Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Bühne

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.11.2021 - Bühne

Luk Perceval inszeniert am Kölner Schauspiel Iwan Gontscharows Roman "Oblomow" und lässt die Proben im Livestream zeigen: Ein Experiment, ein Tabubruch. NZZ-Kritiker Bernd Noack ist beeindruckt von dem Wagemut, aber auch irritiert: "Im Mittelpunkt steht ein wuchtiges altes Sofa, auf dem vier Personen sitzen und mit Text und vor allem eigenen Gedanken spielen. Der Regisseur Perceval als Beobachter umkreist sie: 'Das Thema von 'Oblomow' ist ja Nichtstun. Also will ich jetzt einmal sehen, wie ihr das macht. Was bedeutet es für einen Schauspieler, nicht zu spielen?' Dann hocken sie und schweigen, sehen sich an, befühlen sich, lassen viel Zeit verstreichen. Was aber kann für den Zuschauer, daheim vor seinem Bildschirm, daran interessant sein? Der Theaterkonsument will doch das fertige Produkt, er verlässt sich darauf, dass eine Inszenierung abgeliefert wird, die von Anfang bis Ende durchdacht ist. Da will er keine Hänger, will nichts wissen von den privaten Befindlichkeiten der Figuren da vorne, keine Diskussionen darüber, ob das, was gerade gespielt wird, sinnvoll ist oder nicht. Und will auch nicht sehen, wie der Hospitant Kaffee holt. Und einen Regisseur, der mittendrin zugibt: 'Ich weiß auch nicht!', den will er schon gar nicht."

In der NZZ stellt den ägyptischen Comedian Bassem Youssef vor, der jetzt am Broadway auftritt, da es den Behörden am Ende doch noch gelang, ihn aus dem Land zu jagen: "Die Muslimbrüder stellten sich zu blöd an. Das Militär war gerissener. Bassem Youssef wurde von seinem eigenen Sender für seine Sendung angeklagt und schließlich zu einer Strafe von 100 Millionen Pfund verurteilt."

Besprochen werden Ralph Benatzkys Operette "Der reichste Mann der Welt" im erzgebirgischen Annaberg-Buchholz (nmz), Brechts Oper "Die Verurteilung des Lukullus" in einer Inszenierung des Musiktheaterkollektiv Hauen und Stechen an der Stuttgarter Oper (Nachtkritik) Julia Wisserts Adaption von Annie Ernaux' Roman "Der Platz" am Schauspiel Dortmund (SZ), Tobias Kratzers Inszenierung von Carl Nielsens Oper "Maskerade" (deren Späße Jan Brachmann in der FAZ nur halblustig, Egbert Tholl in der SZ dagegen verstörend öde findet, nmz), Strauss' "Rosenkavalier" in der Wiener Volksoper (Standard), Amélie Niermeyers Inszenierung von Verdis "Macbeth" in der Felsenreitschule in Salzburg (Standard) und Nikolai Erdmans Politkomödie "Der Selbstmörder" am Burgtheater (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 01.11.2021 - Bühne

Aber tolle Bilder: Dominik Dos-Reis und Amina Eisner in Oliver Frijlic' Inszenierung "Schande". Foto: Marcel Urlaub / Schauspielhaus Bochum 

Von einem ziemlich verquälten Theaterabend berichtet Sarah Heppekausen in der Nachtkritik: Am Schauspielhaus Bochum hat Oliver Frijić, von der Sorge ums Scheitern getrieben, J. M. Coetzees Roman "Schande" auf die Bühne gebracht, der aus der Sicht eines weißen Literaturprofessors von der Vergewaltigung seiner Tochter durch einen schwarzen Arbeiter erzählt. Heikle, heikel: "In einer Pause zwischen den gespielten Szenen sprechen die vier Darstellenden direkt das - überwiegend weiße - Publikum an: Fühlen Sie sich verantwortlich für die weiße Unterdrückung, sind Sie ein Teil davon? Und wider Erwarten flammt nach kurzer Stille eine Diskussion im erleuchteten Saal auf. Ein weißer Mann hat Coetzees Buch nicht gelesen und findet die Herleitung schwierig. Ein anderer schimpft: 'Macht doch nicht eure Probleme zu unseren. Spielt doch einfach, ihr werdet doch dafür bezahlt.' Eine Person of Color meint, über das Thema Besetzung müsse unbedingt gesprochen werden: 'Es ist nicht alles piccobello hinter der Bühne.' Ein anderer fragt, warum dieses Buch überhaupt gespielt werde, um über Postkolonialismus und Rassismus zu sprechen. Es gebe doch genügend Stücke schwarzer Autoren."

