Die deutsche Regierung will die
Ukraine-Hilfe drastisch einschränken, da wegen der
Budget-Nöte leider keine Gelder mehr vorhanden seien, meldete die
FAZ am Wochenende.
tazler Dominic Johnson
fühlt sich durch die Meldung an
Trumps Blockade der Ukraine-Hilfe Anfang des Jahres erinnert, die die Ukraine militärisch in Bedrängnis brachte. "Die Ukraine zog daraus eine Lehre: Sie begann, den jetzt laufenden
Einmarsch in Russland zu planen - in einer Trump-Welt braucht Kyjiw
ein Faustpfand, um einen 'Deal' mit Moskau überleben zu können. Europa erkannte ebenfalls eine Lehre: Es kann seine Sicherheit nicht einfach in die Hände Washingtons legen - Putins Krieg richtet sich nicht nur gegen die Ukraine, sondern
gegen ganz Europa, und Europa kann diesen Krieg entweder gemeinsam mit der Ukraine gewinnen oder gemeinsam mit der Ukraine verlieren."
Johannes Pennekamp bringt heute in der
FAZ Reaktionen auf den
Ukraine-Sparbeschluss der Bundesregierung, zitiert empörte Reaktionen von Ökonomen und erläutert: "Die Bundesregierung setzt darauf, dass die Kürzung der eigenen Hilfen durch einen internationalen 50-Milliarden-Dollar-Kredit kompensiert wird. Dieser soll mit den Erträgen aus
eingefrorenem russischen Vermögen finanziert werden."
Der Vorstoß in Kursk zeige, dass die Ukraine noch gewinnen könnte und dass sie jetzt jede Unterstützung braucht, die sie kriegen kann, ruft uns der russische Oppositionelle
Garri Kasparow in der
Welt zu. Besonders wenn Putin immer wieder droht und dann doch untätig bleibt, wie nach den neuesten Waffenlieferungen an die Ukraine. "Einfach ausgedrückt: Es ist weitaus wahrscheinlicher, dass
Putin gegen Deutschland marschiert, weil die westlichen Staats- und Regierungschefs ihm in der Ukraine die Tür öffnen, als dass Berlin seine Führungsverantwortung wahrnimmt und dem russischen Diktator heute die Stirn bietet." Es sei außerdem Deutschlands "historische Pflicht" der Ukraine zu helfen. "Tatsächlich ist der einzige, der sich
gegen diese Verantwortung wehrt, der deutsche Bundeskanzler selbst."
Hubertus Knabe sucht in seinem Blog nach Antwort auf die Frage, "warum der Osten keinen Streit mit Putin will". Er erklärt das Phänomen aus der jahrzehntelangen sowjetischen Herrschaft über die DDR und mit den damit verbundenen Sprechverboten: "Mit Unterdrückern kommen Menschen psychisch besser zurecht, wenn sie sich
mit ihnen identifizieren. Die Identifikation mit dem Aggressor ist ein Abwehrmechanismus zur Angstbewältigung. Deshalb sollen Geiseln einer Entführung nach einiger Zeit Empathie für die Täter entwickeln. ... Hinzukommt noch ein weiterer Faktor: In Diktaturen ist man gut beraten,
Konflikten mit den Mächtigen aus dem Weg zu gehen. Konfliktvermeidung erhöht die Chance auf ein einigermaßen ungestörtes Leben. Die Hoffnung vieler Ostdeutscher, Putin durch Entgegenkommen ruhig zu stellen, entspricht genau dieser Haltung."
Der Politologe
Manès Weisskircher warnt in der
FAZ vor einer
isolierten Betrachtung der Neuen Länder, was das Thema Rechtspopulismus und -extremismus angeht. "Der Erfolg von Rechtsaußen-Parteien ist jedoch keineswegs primär ein ostdeutsches Phänomen", es gebe ihn schließlich in
allen westlichen Ländern. Der Aufstieg dieser Parteien "hat seinen Ursprung in den
Globalisierungsprozessen, den damit verbundenen wirtschaftspolitischen Souveränitätsverlusten und der politischen Auseinandersetzung um die
Migration. Diese Entwicklungen haben auch vor dem deutschen Parteiensystem nicht haltgemacht." Was für Deutschland allerdings spezifisch sei, so Weisskircher, ist das Ausmaß rechtsextremer Gewalttaten.
Olaf Scholz macht
mit Serbien Lithium-Deals, während das Land längst wieder eine aggressive nationalistische Politik betreibt, die zu Krieg führen könnte,
warnt der Politikwissenschaftler
Alexander Rhotert in der
taz: "Dennoch versucht die EU genau wie in den 1990er Jahren,
Belgrad zu beschwichtigen. Und wegen dieser europäischen Appeasement-Politik schaffen Vučić und Milorad Dodik, sein Statthalter im serbisch dominierten Landesteil Bosnien und Herzegowinas, der Republika Srpska (RS), Fakten. Anfang Juni trafen sie sich in Belgrad zu einer Konferenz unter dem Motto 'Serbien und Republika Srpska -
Ein Volk,
eine Versammlung', um die Vereinigung der serbisch dominierten Gebiete außerhalb Serbiens zu koordinieren."
"35 Jahre ist es her, dass
Ungarn zum Motor der Weltgeschichte wurde", erinnert nochmals
Hubertus Knabe auf der "Ereignisse und Gestalten"-Seite der
FAZ: Die Reformkommunisten beschlossen einige Monate vor dem Mauerfall, die Sperranlagen an der
Grenze zu Österreich abzubauen. Am 11. September wurde die Grenze geöffnet, und Tausende DDR-Bürger strömten nach Österreich. Knabe staunt in seinem Artikel über die Blindheit der Stasi-Funktionäre, die das Problem nicht kommen sahen. "Wie die Unterlagen zeigen, bewegten sie sich in einer geschlossenen,
hochideologisierten Welt, deren zentrales Axiom lautete, dass für alle Probleme des Sozialismus die aggressiven Bestrebungen des Westens verantwortlich seien. In Wirklichkeit hatte sich die SED jedoch zum großen Teil
selbst in die prekäre Lage des Jahres 1989 hineinmanövriert."