9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.12.2019 - Internet

Der türkisch-französische Digitalaktivist Aral Balkan schimpft im Interview mit der SZ über Google und Co, die die Daten der Menschen absaugten. Er will dagegen eine "ethisch unbedenkliche Software" entwickeln. Wie die aussehen soll, sagt er aber nicht (oder Interviewer Jannis Brühl interessiert sich nicht dafür, das Google-Bashing abzufragen, ist ja so viel einfacher.)
Stichwörter: Balkan

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.12.2019 - Internet

Vielleicht sollte man aber auch mal über die Chancen der Digitalisierung reden, meint in der Welt der Technologie-Investor David Rosskamp. Er fordert "eine Vervielfachung der bisherigen Töpfe, einen gigantischen neuen Marshallplan zur Umgestaltung und Anpassung der europäischen Wirtschaftsstruktur" auf europäischer Ebene. Denn Europa ist wegen seiner pessimistische und zögerliche Haltung zur Digitalisierung total abgehängt: "Wir hängen am Tropf von amerikanischen oder asiatischen Geldgebern. Die Schwere dieser Situation ist wohl nur den wenigsten bewusst, und eine größtenteils apathische Öffentlichkeit vermeidet eine tiefere Auseinandersetzung. Der darunter liegende Kerngrund der europäischen und deutschen Misere ist allerdings auch ein kultureller. Akademisch und kulturell erleben wir eine abgehängte, insulare Welt, die in altem Industriedenken verharrt und folglich dem 'Haptischen' der Maschine mehr zumisst als der intellektuellen Kombinatorik."
Stichwörter: Digitalisierung

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.12.2019 - Internet

Sebastian Meineck berichtet auf Vice über ein Experiment, das er auf dem immer populäreren sozialen Netzwerk TikTok angestellt hat. Unter jungen Nutzern wird TikTok, das von einer chinesischen Firma betrieben wird, immer populärer. (Allein in Deutschland nutzen 5,5 Millionen Menschen die Plattform, meldet heute das Wiwo-Blog). Meineck hat einige China-kritische Videos bei TikTok eingestellt, die total floppten. Nun könnte das natürlich an allgemeinem Desinteresse liegen: "Es lässt sich nicht überprüfen, ob TikTok-Moderatoren unsere Videos gezielt herabgestuft haben - oder ob schlicht wenige Menschen sie interessant fanden. Eine seltsame Beobachtung haben wir aber gemacht: Unsere Videos sind in mindestens neun Fällen aus den Hashtag-Suchergebnissen der App verschwunden. Nutzerinnen und Nutzer können ihre TikTok-Videos ähnlich wie auf Twitter und Instagram mit Hashtags versehen, damit sie für andere auffindbar sind. Von diesen Hashtags handelte auch unser erster Upload auf TikTok. Wir hatten uns gewundert, warum wir am 26. November nur zwei Videos unter dem Hashtag #freexinjiang finden konnten und nur ein einziges unter dem Hashtag #chinacables." Auf Nachfrage hat TikTok auf einen "Bug" verwiesen. Hyperallergic berichtete vorgestern von ähnlichen Ausreden.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.12.2019 - Internet

Die Idee des offenen Internets (die sich in Deutschland nie recht herumgesprochen hat), wird verkauft, schreibt Sebastian Grüner in einem Golem-Artikel, der sich zugleich kompliziert und spannend liest. Verkauft wird ausgerechnet die .org-Domain, die bisher gemeinnützig verwaltet wurde und unter der sich vor allem gemeinnützige Organisationen registrieren. Beteiligt sind die "Internetbehörde" ICANN und die Internet Society (ISOC). Grüner stellt undurchsichtige Personalkonstellationen von Käufern und Verkäufern dar. Der Kaufpreis soll bei 1,135 Milliarden US-Dollar liegen: "Diese Summe mag auf den ersten Blick groß erscheinen, ist aber eigentlich lächerlich klein und sicherlich deutlich unter Wert. So gibt es derzeit mehr als 10 Millionen .org-Domains. Mit den nun möglichen Preissteigerungen und eventuell neuen Registrierungen könnte die .org-Registry wohl nach einigen Jahren 200 Millionen US-Dollar im Jahr einnehmen. Ebenso könnten die neuen Eigner die Registry einfach zu einem höheren Preis weiterverkaufen."

Der Webtheoretiker und -Aktivist Ethan Zuckerman macht sich in der Columbia Journalism Review unterdessen Gedanken über die Frage, ob sich die Idee des offenen Internets auch auf soziale Medien übertragen lässt. Sein Modell für ein "public service"-Angebot wäre die Wikipedia, die immerhin gezeigt hat, dass ein kollektiver Aufbau eines gesicherten Wissens möglich ist: "Ein gemeinnütziges Web erlaubt uns, Dienste zu imaginieren, die es jetzt nicht gibt, weil sie nicht kommerziell tragfähig sind, die aber womöglich zu unserem Nutzen, zum Nutzen der Bürger in einer Demokratie, existieren sollten. Wir haben eine Welle von Innovationen bei Tools gesehen, die uns unterhalten sollen, aber sehr viel weniger Innovation um Tools, die uns erziehen und unseren Wirkungskreis erweitern oder die marginalisierte Stimmen verstärken."