In der Salpetermine. Karol Rathaus Oper "Fremde Erde". Foto: Stephan Glagla / Theater Osnabrück

Als Gegengift zum politischen Kitsch kann Jan Brachmann in der FAZ dringend Karol Rathaus' Oper "Fremde Erde" von 1930 empfehlen, die Jakob Peters-Messer für das  Theater Osnabrück wiederentdeckt hat: "'Fremde Erde' berichtet von sich aus über die moderne Armutsmigration im zwanzigsten Jahrhundert. Die Oper vernebelt die knallharten ökonomischen Ursachen für diese Migration nicht durch Kulturalistik oder Gendertheorie. Vielmehr verblüfft sie auf diesem Feld gerade durch eine ungewöhnliche Konstellation von Geschlecht und Herrschaft: mit einer Frau als Kapitalistin, die mitleidlos die Männer in ihrer Salpetermine krepieren lässt. Wer sich so etwas ausgedacht hat? Eine Frau: die Librettistin Kamilla Palffy-Waniek. Sie wusste offenbar noch, dass Herrschaft vor allem ans Eigentum von Produktionsmitteln geknüpft ist."

Besprochen werden Julia Wisserts Adaption von Annie Ernaux' Roman "Der Platz" in Dortmund (Nachtkritik), Michael Thalheimers "Räuber"-Inszenierung am Thalia Theater Hamburg (Nachtkritik), Inszenierungen von Gerhart Hauptmanns "Einsame Menschen" und Heinrich von Kleists "Michael Kohlhaas" am Deutschen Theater in Berlin (FAZ), Nikolai Erdmans Kommunalka-Komödie "Der Selbstmörder" im Burgtheater (Standard) und Emanuel Gats Choreografie zu Puccinis "Tosca" beim Tanzfestival Rheinmain (FR).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 30.10.2021 - Bühne

Szene aus "Madame Butterfly" von Satoko Ichihara. Foto: Philip Frowein


In der SZ zieht ein begeisterter Egbert Tholl Zwischenbilanz beim "Spielart"-Theaterfestival in München: "Nach 13 Produktionen in den ersten sieben Festivaltagen gibt es keine Chance, auch nur annähernd die Fülle wiederzugeben. Erstaunlich ist: Eine einzige Aufführung ist Mist. Die anderen sind entweder brillant, wie etwa 'Madama Butterfly' von Satoko Ichihara, die die Motive von Puccinis Oper ins Japan der Gegenwart überträgt. Andere sind erhellend oder auch anrührend wie das Solo von Sorour Darabi, einem trans Menschen aus Iran, der mit zerbrechlicher Schonungslosigkeit das Dilemma schildert, normal wahrgenommen werden zu wollen, aber stets sich entscheiden muss zwischen seinem Sein, dem Spiel mit diesem und dem Reden darüber. ... Vor allem aber wird man mit der Unzulänglichkeit des mitteleuropäisch zentrierten Blicks konfrontiert und kriegt von selbstbewussten, selbstbestimmten Künstlern die eigenen Klischees um die Ohren gehauen."

Besprochen werden die Uraufführung von Marc Sinans Oratorium Manifest(o) über die NSU-Verbrechen im Volkshaus Jena (nachtkritik) und Emanuel Gats Choreografie zu Puccinis "Tosca" beim Tanzfestival RM im Frankfurt LAB (FR).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 29.10.2021 - Bühne

