Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Bühne

3734 Presseschau-Absätze - Seite 85 von 374

Efeu - Die Kulturrundschau vom 31.08.2023 - Bühne

Anfang des Jahres wurde bekannt, dass die Intendanten-Verträge der beiden deutschen Theatermacher Benjamin von Blomberg und Nicolas Stemann am Zürcher Schauspielhaus überraschend nicht verlängert werden. Auch ein offener Brief änderte daran nichts (unsere Resümees). Im Zeit-Gespräch mit Matthias Daum halten sich die beiden mit Kritik an der Entscheidung zurück und verteidigen eher ihre Pläne, die Institution für ein jüngeres, diverseres Publikum zu öffen. Stemann: "Polarisierung und Spaltung zeigen sich ja auch außerhalb unseres Theaters. Gesellschaftliche Veränderungen können schmerzhaft sein. Zudem gibt es immer auch politische Interessen, diese Themen zu eskalieren. Im Kern geht es dabei um eine Gerechtigkeitsdebatte. Unsere Hoffnung mit diesem Projekt war, mit den Mitteln der Kunst eine Debatte zu führen, die weniger verhärtet ist, spielerischer, konstruktiver als in anderen Medien."

Außerdem: Die Frage: "Was ist eine Diva?" sieht Jan Feddersen (taz) beim Flanieren zwischen Roben von Maria Callas über Marlene Dietrich bis Rihanna in der Ausstellung "Diva" im Londoner Victoria & Albert Museum fast hinreichend beantwortet: "Diven sind Künstlerinnen, die in ihrer Zeit und in ihrer Disziplin mehr als andere von sich abforderten und mehr wollten, als man ihnen zugestehen mochte". In der Zeit resümiert Peter Kümmel die Eröffnung des Kunstfestes Weimar.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 29.08.2023 - Bühne

Die Berliner Staatsoper annonciert für September einige Auftritte Anna Netrebkos als Lady Macbeth. Das Künstlerporträt auf der Seite der Oper kling bemerkenswert naiv: "2014 sang sie bei der Eröffnung der Olympischen Winterspiele und ist als Botschafterin ihrer Kunst bekannt... Sie erhielt den Titel 'Volkskünstlerin Russlands'... Sozial engagiert, unterstützt sie unter anderem die 'SOS-Kinderdörfer' und die 'Russian Children's Welfare Society'."

Die Autorin und Ukraine-Spezialistin Franziska Davies hat auf Twitter einen Screenshot mit ein paar Ergänzungen publiziert, hier der Screenshot.

Zum Lesen draufklicken


Zu Netrebkos Engagement für die SOS Kinderdörfer merkt Davies an: "Tatsächlich ist Netrebko seit 2007 Patin des Dorfs Tomilino bei Moskau. Hierhin wurden ukrainische Kinder verschleppt" und verlinkt auf einen Artikel der Salzburger Nachrichten. Gegen Netrebkos Berliner Auftritt wird es wohl Proteste geben. Auf "change.org" veröffentlichte Carsten Grötzinger eine Petition. "Kein Auftritt von Anna Netrebko an der Berliner Staatsoper! (...) Frau Netrebko hat nur sehr indifferent erklärt, sie sei gegen den aktuellen Krieg und sie hoffe, er möge enden. Sie hat jedoch mit keinem Wort die Verantwortung Russlands und Wladimir Putins für den Angriffskrieg anerkannt und dessen Handeln verurteilt."

Weitere Artikel: NZZ-Kritiker Christian Wildhagen teilt Eindrücke vom Luzern-Festival und freut sich über eine "Rheingold"-Aufführung des Dresdner Festspielorchesters auf historischen Instrumenten.

Besprochen werden Stefan Puchers Inszenierung von Shakespears "Der Kaufmann von Venedig" beim Lausitz-Festival (SZ, tsp, Welt), Mariella Sterras Inszenierung von Alban Bergs "Wozzek" beim Glanz und Krawall-Festival Berlin (taz), Oliver Reeses Brecht-Liederabend "Fremder als der Mond" am Berliner Ensemble (SZ) und Tom Rysers Inszenierung von Leonard Bernsteins Musiktheater "Mass" am Theater Münster (nmz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.08.2023 - Bühne

Katharine Mehrling und Paul Herwig in "Fremder als der Mond". Foto: Berliner Ensemble.


