Magazinrundschau - Archiv

L'Express

109 Presseschau-Absätze - Seite 6 von 11

Magazinrundschau vom 10.11.2003 - Express

Eine Art zeitgenössisches Volkstheater schwebt dem französischen Schauspieler Charles Berling vor. Bloß wie kann man ein solches Konzept umsetzten, wenn die Strukturen in der französischen Theaterlandschaft derart verkrustet sind? Für seine Hamlet-Inszenierung, die im Januar in Nanterre zu sehen sein wird, musste er vier Jahre lang um Fördermittel kämpfen. Berling stellt auch - mit Worten, die ein hiesiger Schauspieler nicht anders wählen würde - das Regietheater in Frage: "Seit 35 Jahren werden die subventionierten Theater von den Regisseuren dominiert. Nicht dass ich die einen gegen die anderen ausspielen will... Aber diese Übermacht hat eine gewisse Zahl großer Schauspieler an ihrer Entfaltung gehindert. Sie haben keinen wirklich Platz im öffentlichen Theater gefunden, konnten sich nicht popularisieren... Dieses Auslöschen der großen Schauspieler nützt dem Theater nicht."

Make love, not war, so könnte das neue Album von Juliette Greco heißen. Sein Titel: "Aimez vous les uns les autres ou bien diparaissez". Blumig-melancholisch äußert sie sich gegenüber dem Express zur Vergänglichkeit des Menschen, um sich im nächsten Atemzug mit einer Schlange zu vergleichen: "Ich esse die Wörter wie eine Schlange. Ich verdaue sie langsam und eines Tages erscheinen sie zwischen meinen Lippen und sie werden zu meinen eigenen Worten, denn ich habe sie ausgewählt. Keiner wird mich dann küssen, der mir nicht gefällt". Die inzwischen 76-jährige Sängerin ist im Februar im Pariser Olympia zu erleben. Küssen verboten.

Und: Vorbei die Zeit, in der nüchtern ja geradezu klinisch kühl über Sexualiät geschrieben wurde, berichtet der Express. Laurence Debril und Ada Mercier stellen Neuerscheinungen der erotischen Literatur vor. Na dann ziehen Sie sich mal warm an.

Magazinrundschau vom 03.11.2003 - Express

Frankreich hat ein Veteranenministerium, das genaue Statistiken führt. Darum weiß man hier, wie viele "poilus" - Soldaten des Ersten Weltkriegs - noch am Leben sind: genau 36, der jüngste 102, der älteste 109 Jahre alt (nicht gezählt sind dabei die Elsässer, die damals auf deutscher Seite kämpften). Einige dieser Soldaten hat das Magazin für eine lange Reportage getroffen. Der melancholische Anfang des Artikels: "In einigen Jahren oder einigen Monaten wird es keine lebendige Erinnerung mehr an den Ersten Weltkrieg geben. In unserem Land wird kein einziger Zeuge jener Kämpfe mehr leben, bei denen 10 Millionen Soldaten, darunter 1,5 Millionen Franzosen ums Leben kamen - also 16,8 Prozent der für den Krieg in Frankreich mobilisierten Soldaten, fast einer von sechs... Aber nicht nur das Ausmaß des Massakers, oder die Tatsache, dass es sich um den ersten ausführlich fotografierten und dokumentierten Krieg handelt, erklären das bis heute wache Interesse and diesem Krieg, sondern auch das Wissen, dass er die Welt veränderte. Danach begann Europa seinen Abstieg, der westliche Mensch weiß - nach dem Wort Valerys - dass die 'Zivilisationen tödlich sind'. Das 20. Jahrhundert kann beginnen..."
Stichwörter: Elsass

Magazinrundschau vom 22.09.2003 - Express

Die Franzosen sorgen sich um eins ihrer nationalen Aushängeschilder: die Laizität in der Schule. Diese wurde 1905 verabschiedet und weist die Schule als religionsfreien Ort aus, an dem jedes sichtbare Zeichen religiöser Zugehörigkeit verboten ist. Doch nun, berichten Besma Lahouri und Eric Conan, stellt die muslimische Gemeinschaft und ihr Festhalten am Schleier diese Laizität auf eine harte Probe. So sehr, dass man sich in Frankreich wieder fragt, was es überhaupt mir der Laizität auf sich hat.

