Magazinrundschau - Archiv

The New York Review of Books

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Magazinrundschau vom 01.03.2016 - New York Review of Books

In Dänemark ist sich die Mehrheit von links bis rechts einig: keine Einwanderer mehr und vor allem nicht aus muslimischen Ländern, lernt Hugh Eakin, der angenehm sachlich sowohl die populistischen wie die rationalen Gründe für diese Haltung darlegt. Sie wird vor allem repräsentiert durch die Dänische Volkspartei, die mit ihrer Anti-Immigrationspolitik (bei gleichzeitiger Unterstützung des Wohlfahrtsstaates) alle dänischen Parteien geprägt hat und auch in andere europäische Länder ausstrahlt: In Deutschland "schließen sich seit den Kölner Übergriffen Feministinnen und Mitglieder der Linken, die die 'patriarchalen' Traditionen des 'arabischen Manns' beklagen, den konservativen Opponenten gegen Angela Merkel an. Jüngste Zahlen über die Schwedendemokraten, die gegen Einwanderung sind, zeigen, dass der Anstieg ihrer Popularität auf 28 Prozent im Januar mit einem Niedergang der immigrationsfreundlichen Sozialdemokraten einhergeht. Mit einer derart populistischen Welle konfrontiert, kündigte die schwedische Regierung am 27. Januar an, sie wolle 80.000 Asylsuchende ausweisen."

Weitere Artikel: Mark Lilla beschreibt die Französische Republik als verhängnisvoll schwach angesichts der Herausforderungen durch die globale Wirtschaft und den militanten Islamismus. Einzig Alain Juppe scheint ihm bisher eine erfolgversprechende Strategie entwickelt zu haben. Adam Shatz stellt Alan Lights Biografie über Nina Simone und den darauf basierenden Netflixfilm vor. Und Zadie Smith analysiert mit Hilfe von Schopenhauer Charlie Kaufmans Film "Anomalisa" und Robert Zemeckis "The Polar Express".

Magazinrundschau vom 09.02.2016 - New York Review of Books

Psychologen stellen sich immer bereitwilliger in den Dienst der gesellschaftlichen Steuerung, beobachtet Tamsin Shaw in einem sehr ausführlichen Artikel. Dabei kritisiert sie nicht nur, dass Psychologen das Folterprogramm der CIA entwickelten oder dass eine Positive Psychologie die mentale Kampfbereitschaft stärken soll. Shaw stört sich vor allem an den Versuchen der Psychologie, uns mit Hilfe der Neurowissenschaft die Moral auszutreiben, die als archaisches Clan-Denken, irrational oder Opferkult diskreditiert wird: "Paul Bloom etwa warnt in seinem Artikel im Atlantic 'The Dark Side of Empathy' davor, dass Empathie für Menschen, in denen wir 'Opfer' sehen, mit einem Verlangen nach Strafe und Gewalt gegen Menschen einhergeht, die in Amt und Würden stehen. Doch wir sollten seine Thesen keinesfalls als Richtschnur für unsere Werte nehmen, und wir sollten auch nicht daraus schließen, dass wir ein Korrektiv zu einer angeblich exzessiv empathischen Kultur brauchen. Kein Psychologe hat bisher eine Methode entwickelt, die moralische Überlegung und Argumentation ersetzt, wir müssen weiterhin auf unsere eigenen Intuitionen und Prinzipien zurückgreifen, sie gegeneinander abwägen und so gut es geht urteilen. Das bleibt eine für uns alle notwendige Anstrengung. Wir können sie nicht an Autoritäten abgeben oder durch Handbücher ersetzen."

Jacob Weisberg hat einen ganzen Stapel alarmistischer Bücher gelesen, die sich mit dem gesellschaftlichen Wandel durch die sozialen Medien beschäftigen. Dass wir alle zu narzisstischen Egomanen werden, will er nicht ganz glauben. Aber dass Amerikaner im Durchschnitt fünfeinhalb Stunden am Tag mit digitalen Medien verbringen, lässt ihn schon um ihr Sozialverhalten bangen: "In einer Pew-Umfrage antworteten 70 Prozent, ihre Smartphones gäben ihnen ein freieres Gefühl, 30 Prozent sagten, sie fühlten sich wie an einer Leine. Rund die Hälfte der 18- bis 20-Jährigen erklärte, sie benutzten ihr Smartphone, um den anderen Menschen auszuweichen."

