Magazinrundschau - Archiv

The New Yorker

855 Presseschau-Absätze - Seite 70 von 86

Magazinrundschau vom 15.11.2005 - New Yorker

Jane Cramer (mehr) kommentiert die Unruhen in Frankreich und verortet sie als gesamteuropäisches Problem mit der Integration von Einwanderern. "Das Einzige, worüber sich die meisten Europäer einig waren, war, dass das 'amerikanische Modell' falsch sei; obwohl es eigentlich überhaupt kein Modell ist, sondern eine Art Erfolgsethik - die Europäer nennen es 'Dollarethik' -, mit der Amerika den Fremden Geldverdienen und sozialen Aufstieg ermöglicht. Bei allen Vor- und Nachteilen war dies aber das einzige Modell, das zu funktionieren schien."

Weitere Artikel: In einer umfangreichen Reportage berichtet Steve Coll aus dem verwüsteten Erdbebengebiet in Kaschmir. Joan Acocella informiert über die Eröffnung des Baryshnikov Arts Center, das nach dem Willen seines Gründers und Stifters, des russisch-amerikanischen Tänzers Mikhail Baryshnikov, in erster Linie eine künstlerische "Begegnungsstätte" für Tänzer, Theaterleute, Filmemacher, Lyriker, Choreografen und Dramatiker werden soll. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "The Year of Spaghetti" von Haruki Murakami.

Adam Gopnik porträtiert anlässlich einer neuen Biografie ("The Narnian?) den irischen Literaturkritiker und Kinderbuchautor C.S. Lewis (mehr hier und hier), der das Phantasieland Narnia erfand, und untersucht Lewis? unterschiedliche Rezeption und Einordnung in Großbritannien und den USA. John Updike bespricht den Roman "Flashman on the March? (Knopf), das zwölfte Buch von George MacDonald Fraser über den viktorianischen Gauner und Soldaten Flashman. Die Kurzbesprechungen widmen sich unter anderem einer Studie über Amerikas Vaudeville-Theatertradition. Alex Ross stellt die Streichquartette von Giacinto Scelsi vor. Peter Schjeldahl führt durch eine Ausstellung mit Arbeiten des Renaissancemalers Fra Angelico im Metropolitan Museum of Art. Hilton Als bespricht das "beunruhigende" Theaterstück "Souvenir" von Stephen Temperley. Und David Denby sah im Kino den Film "Walk the Line" über Johnny Cash mit Joaquin Phoenix in der Hauptrolle und den Dokumentarfilm "Wal-Mart: The High Cost of Low Price" von Robert Greenwald.

Nur in der Printausgabe: ein Text von Woody Allen, der offenbar auf irgendeine Weise das Gesetz und Matratzen zusammenbringt, eine Analyse des Meisterschaftsiegs der Chigagoer Baseball-Mannschaft White Sox, eine Reportage über junge iranische Flüchtlinge, ein Artikel über mit einem Schiff untergegangene Smaragde und Lyrik von Charles Simic und Paul Muldoon.

Magazinrundschau vom 08.11.2005 - New Yorker

In einer ausführlichen Reportage untersucht Jane Mayer den Tod des in Abu Ghraib bei einem Verhör zu Tode gekommenen mutmaßlichen Terroristen Manadel al-Jamadi und geht der Frage nach, ob die CIA "Gefangene legal töten" könne. Der Hintergrund: "Nach dem 11. September stellte das Justice Department geheime, legale Richtlinien auf, welche offenbar CIA-Agenten absichern, die außerhalb der Vereinigten Staaten aggressive und auch gewalttätige Verhöre durchführen. Techniken wie das 'Wassertauchen', bei dem Verdächtige fast ertränkt werden, wurden von einer Behörde ausdrücklich genehmigt, die meint, dass derartige Methoden nötig wären, um den Krieg gegen den Terrorismus zu gewinnen." Die Bemühungen, genaue Auskunft über diese Richtlinien zu erhalten und vor allem, herauszufinden, wer genau für den Tod von al-Jamadi verantwortlich ist, werden von der Regierung blockiert. "Es besteht die Möglichkeit, dass nach den geheimen Richtlinien die Tötung Jamadis kein Gesetzesbruch war."