"Zum Niederknien gut" findet Nachtkritiker Georg Kasch an Oliver Reeses Brecht-Abend am Berliner Ensemble vor allem die Hauptdarstellerin Katharine Mehrling: "Sie hat die Härte von Helene Weigel und Gisela May, kann aber auch jederzeit in Jazz-Taumel oder Musical-Jubel umschalten. Toll, wie sie 'Das Lied vom Weib des Nazisoldaten' gestaltet, als wilde Cabaret-Nummer im Hochzeitskleid - und dann die letzte Strophe a cappella erklingt...Oder wie sie in 'Mutter Beimlein' als unheimlicher Harlekin die Treppe heruntersteigt und dabei wie ein Maschinchen singt, völlig unsentimental." FAZ-Kritiker Simon Strauß verlässt pfeifend den Theatersaal. Zu Beginn hat er zwar mit seinen Antipathien gegenüber dem "Augsburger Bürgersohn" zu kämpfen, das Spiel von Mehrling und Paul Herwig, aber vor allem die Musik, lassen ihn diese aber rasch vergessen: "Unter der umsichtigen Regie von Oliver Reese spielt und singt sich das Duo schnell in die Herzen des Berliner Premierenpublikums." Für Christine Wahl fehlt es dem Abend hingegen ein wenig an Schwung, wie sie im Tagesspiegel schreibt. Die Idee, die Darsteller "eins zu eins" nachspielen zu lassen, was sie gerade singen, findet sie ein bisschen einfallslos. Irene Bazinger bespricht das Stück in der Berliner Zeitung.

Weitere Artikel: In der NZZ stellt Marianne Zelger-Vogt den italienischen Opernsänger Andrè Schuen vor. Taz-Kritikerin Sabine Seifert hat die Proben für Brechts Stück "Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui" verfolgt, die das Gefängnistheater aufBruch mit Insassen der JVA Tegel erarbeitete. In der SZ resümiert Dorion Weickmann das Festival "Tanz im August", das ihn bis auf wenige Ausnahmen überzeugt hat. In der taz berichtet Dorothea Markus vom Start des Weimarer Kunstfests.

Besprochen werden Michael Webers Inszenierung von "Prinz Friedrich von Homburg" im Theater Willy Praml in Frankfurt am Main (FR), Stefan Puchers Inszenierung von Shakespears "Der Kaufmann von Venedig" beim Lausitz-Festival (nachtkritik) und Katja Langebachs Inszenierung von Raoul Schrotts Euripides-Version "Orestie" am Theater Luzern (nachtkritik).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.08.2023 - Bühne

Julia Hubernagel unterhält sich für die taz mit dem taiwanesischen Dramaturgen Yi-Wei Keng, der Ende August in Weimar mit der Goethe-Medaille ausgezeichnet wird, über Hongkong, China, Taiwan und die Rolle des Theaters. Einer militärischen Übernahme Taiwans durch China sähe er mit Schrecken entgegen: "Wir sehen es an Hongkong. Hongkong ist Taiwans Spiegel. Komplette Gleichschaltung. Doch die Situation wäre noch ernster. In Hongkong wurde die Macht friedlich an China übergeben. Taiwan hat jedoch ein eigenes Militär. Uns würde eher eine Situation erwarten, wie wir sie gerade in der Ukraine erleben." Umso mehr liebte er seine Arbeit als Leiter des Taipei Arts Festivals, das Taiwan mit der internationalen Kunstszene verbindet: "Einmal haben die Tanzensembles der indigen Bevölkerung Taiwans und Neuseelands ein Stück zusammen entwickelt. Wussten Sie, dass die Maori entfernt mit indigenen Stämmen Taiwans verwandt sind?"

