Magazinrundschau - Archiv

The New Yorker

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Magazinrundschau vom 10.01.2012 - New Yorker

Google steigt mit Youtube immer aktiver ins TV-Geschäft ein, schreibt John Seabrook in einer langen Reportage für den New Yorker. Seabrook hat Robert Kyncl getroffen, der das Programm für Youtube aufbaut. Es sollen neue Youtube-Kanäle mit möglichst großer Gefolgschaft geschaffen werden: Kyncl "stellt mehrere Millionen Dollar als Startkapital zur Verfügung, die als Vorschüsse auf spätere Werbeeinnahmen bezahlt werden und als Entwicklungsgeld dienen. Sobald die Vorschüsse zurückverdient sind, wird Youtube die Werbeeinahmen mit den Kreativen teilen. Youtube behält das exklusive Recht am Inhalt für ein Jahr, dann können die Kreativen darüber verfügen. Youtube wird zwar Anzeigen verkaufen, aber kein Geld in die Promotion der Inhalte stecken." Die Liste der ersten Channel-Betreiber liest sich recht prominent und reicht - vermittelt über Produktionsfirmen - von Madonna über Jay-Z, bis hin zu Kanälen für lateinamerikanische Jugendliche oder Ablegern von Slate und dem Wall Street Journal."

Außerdem: David Remnick widmet Jodi Kantors neuem Buch (Leseprobe) über die Obamas eine ziemlich lange Besprechung dafür, dass das Buch im wesentlichen eine ausführlichere Darstellung ihres Obama-Porträts in der NYT ist und kaum etwas neues erzählt. Und David Denby sah im Kino Stephen Daldrys Verfilmung von Jonathan Safran Foers Roman "Extrem laut und unglaublich nah" sowie Cameron Crowes Film "We Bought a Zoo".

Magazinrundschau vom 29.11.2011 - New Yorker

In einem Essay beschäftigt sich Adam Gopnik mit der erfolgreichen Fantasy-Literatur für Teenies und junge Erwachsene. Ausgehend von Tolkien erkundet er die gesamte Bandbreite des Genres, von T. H. White (Der König auf Camelot) über Christopher Paolini (Eragon) bis zu Stephenie Meyer (Twilight) und springt in munteren Vergleichen dazwischen hin und her. Ein Teil des Erfolgs beruhe darauf, dass die jungendlichen Leser die Bücher eher als Mythen denn als Geschichten läsen, der Erzählbogen mache kurioserweise den geringsten Anteil ihrer Attraktivität aus. Als zentrales und einendes Motiv sieht er folgendes: "Was bei Tolkien und seinen Nachfolgern an die Stelle der Psychologie tritt - und die Geschichten davon abhält, öde und fremd zu erscheinen - ist das, was in der Heldenliteratur der Psychologie voranging: ein überwältigender Sinn für Geschichte und damit ein Sinn für Verlust. Die permanente Beschwörung von Verlust oder schwindendem Ruhm - Numenor ist gefallen, die Elben verlassen Mittelerde - übernehmen die emotionale Aufgabe, die verwirrte Köpfe in der realistischen Literatur übernehmen. Wir wissen, dass Westernesse verloren ist, noch bevor wir wissen, was zum Teufel Westernesse überhaupt ist, und unsere Empfindung angesichts dieses Verlusts erreicht die Dimension jener, die es verloren haben."

Weiteres: James Surowiecki schreibt über die "katastrophale Sturheit" Europas und die vermeidbare Euro-Krise. George Packer porträtiert einen Arbeitslosen, der in der Occupy-Bewegung Anschluss fand. Und Anthony Lane sah im Kino "Shame" von Steve McQueen und Julia Leighs Drama "Sleepping Beauty".

Magazinrundschau vom 15.11.2011 - New Yorker

Für das neue Themenheft rund ums Essen war Jane Kramer in Europa unterwegs, um einem Phänomen auf die Spur kommen, das bei Hobbyköchen, aber auch in der Haute Cuisine der letzte Schrei ist: sein Essen selbst zu sammeln. Also keine industriell hergestellten oder bearbeiteten Lebensmittel zu verwenden, stattdessen Wald, Flur und Strände nach Essbarem zu durchforsten. Kramers Erkundungsreise führt sie von einem Exil-Briten in Italien über Freunde in Oxford nach Dänemark, wo Rene Redzepi in Kopenhagen das Noma führt, das angeblich beste Restaurant der Welt. "Ich koche jetzt mit Moosen", erzählt ihr Redzepi. "Das ist eine ganz neue Entdeckung für mich. Ich habe sie zum ersten Mal probiert, als ich in Island auf Nahrungssuche war. Einige Moose sind widerlich, aber andere waren so saftig und grün, dass ich sie probieren musste ... Danach ging ich nach Grönland. Es schien immer, als würden die Rentiere Schnee essen. Heute wissen wir, sie essen Moos. Wir nennen es Rentiermoos. Das Moos auf den Bäumen und Büschen hat einen pilzartigen Geschmack - wir frittieren es wie Kartoffelchips - aber die Moose, die auf dem Boden wachsen, nahe den Höhlen, haben den Geschmack und die Textur von Nudeln."

