Weiteres: Die Burgschauspielerin Regina Fritsch wird erste weibliche Trägerin des Albin-Skoda-Rings, freut sich der Standard. Besprochen wird die Performance "Die Brieffreundschaft" des Duos Markus & Markus in den Sophiensälen in Berlin (Tsp).
In Rouen wurde letzten Sonntag die rekonstruierte Urfassung von Jacques Offenbachs "La vie parisienne" aufgeführt (mit Kostümen von Christian Lacroix!). Ein hingerissener Marc Zitzmann pickt für uns in der FAZ "die fettesten Rosinen" aus der neuen alten Version: "Am Ende des zweiten Akts singen Deutsche und Marseiller einen Jodler beziehungsweise eine Art Farandole, erst nach-, dann polymetrisch übereinander, mit deftig folkloristischem Text ('Pour venir mangiar a questo. / Qu'on nous serve la bouillabaisse' und 'Sauerkraut mit Schink und Wurst / Gibt mir immer, immer Durst'). Im dritten Akt finden sich ein Quintett im (hier: unerwarteten) Gewand einer Mazurka und ein Trio zur Streitfrage 'Diplomat oder Soldat?', dessen Wort-Pingpong im Geschwindmarsch-Tempo zunehmend in Nonsens ausartet und schließlich durch Onomatopöien das Kratzen der Feder beziehungsweise das Donnern der Kanone evoziert: 'Tchî tchî, boum boum'."
Weiteres: Das Schauspiel Köln hat seine Proben erstmals für ein digitales Publikum öffentlich gemacht. In der SZfindet Christiane Lutz das gut: mehr Transparenz könne im Theater nicht schaden, nach all den Beschwerden über Machtmissbrauch, meint sie.
Besprochen werden Thorleifur Örn Arnarssons Ibsen-Verschnitt aus der "Wildente" und dem "Volksfeind" Thalia Theater Hamburg (nachtkritik, FAZ) und Monteverdis "Il ritorno d'Ulisse in patria" in Basel (nmz).
Svenja Bungartens "Garland". Foto: Karelly, Lamprecht/Schauspielhaus Graz SZ-Kritikerin Christine Dössel freut sich schon darauf, wenn Iris Laufenberg Intendantin des Deutschen Theaters in Berlin wird, denn was sie gerade im Schauspielhaus in Graz auf die Bühne bringt, findet Dössel famos. Zum Beispiel Svenja Bungartens Klimakatastrophenkomödie "Garland", die in einem unter der Dürre leidenden Brandenburger Ort namens Amerika spielt und von Anita Vulesica mit Witz und Timing inszeniert wurde: "Es geht in 'Garland' ja schon auch um Judy Garland, die als Figur dieses Namens in einer Tankstelle arbeitet, sich allerdings weigert, Benzin herauszurücken. Sterbenskrank wie Mutter Erde blickt sie ihrem Ende entgegen, singt manchmal aber noch zauberschön (Evamaria Salcher kann das und wirft sich dafür in Robe) und will zum Abschied ihre Tochter finden, die sie als Baby einst weggegeben hat. Das wird ihr nicht gelingen, obwohl die Gesuchte die Radiomoderatorin Lorna Luft sein könnte, die genauso heißt wie eine echte Tochter der echten Judy Garland. Verwirrend?"
Weiteres: Die Schauspielerin und Regisseurin Sukanya Sompiboonerzählt in der Nachtkritik aus Bangkok vom Theatermachen in Thailand in Zeiten der Pandemie.
Besprochen werden Thorleifur Örn Arnarssons gekoppelte Inszenierung der beiden Ibsen-Dramen "Ein Volksfeind" und "Die Wildente" am Thalia Theater (Nachtkritik), Rossinis "La Cenerentola" in Dresden (SZ) und das Berliner Festival "Theater der Dinge" an der Schaubude (Tsp).
