Magazinrundschau - Archiv

L'Express

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Magazinrundschau vom 17.02.2003 - Express

Aus gegebenem Anlass bringt der Express einen großen Sonderteil über den Irak-Konflikt und die Position Frankreichs. Lesenswert vor allem der lange und spöttische Hintergrundartikel über die Geschichte der französisch-irakischen Beziehungen, die natürlich immer bestens waren: "Erinnern wir uns. Es war gestern: Minister und Oppositionspolitiker, hohe Beamte, Waffenhändler, Ölleute und Bankiers - niemand hätte gern den alljährlichen Empfang verpasst, den die irakische Botschaft jedes Jahr am 17. Juli, dem irakischen Nationalfeiertag, veranstaltete. Das Tout Paris der Politik und der des Business drängte sich hier im Garten der Residenz in Passy."

Der marokkanische Filmemacher Nabil Ayouch ist zur Zielscheibe konservativer Politik geworden, berichtet Fathia Layadi. Dem von Arte in Auftrag gegebenen Film "Une minute de soleil en moins" wird Pornografie vorgeworfen, weshalb der Film in Marokko zensiert wurde. Der einzige Ausweg für den Regisseur: Die Aufführung in Privatvorstellungen für einen ausgewählten Zuschauerkreis. Auch Schriftsteller wie Mohamed Choukri bleiben von solchen Maßnahmen der marokkanischen Regierung nicht verschont.

Weitere Artikel: Aus der Traum vom Schriftstellersein für den Helden in Yasmina Rezas neuem Roman "Adam Haberberg" (einen Auszug lesen Sie hier). Dazu verdonnert , unter einem Pseudonym Science-Fiction-Romane zu schreiben, entschließt er sich eines Tages mit der Schriftstellerei abzuschließen: Er verbringt stattdessen einen netten Abend mit einer alten Schulfreundin. Thierry Gandillot bewundert Rezas scharfe Beobachtungen und ihre musikalische Intimität. Eric Conan freut sich über die Neuauflage einer Auswahl von Briefen von Alexis de Tocqueville, dem Verfechter des demokratischen Individualismus. Gute Idee, findet er, denn die dicke 20-bändige Ausgabe der politischen Korrespondenz herausgegeben von Raymon Aron war einfach abschreckend. Daniel Rondeau stellt zwei neue Bücher über Charles de Gaulle vor, die einem de Gaulle näher bringen und zwar nicht nur menschlich, sondern beinahe allzumenschlich.

Magazinrundschau vom 10.02.2003 - Express

Alles über Saddam, weiß Dominique Lagarde in der neuen Ausgabe des Express. Er hat in einigen Neuerscheinungen über den Irak geblättert. In der jüngsten historisch angelegten Studie von Pierre-Jean Luizard "La Question irakienne" (Edition Fayard) kann man lesen: "Das Regime unter Saddam Hussein gleicht einem arabischen Remake der amerikanischen Fernsehserie Dallas. Nur mit dem Unterschied, dass die irakische Version sehr viel blutiger ist: Der Herr von Bagdad regiert ein ganzes Land so wie JR über die Ölquellen von Ewing." Na, da hätten wir ihn mal wieder, den gern bedienten Vergleich zwischen Realität und Fiktion. Irgendwie scheint Peter Sloterdijk mit seiner Vermutung schon Recht zu haben, dass derzeit ein "paar saudi-arabische Medienkünstler mit 1: 0 führen".

Altes oder neues Europa? Für ein neues Europa plädiert der Rechtsanwalt Laurent Cohen Tanugi mit seinem Buch "Les Sentinelles de la liberte". Gegenüber dem Express sagt er: "Wenn man Europa voran bringen will, ist einer der Schlüssel dazu, eine gemeinsame Außen- und Verteidigungspolitik. Solange sich die Europäer nicht darüber einig sind, wie ihre Beziehung zu Washington aussehen soll, geht es mit einer gemeinsamen Außenpolitik nicht voran." Einen Auszug aus dem Buch lesen Sie hier. Besprochen werden außerdem "Revolutions" von Le Clezio (hier) und "Les enfants qui tombent dans la mer" von Florence Delaporte (die Besprechung finden Sie hier und einen Auszug hier).

