
Ian Parker befasst sich mit dem englischen
Schriftsteller Edward St. Aubyn und seinen kommerziell höchst erfolgreichen Versuchen, den von der Mutter geduldeten
sexuellen Missbrauch durch den eigenen Vater und seine Drogensucht mittels des Alter Ego Patrick Melrose literarisch zu verarbeiten. Parker
stellt die Verbindung her zwischen Fiktion und einer finsteren Wirklichkeit, die in der "Patrick Melrose"-Trilogie offenbar nur ansatzweise Niederschlag findet: "Edward St. Aubyn zufolge begannen die Übergriffe durch den Vater, als er
drei Jahre alt war und endeten, als er acht war. Nick Ayer kennt eine Frau, die als Kind ebenfalls von Roger (St. Aubyn) missbraucht wurde. Wenn Patrick in "Zu guter Letzt" Momente der Missbrauchsgeschichte in seiner Familie rekapituliert, eine Geschichte, die laut St. Aubyn Reportagecharakter hat, gibt es Bezüge zu anderen Opfern neben Patrick … Dies erinnernd, beschreibt St. Aubyn die Ankunft einer
neuen Nanny. "Sie sagte, ich bin deine neue Nanny, und nun ist es Zeit für ein Bad, mach dich fertig. Ich ging und zog einen Anzug an, Krawatte, Schuhe, Socken. Sie fragte, was das soll, und ich antwortete: Sie sind eine Fremde, ich werde mich nicht vor ihnen ausziehen. Ich stieg also
bekleidet wie ich war in die Wanne. Es ist klar, warum ich das tat."
Gestern kam die Meldung, dass
Jaron Lanier mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels ausgezeichnet wird. Deutsche Leser kennen den amerikanischen
Cyberpionier - er gilt als Erfinder der virtuellen Realität - nur als Konvertiten, als Mahner vor "
digitalem Maoismus" und kybernetischem Totalitarismus. Doch 2011 zeichnete Jennifer Kahn im
New Yorker ein
sehr viel komplexeres Porträt Laniers: Sie beschreibt seine ungewöhnliche - und dramatische - Kindheit, tief geprägt von der
Hippiekultur, was ihn allerdings nicht davon abhielt, für
Atari oder (seit 2006) im Forschungslabor von
Microsoft zu arbeiten: "Laniers Sehnsucht, sich dem Gespräch zu entziehen, während er gleichzeitig Akzeptanz sucht, hat tiefe Wurzeln. "Als ich aufwuchs fand mein Dad manchmal, dass ich
nicht exzentrisch genug bin - in dem Sinne, dass ich später als Erwachsener in einem Haus mit Wänden, die parallel stehen, leben wollte, so Sachen", erzählte Lanier. Dann sprach er über seine Mutter. "Hätte sie länger gelebt, ich glaube ich wäre auf
konventionelle Art erfolgreicher geworden", meint er. "Ich wäre Medizinprofessor in Harvard geworden oder etwas ähnliches. Mein Dad sagte "Sei der Buckminster Fuller oder der Frank Lloyd Wrigt" - sei der
seltsame Außenseiter, der erfolgreich wird. Was ich dann ja auch irgendwie wurde."
Die
allerneueste Ausgabe des
New Yorker ist die traditionelle Fiction- und Poetry-Ausgabe. Online lesen darf man ein
Porträt des Autors und Videobloggers
John Greens lesen sowie Christine Smallwoods
Besprechung von
Phyllis Roses "The Shelf: From LEQ to LES" für das sich die Autorin durch die Bücher LEQ-LES im Regal ihrer Bibliothek gelesen hat.