Weiteres: "Laureat des Terrors" nennt Martin Amis den Schriftsteller Don DeLillo in einer Besprechung von dessen Erzählband "The Angel Esmeralda". Anthony Lane sah im Kino das in Schwarzweiß gedrehte Nostalgie-Melodram "The Artist" von Michel Hazanavicius und Alexander Paynes Komödie "The Descendants".

Magazinrundschau vom 01.11.2011 - New Yorker

In seiner großen Reportage aus Libyen zitiert Jon Lee Anderson den aufständischen Offizier Mohamed El Lagi, der bitter daran erinnert, wie sich westliche Politiker von Gaddafi haben demütigen lassen: "Als Tony Blair kam, zeigte Gaddafi ihm seine Schuhsohle, das war ein Zeichen von Respektlosigkeit und wurde in ganz Libyen über YouTube verbreitet. Als Condi Rice kam, lehnte er es ab, ihr die Hand zu schütteln, und später, während sie redeten, gab er ihr eine libysche Gitarre, als würde er sie auffordern zu singen. Sie hätte in dem Moment abreisen sollen, als er ihr nicht die Hand gab, aber sie tat es nicht. Die Interessen amerikanischer Firmen waren ihr wichtiger. All diese Gesten haben die Libyer sehr enttäuscht, weil sie bedeuteten, dass er jeden kaufen kann."

Weitere Artikel: D.T. Max porträtiert die eigenwillige Helene Grimaud, die gar nicht dem Bild einer französisch-ätherischen Pianistin entspricht: "Wenn sie am Klavier sitzt, machen ihre kräftigen Schulter und muskulösen Unterarme doch Eindruck. Sie hebt mit flach gestreckten Händen zur Musik an, ihr Körper krümmt sich über den Tasten, wie eine Schwimmerin, die zum Tauchen ansetzt." Angesichts neuer Bücher von Alan Bennett, Helen de Witt und Nicholson Baker stellt Joan Acocella einen Hang zu rein ironischen Sexpassagen fest und sehnt sich nach der knisternden Erotik einer Jane Austen. Anthony Lane schmäht Lars von Triers' "Melancholia" als genauso langweilig wie Brett Ratners "Tower Heist: "Beide zeigen einen Haufen unsympathischer Menschen, die sich in einem begrenzten Raum unplausibel verhalten."

Magazinrundschau vom 17.10.2011 - New Yorker

Jill Abramson ist neue Chefredakteurin der New York Times. Wohin will sie die Redaktion führen und wie? Über das Wohin kann man noch nicht viel sagen, aber das Wie lässt einige Zweifel aufkommen, liest man Ken Aulettas Porträt: Abramson, die gerade mit "The Puppy Diaries" ein Buch über ihren Hund Scout veröffentlicht hat, will "im Newsroom das 'positive Training' anwenden, das sie Scout angedeihen ließ. Sie und ihr Ehemann, schreibt sie in ihrem Buch, hätten Scout mit 'Ermutigung, nicht Strafen' erzogen, und sie für gutes Benehmen mit einem Häppchen belohnt. 'In der Beziehung zu Hunden und dem Newsroom funktionieren großzügig bemessenes Lob und Ermutigung viel besser als Kritik', sagt sie. Man fragt sich, ob es nicht vielleicht doch einige Redakteure gibt, die schwerer zufriedenzustellen sind als Scout." Abramsons Buch wurde am Sonntag in der New York Times Book Review gelobt.

Weitere Artikel: Lizzie Widdicombe macht einen kurzen Besuch bei den Occupy-Wall-Street-Demonstranten. Nathan Heller bespricht das Buch "The Age of Movies", das Texte der amerikanischen Filmkritikerin Pauline Kael versammelt, sowie eine Kael-Biografie von Sanford Schwartz: "Pauline Kael: A Life in the Dark". Und Anthony Lane sah im Kino Sean Durkins Thriller "Martha Marcy May Marlene", der für ihn nicht - wie behauptet - ein Kultfilm, sondern ein Film über einen Kult ist.