Weiteres: In der FR erinnert Arno Widmann an die Uraufführung der von Häftlingen verfassten "Moorsoldaten" im Konzentrationslagers Börgermoor bei Papenburg 1933. Besprochen werden "Good Sex", das einem Intimitätskoordinator bei der Arbeit zuschaut, von Dead Centre beim Internationalen Sommerfestival auf Kampnagel in Hamburg (nachtkritik) und eine Ausstellung über die Tänzerin Anita Berber im Photoinstitut Bonartes (Standard).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.08.2023 - Bühne

Szene aus "Ubu" von Robert Wilson: Foto: Kunstfest Weimar


Das Kunstfest Weimar wurde in diesem Jahr mit Alfred Jarrys "Ubu" eröffnet - oder richtiger: mit einem Robert-Wilson-Theater, das Anleihen bei Jarry macht, meint Thomas Rothschild in der nachtkritik. "Von der Dichtung des Erfinders der Pataphysik hat er nur ein paar Fragmente übernommen. Der Satz 'Ich gebe der Versuchung nach' zum Beispiel wird auf Englisch ohne Kontext mehrfach wiederholt. Konsequenterweise figuriert der Starregisseur auch als Autor. Wobei für den Meister der Kunst-Melange Joan Miró eine wichtigere Inspirationsquelle darstellt als Alfred Jarry. ... Bei Robert Wilson wartet man vergeblich auf die 'Schreiße'. Stattdessen betritt eine undefinierbare Figur im Zivil wie in Zeitlupe einen langen Steg, der zur Bühne führt, auf der die Figuren in schwarz-weißen Kostümen aus zerknüllten Zeitungsschnitzeln mit roten Tupfen an einem langen Tisch sitzen. Sie beginnen sich zu bewegen, stammeln einzelne Wörter, tänzeln als Schattenrisse vor dem hell erleuchteten pastellfarbenen Hintergrund über die Bühne. Zeitweilig sitzen sie starr da, während der aufgezeichnete Dialog oder was davon geblieben ist aus den Boxen dringt. Untermalt wird die ganze Schau mit Musik diverser Genres von der Romantik bis zum Tiger Rag." Also, Jarry war's nicht, meint Rothschild. Aber ein "schönes Spektakel", das ihn noch am ehesten an Kabuki Theater erinnerte.

In der SZ berichtet Till Briegleb über die Eröffnungsveranstaltung auf dem Theaterplatz in Weimar: "Günther Uecker hatte in Weimars Kulturhauptstadtjahr 1999 in der sogenannten Häftlingskantine des nahe gelegenen Konzentrationslagers ohne Auftrag von der Stadt ein 'Steinmal' errichtet, um in der Klassikerbesoffenheit der Festlichkeiten daran zu erinnern, dass Weimar auch für den Holocaust steht. Und für große Hitlerbegeisterung." Die Stadt war "früh in der nach ihr benannten Republik bereits eine Hochburg der Nationalsozialisten. Heute, wo Björn Höcke von Teilen der Bevölkerung hier ähnlich begeistert empfangen wird und seiner Partei in Thüringen für die Landtagswahlen ein vergleichbar hohes Ergebnis prognostiziert wird, wie die NSDAP es 1932 erzielte, schien Uecker die Zeit reif zu sein, das Mahnmal im Zentrum der Stadt zu erneuern." In der FAZ berichtet Simon Strauss von der kämpferischen Eröffnungsrede Bodo Ramelows, der sich gegen die AfD positionierte. Im Tagesspiegel schreibt Rüdiger Schaper zur Eröffnung des Kunstfests.

Weiteres: Das Deutsche Theater ist Theater des Jahres meldet die Berliner Zeitung mit dpa. Der Heldentenor Stephen Gould beendet aus gesundheitlichen Gründen seine Karriere, berichtet Egbert Tholl in der SZ. Der Choreograf Marco Goecke darf zunächst doch nicht wieder an der Staatsoper Hannover arbeiten, wie das Opernhaus zunächst gemeldet hatte: "Niedersachsens Kulturminister Falko Mohrs (SPD) hatte dies als 'inakzeptabel' kritisiert", berichtet Zeit online, woraufhin die Oper einen Rückzieher machte. Laut taz erklärte Intendantin Laura Berman jedoch, "sie könne sich eine Zusammenarbeit mit Goecke zu einem späteren Zeitpunkt vorstellen". Besprochen werden (La) Hordes Choreografie "Age of Content" beim Berliner Tanz im August (BlZ) und Brechts "Arturo Ui" in der JVA Tegel (Tsp).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.08.2023 - Bühne

