
Jane Kramer
liest aktuelle
vegetarische Kochbücher für Fleischesser und kann keinen Widerspruch erkennen: "Ich selbst würde mich als vorsichtigen Fleischesser bezeichnen, der seinen Speck zum Frühstück nicht missen möchte oder den Lachs auf dem Bagel … Der Grund für Leute wie mich, Gemüse zu essen, hat weniger mit Vegetariern und ihren Theorien zu tun, als mit Köchen und Kochbuchautoren, die irgendwann damit anfingen, Gemüse wirklich schmackhaft zuzubereiten, indem sie sich zum Beispiel
eines Blumenkohls mit der gleichen kulinarischen Inspiration annahmen wie gedünsteten mexikanischen Rippchen oder einem Schweinerollbraten. Höchste Zeit, dass so etwas passierte, wenn man sich die drögen vegetarischen Kochbücher ansieht, die seit
Martha Brothertons erstem Buch dieser Art in englischer Sprache, also seit Anfang des 19. Jahrhunderts, erschienen sind. Brothertons "A New System of Vegetable Cookery" war eine bibeltreue, sehr erfolgreiche Mission, dem Gemüse alles sündig Freudvolle auszutreiben. Das wirkte bis in die streitbaren vegetarischen Landkommunen und Kollektive der 60er und 70er nach mit ihren
Brotlaibern und Möhrenkuchen, die fast genauso viel wogen wie die Leute, die sie sich einverleibten."
Außerdem im Heft zu lesen: "Box Sets", eine taufrische
Erzählung von
Roddy Doyle, in der wir erfahren, was es heißt, im goldenen Zeitalter der TV-Serien zu leben. Nathan Heller
bespricht neue Bücher und Filme über den Gewerkschaftsführer
Cesar Chavez.
Und: Am 3. April hätte
Marlon Brando seinen Neunzigsten gefeiert. Der
New Yorker gratuliert, indem er
Truman Capotes wunderbar stimmungsvollen Bericht von seinem Besuch in Brandos Hotelzimmer in Tokio
online stellt, wo sich der Schauspieler
1957 für den Dreh des Melodramas
"Sayonara" aufhielt: "Brando gähnte; es musste Viertel nach eins sein. In weniger als fünf Stunden musste er geduscht, rasiert und gefrühstückt am Set sein, damit der Maskenbildner
sein blasses Gesicht in dem Mulattenton anmalen konnte, der für Technicolor erforderlich ist. "Lass uns noch eine Zigarette rauchen", sagte er, als ich Anstalten machte, mir den Mantel anzuziehen. "Möchtest du etwas trinken?" Draußen hatten sich die Sterne verdunkelt und es hatte zu nieseln begonnen, die
Aussicht auf einen Schlummertrunk war also verlockend, zumal ich zu Fuß zu meinem eine Meile entfernten Hotel zurückkehren musste. Ich schenkte mir Wodka ein, Brando lehnte ab. Doch dann griff er nach meinem Glas, nippte daran, setzte es zwischen uns ab und sagte unvermittelt, aber nicht ohne Gefühl: "
Meine Mutter. Sie zerbrach wie ein Stück Porzellan.""