Magazinrundschau vom 20.09.2011 - New Yorker

Susan Orlean porträtiert Modeikone Jean Paul Gaultier, dessen Enthusiasmus für gewöhnliche Dinge sie ganz unfranzösisch findet. An seinen wichtigsten Kollektionen, erfahren wir, war seine Großmutter schuld: "Heute ist es üblich, den Träger eines BHs oder ein Dessous-ähnliches Top zu sehen, aber in den frühen Achtzigern war es dies nicht. Unterwäsche wurde als antifeministisch und unterwerfend verteufelt und nicht gezeigt, wenn sie überhaupt getragen wurde. Aber das Korsett seiner Großmutter und ihr aufwändig gesäumter BH erschienen Gaultier eher grandios als einengend, wie eigentlich jedes Stück Kleidung, das die Idee von Körper und Fleisch vermittelt, besonders wenn es die üblichen Geschlechterideen durcheinander bringt - und das obwohl die Mode zu jener Zeit von einer neuen Gruppe von japanischen Designern beherrscht wurde, wie Yohji Yamamoto und Rei Kawakubo, deren intellektuelle, architektonische Kleidung, wenn überhaupt etwas, dann anti-körperlich und geschlechtsneutral war. Dann kam eine von Gaultiers Angestellten mit einem Chanel-Jackett zur Arbeit, aufgeknöpft, über nichts als einem Spitzen-BH, was ihn daran erinnerte, wie seine Großmutter in Unterwäsche herumlief. Er beschloss, Kleidung zu entwerfen, die eine Ausarbeitung ihrer Dessous waren. In einigen Fällen vergrößerte er die Körbchen des BHs, so dass sie wie umgedrehte Eiswaffeln aussahen oder afrikanische Fruchtbarkeitsschnitzereien."

Magazinrundschau vom 13.09.2011 - New Yorker

In einem langen Brief aus Islamabad untersucht Dexter Filkins die Ermordung des pakistanischen Journalisten Syed Saleem Shahzad. Dieser hatte, trotz Warnungen des pakistanischen Geheimdienstes, vier Wochen nach Bin Ladens Hinrichtung durch die Amerikaner und weniger als drei Wochen nach einer Attacke auf den Flottenstützpunkt Mehran - beides Schlappen für das pakistanische Militär - "einen sensationellen Artikel für Asia Times Online geschrieben, die Website, für die er arbeitete. Darin stand, den Angriff auf Mehran habe Al-Qaida ausgeführt - und nicht die pakistanischen Taliban, die die Verantwortung dafür übernommen hatten. Außerdem schrieb er, der Angriff auf Mehran habe darauf abgezielt, das Militär für sein 'massives Vorgehen gegen Verbündete von Al-Qaida innerhalb der Marine' zu bestrafen. Einige Seeleute waren wegen heimlicher Pläne zur Ermordung von Amerikanern inhaftiert worden. Bei einem von ihnen 'wurde vermutet, dass er direkte Anweisungen von Hakeemullah Mehsud erhalten habe', dem Chef der pakistanischen Taliban. Es war nicht das erste Mal, dass Shahzad Verbindungen zwischen den militanten Islamisten und den Streitkräften aufdeckte - eine Verbindung, die Pakistans Generäle jahrelang abstritten. Aber der Mehran-Artikel war die bisher größte Provokation." Im Autopsiebericht steht, dass Shahzad, dessen Leiche am am 30. Mai gefunden wurde, "langsam und qualvoll starb". Offenbar, so Filkins, habe man "mit seiner Ermordung eine Botschaft aussenden wollen".

Weiteres: Ariel Levy bespricht zwei neue Bücher zur Geschichte der sexuellen Revolution in Amerika: Christopher Turners Studie zu Wilhelm Reich "Adventures in the Orgasmatron: How the Sexual Revolution Came to America?, in der es um Reichs "verlockende" Vorstellung geht, guter Sex führe automatisch zu einer guten Gesellschaft, und Deborah Lutz' "Pleasure Bound?, in dem die Autorin versucht, jenseits der landläufigen Auffassung, die Viktorianer seien hoffnungslos in Repression steckengeblieben, die "bebende dunkle Seite" der viktorianischen Gesellschaft einzufangen. David Denby sah im Kino Steven Soderberghs Thriller "Contagion". Außerdem zu lesen ist die Erzählung "Starlight" von Ann Beattie.