Weitere Artikel: Die einzige Sicherheit, die der Mensch in der modernen Gesellschaft hat, ist die Unsicherheit, resümiert der Express in einer umfassenden soziologischen Untersuchung der französischen Gesellschaft. Tant pis! Denn es kommt, wie es kommt. Zu diesem Schluss kommt auch Paul Virilio in seiner Ausstellung "Ce qui arrive" (eine Besprechung aus der NZZ lesen Sie hier). Und: Laurence Liban schildert, wie es der jungen Autorin Marie NDiaye gelungen ist, ihr Stück "Papa doit manger" im verstaubten Repertoire der Comedie Francaise unterzubringen.

Magazinrundschau vom 02.02.2003 - Express

Der Express bringt in dieser Ausgabe ein langes Interview mit dem Fotografen und Filmemacher Raymond Depardon anlässlich seines neuen Films "Un homme sans l?Occident", der (mal wieder) in der Sahara spielt. Er verlangt vom Zuschauer vor allem eines: Zeit. "Natürlich ist das ganz gegenläufig zu dem, was man heute macht. Man braucht Zeit, um meine Fotos und meine Filme anzusehen. Paradoxerweise bin ich jemand, der immer an eine Erzählung gebunden ist: meine Fotos müssen für mich mit einer Geschichte verknüpft oder von einem Text begleitet sein. Roland Barthes sagte, dass die erklärenden Worte, die unter einem Bild stehen, nur eine Art Verankerung des Bildes sind, das die eigentliche Erzählung enthält. Diese Idee hat mir schon immer gefallen."

In Frankreich hat man es als Soziologe zwischen so vielen Theorien wie beispielsweise denen von Alain Tourraine, Pierre Bourdieu oder Jean Baudrillard nicht ganz einfach. Eric Conan hat sich trotzdem aufgemacht und einen Soziologen gefunden, der noch an die Kraft dieser wissenschaftlichen Disziplin glaubt: Raymond Boudon. Vor den Präsidentschaftswahlen hat er mit einer Studie Aufsehen erregt. Sie zeigte, dass politische Irrtümer auf den starken Einfluss der Medien zurückzuführen sind, die die öffentliche Meinungsbildung beeinflussen. Nicht zuletzt deshalb gilt Boudons Werk in Frankreich als "lieu essentiel de la democratie". Einen Auszug aus einem seiner Bücher lesen Sie hier.

Weitere Artikel in der Bücherschau: Claro begibt sich in seinem neuen Roman "La chair electrique" auf die Spuren der Geschichte des elektrischen Stuhls. Einen Auszug lesen Sie hier. Vergleichbar mit einem Schluck Wodka ist der dritte Teil einer russisch-französischen Trilogie mit dem Titel "La terre et le ciel de Jacques Dorme" von Andrei Makine, findet Thierry Gandillot. Na dann Prost! Einen Auszug finden Sie hier.

Magazinrundschau vom 27.01.2003 - Express

Der Express nimmt Abschied von Francoise Giroud, der großen Journalistin, die im Alter von 86 Jahren gestorben ist undf die man sich gewissermaßen als die französische Gräfin Dönhoff vorzustellen hat. Sie war in den fünfziger Jahren Mitbegründerin des Express, der sich durch seine kritische Position zur Algerien-Politik der französischen Regierungen Verdienste erwarb. Ihre Herkunft war allerdings ein wenig exotischer als die der Gräfin, wie wir in Jacqueline Remys Nachruf erfahren: "Sie träumte davon, Arzt zu werden, wie ihr Großvater, der Hofarzt des Sultans von Konstantinopel. Aber sie wurde Journalistin, wie Salih Gourdji, ihr türkischer, in Bagdad geborener Vater, der - wie sie manchmal erzählte - die ottomanische Nachrichtenagentur leitete, bevor er in Paris im Jahre 1908 eine poilitische Zeitung gründete."

