Die Buchmacher

Die Buchmacher

Ein Blick in die Branchenblätter der Buch- und Verlagswelt. Jeden Montag ab 12 Uhr.
16.08.2005. In dieser Woche: Problemstau an der Baustelle Verzeichnis lieferbarer Bücher. Und warum Weltbild alle Regeln außer Kraft setzt. Von Sandra Evertz

buchreport.express

Der Buchreport nimmt das neue Weltbild-Konzept (siehe auch Archiv) unter die Lupe und resümiert: "Der Konzern setzt alle Regeln außer Kraft, nach denen traditionelle Publikumsverlage bisher ihre Bücher produzieren." Im Einzelnen: Weltbild präsentiert keine kompletten Programme, konzentriert sich nur auf wenige Autoren. Die potenziellen Bestseller erscheinen nicht im Halbjahres-, sondern im Monatsrhythmus. An den Buchhandel geliefert wird erst ab 20 Exemplaren, kleinere Mengen müssen beim Barsortiment bestellt werden. Alle Titel sind trotz Großformat und sorgfältiger Ausstattung in der untersten Preiskategorie (Slogan: "Von Anfang an zum Weltbild-Preis") angesiedelt. Es gibt weder Vorschauen noch Vertreter, stattdessen ein "aktionsorientiertes Marketing".

Downloadportale und Verleihsysteme verändern den Hörbuchmarkt. "Die rasante Entwicklung lässt sich an den jüngsten Zahlen des Portals Audible ablesen: Für das zweite Quartal meldet audible.de - im Dezember 2004 gestartet - eine Umsatzsteigerung von 300 Prozent gegenüber dem ersten Quartal", schreibt der Buchreport. Nach Audible hätten sich in kurzen Abständen weitere Anbieter formiert, darunter Claudio, diadopo.de und ohrbuch.net. Gerüchten zufolge liebäugelt auch Branchenriese Amazon mit dem Einstieg ins Downloadgeschäft.

Kein Vorwärtskommen sieht der Buchreport "im Problemstau an der Baustelle Verzeichnis lieferbarer Bücher" (Archiv). "Die MVB kann sich nicht entscheiden, was das VlB in allererster Linie sein soll. Eine Marketingplattform für Verlage, ein Recherchetool für Buchhändler oder eine Datenclearingstelle. Momentan versucht man alles gleichzeitig zu sein. Ich behaupte, dass dieses Konzept nicht aufgehen kann", so bringt es ein anonymer Verfasser im VlB-Onlineforum auf den Punkt.

Nach 150 Jahren Geschäftstätigkeit steht die Hannoveraner Buchhandlung Schmorl & Seefeld vor dem Aus. Der Buchreport hat die Meldung zum Anlass genommen, sich anzuschauen, welche Traditionsbuchhandlungen dieses und vergangenes Jahr Insolvenz anmelden mussten und wer gerettet oder übernommen werden konnte.

Englischsprachige Autoren erobern die internationalen Bestsellerlisten. Das besagt eine Studie des schwedischen Fachblatts Svensk Bokhandel. Es hat ein Jahr lang die Bestsellerlisten von zehn europäischen Ländern - darunter auch Deutschland - und der USA untersucht. "In nahezu jedem aufgelisteten Land besetzen Autoren aus den USA und Großbritannien ein Drittel der Bestsellerränge", fasst der Buchreport zusammen. "In Deutschland ist ihr Anteil sogar höher als derjenige der deutschsprachigen Autoren." Ein weiterer Trend sei die geringe Zahl von Autoren auf den Listen.

Die Internet-Enzyklopädie Wikipedia will sich offline neue Zielgruppen erschließen. Bis zu 50 Einzelthemen pro Jahr sollen künftig als Taschenbücher ausgekoppelt werden. Band 1 erscheint spätestens im Oktober und stellt die Wikipedia selbst in den Mittelpunkt. Die Wissensgemeinschaft sei vor allem bei aktuellen, nicht akademischen Lexikonthemen, mit denen sich traditionelle Verlage schwer tun, stark, erklärte Vertriebsleiter Kilian Kissling dem Buchreport und gab damit einen Hinweis auf die inhaltliche Richtung der Buchreihe.

Personalien: Dan Brown-Lektor Marco Schneiders steigt zum Leiter des Gesamtprogramms bei Lübbe auf. Vorher erledigte Heike Fischer diesen Job.