Anouk Kruithof: Universal Tongue, 2018. Foto: Museum Folkwang, Essen Schlichtweg überwältigend findet Dorion Weickmann in der SZ die Schau "Global Grooves" im Folkwang Museum Essen, die dem Tanz als Kunst, Performance und Protest nachspürt und zeigt, wie sich eine Avantgarde mosaikartig zusammensetzt, im Austausch mit anderen Kunstformen und anderen Kulturen: "Der Schauwert von 'Global Groove' ist schlicht betörend. Gleich durch den ersten der vier Ausstellungssäle zieht sich eine vierzig Meter lange, glitzernde Wellenwand: 'Foreverago' heißt diese Installation von Pae White - ein vertikaler Kimono-Quilt, der historische Kostüme und fortschrittliche Technik, Ost und West miteinander verknüpft. Genauso verhält es sich mit den Artefakten ringsum, die allesamt aus der Jahrhundertwende stammen. Da leuchten Loïe Fullers schwungvolle Serpentinentänze aus einem japanischen Environment, Pablo Picasso hat die Tänzerin Sada Yakko auf Papier gestrichelt, Auguste Rodin die Aktricen des kambodschanischen Hofballetts bei ihrem Frankreichdebüt skizziert."
André Campras "Idoménée" an der Berliner Staatsoper. Foto: Bernd Uhlig Als einen Höhepunkt der Berliner Barocktage an der Staatsoper feiert Helmut Mauró in der SZ die Inszenierung von André Campras Barockoper "Idoménée", die mit Mozarts Stück nur den Stoff gemein hat. Mozarts Oper basiert auf dem Libretto des Geistlichen Giambattista Varesco mit seiner einfühlenden Seelendramaturgie, Campras Librettisten Antoine Danchet ging es dagegen um "die Unausweichlichkeit des Schicksals", wie Mauró erklärt: "Der Barock scheint dem antiken Denken näher zu sein mit all den stilisierten Charakteren und beistehenden Pappkameraden, die wie Gefühlsautomaten funktionieren und ihr Herz virtuos auf der Zunge tragen. Das dramatische Geschehen ist nicht auf der Oberfläche sichtbar, da wirkt vieles statisch. Die eigentliche Spannung entsteht in der tragischen Konstellation der Figuren, im Aufeinandertreffen gegensätzlicher Charaktere, unterschiedlicher Machtpositionen und Interessen, auseinanderdriftender Schicksale und, als Höhepunkt, die Wiederbegegnung, die Erkennungsszene, die Selbsterkenntnis im anderen. Das ist nicht weniger psychologisch komplex als in Mozarts Handlungsopern und erst recht den späteren vorgeblich realistischen Musiktheaterformen, es erfordert nur eine andere Sichtweise." Welt-Kritiker Manuel Brug kürtEmmanuelle Haïm stracks zur "besten Barockdirigentin überhaupt".
Weiteres: taz-Kritikerin Katharina Granzin erkundet mit dem Workshop "Textkörper - Körpertext", wie poetische Ausdrucksmittel aus Laut- in Gebärdensprache und umgekehrt übertragen werden kann.
Besprochen werden außerdem Michael Herschs Einakter "Poppaea" beim Wiener Festival (FAZ), Yael Ronens Musical "Slippery Slope" (in dem FR-Kritiker Ulrich Seidler eine "blendend gelaunte" Feier des Zweifels erkennt), die Bühnenfassung von Benjamin Quaderers Liechtensteiner Schlüsselroman "Für immer die Alpen" in Schaan (SZ), der Tanzabend "Ectopia" an der Bayerischen Staatsoper (FAZ) und Jonathan Meeses "L.O.L.I.T.A." am Wiener Volkstheater (FAZ).
Vidina Popov und Riah Knight in "Slippery Slope". Foto: Ute Langkafel/Maxim Gorki Der Broadway soll sich warm anziehen, frohlockt Christine Wahl im Tagesspiegel über Yael Ronens Musical zu Cancel-Culture "Slippery Slope" am Maxim Gorki Theater, eigentlich Zentralinstanz linksmodischer Diskurse: Aber nein: "Wirklich grandios, welche Komplexität der von Ronen gemeinsam mit dem Komponisten und Musiker Shlomi Shaban, Riah May Knight und Itay Reicher entwickelte Abend schafft; wie viele Diskurse und Konfliktlinien er in den Blick bekommt mit seiner Methode, Narrative in ein bewusst mit Klischees spielendes Musical-Personal zu verpacken und via Bühnen-Crash luzide in ihre Einzelteile zu zerlegen. Da hat jede Teilfrage das Potenzial für einen abendfüllenden After- Show-Diskurs. Zum Beispiel die nach dem 'richtigen' Feminismus, wenn neben der Enthüllungsjournalistin auch ihre Chefredakteurin auftritt - die von Anastasia Gubareva mit grandioser Naturgewalt auf die Bretter geknallte Gustav-Gattin Klara, die ihrem Mann über den Kopf streicht, während sie ihm in einem kultverdächtigen Song darlegt, wie Sky ihn für ihr eigenes Fortkommen benutzt hat."