Ein ganzes Dossier mit einer Menge Statements und einem Vorabdruck aus ihrem letzten Roman ist ihr im Express gewidmet.

Außerdem finden wir ein Gespräch mit Joseph Rovan, dem Pionier der deutschen-Franzöischen Versöhnung. "Natürlich", antwortet er auf die Frage, ob Deutschland und Frankreich der Motor der europäischen Einigung bleiben sollen, "mit einem dritten Motor, den man sehr bald anwerfen sollte, nämlich Polen."

Magazinrundschau vom 20.01.2003 - Express

Ganz hinten, auf den letzten Seiten hat sich in der heutigen Ausgabe des Express eine klitzekleine Besprechung einer neuen historischen Studie über die Vichy-Regierung versteckt. In "La justice du pire - Les cours martiales sous Vichy" (Payot) nimmt Virginie Sansico ein dunkles Kapitel französischer Justizgeschichte in den Blick. Ein Grund mehr sie ganz an den Anfang zu stellen. Erfreulicher sind vierzig Jahre deutsch-französische Freundschaft, die der Express mit einer Reportage aus Ludwigsburg feiert, wo das deutsch-französische Institut seinen Sitz hat.

Zur Bücherschau: Eine Art Zeitreise ist Peter Brooks neu erschienene Autobiografie mit dem Titel "Oublier le temps". "Vom Himmel aus betrachtet ähneln die Flugbahnen von Peter Brook unkoordinierten Sprüngen von einem Kontinent auf den anderen und von einer Kultur zur anderen" - in solchen Bildern schwelgt Laurence Liban nach der Lektüre des Buches. Er ist begeistert von dem kleinen Band "voller Humor, gespickt mit scharfsichtigen Porträts und bissigen Dialogen". Das Buch komme ganz und gar nicht altklug daher, sondern blicke sehr weise hinter die Kulissen eines Kapitels englisch-französischer Theatergeschichte. Erst kürzlich hat Peter Brook Hamlet in den Bouffes du Nord wiederaufgenommen.

Europa widmet der italienische Schriftsteller Claudio Magris seinen Band "Deplacements". "Das neue Europa müsste in seiner ganzen Diversität auf die eine oder andere Weise eine vereinte Nation darstellen, nicht ein wildes Archipel aus Nationen und Bevölkerungsgruppen, die davon besessen sind, ihre eigene Nationalität zu wahren", schreibt er. Es handelt sich um die Chronik einer europäischen Reise, die bereits in Corriere della Sierra zwischen 1985 und 2000 erschienen war. Außerdem: Thierry Gandillot porträtiert den Schriftsteller Jean Echenoz , dessen neuer Roman "Au piano"(einen Auszug lesen Sie hier) eine Hommage an Iabel Delmark ist.

Weitere Artikel: Ein Nachruf von Jean-Pierre Dufreigne auf den französischen Filmemacher Maurice Pialat. Und: Erst kommt das Fressen, dann die Moral - das wussten schon ganz große französische Schriftsteller wie Alexandre Dumas. Ein Bändchen beschäftigt sich nun mit den kulinarischen Vorlieben französischer Schreiberlinge.

Magazinrundschau vom 13.01.2003 - Express

Ein Skandal für die französischen Medienlandschaft sind die Enthüllungen des Journalisten Daniel Carton, der für Le Monde und den Nouvel Observateur schrieb. Er untersucht in seinem Buch "Bien entendu c'est off - Ce que les journalistes ne politiques racontent jamais" (mehr hier) - die komplexen Beziehungen zwischen Presse und Politik. Wer manipuliert hier eigentlich wen? Wer verschweigt was? sind die zentralen Fragen. Das Fazit: Ausgerechnet die Mitarbeiter von Le Monde, die sich die Moral groß aufs Programm geschrieben haben, sind nur Teil eines Systems, in dem es letztlich nur um eines geht: um Macht. "Dieses Buch stellt das Metier des politischen Journalismus bloß und ist zugleich eine schreckliche Anklage gegen das Mekka des französischen Journalismus - Le Monde", schreibt Denis Jeambar.

