Der Softwareentwickler
Tim O'
Reilly glaubt immer noch an das
Gute von Algorithmen, und ja, auch Regierungen und Staatsvölker können davon profitieren, erklärt er in einem sehr konstruktiven
Interview mit
Zeit online: "Wenn wir uns eine bessere Regierung vorstellen, wäre sie datengetrieben und würde eindeutige Ziele formulieren. Stattdessen haben wir diesen
Vetternwirtschaftskapitalismus, in dem einzelne Interessengruppen zu viel Einfluss haben. Das ist, als würde sich Google mit den Spammern an einen Tisch setzen und mit ihnen verhandeln, welches Stück vom Kuchen sie abbekommen. Ich denke nicht, dass wir 'das Internet' reparieren müssen, sondern wir müssen etwas an der Tatsache ändern, dass es Gruppen von Menschen mit
sehr engen Partikularinteressen gibt, die die Welt als Geisel halten und uns daran hindern, die Probleme anzugehen, die für den Rest der Menschheit sehr bedeutend sind. Offen gestanden, wir brauchen eine Regierung, die sich genauso am
öffentlichen Interesse orientiert wie die Techfirmen in ihren besseren Tagen am Wohl ihrer Nutzer."
In der
NZZ warnt der emeritierte Literaturwissenschaftler
Manfred Schneider vor
Facebook, das für ihn alles Übel der modernen Welt zu verkörpern scheint: "Politisch gesehen, ist Facebook ein Übel, weil es die größte und zugleich empfindlichste Einrichtung der aufgeklärten Moderne, die
kritische freie Öffentlichkeit, aus kommerziellen Motiven
in den Ruin treibt. Die Stoiker-Philosophen haben diese Institutionen einst begründet. Die schwierige Einhegung der Macht, davon waren erst recht die Gründungsväter der USA überzeugt, kann nur durch den
freien,
chancengleichen Austausch vernünftiger Argumente erfolgen. Wenn jetzt aber über die Social Media präzise personenbezogene politische Werbung lanciert wird, die nicht mehr der öffentlichen Kritik von wahr und falsch ausgesetzt ist, sondern an eine
fiktive menschliche Lügennatur appelliert, so ist an die Stelle der vom Willen zur Vernunft und Toleranz getragenen Einrichtungen ein wahrheitsgleichgültiges und überzeugungsloses technisches Netzwerk getreten."
Heute wird das
russische Internet erstmals versuchsweise vom internationalen Netz gelöst,
berichtet "Sunny" bei
tarnkappe.info: "Ähnlich wie Chinas Firewall will man ein eigenes System schaffen, wodurch sich das Land auch längerfristig vom Internet der restlichen Welt abkoppeln kann. Ab 2020 will die Regierung den
gesamten Traffic bereits über die lokale Infrastruktur abwickeln können. Kritiker von RuNet sehen in dem neuen Gesetz allerdings auch einen Grundstein für noch mehr
Zensur und Überwachung in Russland. Auch eine sehr umfangreiche und gründliche Vorratsdatenspeicherung soll zu dem neuen Sovereign Internet Gesetz dazugehören."