Weitere Artikel: John Seabroock traf den Soziolinguisten und bedeutendsten Dialektforscher der Vereinigten Staaten William Labov, der gerade einen "Atlas of North American English" herausgegeben hat. Wyatt Mason porträtiert den spanischen Schriftsteller Javier Marias und rezensiert seinen Roman "Your Face Tomorrow: Volume I, Fever and Spear", der jetzt in den USA erschienen ist. Sasha Frere-Jones erkundet den Houston HipHop von Bun B.. Und Anthony Lane sah im Kino das Familiendrama "Bee Season" von Scott McGehee und David Siegel und Joe Wrights Verfilmung von "Pride and Prejudice?, die ihn aufstöhnen lässt: "Jane Austen wurde brontefiziert." Zu lesen ist außerdem die Erzählung "The Best Year of My Life" von Paul Theroux.

Nur in der Printausgabe: ein Porträt des Schauspielers Steve Buscemi, der Kommentar zu einem offenbar inhaltlich zentralen Kompromiss bei den Demokraten, ein Bericht über ärztliche Kunstfehler und Lyrik von Mahmoud Darwish und Meghan O?Rourke.

Magazinrundschau vom 25.10.2005 - New Yorker

Paul Goldberger porträtiert den Architekten Santiago Calatrava, der in Chicago am Michigansee den höchsten Wolkenkratzer der USA bauen wird: einen korkenzieherförmigen Turm mit 115 Stockwerken, in dem Eigentumswohnungen und ein Hotel untergebracht werden sollen. Am Beispiel von Calatravas erstem Wohnturm, dem "Turning Torso? in Malmö, skizziert Goldberger die Vision des spanischen Architekten: "Von Wolkenkratzern erwartet man eigentlich nicht, dass sie tanzen, der 'Turning Torso' neigt allerdings dazu. Anders als die meisten Wolkenkratzer, die auf Unbeweglichkeit hin entworfen werden, unabhängig davon, wie stark sie doch schwanken mögen, hat dieser Turm etwas seltsam Kinetisches - als ob er versuchte, in die Horizontale zu gelangen. Normalerweise haben Wolkenkratzer eine vertikale Achse: gekrönt von originellen Spitzen ähneln sie Schlössern oder Raketen. Die meisten Wolkenkratzerarchitekten konzentrieren sich dabei auf zwei ästhetische Probleme: wie sie dem Erdboden und dem Himmel gleichermaßen gerecht werden. Calatrava dagegen interessiert sich einzig und allein für die Mitte. Für ihn ist ein Wolkenkratzer keine Säule mit einem Sockel, einem Pfeiler und einem Kapitell. Er ist nur Pfeiler - wodurch er ihm Dynamik und Energie verleiht."

Weiteres: Jeffrey Toobin porträtiert Stephen Breyer, Richter am Obersten Gerichtshof, und seine Ideen zu einer "progressiven Belebung" dieser Institution. George Packer kommentiert den Prozess gegen Saddam Hussein. Kate Julian berichtet über eine Massenhochzeit, die eine ledige, kinderlose Buchautorin für zehn Paare mit Kindern ausrichtete. Paul Slansky veranstaltet ein Bush-Quiz. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "The Children" von William Trevor.