In der SZfeiert Peter Laudenbachs die Revue als "das entspannteste Ideologie-Zertrümmerungs-Musical seit Mel Brooks 'Springtime for Hitler'": "Die Regisseurin steuert jedes Fettnäpfchen der politischen Inkorrektheit zielsicher an und springt begeistert hinein: Nehmt das, Polit-Kommissare!" Nachtkritiker Georg Kasch nimmt außerdem die Erkenntnis mit, dass auch böse Menschen schöne Lieder haben: "Der 'Accusation Song' etwa ist eine herrlich zungenbrecherische Aneinanderreihung aller möglichen Beschuldigungen... Alle besitzen sie Charakterstimmen und die Fähigkeit, lässig zwischen Text und Gesang zu wechseln. Lindy Larssons Gustav stiefelt zwischen seinen Selbstmitleidanfällen ziemlich robust über die Bühne und legt all seine echten Gefühle ins falsche Ethno-Pathos seiner Songs (und umgekehrt). Wenn er aus den Tiefen seines irisierenden Baritons loslegt, weiß man plötzlich selbst nicht mehr, was wahr und was gelogen ist."
In London erlebt dagegen der frühere Monty Python Terry Gilliam seine eigene Cancel-Farce: Sein Stück "Into the Woods" wurde vom Old Vic Theatre aus dem Programm gemobbt. Sein Vergehen: Er hat David Chapelles Netflix-Show "The Closer" empfohlen: In der SZblickt Michael Neudecker fassungslos auf den Niedergang des britischen Humors, der einst die Tochter der Anarchie war: "Nach zwei Wochen innerbetrieblicher Diskussionen über die Äußerungen Gilliams gab das Old Vic faktisch das Ende der Zusammenarbeit mit dem Monty Python und Regisseur von 'Brazil' und '12 Monkeys' bekannt. Chappelle ist schwarz, Rassismus eines seiner großen Themen, wenn nicht das Thema, und er wäre kein Komiker mit Gespür fürs Timing, wenn er sich nicht zum Druckausgleich andere Marginalisierte vorknöpfen würde. Für die LGBTQ-Gemeinschaft ist Chappelle deshalb eine Art Gottseibeiuns, wenn er sagt: 'In diesem Land kannst du einen Schwarzen erschießen, aber verletz' ja nicht die Gefühle einer schwulen Person.'"
Weiteres: In der tazberichtet Tom Mustroph vom Festival "Kosovo Theatre Showcase 2021" in Prishtina. In der FAZ würdigt Wiebke Hüster Hans van Manen, der fünfzig Jahre lang Choreographien fürs Düsseldorfer Ballett und am Wochenende veranschiedet wurde.
Besprochen werden Volker Löschs Inszenierung "Angst" am Theater Bonn (Nachtkritik) und Tue Bierings Hamlet-Version "Prince of Denmark" am Staatstheater Darmstadt (FR).
Szene aus "Kampf. L.O.L.I.T.A." Bild: Marcel Urlaub, Volkstheater Standard-Kritiker Stephan Hilpold lässt sich am Wiener Volkstheater von Jonathan Meese mit Hakenkreuzbinde und Peitsche ordentlich einheizen, wenn ihm der "deutsche Künstlerschreck" in "Kampf L.O.L.I.T.A" Pop, Mythen und Neurosen "zusammenmantscht": "Momente des Innehaltens oder gar der Ruhe gibt es dabei unter der Fuchtel des Kunstdiktators nicht. Wobei sich der ziemlich eindrucksvolle Performer Meese selbst keinen Moment schont. Am ärgsten trifft es die großartige Lilith Stangenberg, die wahlweise als Lolita oder Nazibraut das Horst-Wessel-Lied krächzt, bevor sie auf ihrem Schaukelpferd wieder von neuem loslegt. Martin Wuttke hat einen Schenkelklopferauftritt als rheinländische Führer-Braut, Maximilian Brauer spreizt stoisch seine Arschbacken. Beenden muss das Spektakel schließlich Volkstheater-Intendant Kay Voges, Meese hätte wohl noch endlos weitergemacht. So geht Wahnsinnstheater."
