Die Idee des
offenen Internets (die sich in Deutschland nie recht herumgesprochen hat), wird verkauft,
schreibt Sebastian Grüner in einem
Golem-Artikel, der sich zugleich kompliziert und spannend liest. Verkauft wird ausgerechnet die .
org-Domain, die bisher gemeinnützig verwaltet wurde und unter der sich vor allem gemeinnützige Organisationen registrieren. Beteiligt sind die "Internetbehörde"
ICANN und die Internet Society (
ISOC). Grüner stellt undurchsichtige Personalkonstellationen von Käufern und Verkäufern dar. Der Kaufpreis soll bei
1,135 Milliarden US-Dollar liegen: "Diese Summe mag auf den ersten Blick groß erscheinen, ist aber eigentlich lächerlich klein und sicherlich deutlich unter Wert. So gibt es derzeit
mehr als 10 Millionen .org-Domains. Mit den nun möglichen Preissteigerungen und eventuell neuen Registrierungen könnte die .org-Registry wohl nach einigen Jahren 200 Millionen US-Dollar im Jahr einnehmen. Ebenso könnten die neuen Eigner die Registry einfach zu einem höheren Preis weiterverkaufen."
Der Webtheoretiker und -Aktivist
Ethan Zuckerman macht sich in der
Columbia Journalism Review unterdessen Gedanken über die Frage, ob sich die Idee des
offenen Internets auch auf
soziale Medien übertragen lässt. Sein Modell für ein "public service"-Angebot wäre die
Wikipedia, die immerhin gezeigt hat, dass ein kollektiver Aufbau eines gesicherten Wissens möglich ist: "Ein gemeinnütziges Web erlaubt uns, Dienste zu imaginieren, die es jetzt nicht gibt, weil sie nicht kommerziell tragfähig sind, die aber womöglich zu unserem Nutzen, zum Nutzen der
Bürger in einer Demokratie, existieren sollten. Wir haben eine Welle von Innovationen bei Tools gesehen, die uns unterhalten sollen, aber sehr viel weniger Innovation um Tools, die uns erziehen und unseren Wirkungskreis erweitern oder die marginalisierte Stimmen verstärken."
Statt von einer
Zerschlagung Googles zu träumen, sollte Europa lieber eine
eigene Suchmaschine bauen,
meint Adrian Lobe in der
Welt. Wie die aussehen soll in einer Gesellschaft, die lieber über das redet, was sie
nicht zu finden wünscht, als über neue Möglichkeiten, die sich eröffnen, sagt Lobe nicht. Man versteht auch nicht, wer diese Suchmaschine bauen soll: die Staaten? Abgesehen davon, dass die Idee einer
staatlich kontrollierten Suche doch eher nach Russland oder China klingt, hat das bis jetzt ja auch nicht geklappt: "2006 versuchten Deutschland und Frankreich mit dem gemeinsamen Suchmaschinenprojekt
Quaero eine Konkurrenz zu Google aufzubauen. Quaero hätte eine europäische Antwort auf Google sein sollen, ein binationaler Champion nach dem Vorbild von Airbus. Doch das Projekt, das von Frankreichs damaligem Staatspräsidenten Jacques Chirac angetrieben wurde, scheiterte an der Finanzierung - und daran, dass Deutschland mit der Suchmaschine
Theseus einen nationalen Alleingang wagte. Es wäre interessant gewesen zu beobachten, wie sich eine Euro-Suchmaschine gegenüber der US-Konkurrenz entwickelt hätte."