Stichwort

Lesen

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Efeu 16.12.2019 […] Studenten das Lesen anspruchsvoller Literatur von Joyce bis Pynchon entgegen aller Aufweichung literaturwissenschaftlicher Standards in Richtung Cultural Studies als Akt des Widerstands für sich wiederentdeckt haben. Doch "'Widerstand' leisten die Texte nun nicht mehr im Sinn einer kritischen Funktion, ... vielmehr bezieht sich das Konzept jetzt auf das unmittelbare Erleben des Lesers. Wer liest - und […] verblüffend ausgefeiltes Arrangement an Kästchen, orchestriert mit verschiedensten Textformen und -elementen, nur manchmal unterbrochen durch ein einzelnes ruhiges Bild, das dem Geschehen Raum und dem Leser Luft zum Atmen gibt. Denn die Inszenierung ist schlicht atemberaubend. Zeitsprünge führen vor und zurück, nur um immer wieder im fiktiven Jetzt zu enden, Gedanken und Erinnerungsschnipsel schweben in […]
9punkt 28.10.2019 […] Techniken. Lesbarkeit und der Respekt vor dem, was wir nicht lesen können, gehen der Realität voraus. Lesen ist Vertrauenssache. In den Chips der digitalen Welt arbeitet Silizium, der Sand. Wo zu viel Sand ist, das nennt man Wüste. Aber in der Wüste gibt es bekanntlich heftig kämpfendes Leben. Es gibt vor allem die Baukunst der Oasen. Lesen und Leserwelt, das sind solche Oasen. Feste Orte der Verlässlichkeit […] Lesen ist viel mehr als Buchstabieren, schreibt Alexander Kluge in einem Essay für die NZZ. "In der Tradition des Talmud gibt es die Suche nach dem verlorenen Buchstaben. Das Heil liegt nicht in dem schon Ausformulierten. Das Wichtigste bleibt unbekannt, ist verborgen. Es gibt die dunkle Seite des Alpha. Gershom Scholem beschreibt, dass Gott in vier Wochen Gotteszeit (das sind mehr als 13,5 Milliarden […]
Magazinrundschau 24.03.2019 […] Sie machen das Romanlesen zu einer gefährlichen Angelegenheit, anders gesagt: zum Abenteuer. Das ist jedoch zugleich wohl das einzige Mittel, um Kinder und Jugendliche zum Lesen zu verführen: Man muss sie davon überzeugen, dass Lesen eine Droge ist, die süchtig macht und man davon nicht besser, sondern lebendiger wird. Wenn wir Bücher nicht als Heilmittel gegen die Übel unserer Gesellschaft anpreisen […] verstehen. Ebenso wahr ist jedoch, dass sie mich gezwungen haben, mir und anderen unbequeme Fragen zu stellen, die mir das Leben mit meinen Artgenossen nicht unbedingt einfacher gemacht haben. Das Lesen war für mich ein Quell der Weisheit, aber im selben Maß auch der Ernüchterung. In jedem Fall bringt ein Roman uns nicht bei, besser zu leben, sondern besser zu denken. Das eine sollte idealerweise aus […]
Efeu 18.02.2019 […] Den neuen Houellebecq hat er nicht gelesen, auch Takis Würgers "Stella" zu lesen, scheint ihm Zeitverschwendung zu sein: Johannes Franzen plädiert auf ZeitOnline für mehr Gelassenheit im Umgang mit literarischen Aufregern - man müsse nicht überall mitreden können und alleine deshalb fragwürdige Bücher lesen: "Offenes Nichtlesen wäre eine Möglichkeit, diesen Mechanismus zu unterbrechen und dabei auf […] auf den doch allen bekannten Umstand aufmerksam zu machen, dass das Lesen von Literatur zeitökonomischen Zwängen unterliegt. Jedes Buch, das wir lesen, verweist auf ein Buch, das wir nicht gelesen haben. ... Das offene Nichtlesen macht aus zeitökonomischen Bedenken einen kulturpolitischen Akt. Wir erkennen an, dass Lesezeit eine knappe Ressource ist, über die wir verfügen und die wir selektiv vergeben […]
Efeu 21.04.2018 […] zeigt sich Rainer Moritz, Leiter des Literaturhauses Hamburg, in der Welt von der grassierenden Wellness- und Wattebausch-Rhetorik, mit der Literaturverlage das Lesen verzweifelt als Vanille-Eis für die Seele anpreisen: "Wo immer das Lesen als glücksstiftende Maßnahme gefeiert wird, bleiben störende Faktoren außen vor. Kein Wort davon, dass es sehr viele anödende, peinigende, das Unglück mehrende Bücher […] in meinem gesamten Leben noch nie einen so durchgeknallten Schund gelesen", entfährt es ihm nach der Lektüre des "Käthchens von Heilbronn". Er hat nicht den blassesten Dunst, "warum man einem jungen Leser von heute empfehlen sollte, sich mit Kleist zu befassen." Seine Diagnose: Der deutsche Literaturkanon ist morsch geworden: Er ist "überholt, weltfremd, zufallsgeboren und ästhetisch höchst problematisch […]