Before the Sky Falls. Foto: Diana Pfammatter


In der nachtkritik ist Valeria Heintges hin und weg, wie Christiane Jatahy im Schauspielhaus Zürich Shakespeares "Macbeth" auf die Verhältnisse im heutigen Brasilien überträgt, dabei auch Aufnahmen einer Versammlung zwischen dem brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro und seinen Ministern in Brasilia im April 2020 aufgreift sowie Passagen aus dem Buch "The Falling Sky" des Yanomani Davi Kopenawas. Es geht um "toxische Männlichkeit", "strukturellen Rassismus" und den Raubbau an der Natur Brasiliens: "Ganz innig verbindet sich der Yanomani-Text mit 'Macbeth', Kodderschnauzen-Alltagsgerede mit Shakespeare, zuweilen eingeführt mit Quellenangabe: 'Das sagst du im 3. Akt, 5. Szene'. Alles mischt sich in diesem phänomenalen Abend: Video und Live-Performance, historisches und gegenwärtiges Drama. Mischt sich zur großen, wütenden Anklage gegen Populisten wie Bolsonaro und die globalisierte Wirtschaft, die im Regenwald unter zerstörerischsten Umständen Gold scheffelt. Und richtet sich auch gegen den Rohstoffhandelsplatz Schweiz, in dem Gold damals wie heute vom Dreck seiner Geschichte gereinigt wird."

Weiteres: Jürgen Kesting porträtiert in der FAZ den Sänger Michael Spyres, der als Tenor so gut singt wie als Bariton. Besprochen wird Günther Rühles Buch "Ein alter Mann wird älter. Ein merkwürdiges Tagebuch" (Standard).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.10.2021 - Bühne

Michael Stallknecht blättert für die SZ durch den jüngsten Band der kritischen Gesamtausgabe von Richard Strauss' Werken und findet dort die Retouchen zur "Salome". In der Zeit nimmt Stallknecht  Kirill Serebrennikows Inszenierung von Schostakowitschs "Die Nase" zum Anlass, die Veränderungen an der Bayerischen Staatsoper unter ihrem neuen Intendanten Serge Dorny und dem neuem Generalmusikdirektor Vladimir Jurowski zu beschreiben. Jonas Zipf unterhält sich für die nachtkritik mit Fritz Burschel und Dietrich Kuhlbrodt über "Forensic Architecture" und die juristische, politische und gesellschaftliche Wirksamkeit von Kunst. Gina Thomas berichtet in der FAZ vom Opernfestival Wexford in Irland.

Besprochen werden "Die Zaubermelodika" von Iiro Rantala an der Komischen Oper Berlin (nmz) und Kirill Serebrennikows Inszenierung von Schostakowitschs "Die Nase" an der Bayerischen Staatsoper (NZZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 27.10.2021 - Bühne

Adele Thomas' Inszenierung von Verdis "Troubadour". Foto: Monika Rittershaus / Opernhaus Zürich 

Einfach hingerissen ist FAZ-Kritikerin Lotte Thaler von Gianandrea Nosedas temperamentvollem Einstand als Generalmusikdirektor am Zürcher Opernhaus mit Verdis "Troubadour": "In die Glieder fuhren diese knappen, gestochen scharf artikulierten Rhythmen, die einen noch auf dem Heimweg begleiteten. Um ein Haar hätte man die herrlich aufwallenden Kantilenen mitgesungen. Und erst recht auf der Stuhlkante saß die Philharmonia Zürich, die sich das 'con fuoco' Nosedas mit italienischer Wendigkeit zu eigen machte. Nicht allein durch das hohe Spieltempo, sondern durch den blitzschnellen Wechsel aller Gefühlslagen von der kämpferischen Freude im dynamischen Vollrausch, der vibrierenden Aufgeregtheit, der sehnsüchtigen Liebe, der tobenden Wut bis zur seufzenden Todesgewissheit. Noch der Trauermarsch im vierten Akt hatte Schneid."

Besprochen werden weiter Lars-Ole Walburgs Bühnenadaption von Erich Maria Remarques KZ-Roman "Der Funke Leben" in Kassel (FR) und Iiro Rantalas Kinderoper "Die Zaubermelodika" in Berlin (NMZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.10.2021 - Bühne

Mirjam Mesak und Alexandra Durseneva in Schostakowitschs "Die Nase". Foto: Wilfried Hösl / Bayerische Staatsoper