George Packer bespricht ein Buch von Stephen Koch über die gemeinsame Zeit von Hemingway und Dos Passos im spanischen Bürgerkrieg ("The Breaking Point: Hemingway, Dos Passos, and the Murder of Jose Robles", Counterpoint). Die Kurzbesprechungen widmen sich unter anderem der Studie "The Moral Consequences of Economic Growth" des Reagan-kritischen Ökonomen Benjamin N. Friedman. John Lahr stellt Neuinszenierungen von "A Soldier?s Play", Charles Fullers Melodram, das 1981 den Pulitzer Prize gewann, und von Alan Ayckbourns Erfolg von 1973 "Absurd Person Singular" vor. Anthony Lane sah im Kino "Kiss Kiss, Bang Bang" von Shane Black mit Robert Downey jr. und "North Country? von Niki Caro mit Charlize Theron, Sissy Spacek und Frances McDormand.

Nur in der Printausgabe: ein Essay von Oliver Sacks über das, was nach einem Sprachverlust noch bleibt, ein Porträt von Brent Scowcroft, dem ehemaligen Nationalen Sicherheitsberater von George Bush senior, sowie das Porträt eines nicht näher genannten amerikanischen Künstlers; außerdem Lyrik von Robert Bly, Elizabeth Spires und Elizabeth Macklin.

Magazinrundschau vom 11.10.2005 - New Yorker

Unter der Überschrift "trügerische Konzeptualität" bespricht John Updike einen Band über die Geschichte der amerikanischen Buchcover-Gestaltung ("By Its Cover: Modern American Book Cover Design", Princeton Architectural Press). "Buchumschläge mögen zwar über eine ernsthafte kritische Auseinandersetzung erhaben scheinen, doch der akademischen Disziplin namens 'Kulturwissenschaft' ist nichts Menschliches fremd, seien es nun Eintrittskarten von Baseballspielen, Vampirfilme oder Damenschuhe. All ihre Instrumente öffnen den Blick auf die seelischen Geheimnisse von Jedermann und die hinterlistigen Gestaltungsmittel des Kapitalismus beim Taschenbuch für Jedermann."

In einem Porträt des jungen und erfolgreichen New Yorker Galeristen Leo König untersucht Nick Paumgarten, wie man heutzutage ein erfolgreicher Kunsthändler wird. Die Sache ist außerordentlich verwickelt. "Seine langjährige Freundin, Deborah Warner, eine Künstlerin, mit der er sein Appartement teilt, meinte neulich bei einem alkoholisierten 3-Uhr-morgens-Gespräch: 'Ich verstehe deine finanzielle Situation nicht.'"

Weitere Artikel: Hendrik Hertzberg "entschlüsselt" und kommentiert Bushs Nominierung von Harriet E. Miers für den Supreme Court. James Surowiecki berichtet über Anlagefonds, die ausschließlich in Kunst investieren. Anthony Lane sah im Kino Curtis Hansons Film "In Her Shoes" und den neuen "Wallace and Gromit"-Film von Nick Park ("Der Plot quillt über von euripidischem Horror.") Zu lesen ist außerdem die Erzählung "Path Lights" von Tom Drury.

Magazinrundschau vom 04.10.2005 - New Yorker

Malcolm Gladwell rezensiert eine "bemerkenswerte" Studie des Soziologen Jerome Karabel, der in "The Chosen" (Houghton Mifflin) die soziale Logik der Aufnahmebedingungen für die amerikanischen Eliteuniversitäten beschreibt. Gladwell, ein Kanadier, beginnt seinen Artikel mit der Beschreibung des gänzlich anders bewerteten kanadischen Universitätssystems und seine "Verwirrung", als er in den USA zum ersten Mal jemanden traf, der in Harvard studiert hatte. "Da war zunächst mal dieser anfänglich seltsame Widerwille, überhaupt über die Uni zu sprechen - ein gesenkter Blick, ein Scharren mit den Füßen, eine gemurmelte Bemerkung über Cambridge. 'Sie waren also in Harvard?', fragte ich. Ich war gerade in die Vereinigten Staaten gekommen und kannte die Regeln nicht. Es folgte ein unbehagliches Nicken. Bewerten Sie mich nicht nach meiner Universität, schien es zu bedeuten, was implizierte, dass die Universität sehr wohl eine Bewertung darstellte. Und natürlich tat sie das. Wo immer ich einen Harvard-Absolventen traf, lungerte im Hintergrund ein weiterer herum, jederzeit bereit, Geschichten über lange Nächte auszutauschen, von den Kompliziertheiten des Aufnahme-Essays zu erzählen oder sich lauthals zu fragen, was wohl aus Prinz Soundso geworden sei, der am Ende des Flurs gewohnt hatte und dessen Eltern ein wirklich unglaubliches Haus in Südfrankreich besessen hätten."