Außerdem: Bis 2030 soll die Sanierung der Salzburger Festspielhäuser vollständig abgeschlossen sein, meldet der Standard.
Besprochen werden Daniel Foersters Inszenierung von Caren Jeß' "Eleos. Eine Empörung in 36 Miniaturen" am Schauspielhaus Graz (nachtkritik), Lizzy Timmers Inszenierung "Sladek oder Die Schwarze Armee" von Ödön von Horváth, mit neuen Texten von Manja Präkels am Theaterhaus Jena (nachtkritik), Nunan David Calis' Stück "Die Lücke 2.0" am Schauspiel Köln (nachtkritik), Michael Thalheimers "Räuber"-Inszenierung am Thalia Theater Hamburg (Zeit Online), Sarah Groß' Inszenierung "Guter Mond, du goldne Zwiebel" an Frankfurter Volksbühne (FR) und Johan Simons' Ödipus-Inszenierung am Bochumer Schauspielhaus (FAZ).
Szene aus "Der Idiot" am Deutschen Theater. Foto: Arno Declair
"Wozu vier Stunden Theater unter der Überschrift 'Der Idiot, nach Fjodor Dostojewskij' inszenieren und dem Publikum zumuten, wenn einen die drei wesentlichen Komponenten eines erzählenden Romans überhaupt nicht interessieren: die Menschen, die Handlung, die Sprache?", ärgert sich Till Briegleb in der SZ nach Sebastian HartmannsInszenierung am Deutschen Theater: "Hier gibt es keine Figuren, keine Zusammenhänge und keine Geschichte. Hier gibt es nur eine Parade der hechelnden Soloauftritte von Hartmanns Lieblingsschauspielerinnen und -schauspielern, die sehr ausgedehnt und von kindischen Aktionen begleitet Sätze sprechen, die immerhin überwiegend aus dem Roman stammen - dort aber selten beieinander stehen."
"Ein Theater, das endlich mal wieder nicht alles erklärt, was man sieht", meint hingegen Christine Wahl im Tagesspiegel: "Hartmanns 'Idiot' raunt nicht. Er entfaltet seine angewandte Existenzphilosophie aus einem speziellen Romanmotiv - dem für Dostojewski, der selbst einmal in letzter Sekunde doch nicht hingerichtet wurde, autobiografischen Exekutionstopos. So gesehen ließe sich der Abend als finales Kopfkino im Angesicht des Todes beschreiben. Viereinhalb Stunden über die letzte Viertelsekunde, bevor das Fallbeil niedergeht." Und nachtkritikerin Anna Fastabend denkt: "Boah, ist das schön, bisschen kitschig, aber so, so schön… Bis man irgendwann schreiend wegrennen will".
Besprochen werden Julia Lwowskis und Franziska Kronfoths Inszenierung von Paul Dessaus Oper "Die Verurteilung des Lukullus" an der Stuttgarter Oper (SZ), Sivan Ben Yishais "Liebe / Eine argumentative Übung" am Kosmos Theater Wien (nachtkritik) und Stefan Herheims Inszenierung von Richard Wagners "Ring des Nibelungen" an der Deutschen Oper Berlin (Zeit Online).
Szene aus "Der Idiot". Foto: Arno Declair "Nichts für zarte Gemüter", warntNachtkritikerin Anna Fastabend, die sich im Deutschen Theater in Berlin von Sebastian Hartmann in dessen Dostojewski-Inszenierung "Der Idiot" mit "hämmernden Monologen, treibender Musik und Bilderwucht" beschallen ließ. War aber nur im ersten Drittel "geil", danach ist Fastabend der Umgang mit "sensibel diskutierten Zeichen" zu "lax". Zunächst erlebt man aber "eine bezaubernde Ansammlung von Lebenskünstler:innen, die Adriana Braga Peretzki in transparent schimmernde Gewänder gesteckt hat. (...) Zwei riesige Tipis gibt es auch, die feuerwehrrote Fassade eines Klassizismusbaus, Anekdoten über gefallene Menschen, einen echten Hund, der wie jedes Tier auf der Bühne erstmal zur Verzückung im Publikum führt, außerdem aufwendig produzierte Animationen, die müde Pferde und Katzen in Menschenbetten zeigen, ach ja, und Hitler wird am Ende des Abends auch nochmal aus der Mottenkiste geholt. Weil: Tiere und Hitler gehen immer."
