
Jan-Werner Müller
analysierte bereits in der letzten Ausgabe mit Rückgriff auf Paul Lendvai (
unser Resümee) das System
Victor Orban - ein "
Disneyland der extremen Rechten", so Müller: "Das Christentum herrscht, Muslime sind nicht erlaubt, die traditionelle Familie triumphiert." Dabei habe Orban verstanden, dass autoritärer Populismus niemals Bilder aus Diktaturen des zwanzigsten Jahrhunderts hervorrufen darf: "Keine Gewalt auf den Straßen, keine Überfälle der Geheimpolizei spät in der Nacht und die Bürger werden nicht gezwungen, politische Loyalität in der Öffentlichkeit zu bekennen. Stattdessen wird die Macht durch eine weitreichende
Kontrolle der Justiz und der Medien gesichert; und nachdem viel davon geredet wurde, bedrängte Familien vor multinationalen Konzernen zu schützen, gibt es einen
Kumpanei-
Kapitalismus, in dem man politisch auf der richtigen Seite sein muss, um wirtschaftlich voranzukommen."
Seit 2014 stellt die rechtskonservative, hindunationalistische Bharatiya Janata Party (BJP) unter Ministerpräsident
Narendra Modi die indische Regierung - ohne Koalitionspartner. Max Rodenbeck
zeichnet im neuen Heft unter Rückgriff auf
Prashant Jhas Buch "How the BJP Wins: Inside's Greatest Election Machine" den Triumphzug und die
Manipulationsmechanismen der BJP nach: Neben einem mehrere Millarden teuren Wahlkampf, Stimmzettel-Manipulationen, Bestechung der Wähler durch
Geld,
Küchengeräte und
Schnaps, sieht er den großen Erfolg auch in Modis Fähigkeit, die Ressentiments der 80-prozentigen hinduistischen Mehrheit gegenüber der 15-prozentigen muslimischen Minderheit subtil zu verstärken: "Jha zitiert einen Parteifunktionär, der zugibt, das Ziel sei, die Hindus zu vereinen, indem man sie sich wie Opfer fühlen lässt. Ein anderer gesteht: 'Wir wollen eine
anti-
muslimische Polarisierung. Warum so tun, als ob es anders wäre?"
Lindsey Hilsum
hat einen gründlichen Blick auf die
Kriegsberichterstattung in Zeiten von Twitter geworfen und warnt nun vor den Tücken des Labels Authentizität. Was ihr auch auffällt: Der
westliche heroische Kriegskorrespondent, der vor zerbombten Häusern in die Kamera spricht, ist immer weniger gefragt. Dafür werden
Reporter vor Ort mit ihren Videoaufnahmen und Fotos zur immer wichtigeren Informationsquelle: "Jüngere Zuschauer scheinen sich weniger für das Gesicht oder die Stimme des Reporters zu interessieren, wenn sie Nachrichten auf ihren Geräten ansehen. Oft setzen die sowieso auf Untertitel anstatt Voice-Over. Bei Informationen über Konfliktgebiete stehen rohe,
dramatische Videos hoch im Kurs, die von lokalen Aktivisten und Journalisten aufgenommen wurden und zeigen, wie Bomben explodieren oder Kinder aus Trümmern gezogen werden, oft sogar von den Rettern selbst mit Helmkameras gefilmt - im Großen und Ganzen scheint es dem Online-Zuschauer nichts auszumachen, dass nichts davon von einem Reporter vermittelt wird."
Weitere Artikel: Claire Messud
liest Caroline Frasers "Prairie Fires: The American Dreams of
Laura Ingalls Wilder" . James Shapiro
stellt sich der "Frage nach
Hamlet". Und ein erstaunter Howard F. French
lernt aus
Lawrence James' Buch "Empires in the Sun: The Struggle for the Mastery of Africa", dass die
britischen Kolonialherren alles in allem ganz honorig waren - jedenfalls gemessen an den anderen europäischen Invasoren.