Weiteres: Evan Ratliff schreibt über den Kampf gegen Internet-Gauner und -erpresser. Nick Paumgarten porträtiert eine eigentümliche New Yorker Institution: den Doorman; und Christopher Buckley glossiert ein aktuelles Internet-Video, das Al-Qaida zugeschrieben wird. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "Early Music" von Jeffrey Eugenides.

Die Kurzbesprechungen widmen sich unter anderem einer Biografie des amerikanischen Historikers, Geschichtsphilosophen und Essayisten Henry Adams. Vince Aletti führt durch eine Ausstellung spiritistischer Fotografie im Metropolitan Museum of Art, die zwischen 1860 und 1930 ihre Blüten trieb. Sasha Frere-Jones porträtiert die Sängerin Fiona Apple und ihr neues Album "Extraordinary Machine". Hilton Als stellt die Theaterinszenierungen "Colder Than Here" von Laura Wade und "Fran?s Bed" von James Lapine vor. Und David Denby sah im Kino die biografische Studie "Capote" von Bennett Miller, die sich fast ausschließlich auf die fünf Jahre konzentriert, in denen Truman Capote sein Buch "Kaltblütig" schrieb, und den Film über einen mutigen Radioreporter während der McCarthy-Ära, "Good Night, and Good Luck" von George Clooney.

Nur in der Printausgabe: ein Artikel über chronische Schmerzen, ein Bericht über die finanzielle Zukunft der Los Angeles Times, der zweite Teil einer Reportage über den Transport von Kohle aus den Powder River Minen und Lyrik von Charles Simic, Mary Oliver und Wislawa Szymborska.

Magazinrundschau vom 20.09.2005 - New Yorker

In einem persönlichen und historisch ausholenden Brief aus Mississippi beschreibt Peter B. Boyer, wie sich dieser Teil eines schon immer "abweichenden" Südens nach der Katastrophe neu erfinden muss. "Neben der Mondschein-und-Magnolien-Kulisse der Küste war es ein widerspenstiger Geist, der sowohl die heterogene Bevölkerung als auch einen fieberhaften Ehrgeiz widerspiegelte, der gelegentlich Kurzzeittouristen anzog. Aufgrund ihres geografischen Schicksals hatte die Küste ihre eigene Soziologie, die nicht an das feudale Gefüge gebunden war, das den überwiegenden Rest von Mississippi in seiner melancholischen Vergangenheit einschloss."

Nicolas Lemann kommentiert die staatlichen Wiederaufbaupläne für die Krisenregion und beschreibt den in der Geschichte schon immer konfliktreichen Umgang des Nordens mit dem Süden. Paul Rudnik erzählt in einer Glosse mit dem Titel "Intelligent Design" eine eigene Version der Schöpfungsgeschichte. Lauren Collins beschreibt ein Treffen mit dem Fotografen William Egglestone. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "The Kidney-Shaped Stone That Moves Every Day" von Haruki Murakami.