Im FR-Gespräch mit Judith von Sternburg spricht Sebastian Weigle, Generalmusiker der Oper Frankfurt, über Proben während der Pandemie in Japan und den USA und die Wiedereröffnung der Met, der Chor und Orchester komplett aufgelöst waren: "Im Chor sind es circa 40 Prozent neue Sängerinnen und Sänger. Im Orchester habe ich sehr viele wiedererkannt, da gab es ein großes Hallo und eine große Wiedersehensfreude, aber es gibt auch neue Gesichter."
Besprochen werden die Performance "1984, Back to No Future" von Gob Squad im Berliner HAU 3 (taz) sowie Paul Dessaus und Bertolt Brechts Oper "Verurteilung des Lukullus" in Stuttgart (nmz).
Besprochen werden Wolfgang Rihms Monodrama "Proserpina" an der Neuen Oper Wien (und mit einer famosen Rebecca Nelsen, wie Stefan Ender im Standard beteuert), Bruno Bouchés Choreografie von Wim Wenders' "Himmel über Berlin" mit dem Ballet du Rhin in Straßburg (SZ) sowie Brechts Oper "Die Verurteilung des Lukullus" in einer Inszenierung des MusiktheaterkollektivHauen und Stechen in Stuttgart (FAZ).
Luk Perceval inszeniert am Kölner SchauspielIwan Gontscharows Roman "Oblomow" und lässt die Proben im Livestream zeigen: Ein Experiment, ein Tabubruch. NZZ-Kritiker Bernd Noack ist beeindruckt von dem Wagemut, aber auch irritiert: "Im Mittelpunkt steht ein wuchtiges altes Sofa, auf dem vier Personen sitzen und mit Text und vor allem eigenen Gedanken spielen. Der Regisseur Perceval als Beobachter umkreist sie: 'Das Thema von 'Oblomow' ist ja Nichtstun. Also will ich jetzt einmal sehen, wie ihr das macht. Was bedeutet es für einen Schauspieler, nicht zu spielen?' Dann hocken sie und schweigen, sehen sich an, befühlen sich, lassen viel Zeit verstreichen. Was aber kann für den Zuschauer, daheim vor seinem Bildschirm, daran interessant sein? Der Theaterkonsument will doch das fertige Produkt, er verlässt sich darauf, dass eine Inszenierung abgeliefert wird, die von Anfang bis Ende durchdacht ist. Da will er keine Hänger, will nichts wissen von den privaten Befindlichkeiten der Figuren da vorne, keine Diskussionen darüber, ob das, was gerade gespielt wird, sinnvoll ist oder nicht. Und will auch nicht sehen, wie der Hospitant Kaffee holt. Und einen Regisseur, der mittendrin zugibt: 'Ich weiß auch nicht!', den will er schon gar nicht."
In der NZZstellt den ägyptischen Comedian Bassem Youssef vor, der jetzt am Broadway auftritt, da es den Behörden am Ende doch noch gelang, ihn aus dem Land zu jagen: "Die Muslimbrüder stellten sich zu blöd an. Das Militär war gerissener. Bassem Youssef wurde von seinem eigenen Sender für seine Sendung angeklagt und schließlich zu einer Strafe von 100 Millionen Pfund verurteilt."
Besprochen werden Ralph Benatzkys Operette "Der reichste Mann der Welt" im erzgebirgischen Annaberg-Buchholz (nmz), Brechts Oper "Die Verurteilung des Lukullus" in einer Inszenierung des Musiktheaterkollektiv Hauen und Stechen an der Stuttgarter Oper (Nachtkritik) Julia Wisserts Adaption von Annie Ernaux' Roman "Der Platz" am Schauspiel Dortmund (SZ), Tobias Kratzers Inszenierung von Carl Nielsens Oper "Maskerade" (deren Späße Jan Brachmann in der FAZ nur halblustig, Egbert Tholl in der SZ dagegen verstörend öde findet, nmz), Strauss' "Rosenkavalier" in der Wiener Volksoper (Standard), Amélie Niermeyers Inszenierung von Verdis "Macbeth" in der Felsenreitschule in Salzburg (Standard) und Nikolai Erdmans Politkomödie "Der Selbstmörder" am Burgtheater (FAZ).
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