Jeanne Balibar macht, was sie sich schon lange in den Kopf gesetzt hat: Die französische Theater- und Filmschauspielerin bringt im Oktober ihr erstes Album mit dem Titel "Paramour" heraus. Mit Dominique Simonnet plaudert sie lange über Schauspieltechnik, doch auch über Melancholie und Nostalgie und über das, was für sie eine wahre "Femme fatale" ausmacht. "Wissen Sie, wenn sie mich auf den ersten Blick gleich als Femme fatale abstempeln, dann stört mich das", sagt sie lachend, "aber wenn Sie das nach dem zweiten Hinsehen sagen, dann schmeichelt mir das." Na, so viel Inkonsequenz sei verziehen. In den französischen Kinos ist sie derzeit in "Saltimbank" von Jean-Claude Biette zu sehen (mehr dazu hier).

Wenn ein Franzose ein Chanson hört, hebt er meist sofort zu singen an, denn Melodie und Text kennt er längst. Bei Jacques Brel dürfte das jetzt nicht mehr so einfach sein, denn fünfundzwanzig Jahre nach seinem Tod erscheinen nun fünf bisher unveröffentlichte Chansons - gegen seinen letzten Willen. Anlass ist das "Annee Jacques Brel", das in seiner Geburtsstadt Brüssel ausgiebig gefeiert wird (mehr Informationen finden Sie hier). Zu verantworten hat die Veröffentlichung seine Ehefrau Miche Brel, die es gewagt hat, dem Willen ihres Ehemanns posthum zu widersprechen.

Neues auch von der Rap-Band IAM aus Marseille: Nach sechs Jahren Pause erscheint ihr Album "Revoir un printemps". Gilles Medioni hat zwei Bandmitglieder getroffen. Der Express bringt außerdem ein Interview mit dem Filmemacher Denys Arcand anlässlich seines neuen Films "Les invasions barbares", der im Wettbewerb in Cannes zu sehen war.

Weitere Artikel in der Bücherschau: Thierry Gandillot berichtet, dass Richard Millets Roman "Ma vie parmi les ombres" durchaus das Zeug hätte, in die engere Auswahl beim diesjährigen Prix du Goncourt zu kommen. Besprochen werden der historische Roman "Les Diamants de la guillotine" - über den Diebstahl eines königlichen Colliers, von Dumas längst behandelt, aber trotzdem (hier) - und "Une Ville" von Denis Robert, der lange Journalist bei Liberation war (hier).

Und: Ein klein wenig Sozialromantik aus dem schönen Elsass: Daniel Rondeau erzählt die Geschichte des Autors Pierre Pelot, der seinen Blaumann als Elektriker abgelegt hat und sich der Schriftstellerei widmet. "C?est ainsi que les hommes vivent" heißt sein neuer Roman.

Magazinrundschau vom 25.08.2003 - Express

Nach den Neuerscheinungen, die in diesem Herbst wohl über die Ladentische französischer Buchläden gehen werden, haben sich in dieser Woche einige Autoren des Express jetzt schon mal für Sie erkundigt. Bemerkenswert findet der Express den neuen Roman von Beigbeder "Windows on the World" über die Geschehnisse des 11. September. Außerdem äußerst lesenswert: Die Bände "Dans la guerre" von Alice Ferney und "Les ames grises" von Philippe Claudel, die sich auf sublime Art und Weise mit dem Thema Krieg befassen, wie der Express schreibt. Weiteres über die unzähligen Neuerscheinungen - nicht weniger als 691 Romane sollen es sein -, die in dieser Woche in Frankreich in die Regale gestellt werden, erfahren Sie hier.

