
Rachel Donadio
besucht den "jähzornigen Propheten" und
Schriftsteller V.S. Naipaul in seinem Haus im englischen Wiltshire. Der wird seiner Charakterisierung vollauf gerecht und schimpft über französische Kollegen wie den "
nervtötenden"
Proust oder den "empörenden" Stendhal mit ebensolcher Verve wie über das "philosophische Gekreische" der islamistischen Gotteskrieger. Er sagt auch, dass die Moderne und mit ihr die Fiktion am Ende sei. "'Wir haben uns verändert. Die Welt hat sich verändert.
Die Welt ist größer geworden.' Was uns zu den Beschränkungen des Romans zurückbringt. Der Schriftsteller müsse das Wohnzimmer verlassen und in die aktive, geschäftige Welt hinaus reisen. Es ist eine
tragische Vorstellung, die nur ein Romancier haben kann, dass die Welt nicht in einem Roman eingefangen werden kann." Dazu gibt es Auszüge mit der tabakweichen Stimme Naipauls zum
Anhören.
In einem ausgesonderten Kommentar
unterlegt Donadio Naipauls These vom Niedergang der literarischen Fiktion mit Beispielen aus der Magazinwelt.
Atlantic Monthly etwa hat die seit Jahrzehnten
etablierten Kurzgeschichten kürzlich aus dem Heft verbannt. "In den vergangenen Jahren haben wir bemerkt", sagt der scheidende Chefredakteur Cullen Murphy, "dass eine bestimmte Art des Berichtens - die lange und
erzählende Reportage - enorm wertvoll geworden ist, um einer komplizierten und zersplitterten Welt Sinn zu verleihen."
Aus den Besprechungen: Beeindruckt
zeigt sich Gail Levin von Donna M. Cassidys "mutiger"
Biografie des Malers
Marsden Hartley (
Bilder), in der sie die Faszination Hartleys für die Ästhetik wie die Inhalte des
Nationalsozialismus schildert. Immerhin ein Dutzend der 49 Kurzgeschichten von
Robert Stern aus 50 Jahren, die jetzt alle im Band "Almonds to Zhoof" (
erstes Kapitel) versammelt sind,
hält Eric Weinberger für erinnerungswürdig: "Das ist keine geringe Leistung." Tony Hendra dagegen
mundet Elin McCoys allzu gläubige und unkritische Biografie des amerikanischen Weinkritker-Papstes
Robert Parker, "The Emperor of Wine" (
erstes Kapitel), überthaupt nicht.

Im
New York Times Magazine stellt Clive Thompson die neueste Variante des unabhängigen Filmemachens vor. In den wöchentlichen
Folgen von
Red vs. Blue sind die Computersoldaten aus dem Konsolen-Ballerspiel "Halo" die Hauptdarsteller. "Es das '
Rosenkranz und Güldenstern' Prinzip. 'Red vs. Blue' ist das, worüber die Spielfiguren reden, wenn wir nicht mit ihnen spielen. Wie sich herausstellt, sind sie ein Haufen Neurotiker, direkt aus 'Seinfeld'. Ein Rekrut verrät, dass er innerhalb seiner
luftdichten Panzerung Kette raucht, ein Sergeant sagt einem Soldaten, dass seine Instruktionen für die Schlacht darin bestehen, wie eine Frau zu kreischen. Und als boshafter Kommentar zum
endlosen Gemetzel des Spiels hat keiner der Soldaten die leiseste Ahnung, warum sie sich eigentlich bekämpfen."
Weiteres: Die kalifornische Firma
Enologix hat eine Formel gefunden, mit der Winzer ihren Wein nach dem Geschmack
einflussreicher Kritiker wie Robert Parker trimmen können,
berichtet David Darlington. Im Titel
diskutiert Robin Marantz Henig die Zukunft der
Sterbehilfe. A.O. Scott
kommentiert das Verschwimmen der Grenzen von
Werbung und Unterhaltung, unter anderem sichtbar in den Charterfolgen kommerzieller Handy-Klingeltöne. In ihrer Freakonomics-Kolumne
erklären Stephen J. Dubner and Steven D. Levitt die Entwicklung des
Crack-Markts.