Meldungen: Das von Hans Magnus Enzensberger gegründete und zuletzt im Rowohlt Verlag publizierte Kursbuch erscheint ab dem 25. August in neuem Format im Zeit-Verlag. Die Auflage liegt bei 20.000 Exemplaren. Zum Schluss: die Bestsellerlisten.
Stichwörter: Wikipedia, Audible

Börsenblatt

Springer kauft - vorbehaltlich der Zustimmung des Kartellamts - Deutschlands größten Fernsehkonzern, ProSieben Sat 1. Über den Haufen geworfen ist somit das vor zweieinhalb Jahren angekündigte neue Konzept des Springer Verlags, sich auf das Kerngeschäft mit Zeitungen zu konzentrieren. "Damit einher ging der Verkauf der Buchverlagsgruppe Ullstein Heyne List an die Bertelsmann-Tochter Random House", erinnert das Börsenblatt, für das der TV-Coup der "Aufreger der Woche" ist. Scheint so, als wolle Springer nun den Konkurrenzkampf mit Bertelsmann aufnehmen. Auch ins Buchgeschäft ist der Konzern mit den in Kooperation mit Weltbild herausgegebenen Billigbuch-Editionen wieder eingestiegen.

Nachdem auch andere Zeitungen das lukrative Geschäft mit preisgünstigen Buchreihen für sich entdeckt haben, brüten deren Marketingabteilungen fieberhaft Projekte aus. Kaum eine Woche, in der nicht Einzelheiten über neue Bucheditionen bekannt gegeben werden - diesmal ist es die Welt am Sonntag, die ankündigt, 2006 mit Hellmuth Karasek als Herausgeber ins Rennen zu gehen. Ob die vielen billigen Sonder-Bibliotheken für das Sortiment noch attraktiv sind, hat das Börsenblatt in seinem Rundruf gefragt.

Dunkle Wolken hängen über der britischen Buchbranche. Nach einem Bericht des Magazins The Bookseller machen mehrere kleinere Buchhandlungen die Verlage dafür verantwortlich, dass sie ihre Geschäfte schließen mussten. Auf Kosten des unabhängigen Buchhandels würden Amazon & Co. unterstützt, zitiert das Börsenblatt. Die Verlage hätten nicht bedacht, dass der Markt insgesamt nicht mehr wachse.

Dan Brown kann sich erst mal entspannt zurücklehnen. Lewis Purdues Plagiatsvorwürfe gegen den amerikanischen Bestseller-Autor ("Sakrileg", Illuminati") und die damit verbundene Schadenersatzklage in Höhe von 150 Millionen Dollar wurden von einem New Yorker Gericht für nichtig erklärt bzw. abgeschmettert. "Die Richter stellten nur oberflächliche Ähnlichkeiten mit Purdues Krimi 'The Da Vinci Legacy' fest. Der Kläger will Berufung einlegen", informiert das Börsenblatt.

Und: Google stoppt vorerst das Einscannen von Büchern.

Personalien: Arne Teutsch, unter anderem Mitgesellschafter des Buchverlags für die Frau und des Leipziger Kinderbuchverlags, hat Vito von Eichborns Anteile am Europa Verlag (49 Prozent) gekauft. Von Eichborn freut sich darauf, wieder ausschließlich Bücher zu machen. Zwar hätten Buchprojekte bei Europa Priorität, erzählte er dem Börsenblatt, wenn er aber auf Dinge stoße, die dort nicht ins Programm passten, versuche er, sie anderswo unterzubringen. Hans-Georg Knopp ist neuer Generalsekretär des Goethe-Instituts. Susanne Gumbmann, seit 1999 Chefin des Literaturhauses Frankfurt, verlässt das Haus Ende Februar 2006.

Meldungen: Weltbildplus, das Jointventure der Verlagsgruppe Weltbild und der Heinrich Hugendubel GmbH, hat das im Jahr 1999 selbst gesteckte Ziel, 280 Buchhandlungen zu eröffnen, übertroffen: Im September wird die Kette 285 Filialen betreiben. Der Christoph Merian Verlag steigt in Zusammenarbeit mit dem Radiosender DRS in den Hörbuchsektor ein; der Programmschwerpunkt liegt auf Literatur zeitgenössischer Schweizer Autoren. Elf Monate nach dem Brand der Weimarer Herzogin Anna Amalia Bibliothek hat der Wiederaufbau des historischen Teils begonnen; nach Angaben der Stiftung Weimarer Klassik soll das zwölf Millionen Euro teure Bauvorhaben in 2007 abgeschlossen sein.
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