Außerdem: Als superbe Inszenierung einer großartigen B-Oper lobt Geoffrey O'Brien Penny Woolcocks Produktion von Bizets "Perlenfischern" an der New Yorker Met.

Magazinrundschau vom 16.02.2016 - New York Review of Books

Der große alte Historiker Robert Paxton hat in Frankreich einst selbst Geschichte geschrieben, weil seine Studie über Vichy "Vichy France: Old Guard and New Order 1940-1944" bei ihrem Erscheinen in Frankreich 1973 riesige Debatten um die Kollaboration auslöste, und nach Marcel Ophüls' Dokumentarfilm "Le chagrin et la pitié" (1969) Frankreichs glorifiziertes Bild von der Résistance ein zweites Mal erschütterte. Nun bespricht Paxton zwei neue Geschichten der Résistance, die aus viel größerem Abstand geschrieben wurden und kaum mehr für Debatten sorgen werden. Paxton spricht auch die wenig gewürdigte Rolle ausländischer jüdischer Kämpfer an, "die einen wichtigen Teil der Résistance bildeten. Viele junge Männer unter ihnen, die begierig waren, gegen Hitler zu kämpfen, waren 1939 in die Fremdenlegion gegangen. 1940 jedoch bot Vichy den entlassenen und mittellosen jüdischen Veteranen nur harsche Optionen, Dienst in Arbeitsbatallionen oder Internierung. Die Kommunisten unter ihnen gingen mit der 'Main-d'œuvre immigrée' (MOI) in den Untergrund, einer der aggressivsten Partisanentruppe der Partei. Die meisten MOI-Kämpfer wurden gefangen und exekutiert, und die kommunistische Führung scheint zu jener Zeit nicht viel getan zu haben, um ihnen zu helfen." Ein Buch nur über dieses Thema könnte in Frankreich vielleicht doch noch Debatten auslösen - Jorge Semprun hatte das Thema in seinen Romanen angesprochen.

Magazinrundschau vom 02.02.2016 - New York Review of Books

Sehr sehr weit holt Darryl Pinckney aus, geht die ganze schwarze intellektuelle Geschichte Amerikas durch, bis er zu dem meist gefeierten Essay des letzten Jahres kommt, Ta-Nehisi Coates' "Between the World and Me", der durch diesen Artikel gewissermaßen seinen Platz in der Geschichte erhält. Coates' Vater, erfährt man, war zunächst ein Arbeiter, aber auch ein belesener Mann, Black-Panther-Aktivist und Buchhändler. Und er schlug seinen Sohn, worüber Coates auch schreibt. Kein Wunder, dass Pinckney ihn in der Tradition schwarzer Radikalität einordnet: "In der militanten Literatur der Sechziger, die sein Vater verkaufte..., war es das Ziel schwarz zu werden und schwarz zu bleiben und vor der Korruption der Assimilierung zurückzuscheuen. Zurückweisung des amerikanischen Traums, des Mittelklasselebens, verstand sich von selbst. Als kulturelles Erbe wurde authentische Blackness zu einer Art von Errungenschaft und intellektuellem Kapital für Coates' Hip-Hop-Generation. Du konntest Geld verdienen und es doch aufrechterhalten. Malcom X war ihr Held. An Gewaltlosigkeit glaubte sie nicht. Sagen, was ist, im Malcolm X style, war der Weg, clean zu bleiben. Nur Clowns machten sich soziale Hoffnungen. Darauf darfst du dich nicht einlassen. Schütz dich davor. Das ist mehr als Skepsis. Desillusioniert zu sein heißt, dass man niemandes Gespött werden kann."