Über ein ernstes Thema, berichtet Marie Huret in einer Reportage aus Indien: Dort wurden laut Angaben von Unicef über 40 Millionen weiblicher Föten abgetrieben. Zum Thema gibt es auch eine beeindruckende Fotoreportage auf der Homepage.

Weitere Artikel: "Immer muss man dem Bild der hübschen Frau entsprechen", beschwert sich die heute 82-jährige Schriftstellerin Benoite Groult in der Sommerserie über Schönheit. In den wilden 68ern hatte sie das Korsett längst abgelegt, erzählt die Autorin zahlreicher feministischer Essays und erklärt, warum es gerade damals für Frauen so wichtig war, ihr eigenes Geschlecht mit einem Spiegel zu betrachten. "Insbesondere die Französinnen haben immer das Bedürfnis, den Männern zu gefallen", schimpft sie ferner. "Sie sind einfach zu nett und lächeln immer. Sie sollten wirklich den Mut haben, ernst zu sein, manchmal schlecht gelaunt zu sein, ihre gute Erziehung vergessen und einfach mal das Image der Tochter aus gutem Hause ablegen." Hauptsache, Sie lassen sich die Laune nicht gleich verderben!

Magazinrundschau vom 18.08.2003 - Express

The Paris Review - Magique Review, titelt Francois Busnel und blickt auf die vierzigjährige Geschichte (mehr hier) des literarischen Magazins zurück. Begonnen hat alles in Paris, im Winter 1953 als sich ein paar amerikanische Literaten im französischen Exil zusammen taten und eine Zeitschrift gründeten. Jack Kerouac oder Philippe Roth verdanken der Paris Review ihre ersten Publikationen. "La feuille de chou de la Rive gauche", wurde die Zeitschrift für Literatur ab und an genannt. Doch Francoise Giroud war von den einzigartigen Gesprächen mit Autoren einfach hingerissen.

Weitere Artikel: Den Tathergang aus der Sicht von Bertrand Cantat, dem Sänger von Noir Desir und dem vermeintlichen Mörder von Marie Trintignant, schildert Laurent Chabrun für den Express. Laut Cantat soll Marie ihm die erste Ohrfeige verpasst haben. Das Gerichtsverfahren wird wahrscheinlich in Litauen durchgeführt werden. Ferner hat sich Annick Colonna-Cesari eine Ausstellung mit Kunstwerken der russischen Avantgarde in der Fondation Maeght angesehen. Wer wissen will, wo der Schriftsteller Michel Houllebecq seine Kindheit verbrachte, der kann sich mit den Bänden von Marie Noelle-Craissati auf literarische Streifzüge durch Frankreich begeben. Mehr erfahren Sie hier.

Und ewig lockt das Weib: In der Sommerserie über Schönheit befragt Dalila Kerchouche diesmal den Historiker Laurent Gerveau über die 50er und 60er Jahre. Gerveau ist Direktor des Institut de l?Image und Gründer von Imagesmag.net. Der Archetyp des damaligen Schönheitsideals? Na, natürlich Marilyn Monroe. Wie gut, dass es da Männer wie Serge Gainsbourg gab, die sich selbst hässlich fanden, dies auch noch offen zugaben und einfach die inneren über die äußeren Werte stellten.

Als Aufmacher bringt der Express dann gleich noch: Blond, na und? Wir warnen: Vorsicht! Barbie beißt.

