Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Henning Ahrens. Oskar Schell ist neun Jahre alt. Wie er auf seiner Visitenkarte mitteilt, ist er Pazifist, Erfinder, Schmuckdesigner, Tamburinspieler. Vor allem aber ist er tieftraurig und verstört über den Tod seines Vaters. Mit dem Tamburin läuft Oskar durch New York, auf der Suche nach einem Türschloss, in das ein geheimnisvoller Schlüssel aus den Hinterlassenschaften des Vaters passen könnte. Auf dieser Odyssee begegnet Oskar, der den Grund für den sinnlosen Tod des Vaters herausfinden will, vielen ungewöhnlichen Menschen und gerät in aberwitzige Abenteuer. Verbunden mit Oskars Geschichte ist die seiner deutschen Großeltern, die nach der Bombardierung Dresdens, gezeichnet von Trauer und Verlust, nach New York geflüchtet sind.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.10.2005

Rezensent Ulrich Sonnenschein sieht in Jonathan Safran Foers Roman nicht nur zwei historische Ereignisse zusammengeführt - die Bombardierung Dresdens und den 11. September -, sondern auch zwei Passionen des Autors. Zum einen seine Familiengeschichte, die er schon im letzten Roman bis zum Holocaust verfolgt habe, und sein Explosionstrauma aus Schultagen. Politisch unkorrekt oder heikel, so der Rezensent, gerate die historische Parallele von Dresden und Twin Towers bei Foer deshalb nie, weil dieser weder an historischen Fakten noch an Politik interessiert sei. Dem Autor gehe es ausschließlich um die subjektive Dimension der Erfahrung von Leid und Angst. Auch deshalb habe er als Hauptfigur den neunjährigen Jungen Oscar Schell gewählt, der als "literarisches Zitat? zugleich "emotionales Zentrum? des Romans sei. Oscars Vater stirbt in den Twin Towers, skizziert Sonnenschein den "schwindelerregenden? Plot, woraufhin dessen Vater aus Angst vor weiteren Verlusten zur Familie zurückkehrt, nachdem er in Dresden seine Geliebte und seine Sprache verloren hatte. Der kleine Oscar mache sich nun in einer "surrealen und urkomischen? Irrfahrt durch New York auf die Suche nach dem "Geheimnis seines Vaters?. In diesem stellenweise "experimentellen" Buch, lockt Sonnenschein tiefer ins Dunkle, "kann man sich verlieren?.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.10.2005

Anhänger der realistischen Literatur sollten den zweiten Roman von Jonathan Safran Foer lieber gleich wieder aus der Hand legen, meint Rezensent Georg Diez. Denn Foer beschwört in bekannter Manier nicht nur den Schrecken des 11. September, sondern den "der gesamten Welt", und präsentiert ihn in der Sprache eines kleinen Jungen. Dieser hat seinen Vater in den Trümmern des World Trade Centers verloren und kämpft nun gegen die "große Tragödie seines Lebens". Das Schicksal des Jungen vernetzt der Autor mit zahlreichen anderen Geschichten vom Suchen - das Hauptmotiv, wie der Rezensent herausfindet. In seiner "kindlichen" Lust am Sammeln von Begebenheiten und Eindrücken liege die Schönheit, aber auch "ein Teil der Probleme". Gelegentlich wirken die Menschen und Schicksale nämlich wie "ausgedachte Wesen". Dafür aber findet die Sprache Foers - von Übersetzer Henning Ahrens "flüssig" übertragen - die volle Zustimmung des Kritikers. Die "Lust an Dialogen" und die Freude an der "krummen" Sprache machen Foers neues Buch zu einer "brillanten" Erzählung, die "so sentimental ist, wie unsere Zeit es verlangt."

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 27.08.2005

Dies ist kein Buch über den 11. September, meint Rezensentin Hannah Pilarczyk, obwohl es zunächst den Anschein hat. Der neunjährige Oskar verliert bei den Anschlägen auf das World Trade Center seinen Vater, findet einen geheimnisvollen Zettel, dessen Spur er daraufhin in ganz New York verfolgt. "Brillante Miniaturen" unerwarteter, Auster-hafter Szenen des New Yorker Alltags säumen Oskars Suche, seinen "Eskapismus mit umgekehrten Vorzeichen", wie die Rezensentin schreibt (schließlich sucht Oskar den Weg zurück in den Alltag, aus dem er gewaltsam gerissen wurde). Doch wie schon in seinem letzten Roman interessiere Foer auch hier die Verquickung von "Geschichte, Geschichten und Familie", was dem Roman nach Ansicht der Rezensentin allerdings zum Verhängnis wird. Denn mit dem 11. September ist es nicht genug, es müssen auch die von Oskars Großvater erlebten Bombenangriffe auf Dresden und der von Oskar in der Schule durchgenommene Angriff auf Hiroshima noch mit dazu. Der "brutale Reigen" der Gewalt, in dem diese drei historischen Ereignisse ungeachtet ihrer kontextuellen Einbettung gleichgeschaltet werden - als "Chiffre für Leid" -, erscheint der Rezensentin geradezu "bedenklich" und sogar "obszön".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.08.2005

Der amerikanische Jungautor Jonathan Safran Foer hat in seinem neuesten Roman den Angriff auf das World Trade Centre verarbeitet, und er hat daraus eine Geschichte der "Beschädigten" gemacht, konstatiert Tilman Urbach. Foer lässt den 9-jährigen Oskar auf der Suche nach Antworten zum sinnlosen Tod seines Vater durch New York ziehen und verbindet den 11. September mit den Bombennächten von Dresden im Schicksal der Großeltern des Jungen, erklärt der Rezensent die "riskante" Konstruktion des Romans. Das Buch sei "Detektivroman, Fotoband und Belletristik" in einem und mische in guter "postmoderner Manier" Perspektiven, Zeitebenen und Erzählweisen, so der Rezensent durchaus beeindruckt. Am gelungensten findet Urbach die Passagen, in denen Oskar durch New York streift und verschiedenen Menschen begegnet. Hier finden sich "fein geschilderte" Beobachtungen und die Stadt gewinnt in der Beschreibung "Kontur", lobt der Rezensent. Weniger überzeugend dagegen findet er die Schilderungen aus dem Europa der 30er und 40er Jahren, sie bleiben, wie er moniert, "blass". Urbach scheint zwar insbesondere die Verbindung des 11. September mit den Bombenangriffen auf Dresden im Zweiten Weltkrieg "weltanschaulich und ästhetisch fragwürdig", trotzdem kann er nicht umhin, Foer für die "bunte Simultaneität", die er in seinem Roman evoziert, "Respekt" zu zollen.