Statt von einer Zerschlagung Googles zu träumen, sollte Europa lieber eine eigene Suchmaschine bauen, meint Adrian Lobe in der Welt. Wie die aussehen soll in einer Gesellschaft, die lieber über das redet, was sie nicht zu finden wünscht, als über neue Möglichkeiten, die sich eröffnen, sagt Lobe nicht. Man versteht auch nicht, wer diese Suchmaschine bauen soll: die Staaten? Abgesehen davon, dass die Idee einer staatlich kontrollierten Suche doch eher nach Russland oder China klingt, hat das bis jetzt ja auch nicht geklappt: "2006 versuchten Deutschland und Frankreich mit dem gemeinsamen Suchmaschinenprojekt Quaero eine Konkurrenz zu Google aufzubauen. Quaero hätte eine europäische Antwort auf Google sein sollen, ein binationaler Champion nach dem Vorbild von Airbus. Doch das Projekt, das von Frankreichs damaligem Staatspräsidenten Jacques Chirac angetrieben wurde, scheiterte an der Finanzierung - und daran, dass Deutschland mit der Suchmaschine Theseus einen nationalen Alleingang wagte. Es wäre interessant gewesen zu beobachten, wie sich eine Euro-Suchmaschine gegenüber der US-Konkurrenz entwickelt hätte."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.12.2019 - Internet

Frankreich ist das erste EU-Land, das die EU-Urheberrechtsreform national umsetzt. Die EU-Abgeordnete Julia Reda liest die Paragrafen zu den Uploadfiltern und äußert sich in ihrem Blog entsetzt: Frankreich hatte sich schon während der EU-Debatte als zuverlässigster Partner der Copyright-Industrien betätigt und tut dies nun wieder. So sind die Ausführungen zu den Nutzerrechten in dem Entwurf für die Umsetzung des Artikels 17 (vormals 13) äußerst rudimentär geraten, kritisiert Reda. Denn es gibt einige Ausnahmen vom Urheberrecht, etwa wenn Videos zitiert oder zu Parodien eingesetzt werden: "Anstatt sicherzustellen, dass Plattformen bestehende Urheberrechtsausnahmen in ihren Bedingungen nicht außer Kraft setzen, wie es die Richtlinie vorschreibt, fordert der französische Vorschlag die Plattformen lediglich auf, die Nutzer über das Bestehen von Urheberrechtsausnahmen nach nationalem Recht zu informieren. Die entscheidenden Teile von Artikel 17, in denen es heißt, dass Plattformen den Nutzern ermöglichen müssen, tatsächlich von diesen Ausnahmen zu profitieren, und dass solche rechtlichen Inhalte überhaupt nicht blockiert werden dürfen, fehlen völlig."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.12.2019 - Internet

Die geplante ePrivacy-Verordnung der EU, mit der die Datensammelei im Netz eingeschränkt werden sollte, ist vorerst gescheitert, meldet Alexander Fanta auf Netzpolitik: "Einige Staaten halten die Vorschläge für zu weitgehend - sie drängten etwa auf Ausnahme für Presseverlage." Ähnlich berichtet das auch Spon: "Gegen die Vorschläge der Kommission protestierten nicht zuletzt viele europäische Verlage, darunter auch der Spiegel, Spiegel online, die Zeit, die FAZ und die Süddeutsche Zeitung. Sie fürchteten um Einnahmen aus personalisierter Werbung, welche die wirtschaftliche Grundlage dafür ist, ihre Angebote weitgehend kostenlos ins Netz stellen zu können. Teile der Verordnung betrachteten sie als Gefahr für ihr Geschäftsmodell, während Internet-Unternehmen wie Google und Facebook davon profitieren würden." Dabei war die Verordnung schon abgeschwächt worden: Ursprünglich sollte "Do not Track" als Browserstandard eingeführt werden. Dann einigte man sich darauf, eine Ausnahme für werbefinanzierte Nachrichtenseiten einzführen, schrieb Fanta vor zwei Wochen bei Netzpolitik, "eine Art Blankovollmacht für Tracking mit Cookies oder anderen Methoden zu gewähren. Über diese Neuerung dürfte sich die Verlagsbranche freuen. Knapp achtzig Werbe-Cookies zählt Cookiepedia momentan auf Zeit Online, mehr als 300 sind es bei Spiegel Online und bild.de. Beim Aufruf fast aller deutschsprachigen Online-Medien dokumentiert trackography.org dutzende Verbindungen zu Servern von Drittanbietern. Nach dem finnischen Vorschlag hätten Besucher:innen von Nachrichtenseiten künftig nicht bessere Karten, um dem Tracking ihres Verhaltens zu entkommen, sondern schlechtere." Doch das reichte den Verlagen, die mit der DSGVO ihr Listenprivileg verloren (dass den Verlagen die Vermarktung personenbezogener Daten zu Werbezwecken erlaubt hatte), offenbar nicht, nun wurde auch dieser Kompromiss abgelehnt.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.11.2019 - Internet