Magazinrundschau vom 30.08.2011 - New Yorker

Der Autor Daniel Mendelsohn hat einen sehr schönen Text über Arthur Rimbaud geschrieben. Der Anlass: John Ashbery neue Übertragung von Rimbauds Gedichten ins Englische und Bruce Duffy Romanbiografie über Rimbaud. Mendelsohn hat Rimbaud, wie er glaubt, zu spät entdeckt, aber man hört, wie etwas anklingt, wenn er diese Passage aus einem Brief zitiert, den der damals 16-Jährige 1871 an Georges Izambard - "Da sind Sie wieder Professor" - schrieb (Seite 8 des Pdfs): "Jetzt lasse ich mich so sehr wie möglich verlumpen. Warum? Ich will Dichter sein und ich arbeite daran, ein Seher zu werden: Sie werden es nicht verstehen und ich kann es Ihnen kaum erklären. Es geht darum, durch die Entgleisung aller Sinne im Unbekannten anzukommen. Die Leiden sind gewaltig, aber man muss stark sein, als Dichter geboren sein, und ich habe erkannt, dass ich Dichter bin. Das ist überhaupt nicht meine Schuld."

Magazinrundschau vom 09.08.2011 - New Yorker

Ein Gegengift zu bin Laden, Breivik und anderen religiösen Traktatautoren? James Wood stellt das von dem Literaturwissenschaftler George Levine herausgegebene Buch "The Joy of Secularism: 11 Essays for How We Live Now" vor. Die Essays versuchen der allgemeinen Klage vom Verschwinden Gottes etwas entgegenzusetzen. Levines Intention: "Das Buch untersucht die Vorstellung, dass Säkularismus eine positive, keine negative Haltung ist, keine Ablehnung der spirituellen und religiösen Welt, sondern eine Bestätigung der Welt, in der wir im Augenblick leben. Die Errichtung unserer Welt auf einem säkularen Fundament ist für unser heutiges Wohlergehen essenziell. Und eine solche Welt ist in der Lage, uns jene 'Fülle' zu geben, die die Religion seit je nur verspricht." Zu den Autoren gehören übrigens der niederländische Zoologe und Verhaltensforscher Frans de Waal, aber auch der Multikulti-Papst Charles Taylor.

Weiteres: Ryan Lizza porträtiert die republikanische Politikerin Michele Bachmann, die derzeit systematisch zur Spitzenkandidatin ihrer Partei aufgebaut wird. Und James Surowiecki erklärt, weshalb die Wall Street die Tea Party-Bewegung unbedingt fürchten sollte.

Magazinrundschau vom 02.08.2011 - New Yorker

In einem wunderbaren Artikel weist Alex Ross durch einen Vergleich mehrerer, zum Teil handschriftlicher Versionen des Romans "Das Bildnis des Dorian Gray" nach, wie sein Autor Oscar Wilde die deutlichen homoerotischen Anspielungen entschärfte, bevor er es an seinen Verleger gab. "Wildes Überarbeitung des Eingangsdialogs zwischen Basil und Lord Henry verrät eine wachsende Sorge, den Drang, die Gefühlstemperatur zu senken. Ausrufe über Dorians Schönheit weichen eher reservierten Bemerkungen über sein 'gutes Aussehen' und seine 'Persönlichkeit'. Aus 'Leidenschaft' wird 'Gefühl', aus 'Schmerz' wird 'Verwirrung'. Wildes Stift hält Basil davon ab, den Moment zu erwähnen, als Dorian versehentlich seinen Brustkorb streifte, sowie von dem Ausruf, dass 'die Welt jung für mich wird, wenn ich seine Hand halte' ... Eine Passage ist so stark ausgestrichen, dass sie fast unleserlich ist, aber es scheint in ihr darum zu gehen, dass Lord Henry Basil dafür tadelt, Dorians 'Sklave' geworden zu sein." Ross untersucht außerdem die tragende Rolle, die das Buch dennoch in jenem Prozess gegen den Dichter spielte, in dem er wegen Homosexualität angeklagt wurde.

Außerdem: Nicholas Schmidle beschreibt in einer Reportage, was in Abbottabad geschah. Rebecca Mead geht der Frage nach, warum Mücken manche Menschen bevorzugen. Anthony Lane sah im Kino Miranda Julys "The Future", Mike Cahills "Another Earth" und Jon Favreaus "Cowboys & Aliens".