Auch im Merkur-Blog setzt sich Samir Sellami mit Coates' Essay auseinander, der gestern auch auf Deutsch erschienen ist. Sein Resümee: "Rasse ist nicht das Problem. Nicht einmal Rassismus. Das Problem ist, dass große Teile der amerikanischen Gesellschaft nicht bereit sind, die Ursachen der aktuellen Probleme in der eigenen Geschichte zu suchen."

Außerdem in der New York Review of Books: Edward Mendelson liest neue Bücher über T.S. Eliot.

Magazinrundschau vom 05.01.2016 - New York Review of Books

Bisher wollten die Palästinenser einen Staat, kein Kalifat, doch jetzt macht sich der "Islamische Staat" im Gaza-Streifen breit, als Abspaltung der salafistischen Dschihadisten, die sich zuvor von der Hamas abgespalten hatte. Wie Sarah Helm berichtet, kann man allerdings nicht einmal Trost daraus ziehen, dass sich Extremisten zuverlässig gegenseitig zerlegen: "Ende 2015 sind die Aussichten für Gaza trübe, doch wie finster sie werden, hängt davon ab, wieviel Unterstützung der IS noch gewinnen wird. Keiner weiß, wie erfolgreich die Hamas ihn bekämpfen wird. Noch vor einem Jahr glaubte niemand, dass der IS überhaupt in Gaza auftauchen würde. Als er es tat, war die Hamas so überrascht wie die Bevölkerung. Wenn der IS an Stärke gewinnt, könnte sich die verzweifelte Schlange derjenigen, die auf Visa und Ausreise-Erlaubnisse warten, zu einer Stampede gegen die verschlossenen Tore von Gaza auswachsen. Noch schlimmer als die Albträume, denen die Menschen in Gaza bisher ausgesetzt waren, ist, in Gaza mit den IS-Monstern gefangen zu sein."

Michel Massing erkundet weiter, wie sich der digitale Journalismus mit Recherchen über die oberen ein Prozent verdient machen könnte. Untersuchen könnten investigative Webseiten, wie Milliardäre mit Hilfe von Stiftungen ihre Agenda durchsetzen (in Ansätzen tut dies Inside Philanthropy), oder was Finanzholdings wie BlackRock treiben, die über mehr Geld verfügen als das deutsche BIP: "Dem Silicon Valley würden solche Untersuchungen ebenfall gut tun. Derzeit beschränken sich Berichte über die Tech-Welt auf Produkte, Startups und Persönlichkeiten. Eine Webseite über Geld und Macht würde sich stattdessen auf den wachsenden politischen Einfluss konzentrieren. Vor zehn Jahren bestand Googles Lobbying zum Beispiel aus einem Ein-Mann-Betrieb in Washington. Heute arbeiten dort 100 Lobbyisten in einem Bürogebäude, das ungefähr so groß ist wie das Weiße Haus. Neben diesem traditionellen Lobbying finanziert Google Forschung an den Universitäten, Think Tanks und Interessensgruppen oder es 'schießt Geld in Geschäftskoalitionen, die als Projekte von öffentlichem Interesse ausgegeben werden', wie Tom Hamburger und Matea Gold 2014 in der Washington Post berichteten."

Außerdem bespricht Cass R. Sunstein Gabriel Zucmans Buch über Steueroasen "The Hidden Wealth of Nations". Joan Acocella sieht in Riga elektrisiert Alvis Hermanis' Stück über Brodsky und Baryschnikow.

