Robert Kagan

Macht und Ohnmacht

Amerika und Europa in der neuen Weltordnung
Cover: Macht und Ohnmacht
Siedler Verlag, Berlin 2003
ISBN 9783886807949
Gebunden, 127 Seiten, 16,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Thorsten Schmidt. Europäische Politiker, die von der globalen Strategie der USA zunehmend irritiert sind, glauben, dass die USA und Europa auf einen Moment der Wahrheit zusteuern. Nach Jahren wechselseitigen Ressentiments und zunehmender Spannung ist die Erkenntnis unausweichlich, dass die realen Interessen Amerikas und Europas längst nicht mehr identisch sind und dass die Beziehung zwischen den USA und den Staaten Europas, besonders Deutschland, sich verändert hat - vielleicht unwiderruflich. Europa sieht die Vereinigten Staaten als arrogant, kriegerisch, undiplomatisch; die Vereinigten Staaten betrachten Europa als erschöpft, unernst und schwach. Der Ärger und das Misstrauen auf beiden Seiten verhärten sich und führen zu Entfremdung und Unverständnis.

Im Perlentaucher: Rezension Perlentaucher

Robert Kagan arbeitete von 1984 bis 1998 im Außenministerium der USA. Heute lebt er in Brüssel. Sein kleines, an einem ruhigen Nachmittag zu lesendes Buch "Macht und Ohnmacht - Amerika und Europa in der neuen Weltordnung" ist das Klügste zum Thema. Kagan macht klar: Es geht beim Streit zwischen den USA und Europa nicht um Recht und Moral. Er erinnert daran, dass im 19. Jahrhundert die USA gegenüber den expandierenden europäischen Kolonialmächten den Standpunkt vom unbedingten Vorrang des Völkerrechtes gegenüber den nationalen Interessen vehement vertraten. Damals also redete die Regierung in Washington so, wie heute die europäischen Staaten...
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.09.2003

Robert Kagan habe hier sieben wichtige Essays geschrieben, so der mit "R. St." zeichnende Rezensent, und die Auseinandersetzung mit seinen Thesen sei überaus sinnvoll, da sich der Autor dadurch auszeichne, nicht einseitig Position zu beziehen, sondern stattdessen beide Seiten kritisch zu beleuchten. So zeigt er auf, dass bis zum Ersten Weltkrieg Europa eher von der Macht, Amerika vom Recht aus argumentierte, wie sich dieses Verhältnis mit der Zeit umkehrte und wo die Schwächen beider zu einseitigen Positionen liegen. Das einzige, wenn auch vom Autor unverschuldete Manko des Buches sei die Tatsache, dass es noch vor der transatlantischen Auseinandersetzung über den Einmarsch in den Irak geschrieben worden sei. Somit schließe dieses Buch keine Debatte ab, könne aber sehr wohl der Anfang einer solchen sein.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.03.2003

Selten hat eine Streitschrift ein so großes Echo gefunden wie Robert Kagans "Macht und Ohnmacht. Amerika gegen Europa in der neuen Weltordnung", berichtet Rezensent Werner Link. In Europa, in Deutschland zumal, überwiege der Widerspruch - ein empörter Widerspruch, der zeige, dass Kagan einen empfindlichen Nerv getroffen habe. Link dagegen gibt sich sachlich und differenziert. In einem Punkt habe Kagan völlig recht: Es seien die beispiellosen Veränderungen in der internationalen Machtverteilung zugunsten einer einzigen Weltmacht und die unterschiedlichen "Lagerungen" der Staaten in diesem internationalen System, die zu unterschiedlichen Strategien und Ideologien führen. Zustimmung des Rezensenten findet Kagan auch, wenn er konstatiert, dass mit der europäischen Integration eine bewusste Abkehr von der alten europäischen Machtpolitik vollzogen wurde. Wenn Kagan den Europäern allerdings vorwirft, dass Europa mit missionarischem Sendungsbewusstsein den Rest der Welt mit der Errungenschaft des Integrationsfriedens beglücken wolle, ohne zugeben zu wollen, dass das europäische "Wunder" nur unter dem amerikanischen Schutzschild entstanden sei und erhalten werden könne, dann übersieht er nach Ansicht Links, dass die Ideologie der "Zivilmacht Europa" ohnehin im Schwinden begriffen ist. Im allgemeinen hält er Kagan zu Gute, "schonungslos" die Widersprüchlichkeit und Schwäche der europäischen Politik offen zu legen. Letztlich verwickle sich Kagan aber in einen "eklatanten Widerspruch", wenn er einerseits den Ausbau der europäischen militärischen Fähigkeiten als wünschenswert ansehe und andererseits die Anpassung an die amerikanische Vormachtstellung propagiere. "Es ist das alte amerikanische Lied", so das Fazit des Rezensenten, "für ein stärkeres Europa nur, falls es eine proamerikanische Politik betreibt und Gefolgschaft leistet."
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.03.2003