Magazinrundschau vom 11.08.2003 - Express

Anlässlich des tragischen Todes der französischen Schauspielerin Marie Trintignant bringt der Express in der aktuellen Ausgabe ein ausführliches Porträt der Schauspielerin und ihrer Familie. Bertrand Cantat, Sänger der erfolgreichen französischen Band Noir Desir, hat seine Lebensgefährtin unter bisher noch ungeklärten Umständen tödlich verletzt. Ein Familiendrama, das aus der Feder Shakespeares stammen könnte, klagt der Express mit ein wenig Pathos und erzählt die Umstände von Marie Trintignants Tod in der Nacht in einem Hotel in Vilnius: "Alles passiert um ein Uhr nachts, in jener Suite 35, deren Fenster bei zugezogenen Gardinen offen stehen. Geschrei alarmiert die Empfangsdame aber auch Gary Tuck, einen Filmemacher, der im Hotel wohnt.. Da das Paar nicht das Telefon abnimmt, begibt sich die Empfangsdame in die dritte Etage. Canntat öffnet, entschuldigt sich und sagt, dass der Lärm aufhören wird. Er hält Wort, denn das Drama hat sich bereits abgespielt..." Was bleibt ist die Erinnerung, auch die des berühmten Vaters Jean Louis Trintignant. Nachzulesen in einem Band mit Gesprächen erschienen unter dem Titel "La passion tranquille".

In den goldenen Zwanzigern ist die Sommerserie über Schönheit angekommen, in der Zeit, in der ein - gerade auch bei Sommerhitze - nicht mehr weg zu denkendes Kleidungsstück erfunden wurde: der Minirock. Inspirieren lassen haben sich die Modemacher der 20er von den ausgefallenen Tänzen Josephine Bakers - man denke nur an das goldene Bananenröckchen -, von orientalisch anmutenden Kostümen der Ballets russes, aber auch von den von aller Beinkleidung befreiten Ausdruckstänzen Isadora Duncans, erzählt Catherine Ormen. Sie ist Gründerin des Musee de la Mode in Marseille und hat eine Geschichte der Mode (Modes, XIXe-Xxe, ed. Hazan) veröffentlicht.

In der Bücherschau stellt Sylvaine Pasquier zwei Bände über den Tschetschenienkrieg vor. Ein Krieg, der nur als "crime d'indifference" bezeichnet werden kann, wie Andre Glucksmann ausführt, und sich in einer Art "huis clos" abspiele.

Magazinrundschau vom 21.07.2003 - Express

Eine erste Bilanz aus dem Streik der Intermittants ziehen David Benoussan und Eric Chol. Der Ausfall der beiden Festivals in Avignon und Aix-en-Provence hat zu erheblichen finanziellen Verlusten geführt. Stephane Lissner, künstlerischer Leiter des Festivals in Aix-en-Provence, versucht die roten Zahlen positiv zu sehen: "Die Streiks hatten zumindest ein Gutes: Sie haben gezeigt, dass die Festivals einen hohen ökonomischen und touristischen Stellenwert für die Regionen haben, für Aix im konkreten Fall einen Wert von 10 Millionen Euro." Ob auch anderen Festivals wie dem Festival interceltique de Lorient oder den Vieilles Charrues in diesem Sommer das Aus droht, ist noch offen.

In der Sommerserie über Schönheit unterhält sich in dieser Woche Annick Colonna-Cesari mit der französischen Kunsthistorikerin Nadeije Laneyrie-Dagen (mehr hier) über die Schönheitsvorstellungen in der Renaissance. Sie ist Autorin des Buches "L?invention du corps" (Flammarion), das in Kürze auch als Taschenbuch erhältlich sein wird. Sie erklärt, warum in der Renaissance das Schönheitsideal ausgerechnet männlich war und warum es geradezu eine Welle von pornografischen Kupferstichen gab, die so manchen Zeichner hinter Gitter brachten. Der nackte Körper erlebte im wahrsten Sinne eine Renaissance und selbst die Jungfrauen sahen laut Madame Laneyrie-Dagen auf bildlichen Darstellungen aus, als ob "sie an einem Wet-T-Shirt-Contest teilnehmen würden." Im Herbst wird von Nadeije Laneyrie-Dagen eine Monographie über Rubens erscheinen.