Magazinrundschau vom 01.12.2015 - New York Review of Books

Nach seiner großen Klage über den Verfall des Journalismus denkt Michael Massing jetzt darüber nach, was er gerne lesen würde. Zum Beispiel eine viel bessere Berichterstattung über die alles bestimmenden 1 Prozent. Als Beispiel nennt er den zwei Milliarden Dollar schweren Hedge Fund Manager Paul Singer. Der spendet Millionenbeträge an die Republikaner, unterstützt finanziell "pressure groups" für ihm genehme Vorhaben, und sitzt in unzähligen Komitees, die die Politik mitbestimmen. Eine diesem Thema gewidmete Webseite könnte viel weiter gehen also zum Beispiel die NYT-Wirtschaftskolumne "DealBook", meint Massing. "Wir brauchen eine thematisch weiter gefasste Seite, die sich auf Berichterstattung über die Machtelite konzentriert. Es gibt zwar Muckety, LitleSis, SourceWatch und RightWeb, alle sehr nützlich, aber sie sind unterfinanziert und (manchmal) zu ideologisch. Eine neue Seite mit erfahrenen Reportern, Redakteuren und digitalen Assen, könnten sich tief in die Welt des 1 Prozents eingraben und den unglaublichen Einfluss dokumentieren, den sie in so vielen Bereichen des amerikanischen Lebens haben. Die gesammelten Informationen könnten in eine Datenbank eingespeist werden, die zur Standard-Seite für Informationen über die Elite und ihre Macht werden könnte."

Weitere Artikel: Christopher de Bellaigue zeichnet ein vernichtendes Porträt von Erdogan als paranoidem Charakter, der die Demokratie in der Türkei unterminiert. Michael Ignatieff fordert die amerikanische Regierung auf, den Europäern bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise zu helfen. Paul Krugman liest Robert B. Reichs Buch "Saving Capitalism: For the Many, Not the Few".

Magazinrundschau vom 24.11.2015 - New York Review of Books

Sehr informativ und gut lesbar schildert Jonathan Steele die Lage der kurdischen Region an der Grenze zwischen der Türkei und Syrien. Er erklärt, warum die Kämpfer der kurdischen YPG-Truppe dort Kontakte mit dem Assad-Regime aufrechterhalten und natürlich auch, warum die Türkei kaum motiviert ist, ihnen zu helfen - so dass sie sogar einen Wiederaufbau der Stadt Kobane zur Zeit verhindert. Die Kurden könnten in dem Gebiet entscheidene Fortschritte in ihrem Kampf gegen Daesh machen, so Steele: "Idriss Nassan, der Sprecher dess Kobane-Kantons, sagte mir, dass die Kämpfer der YPG-Truppe nun den letzten von Daesh gehaltenen Grenzpunkt zur Türkei befreien will, die Stadt Jarabulus. Die YPG steckt noch am östlichen Ufer des Euphrat fest, und es wird nicht leicht sein voranzukommen. Aber ein Erfolg wäre ein strategischer Schlag gegen Daesh und würde dessen Macht empfindlich begrenzen." Die Kurden würden allerdings nicht mehr so leicht eine arabische Oberherrschaft akzeptieren, so Steele.

Außerdem: Daniel Mendelssohn bespricht Hanya Yanagiharas Künstlerroman "A Little Life". Und Max Rodenbeck erklärt Ayaan Hirsi Ali in dem paternalistischen Tonfall, den Rezensenten gern bei ihr annehmen, das sie den Islam nicht richtig verstanden hat.

Magazinrundschau vom 10.11.2015 - New York Review of Books

Die Enthüllungen und die Debatte über das Massaker in Jedwabne haben Polen verändert. In ihrem Buch "The Crime and the Silence" rekonstruiert Anna Bikont, wie schwer sich das Land mit dem Eingeständnis tat, dass es Polen waren, die mehrere hundert Juden in dem Ort ermordet hatten. Julian Barnes hebt das Buch, das seit seinem Erscheinen 2004 in etliche Sprachen übersetzt wurde (nicht ins Deutsche), in den Rang von Lanzmanns "Shoah": Es erzählt mit derselben eindrücklichen Ruhe von den grausamen Taten, dem Verdrängen und der hämischen Rechtfertigung. "Jedwabne leugnet weiterhin. Das Hinweisschild zur Stätte des Martyriums wurde entfernt, das neue Denkmal für die Opfer wurde mit Hakenkreuzen beschmiert und dem Spruch: 'Sie waren leicht entflammbar.' Auf dem Marktplatz, den die Juden damals mit Teelöffeln jäten mussten, steht ein Gegendenkmal für ethnische Polen, die während des Krieges deportiert wurden. Zwei der überlebende Zeugen der Stadt sind in die USA ausgewandert (einer von ihnen, Bürgermeister Godlewski, sagt allerdings, dass in Sachen Antisemitismus Jedwabne mit Chicago nicht mithalten könne). Bikonts Buch ist mehr als ein Buch der Erinnerung. Es ist auch ein Buch über das Vergessen, über die Verunreinigung von Erinnerung, über den Kampf zwischen einer leichten, erträglichen Wahrheit und einer harten, unangenehmen Wahrheit."