Louis Menand porträtiert anhand von Büchern und Schriften die "seltsame" Beziehung von Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir. Die Kurzbesprechungen widmen sich unter anderem dem neuen Buch ("Bait and Switch") von Barbara Ehrenreich; nach einem Ausflug in die Welt der Niedriglohnjobs ("Arbeit poor") bemühte sich Ehrenreich diesmal inkognito um einen White-collar-Job. Alex Ross stellt neue Einspielungen von Wagner bis Golijov vor. Nancy Franklin kommentiert die amerikanische Fernsehberichterstattung über die Hurrikan-Katastrophe. Und David Denby sah im Kino Andrew Niccols Film über einen internationalen Waffenhändler "Lord of War" mit Nicolas Cage und das Teenagerdrama "Thumbsucker" von Mike Mills.

Nur in der Printausgabe: ein Bericht über die chinesische Autoproduktion, die den amerikanischen Markt im Visier hat, ein Porträt des Modeschöpfers Valentino, ein Artikel über einen nicht näher genannten "Mogul", der das Nachtleben von Los Angeles aufmischen will, und Lyrik von Yusef Komunyakaa, Meghan O?Rourke, Martin Espada und Lorenzo Mattotti.

Magazinrundschau vom 06.09.2005 - New Yorker

In mehreren Beiträgen beschäftigt sich der New Yorker mit den Folgen des Hurrikans Katrina in New Orleans. Ebenso hart wie deutlich geht David Remnick mit George W. Bush und seiner Antwort auf die Katastrophe ins Gericht: "Während des Präsidentschaftswahlkampfs 2000 erklärte George W. Bush seinem Gegner Al Gore, Naturkatastrophen seien ein 'Testfall für das Stehvermögen'. Bush hatte seinen Vater nach einem Hurrikan in Südflorida wanken sehen. Aber jetzt hat er es noch weitaus schlechter gemacht. Fünf Tage lang, von der Ankunft des Hurrikans an der Golfküste am vergangenen Montagmorgen bis zu Bushs verspäteten Besuch der Region am Freitag, wurde das Stehvermögen des Präsidenten auf die Probe gestellt - und er hat in fast jeder Hinsicht versagt."

Nicholas Lemann berichtet über seine verwüstete Heimatstadt ("New Orleans ist ein Affront gegen die Natur, und die Natur scheut sich nicht, die Stadt dies spüren zu lassen"). Christine Wiltz beschreibt, wie es ist, wenn man sein Haus räumen muss ("Verzagt schlossen wir ab. Das Radio berichtete über Plünderer, die mit AK-47s bewaffnet durch die Straßen ziehen"). Dan Baum berichtet über die Notlage von zwei Familien. Und Dan Baum porträtiert einen Mann, der sein Haus nicht verlassen wollte und seither Plünderer beobachtet - und verjagt. Außerdem sind zwei Artikel aus dem Archiv zu lesen: eine Reportage von 1987 über Versuche, die Gewässer in Louisiana "zu zähmen", und ein Text von 1993, in dem der Autor die Bedrohung seiner Heimatstadt Illinois durch eine Überschwemmung beschreibt.

Einen ausführlichen Essay widmet David Denby Susan Sontags Filmessays und beschreibt unter der Überschrift "The Moviegoer" deren "obsessives" Verhältnis zum Kino. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "Coping Stones" von Ann Beattie.

John Updike lobt den "großartigen" neuen Roman "The March" von E.L. Doctorow (mehr), und die Kurzbesprechungen widmen sich unter anderem den Reflexionen eines jungen britischen Journalisten über seine Ängste während des Einsatzes als Reporter im Irakkrieg (Chris Ayres: "War Reporting for Cowards"). Besprochen werden außerdem neue Filme: die Komödie "The 40-Year-Old Virgin" von Judd Apatow ("wirklich gemein und romantisch zugleich"), der französische Dokumentarfilm "March of the Penguins" und der Thriller "Red Eye" von Wes Craven.

Nur in der Printausgabe: ein Porträt über Rick Warren, den Gründer der Saddleback Church im kalifornischen Lake Forset, eine Schelte für den Baseballspieler Rickey Henderson, eine inhaltlich nicht näher bestimmbare Reportage über die Brown University und den Sklavenhandel sowie Lyrik von Martha Serpas.