Auf Netzpolitik berichtete Alexander Fanta bereits gestern, dass das EU-Parlament vor der Europawahl im Mai 2019 zur Wählermobilisierung ausgerechnet auf die amerikanische Firma Nationbuilder setzte, die bei Datenschützern einen ähnlichen Ruf genießt wie Cambrdige Analytica: "Auf der zugehörigen Webseite sammelte das Parlament die Namen, E-Mail-Adressen und Herkunftsländer von Unterstützern - die Daten landeten auf den Servern von Nationbuilder in den USA. Wie die Daten dort verarbeitet wurden und ob sie rechtswidrig an andere Firmen weitergegeben wurden, ist Gegenstand der Untersuchung des EU-Datenschutzbeauftragten. Nationbuilder ist bei Datenschützern umstritten. Die Plattform lässt ihre Kunden Wählerdaten aus unterschiedlichen Quellen abgleichen und zusammenführen. Kunden können etwa in der 'Match'-Funktion die E-Mail-Adressen eines möglichen Wählers eingeben, Nationbuilder ergänzt wie von Zauberhand seine Profile in sozialen Medien."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.11.2019 - Internet

Auf Netzpolitik berichtet Alexandra Fanta, dass sich die Länder der Europäischen Union wieder nicht auf eine neue ePrivacy-Verordnung haben einigen können: "Kommission und Parlament schlagen vor, den Schutz der Privatsphäre als Standard im Browser festzulegen. Das soll dabei helfen, den Datenabfluss durch Cookies und andere Formen des Trackings auf Webseiten einzuschränken. Der strenge Datenschutz, der in der EU heute für Telefon, SMS und Fax gilt, soll zudem auf Messengerdienste wie WhatsApp oder Telegram, Webmaildienste wie GMX oder GMail und Internettelefonie wie Skype ausgeweitet werden. Auch sie dürften ihre Nutzer:innen nur dann analysieren, wenn es ein klares Einverständnis gibt. Doch das Gesetz hat viele Feinde: Ein ungewöhnliches Bündnis aus US-Internetkonzernen wie Google oder Facebook und deutschen Medienunternehmen wie RTL oder Springer lobbyiert gegen die Vorschläge. Denn wenn Nutzer:innen selbst entscheiden könnten, ob sie das Tracking ihres Surfverhaltens zulassen, könnte das ihr Geschäft mit personalisierter Online-Werbung empfindlich treffen. Auch die Telekommunikationsfirmen, in Europa oft ehemalige Staatsfirmen mit gutem Draht zur Regierung, sind gegen das Gesetz." Hier die Kernpunkte des bisherigen Vorschlags.

Der Guardian berichtet von einem Offenen Brief, in dem sich sechzig Ärzte nach seinem Auftritt vor Gericht besorgt über die Gesundheit von Julian Assange aussprechen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.11.2019 - Internet

Auf dem sozialen Netzwerk Tiktok teilt man lustige Videos. Das Netzwerk gehört einem chinesischen Unternehmen, auch die deutsche Filiale wird chinesisch geleitet. Politische Inhalte kommen nicht vor und werden von einem riesigen Team wohl gelöscht, berichten  Markus Reuter und Chris Köver, die mit einem Moderator von Tiktok sprechen konnte, bei Netzpolitik: "Nicht nur Inhalte können ausgebremst werden, auch ganze Hashtags, erzählt uns die Quelle. Überhaupt scheint TikTok ein System des Promotens und Ausbremsens zu fahren, bei dem bestimmte Inhalte sichtbar und viral sind, andere hingegen nie durchstarten und keine Sichtbarkeit erhalten. Die Kontrolle über das, was Menschen auf TikTok sehen, liegt vor allem in der Hand des Unternehmens."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.11.2019 - Internet

Viel retweetet wird eine Rede, die der Comedian Sacha Baron Cohen vor der Anti-Defamation League (ADL) gehalten hat und in der er die sozialen Netzwerke scharf attackiert - der Guardian druckt sie ab: "All dieser Hass und diese Gewalt werden gefördert von einer Handvoll Internetfirmen, die zusammen die größte Propagandamaschine der Geschichte bilden... Nehmen wir die Frage der politischen Anzeigen. Glücklicherweise hat Twitter sie endlich verboten, und auch Google nimmt Änderungen vor. Aber Facebook wird, wenn du bezahlst, jede 'politische' Anzeige schalten, die du willst, auch wenn es eine Lüge ist. Und sie werden dir sogar helfen, diese Lügen mit Micro-Targeting an ihre Benutzer weiterzugeben, um einen maximalen Effekt zu erzielen. Diese verdrehte Logik hätte es Hitler in den Dreißigern erlaubt, 30-Sekunden-Videos über seine 'Lösung' der 'Judenfrage' zu schalten."