Weitere Artikel: In der Nähe nackter Frauenkörper fühlt sich der französische Sänger Arthur H sichtlich wohl, auch wenn er sich das nicht anmerken lassen will. Das könnte man zumindest meinen, wenn man einen Blick auf das Cover seines neuen Albums "Negresses Blanches" wirft. Gilles Medioni war bei einem Konzert in den Pariser Bouffes du Nord, dem Auftakt der Frankreich-Tournee. Ferner erzählt Pierre Daum die Geschichte einer spektakulären Wiederentdeckung. Es geht um den berühmten Plakatmaler Alfons Mucha, der Ende des 19. Jahrhunderts die Plakate für den Theaterstar Sarah Bernhard entwarf. Er kehrte 1910 nach Mähren zurück, um in 18 Jahren Arbeit das "slawische Epos" in Fresken zu erzählen, die jahrzehntelang in einem Depot in Prag lagerten. Jetzt erst werden sie wieder ausgestellt. Einige schöne Fotos sind auf der Website des Express zu sehen. Mehr Informationen hier.

Und: Anne Maillis nimmt Sie mit auf einen Streifzug durch die "litterature tauromachique". Für alle, die immer schon mal wissen wollten, was Frauen in Stierkampfarenen zu suchen haben.

Magazinrundschau vom 14.07.2003 - Express

"La culture aux ordures" - skandierten die streikenden Intermittents vergangene Woche in Frankreich unaufhörlich. Das Ergebnis: Bernard Faivre d?Arcier annulierte in diesem Jahr zum ersten Mal in der Geschichte des Theaterfestivals das komplette Programm in Avignon. Stephane Lissner, Direktor des Festivals d'Art lyrique d'Aix-en-Provence, sagte vergangenen Montag die ersten Aufführungen ab: Die Vorhänge für "La Traviata" und "Die Entführung aus dem Serail" bleiben unten. Die Streikenden wissen die Medienwirksamkeit der Sommerfestivals zu nutzen, so Thierry Gandillot in seinem Bericht über den Verlauf der Protestaktionen. Deshalb wird wohl in Frankreich das Damokles Schwert noch eine Weile über zahlreichen kulturellen Veranstaltungen schweben. Mehr erfahren Sie hier.

In der Sommerserie über Schönheit unterhält sich Jean-Sebastien Stehli mit der New Yorker Historikerin Penelope Johnson, Autorin eines Buchs über Nonnen im mittelalterlichen Frankreich, über die Schönheitsvorstellungen des Mittelalters. Bunt musste es sein: "Heute stellen wir uns dieses Zeitalter in Grau- oder Pastelltönen. Vor weil die Farben verblasst sind. Aber ursrpünglich waren diese Farben sehr heftig. Im Mittelalter liebten die Leute Primärfarben, die nicht selten nebeneinandergesetzt wurden. Die bedeutendsten Frauen sollen ein kräftiges Blau neben Gelb, Rot oder Grün getragen haben. Auch liebte man Edlesteine, je mehr desto besser. Schönheit war eine Klassenfrage: Nur reiche und hochgeborene Menschen konnten sich gefärbte Stoffe leisten."

Besprochen wird in der Bücherschau "La Petite Chartreuse" von Pierre Peju, ausgezeichnet mit dem Prix du Livre Inter. Die Geschichte erinnert an Almodovars Film "Sprich mit ihr": Ein Buchhändler versucht eine Komapatientin durch Vorlesen ins Leben zurückzuholen. Aber es handle sich nicht um ein kitschiges Melodram, schreibt Olivier Le Naire erleichtert, sondern um eine einfach gehaltene Geschichte, die erklinge wie eine kleine Nachtmusik.

Und: In einer Reihe über Schönheit erklärt in dieser Woche Penelope Johnson, Professorin an der New York University, was Menschen im Mittelalter schön fanden und was es mit "Peepshows" jungfräulicher Hofdamen auf sich hat.