Magazinrundschau vom 13.09.2005 - New Yorker

Der New Yorker steht ganz im Zeichen des Hurrikans Katrina. In einer ebenso spannenden wie deprimierenden Reportage berichtet Jon Lee Anderson, wie in New Orleans zurückgebliebene Bewohner versuchen, an ihrem alten Leben festzuhalten und in der überfluteten Stadt ihren Besitz verteidigen. Eine Episode mit einem Bewohner: "Während wir uns unterhielten schien es, als versuche er, seiner Reaktion auf die Katastrophe einen Sinn zu geben. Logisch hatte er begriffen, dass er hilflos und in Gefahr war, und dennoch hatte er sich dafür entschieden zu bleiben und das Haus für die Rückkehr seiner Familie vorzubereiten. 'Ziemlich verrückt, was? Ich habe eben damit angefangen, das Dach zu reparieren.' Rund ein Drittel des Dachs hatte der Hurrikan weggerissen, und er hatte mehrere Tage daran gearbeitet, es wieder zusammenzuflicken, während die Stadt unter Wasser stand. Während dieser Zeit waren Retter, Polizisten, gekommen und hatten ihn gedrängt, endlich zu gehen. Aber wegen der Art und Weise, in der sie mit ihm sprachen ('Die waren ziemlich aggressiv', erzählte er mir), hatte er sich geweigert."

Weiteres: Jane Mayer porträtiert den Senator von Mississippi Trent Lott, der in der Vergangenheit sämtliche ökologischen Warnungen ignorierte und Casinos und Wohnhäuser in die überschwemmungsgefährdeten Gebiete bauen ließ. Dan Baum berichtet aus der Bar Kajun?s, die während der gesamten Katastrophe geöffnet hielt. Elizabeth Kolbert beschreibt den Zusammenhang zwischen Klimaerwärmung und Hurrikans.

John Lahr schreibt über das "bittersüße Leben" des 1986 verstorbenen amerikanischen Komponisten Harold Arlen (mehr hier), der unter anderem "Over the Rainbow" geschrieben hat. Die Kurzbesprechungen widmen sich unter anderem einem Buch des Journalisten Anthony Shadid, der für seine Reportagen aus dem Irak mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet wurde. Anthony Lane sah im Kino das "stickige? Familiendrama "Proof" von John Madden mit Gwyneth Paltrow und Anthony Hopkins und "The Weeping Meadow" von Theo Angelopoulos.

Nur in der Printausgabe: ein Bericht von Jane Kramer über den Aufstieg von Angela Merkel, ein nicht näher bestimmbarer Artikel über eine Amazonasexpedition, auf der die Geheimnisse der "verlorenen Stadt Z" und das des Schicksals eines verschwundenen Forschers gelüftet werden sollen, die Erzählung "Cowboy" von Thomas McGuane und Lyrik von Elizabeth Bishop und Ryszard Kapucinski.

Magazinrundschau vom 30.08.2005 - New Yorker

Der New Yorker hat in dieser Woche einen Schwerpunkt Essen. Jane Kramer unternimmt einen sehr lesenswerten Streifzug durch Kochbücher und bekennt, "süchtig" danach zu sein. "Im Augenblick besitze ich ungefähr hundert Kochbücher und ich bin dazu bestimmt, eines Tages ein paar simple Austern mit etwas Tapioka in Sahne zu pochieren und in einer Zabaione mit Kaviar gekrönt in ein Gericht zu verwandeln, das eines Thomas Keller würdig wäre; in seinem neuen Kochbuch 'French Laundry Cookbook' erklärt er einem jedenfalls, wie man das anstellt, wenn man zufällig sechs Hände hat."