Außerdem in der Bücherschau: Nach ihrem großen Erfolg mit dem Roman "Sans moi" hat Marie Desplechin nun einen neuen Roman unter dem Titel "Dragons" veröffentlicht. In einem Haus in der Bretagne lässt sie die Gespenster der Vergangenheit spuken. Nicht die einfachste Lektüre und sehr gewagt, finden Cecile Pivot und Nathalie Riche, aber trotzdem oder gerade deshalb lesenswert. Einen Auszug lesen Sie hier. Allen Kinoliebhabern wird zudem empfohlen: Jean Piere Merigeaus Buch über den gerade verstorbenen Filmregisseur Maruice Pialat. ("Pialat", bei Grasset, hier das erste Kapitel des Buchs.).

Weitere Artikel: Gilles Medioni hat mit dem Chansonnier Jean Ferrat gesprochen. Auf die Frage, welche Musiker man heute noch als 'engagiert' bezeichnen könne, antwortet er: Zebda und Noir Desir.

Und: Lesen Sie eine Reportage über die Region, die für die Franzosen am anderen Ende der Welt liegt: Das Elsaß. Zu Wort kommt natürlich Tomi Ungerer.

Magazinrundschau vom 06.01.2003 - Express

Der Express bringt eine lange Recherche zur Frage, wer Anne Frank und ihre Familie im Jahr 1944 denunziert hat - zwei Jahre lang hatten sie in einem Versteck in Amsterdam verbracht. Das niederländische Institut für Kriegesdokumentation ist hier mit einer Untersuchung beauftragt, deren Ergebnisse Ende Januar präsentiert werden sollen. Höchstwahrscheinlich greift es die These der britischen Historikerin Carol Ann Lee auf, nach der der Nachbar Tonny Ahlers die versteckten Juden bei der Polizei anschwärzte. Der Express zitiert David Barnouw, einen Mitarbieter des Instituts: "Lange Zeit lebten wir mit dem Bild der tapferen Batavier, die allesamt im Widerstand waren, aber das war natürlich nur ein Mythos... Wie in Frankreich haben die meisten Leute geschwiegen und die Dinge geschehen lassen, wenn sie nicht sogar kollaborierten. Ein Viertel der etwa 25.000 in den Niederlanden versteckten Juden sind von Nachbarn denunziert worden."

Weitere Artikel: "Trotz allem ist die europäische Einigung durch den deutsch-französischen Motor vorangetrieben worden", schreibt Alfred Grosser, der große alte Mittler zwischen Deutschland und Frankreich zum 40. Jahrestag des Elysee-Vertrags. Ein längerer Artikel und eine Kolumne von Jacques Attrali befassen sich mit der Ankündigung des angeblichen ersten geklonten Kindes durch die Rael-Sekte.

Magazinrundschau vom 16.12.2002 - Express

Ein Dossier befasst sich mit der Frage, ob die Türkei in die EU aufgenommen werden soll. Die Franzosen scheinen hier genauso zerstritten wie die Deutschen. Historisches Hintergrundmaterial liefert ein Gespräch mit dem Historiker Jean-Paul Roux, der die Türken in einer zwiespältigen Position sieht: "Die Türkei hat Europa immer mit Leidenschaft begehrt, so wie ein Mann eine Frau begehrt, mit liebevollen und mit hassvollen Momenten. Die Türkei ist nicht europäisch. Aber sie wollte immer europäisch sein. Vor kurzem hat mir ein junger Türke gesagt: 'Was bleibt uns, wenn wir nicht europäisch werden dürfen? Der Islam.'"
Stichwörter: Jean Paul