Der Autor ist ein lausiger Therapeut, aber ein geschickter Psychologe und unterhaltsamer Schreiber, schickt Marten Rolff seiner Besprechung von Robert Kagans "Macht und Ohnmacht" voraus. Die Sache mit dem Therapeuten klärt sich bald: mit einem Beispiel aus der Paartherapie hat Kagan versucht, das Verhältnis von Amerikanern und Europäern zu charakterisieren, erzählt Rolf. Kagan hatte behauptet, Amerika stamme vom Mars ab und Nachkriegs-Europa von der Venus. Im Nachhinein soll er seinen Vergleich als missverständlich entschuldigt haben, aber für Rolff kennzeichnet er ganz gut Kagans These von der historischen Verschiedenheit der Nato-Partner. Für Kagan befinde sich Europa im Zustand des "postmodernen Paradieses", das der großen Machtpolitik abgeschworen habe und mit der Vollendung der Europäischen Union und sich selbst beschäftigt sei. Diesen Umstand verdanke Europa jedoch nur dem militärischen Schutz der USA, insofern sei es naiv, wenn es die Überlegenheit der USA und deren "positive Einstellung zur Macht" nicht anerkenne. Der Autor hat in Brüssel gearbeitet und kennt sich mit europäischen Gegebenheiten gut aus, attestiert ihm der Rezensent, dennoch bleibe letztlich als Argument nur das "Diktat der Macht" und das klingt für den Rezensenten hier und da ein wenig grob.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.02.2003

Inhaltlich scheint der Rezensent Ulrich Speck keineswegs überzeugt von den Thesen des neokonservativen Vordenkers Robert Kagan. Dessen Buch findet er trotzdem interessant und wichtig, denn Kagans politisches, machtorientiertes Denken sei "charakteristisch für den Diskurs der mit allem intellektuellen Wassern gewaschenen neokonservativen Politikberater, die in Washington derzeit das Sagen haben". Im Zentrum von Kagans Argumentation steht die Macht - und die Frage, wie sie am effektivsten zu nutzen ist. Die in Europa in den Neunziger Jahren verbreitete Hoffnung, internationale Rechtsverträge könnten an die Stelle von militärischer Machtausübung treten, hält Kagan nach Specks Lesart für völlig naiv. Gegen Kagans Thesen hat der Rezensent einige Einwände, er hält dessen Machtbegriff für reduktionistisch und auch die "Bedrohungen, denen gegenüber zu versagen Kagan Europa vorwirft", sind seiner Meinung nach teilweise ein Produkt früherer US-amerikanischer Interventionen. Trotz alledem sei eine Auseinadersetzung mit Kagans vieldiskutierten Thesen notwendig, befindet Speck, denn "in diesem bestechend klaren Essay findet sich jene neokonservative Herausforderung konzentriert, auf die Europa eine Antwort finden muss".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.02.2003

Wer nach Gründen suche, zum überzeugten Europäer zu konvertieren, dem empfiehlt Rezensent Gregor Schöllgen das vorliegende Buch des amerikanischen Politologen Robert Kagan zur Kenntnis zu nehmen, der Schöllgen zufolge mehrere Jahre im State Department tätig war. Darin werde die amerikanische Politik als jahrhundertelange Tradition der territorialen Expansion und Ausweitung der Einflusssphäre und damit als "unleugbare Realität der amerikanischen Geschichte" beschrieben. Auch sei der 11. September nicht Auslöser, sondern lediglich Anlass einer Tempoerhöhung bei der "großangelegten internationalen Terroristenjagd mit allen Mitteln" gewesen, und "zugleich für eine beispiellose weltweite Ausdehnung des amerikanischen Machtbereichs in Friedenszeiten". Doch der Rezensent las Kagans Buch nicht allein als historische Analyse sondern auch als politisches Programm und erklärten Hegemonieanspruch Amerikas. Die Rolle des friedfertigen Europas fand Schöllgen dagegen ein wenig mitleidig als "Wunder" und Anlass zu tiefer Freude, jedoch als Partner nicht allzu brauchbar dargestellt. In Kagans Europa-Bild fand der Rezensent jedoch auch dessen "betrüblichen Zustand, seine im Jugoslawien-Konflikt dokumentierte , beschämende Tatenlosigkeit, kurz: seine außen- und sicherheitspolitische Ohnmacht" reflektiert.
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