James Surowiecki erzählt die Geschichte der amerikanischen Trinkgeldpraxis, die sich zumindest im Per Se, einem der vier erfolgreichen New Yorker Restaurants von Thomas Keller, ab diesem Monat ändern wird: Den Preisen werden hier nach europäischem Vorbild ein Fixum für den Service aufgeschlagen, was die Bedienungen unabhängiger von den Launen amerikanischer - oder der Ahnungslosigkeit ausländischer - Gäste macht. Und Calvin Trillin forscht nach dem perfekten Rezept für Fanesca, eine "Frühlingssuppe" aus Ecuador (hier ein Rezept auf Deutsch).

Weiteres: John Updike bespricht den neuen Roman von Salman Rushdie, "Shalimar the Clown", und fragt sich eingangs, "warum, oh warum nur hat Salman Rushdie eine seiner Hauptfiguren Maximilian Ophuls genannt". Ben McGrath erklärt das amerikanische Sturmwarnsystem. Nancy Franklin stellt die TV-Comedy-Serie "Weeds" vor.

Hinweise auf den weiteren Inhalt der Printausgabe sind heute leider nicht möglich, das entsprechende Verzeichnis war bis Redaktionsschluss nicht im Netz verfügbar.

Magazinrundschau vom 23.08.2005 - New Yorker

In einem schwindlig machenden, faktenreichen Bericht erklärt Malcolm Gladwell, warum das amerikanische Gesundheitssystem nicht funktioniert. Es habe laut der Studie "Uninsured in America" inzwischen eine "Gruppe von Menschen geschaffen, die zunehmend anders aussehen als andere und unter anderen Krankheiten leiden als andere". Der Hauptgrund für private Bankrotte seien "unbezahlte Arzt- und Arzneirechnungen". Dabei sei es "eines der großen Geheimnisse des politischen Lebens in den USA, warum sich die Amerikaner derartig anhänglich gegenüber ihrem Gesundheitssystem zeigen. Sechs Mal wurde im letzten Jahrhundert versucht, irgendeine Art allgemeiner Krankenversicherung einzuführen und jedes Mal scheiterten sie." Letztlich, so versucht Gladwell dies zu erklären, sei das amerikanische Gesundheitssystem nichts als ein "geschichtlicher Unfall". Anders als in Europa, wo sich die Gewerkschaften politisch für die Durchsetzung entsprechender Programme für alle Bürger eingesetzt hätten, konnten die amerikanischen Gewerkschaften "nur für ihre Mitglieder einen Vorteil erzielen. Krankenversicherung war hierzulande immer etwas Privates und Selektives, und jeder Versuch, die Leistungen zu erweitern, endete in einer paralysierenden politischen Schlacht."

Peter Schjeldahl rezensiert den zweiten Band einer Biografie über Henri Matisse ("Matisse the Master: The Conquest of Colour 1909-1954", Knopf). Die Kurzbesprechungen widmen sich Büchern mit Korrespondenzen, Schriften und Gedichten von Lyrikern, darunter Dick Barnes, Amy Clampitt und Louise Bogan. Sasha Frere-Jones schwärmt vom "intimen Sound" der Sängerin Emiliana Torrini. Alex Ross schreibt über das Programm des diesjährigen Mostly Mozart Festival im Lincoln Center, das noch bis 27. August läuft. Hilton Als bespricht die Musikrevue "Lennon" und das Theaterstück "Dedication or The Stuff of Dreams" von Terrence McNally. David Denby sah im Kino "Pretty Persuasion" des Musikvideo-Veteranen Marcos Siega und den Dokumentarfilm "The Aristocrats" über amerikanische Komiker von Paul Provenza and Penn Jillette. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "The View from Castle Rock" von Alice Munro.

Nur in der Printausgabe: eine Bericht über liberale Medien, eine Reportage über - vermutlich ökologisch korrekte - Leichenhemden und Beerdigungen in Kalifornien und Lyrik von Ishmael Reed und Vijay Seshadri.