Luk Perceval inszeniert am
Kölner Schauspiel Iwan Gontscharows Roman "Oblomow" und lässt die
Proben im Livestream zeigen: Ein Experiment, ein Tabubruch.
NZZ-Kritiker Bernd Noack ist beeindruckt von dem Wagemut, aber auch
irritiert: "Im Mittelpunkt steht ein wuchtiges altes Sofa, auf dem vier Personen sitzen und mit Text und vor allem eigenen Gedanken spielen. Der Regisseur Perceval als Beobachter umkreist sie: 'Das Thema von 'Oblomow' ist ja
Nichtstun. Also will ich jetzt einmal sehen, wie ihr das macht. Was bedeutet es für einen Schauspieler,
nicht zu spielen?' Dann hocken sie und schweigen, sehen sich an, befühlen sich, lassen viel Zeit verstreichen. Was aber kann für den Zuschauer, daheim vor seinem Bildschirm, daran interessant sein? Der Theaterkonsument will doch das fertige Produkt, er verlässt sich darauf, dass eine Inszenierung abgeliefert wird, die von Anfang bis Ende durchdacht ist. Da will er keine Hänger, will nichts wissen von den
privaten Befindlichkeiten der Figuren da vorne, keine Diskussionen darüber, ob das, was gerade gespielt wird, sinnvoll ist oder nicht. Und will auch nicht sehen, wie der Hospitant Kaffee holt. Und einen Regisseur, der mittendrin zugibt: 'Ich weiß auch nicht!', den will er schon gar nicht."
In der
NZZ stellt den ägyptischen Comedian
Bassem Youssef vor, der jetzt am Broadway auftritt, da es den Behörden am Ende doch noch gelang, ihn aus dem Land zu jagen: "Die Muslimbrüder stellten sich
zu blöd an. Das Militär war gerissener. Bassem Youssef wurde von seinem eigenen Sender für seine Sendung angeklagt und schließlich zu einer Strafe von
100 Millionen Pfund verurteilt."
Besprochen werden
Ralph Benatzkys Operette "Der reichste Mann der Welt" im erzgebirgischen Annaberg-Buchholz (
nmz),
Brechts Oper "Die Verurteilung des Lukullus" in einer Inszenierung des
Musiktheaterkollektiv Hauen und Stechen an der Stuttgarter Oper (
Nachtkritik) Julia Wisserts Adaption von
Annie Ernaux' Roman "Der Platz" am Schauspiel Dortmund (
SZ), Tobias Kratzers Inszenierung von
Carl Nielsens Oper "Maskerade" (deren Späße Jan Brachmann in der
FAZ nur halblustig, Egbert Tholl in der
SZ dagegen verstörend öde findet,
nmz),
Strauss' "Rosenkavalier" in der Wiener Volksoper (
Standard),
Amélie Niermeyers Inszenierung von
Verdis "Macbeth" in der Felsenreitschule in Salzburg (
Standard) und
Nikolai Erdmans Politkomödie "Der Selbstmörder" am Burgtheater (
FAZ).