Magazinrundschau vom 09.12.2002 - Express

Christian Makarian erklärt, warum der Pariser Erzbischof Jean-Marie Lustiger die Gemüter erregt. Der zum Katholizismus konvertierte Jude sei bekannt dafür, kein Blatt vor den Mund zu nehmen. In seinem neuesten Buch, "La Promesse", bringe Lustiger gleich beide Glaubensgemeinschaften gegen sich auf, indem er die Kontinuität zwischen Judentum und Christentum und deren unentwirrbare Verwobenheit betone. Eine These, mit der sich weder Judentum noch Christentum in ihrem alleinigen Wahrheitsanspruch anfreunden können. Aus der Feder eines hohen katholischen Würdenträgers sei das "theologisches Dynamit", lautet Makarians Fazit, und er zitiert aus dem Buch: "Wenn eine christliche Theologie in ihre Vision der Reue, des Geheimnisses des Kreuzes, nicht einschreiben kann, dass auch Auschwitz zum Leiden Christi gehört, dann sind wir mitten in der Absurdität. (?) Wenn man gewagt hat, im Zusammenhang von Israel und Christus von Gottesmord zu sprechen, dann müsste man auch von Gottesmord reden, was die christlich genannten westlichen Völker und das Schicksal angeht, das sie dem jüdischen Volk bereitet haben. Denn in diesem Fall trifft das Gleiche auf beide zu: Ablehnung von Christus, wie er sich gibt, und Hass auf die Erwähltheit, wie Gott sie gibt."

Sechs "Persönlichkeiten" nehmen Stellung zu Lustigers Buch - leider nur in der Printausgabe.
Außerdem gratuliert Annick Colonna-Cesari dem Kunst- und Politikmagazin "Art Press" zum dreißigsten Geburtstag und fragt sich, inwiefern die von Catherine Millet (man erinnert sich an ihren Skandalroman "La vie sexuelle de Catherine M.") geleitete Veröffentlichung ihren "kämpferischen" Idealen treu geblieben ist.

Magazinrundschau vom 02.12.2002 - Express

Der Express steigt ein in die Debatte um die neuen Reaktionäre, die Daniel Lindenberg mit seinem Buch "Le rappel a l'ordre" losgetreten hat (mehr hier). Eric Conan erklärt, dass hier eine "alte Tradition aufgegriffen wird: die Liste der Schlecht-Denkenden". Der Express wolle, so Conan weiter, "den Angeklagten das Wort geben, nicht um einer Vorgehensweise zu antworten, die übrigens keine Diskussion sucht, sondern um gegen die Einschüchterung durch die Zensoren zu protestieren und die Freiheit des Denkens, für alle, zu verteidigen."

In einem kollektiven Manifest erklären die angeklagten Intellektuellen (Alain Finkielkraut, Marcel Gauchet, Pierre Manent, Philippe Muray, Pierre-Andre Taguieff, Shmuel Trigano und Paul Yonnet), über diese Indexierung als "neue Reaktionäre" gleichermaßen empört, überrascht und geehrt zu sein. Empört über die von Lindenberg benutzten "Mittel, die "an die schönsten Tage des Stalinismus erinnern". Überrascht, sich "auf diese Art unter derselben Anklage wiederzufinden. Wir dachten, wir seien verschieden, in unseren Ansätzen, unseren Schlussfolgerungen, da unter uns Diskussionen, Widersprüche, Polemiken und Widerstände keineswegs Mangelware sind." Das Einzige, was sie wohl gemeinsam haben, sei die kritische und - im Gegensatz zu Lindenberg - demokratische Auseinandersetzung mit der Realität. Es sei also der Konformismus, der hier den Antikonformismus anklage, und mit dem Begriff des "reactionnaire" versuche "die Sorge und das freie Denken als faschistisch hinzustellen". Daher "sind wir stolz darauf, zur Zielscheibe zu werden."

In einem Interview wundert sich der in Tschechien geborene Regisseur Milos Forman, dass es so viele Leute gibt, die sich in einem totalitären Regime wohlfühlen. Das sei für ihn wie "ein Leben im Zoo".