Anklageschrift von Pierre Pean und Philippe Cohen gegen Le Monde: "Die Woge des Schocks ist kolossal". L'Express, der das Buch in Auszügen veröffentlichte, wehrt sich nun gegen Vorwürfe, eine Schmutzkampagne zu führen und erwartet noch mehr "Kollateralschäden" nach den Enthüllungen. Mehr zum Thema hier.

Magazinrundschau vom 03.03.2003 - Express

Die Gedenkstätte Yad Vashem wird den Gerechten, die in der Nazizeit verfolgten Juden halfen, einige internationale Nachschlagewerke widmen. Der erste, bei Fayard erschienene Band stellt gerechte Franzosen vor. Lucien Lazare hat den "Dictionnaire des Justes de France " herausgegeben, berichtet Marion Festraëts. Er erinnert an 2000 Franzosen, die einigen in Frankreich lebenden Juden das Leben gerettet haben. "Die Geschichtsschreibung sollte sich nicht nur in den Dienst großer geschichtlicher Ereignisse stellen. Es gibt innerhalb kleiner Mikrophänomene der Geschichte, einzelne Elemente die es verdient haben, in der Geschichte der Shoah an erster Stelle zu stehen. Sie zeugen davon, dass es Menschen gibt, die andere Anliegen haben, als sich einem kriminellen Regime zu unterwerfen", sagt Lazare. Claude Lanzmann kritisiert das Werk als zu eindimensional: "Wir dürfen nicht vergessen, dass ein Viertel der in Frankreich lebenden Juden in Konzentrationslagern umgekommen sind, aber dennoch drei Viertel gerettet worden sind. Dank vieler Franzosen, die in diesem Nachschlagewerk gar nicht auftauchen."

Magazinrundschau vom 24.02.2003 - Express

Es rauscht mal wieder im französischen Blätterwald: Der Express titelt mit Enthüllungen rund um die französische Tageszeitung Le Monde: "Hinter der Maske des journalistischen Ideals verbirgt sich ein Wille zur Macht, der an all das erinnert, was die Presse schon immer unterwandert hat: Zynismus, Denunziation, psychologische Repressalien, Missbrauch der eigenen Position, ja Autokratie", so die These von Pierre Pean und Philippe Cohen, die Autoren des Buches "La face cachee du Monde". Der Express bringt gleich mehrere Auszüge aus unterschiedlichen Kapiteln. Wenn Sie ihre Meinung auch loswerden wollen, nehmen Sie einfach an dem Leserforum teil. "Eh oui", meint beispielsweise ein gewisser Kiki, "Korruption ist in Frankreich äußerst verbreitet". Eh oui, wie anderswo.

Hinter den Türen der unscheinbaren Adresse 42, rue de Fontaine, eröffnete sich dem Besucher bislang eines der größten surrealistischen Sammelsurien. Selbst unter dem Sofa konnte man angeblich noch kunsthistorische Schätze finden, darunter "La femme cachee" von Rene Magritte. Gehütet wurde das dadaistisch anmutende Gesamtkunstwerk in Andre Bretons Atelier bis vor kurzem von seiner Tochter Aube. Doch Sie konnte den Traum vom eigenen Museum nicht verwirklichen. Einzelne wertvolle Stücke kommen nun unter den Hammer. Einen Hauch von kreativem Chaos kann man zumindest noch spüren, wenn man die Wand aus Bretons Arbeitszimmer betrachtet, die in der Kunstsammlung Nordrhein Westfalen ausgestellt war. Aber eben nur einen Hauch.

Weitere Artikel: Annick Colonna Cesari hat sich eine Ausstellung über "Neue Sachlichkeit" im Musee de Grenoble angesehen. In der Bücherschau wird "Quitte a avoir un pere" von Florence Mongorce-Gabin besprochen, Anekdoten und Erinnerungen an den Vater Jean Gabin. Einen Auszug lesen Sie hier.

Und - le philo, c?est rigolo: Francois Busnel feiert ein "Antimanuel de la philosophie". Denn sich über Philosophie lustig zu machen, ist die wahre Philosophie. Das wusste schon Pascal.