Magazinrundschau vom 07.07.2003 - Express

Anlässlich einer Fotoausstellung im Pariser Hotel Sully des chinesischen Reporter und Fotografen Li Zhensheng stellt der Express bisher unveröffentlichte und von der chinesischen Regierung verbotene Fotografien ins Netz, die während der chinesischen Kulturrevolution entstanden sind. Versammelt sind sie in dem Band mit dem Titel "Petit livre rouge d'un photograhe chinois" bei Phaidon. Ohne den Journalisten Li Zhensheng wären die Greueltaten der Roten Garden ohne Gesicht geblieben, schreibt Olivier Le Naire. "Er zählte zu den ganz wenigen Chinesen, die einen Fotoapparat besaßen und die Zugang zu den Selbstkritik-Spektakeln, den Anklagesitzungen und selbst zu Exekutionen hatten", erklärt Le Naire. "Er ist sich auch als einer der ganz wenigen der historischen Tragweite der Ereignisse bewusst geworden und hat all seine Negative versteckt und aufgehoben. Damit riskierte er sein Leben, denn zu jener Zeit waren die Journalisten verpflichtet alle Negative bei ihren Vorgesetzten abzugeben, die ein 'nagatives' Bild von der Kulturrevolution hätten vermitteln können." Auch die New York Times widmet dem Fotografen und der Ausstellung einen längeren Artikel.

Pünktlich zum Auftakt des Theaterfestivals in Avignon bringt der Express ein langes Interview mit dem künstlerischen Leiter Bernard Faivre d'Arcier. Da derzeit Frankreichs Kulturfestivals von Streiks der so genannten Intermittents gelähmt werden (mehr dazu hier), plädiert d'Arcier dafür, den guten alten Marx zur Hand zu nehmen und die Produktionsbedingungen der Theater in verschiedenen Ländern zu überprüfen, auch wenn das die Journalisten nicht gerne hören. Das Geld ist knapp, und so lassen sich Projekte mit Schauspielern wie Isabelle Huppert nicht realisieren, klagt d'Arcier gegenüber dem Express. Das ist wohl auch der Grund, weshalb man Erfolge wie "Platonov" von Eric Lecascade gerne noch einmal feiert. Stolz ist d'Arcier auf die europäische Ausrichtung des Festivals. Geladen sind dieses Jahr unter anderem Thomas Ostermeier und Sasha Waltz. Allons, les intermittents!, titelte die Süddeutsche vom Wochenende zum Streik.

Und: Zum 100. Geburtstags des Literaturpreises "Prix Goncourt" lässt der Express in einer Reihe junge Preisträger Werke alter Preisträger lesen. Lesen Sie selbst!

Magazinrundschau vom 16.06.2003 - Express

Schwere Vorwürfe gegen Wladimir Putin erhebt im Express die russische Journalistin Anna Politkovskaja, deren Buch "Tschetschenien - Die Wahrheit über den Krieg" auch hierzulande auf ein gewisses Interesse stieß. Sie schildert im Gespräch mit dem Pariser Magazin die inzwischen fast ausweglose Lage in der "Zone", die unter anderem durch immer neue Todesschwadronen stets verschlimmert wird. "Die Henker sind Legion und inzwischen zu regelrechten Banditen in Uniform geworden. Aber es gibt auch legale Todesschwadronen, die unter dem Schutz des Staates stehen. Der KGB-Nachfolger FSB unterhält eine geheime Struktur, den den 'regionalen Sonderdienst' (Rosno), dessen Mitglieder - scheinbar ganz gewöhnliche Menschen - professionelle Killer sind. Auch die Agenten des Militärgeheimdienstes GRU haben die Lizenz, Tschetschenen zu töten... sofern sie keine Spuren hinterlassen. Ein einziges Mal war es möglich, Offiziere des GRU vor Gericht zu stellen, für den Mord an sechs Zivilisten, deren Leichen verbrannt worden waren. Nach der Festnahme habe ich kurz mit diesen Männern gesprochen. Sie standen unter Schock... 'Wir dienen dem Staat', sagten sie unablässig." Die Männer wurden nicht bestraft, später versetzt und befördert.

Weitere Themen: Ein Artikel verweist auf drei neue Bücher französischer Kriegsjournalisten über ihr Metier. Und Franck Erikson freut sich auf das Festival von Aix, wo zum Beispiel Pierre Boulez Opern von Schönberg, de Falla und Strawinsky dirigieren wird.