Triumph! In der SZ zeigt sich Reinhard Brembeck überwältigt vom Einzug des neuen Intendanten Serge Dorny in der Bayerischen Staatsoper. Dort inszenierte Kirill Serebrennikow - per Videoschaltung - Schostakowitschs Avantgarde-Oper "Die Nase" mit einem grandiosen Chor und 25 fabelhaften Solisten, wie Brembeck schwärmt, Vladimir Jurowski dirigierte: "Leises fordert er genauso ein wie Details, Tanzrhythmen wie Militaristisches, Utopisches wie Brutales. Vladimir Jurowski agiert blitzschnell, er schwebt wie der Schöpfergeist über den von ihn angefachten Klangwogen, er formt ohne zu bevormunden, er inspiriert und moderiert. Das ist der ideale Chef! Dieser Dirigent bringt den schwierigen Kunstdrahtseilakt fertig, ganz in der Musik und ihren aufgepeitschten Emotionen aufzugehen, aber dennoch immer eine Distanz zur Musik zu wahren. Vladimir Jurowski erzeugt so einen kontrollierten Rausch, dem bis auf ihn selbst alle an diesem denkwürdigen Abend erliegen."

Deutlich weniger begeistert schreibt Manuel Brug in der Welt. Dass Serebrennikows Inszenierung ein wenig holzschnittartig ausfällt, will er dem in Moskau festsitzenden Regisseur nicht verübeln. Aber dass Schostakowitschs "buntschillerndes Anarcho-Radaustück" allein zur brutalen Abrechnung mit den Herren in Moskau mutiert, ist ihm zu schwarz: "Schostakowitsch mit bös-gehaltvollen Bedeutungsunterbau, aber ohne Revolte-Glitter, Paranoia und Kastrationsangst. Als beifallsheischendes Eröffnungsopus einer neuen Intendanz ist diese einnehmende wie ermüdende 'Nase' zwar extrem personenintensiv und aufwändig, aber eben auch leider einigermaßen abtörnend. Der Applaus klatschte sich nur langsam warm, war allzu schnell verflogen." Auf Unentschieden befindet Stefan Mösch in der FAZ: "Das Stigma des gesichtslosen Einzelnen, es berührt hier ohne jedes Pathos als Menschheitsdrama, existenziell aufgeladen, ohne munter-kabarettistische Verflachung. Weniger einleuchtend ist die Umstellung wichtiger Szenen." Ähnlich sieht es Joachim Lange im Standard.

Besprochen werden außerdem der von Thomas Köck co-produzierte Abend "Algo Pasó (la última obra)" zum Thema Desaparecidos (Nachtkritik) und das Kinderstück "Zaubermelodika" in der Komischen Oper Berlin (Tsp).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.10.2021 - Bühne

Abgründig possierlich: Gonbrowicz' "Yvonne, die Burgunderprinzessin". Foto: Birgut Hupfeld / Schauspiel Frankfurt

Am Frankfurter Schauspiel hat Mateja Koleznik die selten gespielte Groteske "Yvonne, die Burgunderprinzessin" von Witold Gombrowicz inszeniert. In der FR kann sich Judith von Sternburg keinen Reim machen auf die Possierlichkeiten, die sie mal erheitern, mal an den Abgrund führen: "Ein in Selbstzufriedenheit und mildem Ennui erstarrter Märchen-Hofstaat stürzt sich auf eine angeschwemmte Fremde, deren Anderssein die Gesellschaft abstößt und anzieht. Das weitgehende Schweigen der Frau macht sie zum perfekten Opfer - der wehrlose Mensch, mit dem man alles unternehmen kann, wie das gelangweilte, aber auch traurige Prinzlein als erster klar erkennt." Auch in der FAZ sieht Simon Strauss das Explosive zu schnell verpuffen: "Gombrowicz' 'Yvonne' ist ein durch und durch misogynes, moral- und ideologieloses Stück. Es führt auf drastische, surreal-satirische Weise vor, was Menschen einander in Wahrheit sind: blitzblanke Spiegel des eigenen Nichts. So weit, so gut, so leer."