Ein wenig mäandernd stellt sich Reinhard J. Brembeck in der SZ die Frage, ob Katharina Wagner in Bayreuth weitermachen sollte oder nicht - und ob überhaupt alles stets beim Alten bleiben muss: "Ein Chef aus der Wagner-Familie in Bayreuth ist für viele Menschen ein lieb gewonnener Mythos, aber eben nur ein verzichtbarer Mythos aus einer Zeit, als Namen magische Schutzfunktionen bedeuteten. Seit dem Tod von Katharinas Vater Wolfgang wurde das ehemalige Familienunternehmen schrittweise in einen modern geführten Theaterbetrieb umgewandelt. Der Prozess ist nicht abgeschlossen, Marketing, (Unter-)Finanzierung, Haussanierung, Öffnung nach außen, das sind nur einige der aktuellen Probleme. Irgendwann wird Bayreuth auch ein Nichtmitglied der Wagner-Familie führen, wichtiger als die Personalie ist die Programmatik. Muss es bei der jährlichen Neuproduktion nur einer der sieben als Bayreuth-tauglich erachteten Wagner-Opern, den 'Ring' als Einheit gerechnet, bleiben? Könnten es nicht auch zwei sein?"

Außerdem: In der Zeit porträtiert Jolinde Hüchtker Zoe Lohmann, die auf der Bühne als Dragking Alexander Cameltoe auftritt. Besprochen werden Helgard Haugs Inszenierung "All right. Good night" beim Zürcher Theaterspektakel (NZZ) und Christoph Marthalers Inszenierung von Verdis "Falstaff" sowie Simon Stones Inszenierung von Martinůs "The Greek Passion" bei den Salzburger Festspielen (Van-Magazin).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.08.2023 - Bühne

Im Februar hatte der Choreograf Marco Goecke die FAZ-Tanzkritikerin Wiebke Hüster mit Hundekot beschmiert (unser Resümee). Im Gespräch mit der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, das nicht online zu lesen ist, aber von Zeit online resümiert wird, hat sich Goecke nun entschuldigt. Er habe unter Burnout gelitten. "Die Staatsoper hatte dem Ballettchef ein vorläufiges Hausverbot erteilt und eine Entschuldigung verlangt. Das Hausverbot gilt Goecke zufolge nicht mehr. 'Ich war aber noch nicht wieder im Haus, ich konnte das nicht.' Er werde aber bald wieder proben. Im September werde 'A Wilde Story' wieder aufgenommen, dafür werde er an das Haus zurückkommen."

Weiteres: In der nachtkritik resümiert Valeria Heintges das Zürcher Theaterspektakel, in der SZ schreibt Egbert Tholl dazu. Besprochen wird Bohuslav Martinůs Oper "Griechische Passion" bei den Salzburger Festspielen (nmz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.08.2023 - Bühne

Weitere Artikel: Welt-Kritiker Manuel Brug bespricht die Höhepunkte vom "Tanz im August"-Festival. Nachtkritikerin Valerie Heintges resümiert den Auftakt des Zürcher Theater-Spektakels. Die Dokutheatergruppe "Das letzte Kleinod" bespielte den für den Abriss bestimmten "Columbus-Bahnhof" in Bremerhaven mit drei Abschiedsstücken. Jetzt gibt es Pläne für eine Instandhaltung, freut sich Jens Fischer in der taz.

Besprochen werden Philipp Preuss' Inszenierung von Euripides Drama "Die Bakchen" im Theater an der Ruhr in Mühlheim (SZ) und Stefan Kaegis Langzeitperformance "Shared Landscapes" bei Grünheide (SZ, taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.08.2023 - Bühne

"Exit Above" bei Tanz im August. Foto: Anne van Aerschot.

SZ-Kritiker Dorion Weickmann wird von Anne Teresa de Keersmaekers Performance "Exit Above - After the Tempest" bei Tanz im August geradezu hinweggefegt. Das junge Tanzkollektiv verteilt "eine schallende Ohrfeige" an die Elterngeneration, die die Zerstörung des Planeten nicht aufgehalten hat und tanzt "erhobenen Hauptes in den Untergang", staunt Weickmann: "Ein weißes Tuch, groß wie ein Segel, flattert im Sturm. Gerade noch hat Meskerem Mees mit Cherubs Stimme den Engel der Geschichte beschworen, schon wirft der Tänzer Solal Mariotte seinen Körper unter dem riesenhaften Textil in den Kampf. Einsam fegt er über den Boden, der Gitarrist Carlos Garbin stimmt den ersten Blues des Abends an und taktet Mariottes Kopf- und Schulterspins, die dessen künstlerische Herkunft aus dem Breakdance verraten. Immer lauter, immer heftiger tobt der Orkan, das Segel legt sich in tausend Falten, bis völlige Stille eintritt. Die auch noch anhält, als sich ein elfköpfiger Pulk aus dem Schatten schält."

