
Für die neue Ausgabe des Magazins Ben Taub
erzählt die unglaubliche Geschichte des syrischen Geheimdienstoffiziers und Doppelagenten
Khaled al-
Halabi, der unzählige Menschen folterte oder foltern ließ (ein Handwerk, das der syrische Geheimdienst von dem österreichischen Nazi
Alois Brunner gelernt hatte), dann nach Frankreich floh, wo er Asyl beantragte. Mit Geld versorgt wurde Halabi laut Taub von den
Israelis, für die er offenbar auch spioniert hatte, und die ihn mit Hilfe des österreichischen Geheimdienstes in einer Nacht- und Nebel-Aktion
nach Österreich bringen ließen, wo er untertauchen konnte. Die Österreicher dachten nicht daran, ihn wegen seiner Verbrechen vor Gericht zu stellen. "Wenn Halabi der ranghöchste syrische Kriegsverbrecher ist, der verhaftet werden könnte, dann nur, weil die
größeren Ungeheuer geschützt werden. Das Hindernis für die Strafverfolgung von Assad und seinen Stellvertretern ist der fehlende politische Wille im UN-Sicherheitsrat. Halabis ehemaliger Chef in Damaskus,
Ali Mamlouk, reiste Berichten zufolge 2018 in einem Privatjet nach Italien. Mamlouk ist einer der schlimmsten Übeltäter des Krieges - es war sein Befehl, den Halabi weitergab, auf Versammlungen von mehr als vier Personen in Raqqa zu schießen. Doch Mamlouk, der seit 2011 mit Sanktionen belegt ist und nicht in die Europäische Union einreisen durfte, hatte ein Treffen mit dem
italienischen Geheimdienstdirektor, und so kam er und ging wieder." Einmal meint Taub, der Halabi überall in Wien sucht, ihn
auf einem Balkon zu sehen. "Ein Klopfen an der Tür blieb unbeantwortet; einem Nachbarn zufolge ist die Wohnung leer. Eine Lüge, die der syrische Außenminister vor dreißig Jahren ausgesprochen hatte, ging mir nicht aus dem Kopf: 'Dieser Brunner ist ein Gespenst.'"
In einem anderen
Beitrag untersucht Margaret Talbot die wahren Hintergründe der berühmten Grundsatzentscheidung "
Roe gegen Wade" von 1973, in der es um die Verfassungsmäßigkeit der Gesetze zum Schwangerschaftsabbruch ging: "Als Jane Roe, deren richtiger Name Norma McCorvey war, Klägerin in einem der bekanntesten Fälle wurde, die je vor dem Obersten Gerichtshof verhandelt wurden, war die 22-jährige Texanerin pleite, geschieden, 'drogensüchtig und betrunken', wie sie sich später selbst beschrieb. Die meisten ihrer Liebhaber waren Frauen, aber 1970 wurde sie ungewollt zum dritten Mal schwanger. Sie wollte keinen Kreuzzug starten, als sie sich in Dallas mit den feministischen Anwältinnen Sarah Weddington und Linda Coffee traf. Sie wollte
bloß ihre Schwangerschaft beenden. Abtreibung war in Texas illegal … Irgendwann gab McCorvey zu, dass sie Jane Roe war, und in den 80ern und 90ern trat sie in den Medien auf. Sie war eine ambivalente Bereicherung für die Pro-Choice-Bewegung, besuchte Kundgebungen und erzählte ihre Geschichte", wofür sie bezahlt wurde. "In Wahrheit scheint sie sich nie sonderlich um reproduktive Rechte geschert zu haben."
Außerdem: Jelani Cobb
porträtiert den Bürgerrechtsanwalt
Derrick Bell als "Den Mann hinter der Critical Race Theory". Jia Tolentino
schreibt über die Singer-Songwriterin
Caroline Polachek. D. T. Max
erzählt, wie sich
Colm Tóibín mit
Thomas Manns Homosexualität auseinandersetzt. Judith Thurman
liest Dantes "Göttliche Komödie". Hua Hsu
hört Saint Etiennes neues Album "I've Been Trying to Tell You". Anthony Lane
sah im Kino
Paul Schraders "The Card Counter".