
Werden die Protestierenden einen Weg zwischen Diktatur und Anarchie finden?,
fragt sich Dexter Filkins in einer beeindruckenden Reportage aus dem
Jemen. Filkins entwirrt das unendlich komplizierte politische Geflecht um den Staatspräsidenten Saleh und lässt
Akteure unterschiedlichster Herkunft zu Wort kommen. Das größte Problem scheint zu sein, das weit und breit niemand in Sicht ist, der besser als Saleh wäre. Trotz der mutigen Demonstanten, die vor der Staatsgewalt nicht zurückgewichen sind. Doch das auf Korruption basierende Regime scheint jetzt zu bröckeln, schreibt Filkins: "Yemens
ökonomische Krise hat sich verschärft. Westliche Regierungsvertreter erzählten mir, dass Salehs Regime nicht mehr in der Lage sei, die Kredite für Nahrungsmittelimporte zu beschaffen. Es war schwierig zu erkennen, wieviel von dem Chaos wirklich war und wieviel vom Regime angezettelt wurde, um
internationale Ängste zu erwecken. Saleh wies immer häufiger auf die Situation in
Somalia hin. 'Wir sind eine Stammesgesellschaft', erklärte er dem Satellitensender Al Arabiya. 'Jeder wird seinen Stamm unterstützen und wir werden in einem zerstörerischen Bürgerkrieg enden.'"
Weiteres: In einer Sammelbesprechung
stellt der in Italien lebende britische Schriftsteller
Tim Parks unter der Überschrift
"Italiens unglücklicher Geburtstag" einige neuere Publikationen zum Thema vor. James Surowiecki
erklärt, weshalb es erlaubt sein sollte,
in der Arbeitszeit im Internet zu surfen. Alex Ross
bespricht eine Aufführung der H-moll-Messe des
Bach Collegium Japan in der Carnegie Hall und
John Eliot Gardiners Einspielungen von Bach-Kantaten.