Weitere Artikel: Nachtkritiker Christian Rakow ist für Caroline Barneauds und Stefan Kaegis Performance-Wanderung "Shared Landscapes", die in sieben Inszenierungen das Naturbewusstsein stärken will, stundenlang durch den Brandenburger Wald gestapft. Auch BlZ-Kritiker Doris Meierhenrich war dort. Welt-Kritiker Jakob Hayne teilt seine Eindrücke von der Ruhrtriennale.

Besprochen werden François de Carpentries' Inszenierung von Vivaldis Oper "La fida ninfa" bei den Innsbrucker Festwochen (tsp) und Jorinde Dröses Adaption von Mareike Fallwickls Roman "Die Wut, die bleibt" bei den Salzburger Festspielen (taz, SZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.08.2023 - Bühne

Szene aus "Die Judith von Schimoda". Foto: Anja Köhler. © Bregenzer Festspiele. 

Wie berauscht ist SZ-Kritiker Egbert Tholl von der Musik in Fabián Panisellos Oper "Die Judith von Shimoda", die bei den Bregenzer Festspielen uraufgeführt wurde. Die Oper erzählt den Mythos von Okichi: Mitte des neunzehnten Jahrhunderts versuchen die USA die Öffnung Japans zu erzwingen. Das Mädchen Okichi soll sich mit dem amerikanischen Konsul einlassen, um ihn von seinen Kriegsplänen abzubringen. Die Oper beruht auf einem Stück des japanischen Dichters Yamamoto Yuzos, das von Bertolt Brecht bearbeitet wurde. In der Brecht-Fassung erkennt Tholl einige Schwächen, "aber das Stück selbst, also das ursprünglich japanische, macht Panisello zu einem Meisterwerk hochemotionaler Konversation. Er beherrscht viele Stile bis hin zum Jazzrock - eine E-Gitarre ersetzt kreischend die Shamisen, die traditionelle Laute, Instrument der Geishas. Auch flicht er - in einem betörenden Moment der Ruhe - ein altes japanisches Lied ein, aber nie so ostentativ, dass man darin Folkore vermuten könnte. Um dieses Lied herum tost und gleißt die Musik, mitunter nervenzerreißend, aber immer absolut präzise."

Die kürzlich in den Feuilletons aufgekommene Frage, ob Theater auch im Sommer weiter Stücke spielen sollten (unser Resümee), beantwortet Peter Laudenbach in der taz mit einem klaren "Nein". Die Bühnen brauchen die Pause, so der Kritiker, genauso wie das Publikum: "Wenn sich das Theater in seiner Überproduktionsbetriebsamkeit noch einen Rest von Aura gerettet haben sollte, ist die Idee, ihm nicht mal im Sommer eine Pause zu gönnen, der beste Weg, diese Aura auszuradieren. Wie bei jeder starken Droge empfiehlt es sich auch beim Theater dringend, die Einnahme regelmäßig zu unterbrechen, schon um die Gewöhnungsabstumpfung zu vermeiden: Dann wirkt es nach der Theaterentziehungskur nach der Sommerabstinenz wieder um so intensiver."

Weitere Artikel: In der FR fordert Arno Widmann die deutschen Theater auf, sich mal an Heinrich Heines Tragödie "Almansor" ranzuwagen. Das Stück wurde seit seiner desaströsen Uraufführung 1823, die aus nicht überlieferten Gründen in einem Publikumstumult endete, nie wieder gespielt. In der FAZ weist Christian Gohlke auf die Ausstellung "Die zauberhafte Wirklichkeit des Theaters" im Salzburger Stefan-Zweig-Zentrum hin, die sich um die legendäre "Faust"-Premiere des jüdischen Theatermachers Max Reinhardt im Jahr 1933 dreht.