Seinen Rücktritt zum Jahresende hatte Börsenvereinsvorsteher
Dieter Schormann kurz vor der Buchmesse bekannt gegeben, um dort eine Personaldebatte - wie letztes Jahr um den Buchmessedirektor - zu vermeiden. Im
Börsenblatt-Interview betonte der höchste Repräsentant des deutschen Buchhandels, sich der Brisanz seines Vorhabens, die eigene Buchhandlung zu schließen und sich von Branchenprimus
Thalia anstellen zu lassen, bewusst gewesen zu sein. Mit einer "solchen Wucht an Kritik" habe er allerdings nicht gerechnet. "Die Reaktion zeigt, wie schwierig die Zeiten sind und wie groß die Ängste", sagte Schormann. Bis zur Wahl seines Nachfolgers im Mai 2006 führt der stellvertretende Verbandsvorsteher,
Gottfried Honnefelder, die Geschäfte weiter.
Normalerweise knallen nach der
Bekanntgabe des Literaturnobelpreisträgers in dessen Verlag die Sektkorken, dann wird nachgedruckt. Auch der
Rowohlt Verlag, welcher den diesjährigen Nobelpreisträger, den englischen Dramatiker
Harold Pinter (zu seiner
Homepage), in deutscher Sprache verlegt, hat seinem Autor einen Auflagenschub von 100.000 Exemplaren verpasst. Das Sortiment ist freilich inzwischen mit den vier lieferbaren Pinter-Titeln eingedeckt, jedoch verhalten optimistisch, was eine lang anhaltende Resonanz betrifft (
hier die Ergebnisse eines
Börsenblatt-Rundrufs). In den
Amazon-Verkaufscharts sind die Bücher des Literaturnobelpreisträgers 2005 bereits jenseits der "Top 100".
Der österreichische Autor
Arno Geiger wurde vergangene Woche für seinen
Familienroman "Es geht uns gut" (Hanser) mit dem
Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. Dass er den "besten deutschen Roman des Jahres" geschrieben haben soll, ruft auch ein mulmiges Gefühl in Geiger hervor: "Das ist für jeden Text zuviel." Ein guter Roman muss nicht makellos oder perfekt sein, aber eine
neue Erkenntnis bieten, findet der frisch gekürte Preisträger und ist auch für "die Konkurrenz" voll des Lobes.
"Die Vermessung der Welt", den ebenfalls nominierten Text von
Daniel Kehlmann (bei Rowohlt), lobt er für seine "sehr eigene, selbstbewusste Sprache" und
Friederike Mayröckers "Und ich schüttelte einen Liebling" (Suhrkamp) sei ohnehin wunderbar.
Welchen Stellenwert das
Bücherlesen bei den Deutschen einnimmt, hat das
Börsenblatt anhand der
Studie Massenkommunikation 2005 von
ARD und
ZDF ermittelt. Zwar ist die tägliche Lesezeit - trotz Neuer Medien - innerhalb der letzten fünf Jahre gestiegen, Grund zum Jubeln gibt es für die Buchbranche jedoch nicht: Von insgesamt zehn Stunden Medienkonsum pro Tag, fallen fürs Lesen nur 25 Minuten ab. Im Internet gesurft wird 44 Minuten (zum Vergleich: 13 Minuten im Jahr 2000). Am liebsten sitzen die Deutschen nach wie vor vorm Fernseher - durchschnittlich drei Stunden und 40 Minuten.
Mehr zur Analyse.
Am Eröffnungstag der Buchmesse ist der neu gegründete
Beirat der Frankfurter Buchmesse zusammengetreten. Das international besetzte Gremium soll wichtige Impulse für die Weiterentwicklung der Messe geben, erklärte der ebenso neue Buchmessedirektor
Juergen Boos dem
Börsenblatt. Dem Beirat gehören unter anderem
Egon Ammann (Schweiz),
Maximilian Hugendubel (Deutschland),
Peter Olson (Random House, USA) und
Jesus Badenes (Planeta, Spanien) an.
Personalien:
Maria Koettnitz, Leiterin der Zweigstelle des
Reclam Verlags in Leipzig, wechselt im Januar als Verlagsleiterin Allgemeines Sachbuch zu
Econ.
Weitere Meldungen: In 2006 soll das Kinderbuchprogramm
Nilpferd des österreichischen
NP Buchverlags beim zu NP gehörenden literarischen
Residenz Verlag angesiedelt werden; von Programmleiterin
Natalie Tornai, die das künstlerische Kinder- und Bilderbuchprogramm ab 2001 aufgebaut hat, trennt sich der Verlag wegen inhaltlicher Differenzen. Per Gerichtsbeschluss wurde
Hans Magnus Enzensberger zur weiteren Herausgabe der
Reihe "Andere Bibliothek" bei Eichborn verpflichtet (Enzensberger wollte lieber eine ähnliche Reihe für die
FAZ etablieren); ab Frühjahr 2006 bis zum Vertragsende Enzensbergers im Dezember 2007 ist jetzt wieder ein lückenloses Erscheinen der Bände gesichert. Der Hörbuchverlag
Steinbach sprechende Bücher und der
Herder Verlag wollen zur
Leipziger Buchmesse mit einem gemeinsamen Programm in den Handel gehen. Das
Verlagsranking des Marktforschungsinstituts
Innofact führen wiederholt
Brockhaus und
Rowohlt an: Die meisten Befragten kannten den Brockhaus Verlag zumindest dem Namen nach, die Frage nach einem deutschen Verlagsnamen wurde von der Mehrheit spontan mit Rowohlt beantwortet.