9punkt 22.03.2017 […] stellt Fridtjof Küchemann in der FAZ vor. Es geht um die Zukunft des Lesens ohne physisches Buch. Mehr als hundertfünfzig Wissenschaftler haben sich laut Küchemann zur internationalen Initiative E-Read  zusammengeschlossen: "Welchen Einfluss hat das Lesegerät auf unsere Fähigkeit, das Gelesene zu erinnern? Welchen darauf, sich ins Lesen auch vertiefen zu können? Oder sich in das Gelesene einzufühlen? Welche […] Welche Unterschiede gibt es hierbei zwischen Jüngeren und Älteren, zwischen Leseanfängern und souveränen Lesern, zwischen Männern und Frauen, zwischen den sogenannten digital natives und digital immigrants? Wenn wir das Lesen als eine für unsere Zivilisation zentrale Technik begreifen: Welche kognitiven, kulturellen und sozialen Implikationen hat dessen Digitalisierung?" […]
9punkt 10.10.2015 […] Die taz bringt ein interessantes Dossier über die Krise des Lesens: "Ich habe das Lesen verlernt", schreibt Felix Dachsel "Die Buchstaben verschwimmen. Ich lese und fühle mich verloren in einem Ozean an Text: "Ulysses" von James Joyce, nur wenige Seiten gelesen, weggelegt. "Der Verlorene" von Hans-Ulrich Treichel, für sehr unterhaltsam befunden, abgebrochen, weggelegt. Die Zeilen vibrieren, die Zw […] ich zähle Kapitel: Wie lang noch? Ich will schlafen." Im Interview Giacomo Maihofer erläutert der Medienlinguist Henning Lobin, Autor eines Buchs zum Thema, was im Zeitalter des Internets mit dem Lesen geschieht: "In digitalen Medien folgen wir typischen Wahrnehmungsmustern. Das zeigt die Analyse solcher Blickbewegungen. Diese Muster leiten sich vom Durchforsten von Listen auf dem Bildschirm ab, […]
9punkt 26.06.2015 […] unlösbaren Konflikts"." (Via Buchmarkt) André Pleintinger übersetzt auf seinem Blog einen Medium-Artikel Hugh McGuires, der an sich selbst eine wahrscheinlich nicht nur ihn betreffende Unfähigkeit zu Lesen feststellt - aus Mangel an Konzentration und ständig zur Verfügung stehender digitaler Ablenkung. "Ich habe dieses Verhaltensmuster nun seit einer ganzen Weile beobachtet. Die Liste der zu Ende gelesenen […] von Print- und E-Books), und ich war Mitherausgeber eines Buches über die Zukunft von Büchern. Ich habe mein Leben den Büchern gewidmet, ich glaube an sie, doch ich war nicht mehr in der Lage, sie zu lesen." Ein anonymer Autor erzählt auf Vice, was es heißt, als Schwuler in Russland zu leben - unter anderem musste er seinen Beruf als Lehrer aufgeben, als seine sexuelle Orientierung bekannt wurde. Die […]
Efeu 29.09.2014 […] In der FR führt Arno Widmann ein Gespräch mit Ulrich Raulff vom Literaturarchiv Marbach über die Freuden vagabundierenden Lesens, das der bloßen Texthermeneutik die sinnliche Lust am materiellen Gegenstand ("Buchstabenbild oder der Klang") entgegen stellt. Als Student in Paris las Raulff deshalb mit Kommilitonen die Prawda, ohne überhaupt auch nur die kyrillischen Zeichen entziffern zu können: Es war […] durchfahren und darin plötzlich auf Inseln von Bekanntem zu stoßen, auf die wir uns hinwiesen, wie der Schiffsjunge oben im Mast Kolumbus "Land in Sicht" zurief. Bevor wir auch nur ein einziges Wort zu lesen versuchten, rochen wir die Prawda. Sie roch nach Fünfjahresplan und forcierter Industrialisierung, nach Altöl, Schwermetall, Traktorenreifen und Arbeiterschweiß. Wir liebten diesen eine ganze Bilderwelt […] Tagesspiegel einen Vorabdruck aus Birgit Lahanns Buch über Schriftsteller, die sich das Leben genommen haben. Online steht jetzt das NZZ-Interview mit Hans Magnus Enzensberger vom Samstag über Literatur, Lesen und Autorenschaft. Besprochen werden Bernhard Schlinks "Die Frau auf der Treppe" (Berliner Zeitung) und Tao Lins "Taipeh" (ZeitOnline). […]