Besprochen werden Stefan Bachmanns Inszenierung von Max Frischs "Graf Öderland" am Münchner Residenztheater (SZ), Claudia Bauers Adaption von Ingo Schulzes Roman "Der Rechtschaffene Mörder" für das Dresdner Schauspiel (taz, Nachtkritik), Ibsens "Volksfeindin" vom Freien Schauspiel Ensemble in Frankfurt (FR), Verdis "Don Carlo" an der Dresdner Semperoper (FAZ) und das Stück "Das perfekte Geheimnis" im Theater in der Josefstafdt (über das der Standard als "reaktionären Schmafu" schimpft).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.10.2021 - Bühne

Bild: Szene aus "Urteil (revisited)". Foto: Birgit Hupfeld.

Bereits 2014 brachte die Regisseurin Christine Umpfenbach das von ihr und Azar Mortazavi geschriebene Stück "Urteile" über den NSU-Prozess auf die Bühne des Münchner Residenztheaters. Nun, sieben Jahre später zeigt sie dort die überarbeitete Version "Urteile (revisited) - Nach dem Prozess", ergänzt um den Abschluss des Prozesses, die Folgen und Reaktionen der Beteiligten. Nachtkritiker Thomas Rothschild sieht Reenactment, das "unter die Haut geht", räumt aber ein: Das Stück konstituiert "keine neue Sicht auf die Ereignisse. Der Bruder eines Opfers und ein Rechtsanwalt bekunden ihre Enttäuschung über das Urteil. Viel mehr hatten die Autorinnen offenbar dazu nicht zu sagen. Das jedenfalls ist der Eindruck, den die dokumentarische Methode mit ihren freiwilligen Beschränkungen hinterlässt: Der Verzicht auf eine Außensicht, auf Analyse und Kommentar, verharrt auf der Position der Hilf- und Ratlosigkeit der Beteiligten. Ein Rechtsanwalt bringt es auf den Punkt: 'Es gibt eben keine Entwarnung nach NSU, im Gegenteil.'" Für den SZ-Kritiker Egbert Tholl ist die Inszenierung indes eine "sehr viele Aspekte beleuchtende Reportage": "Ein Tableau entsteht, ein Relief, das man glaubt mit Händen greifen zu können."

Am Sonntag eröffnet die Bayerische Staatsoper die erste Spielzeit unter ihrem neuen Intendanten Serge Dorny mit der Premiere von Dmitri Schostakowitschs Oper "Die Nase", per Zoom führte Kirill Serebrennikow Regie, da er nach dem Hausarrest keinen Pass mehr besitzt und Russland noch immer nicht verlassen kann. Im SZ-Gespräch mit Julia Spinola kritisiert unter anderem die Cancel Culture: "Ich komme aus einem Land, in dem 'Cancel Culture' eine große Tradition hat. In den Dreißigerjahren, während der Stalin-Zeit, wurde der Begriff des 'Volksfeinds' geprägt. Wer so bezeichnet wurde, war angezählt und stand zur Exekution frei. Die heutige Form von 'Cancel Culture' hat nicht ganz so ein blutiges Gesicht, aber sie ähnelt dieser Tradition. Sie ist eine Form von Bürgerkrieg. Wenn man erst einmal anfängt, die Meinungs- und Kunstfreiheit zu beschränken, begibt man sich auf ein gefährliches Terrain. Wir alle kennen etwas oder jemanden, den wir am liebsten 'canceln' würden, indem wir ihn mundtot machen, anschwärzen oder umbringen. Aber Demokratie bedeutet, auch mit diesen Menschen und ihren Positionen zu koexistieren, ohne einander an die Gurgel zu gehen."

Besprochen werden ein Abend der Dresden Frankfurt Dance Company mit Choreografien von Jacopo Godani, William Forsythe, Marco Goecke (FR) und der Auftakt des neuntägigen Berliner Monolog-Festivals, das unter dem Motto "Fantastische Zeiten" in die Zukunft blickt (nachtkritik).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.10.2021 - Bühne

Der Choreograf Boris Charmatz wird neuer Leiter des Tanztheaters Wuppertal Pina Bausch, meldet der Tagesspiegel.

Besprochen werden die Uraufführung von Anne Leppers Jugendstück "Hund wohin gehen wir" am  - Staatstheater Darmstadt in der Regie von Alia Luque (nachtkritik), "Sehnsucht.Lohengrin" an der Berliner Staatsoper (nmz) und die Choreografie "Monument 0.9" von Eszter Salamon im Berliner HAU 1 (Tsp).