Marcia Angell blickt auf die Geschichte medizinischer Forschung. Wie ethisch verwerflich pharmazeutische Test sein können, zeigt Angell etwa mit dem Einsatz von Plazebos: "1994 zeigten Studien, dass eine intensive Behandlung von schwangeren, HIV-positive Frauen mit Zidovudine (AZT) eine Übertragung der Infektion auf den Fötus verhindern würde. Diese Behandlung wurde in den USA und anderen entwickelten Ländern bald gängig. Die nicht ganz unbegründete Frage war, ob eine weniger intensive (also günstigere) Behandlung mit Zidovudine nicht den gleichen Effekt hätte. Das NIH und das CDC sponsorten eine Serie von klinischen Studien in Entwicklungsländern, vor allem im subsaharischen Afrika, mit einer weniger intensiven Behandlung. Doch anstatt diese mit den intensiveren Behandlungen zu vergleichen, setzte sie für diese Studien bei den Kontrollgruppen Plazebos ein." Seit 2002 untersagt die Deklaration von Helsinki Palzebo-Kontrollen.

Magazinrundschau vom 27.10.2015 - New York Review of Books

Kein Wunder, dass junge Männer nur noch aus Syrien rauswollen, um nicht für einen Stellvertreterkrieg rekrutiert zu werden, der nur den Interessen anderer Mächte dient. Charles Glass ist seit einem Monat wieder im Land und erhebt schwere Vorwürfe auch gegen den Westen: "... Die CIA trainierte Rebellen in Jordanien und Türkei, Saudi-Arabien und Katar lieferten Waffen, die Türkei öffnete ihr Grenzen für Dschihadisten aus aller Welt, um Syrien zu verwüsten. Doch westliche Voraussagen über ein schnelles Ende des Regimes erwiesen sich bald als falsch. Die USA, Großbritannien, Frankreich, Saudi-Arabien, Katar, Türkei und Israel hielten daran fest, dass Assads strategische Allianz mit dem Iran all ihren Interessen schadete. Diese Mächte glauben, dass der Iran in seinem Expansionsdrang die Schiiten in Bahrain, Jemen und Libanon zum eigenen Vorteil benutzt, wie auch die alawitische Minderheit in Syrien, die seit langem mit den Schiiten verbunden ist. Diesen 'schiitischen Halbmond' wollten sie auf Syriens Schlachtfeldern untergehen lassen. Doch anstatt Irans Einfluss in Syrien zu begrenzen, haben sie ihn vervielfacht. Das syrische Militär, das einst eine unabhängig säkulare Streitmacht war, das im Iran und bei der Hisbollah auf Männer und Waffen rekrutierte, ist jetzt in seinem Überlebenskampf vom Iran strategisch abhängig, und wenn es ihn gewinnt, wird der Iran in einer stärkeren Position sein als jemals zuvor."

In den USA werden Primo Levis Werke neu herausgeben. Tim Parks schreibt sehr bewegend über Levis Kampf, mit seinem Schreiben über Auschwitz nicht nur wahrgenommen, sondern auch literarisch anerkannt zu werden. Denn für Aufbauendes gab Levi wenig her, schreibt Parks: "In ihrer Einleitung zu dieser dreibändigen Ausgabe bemerkt Toni Morrison, dass der 'Triumph der menschlichen Identität über die Pathologie der menschlichen Zerstörung durch jede Zeile in Levis Schreiben leuchtet'. Das sind erbauliche Worte, aber sie sind nicht wahr. Levi erzählt uns vielmehr, wie die menschliche Identität durch das unsagbar Böse korrumpiert und zerschmettert wurde; sein Werk ist so mächtig, weil es dieser Realität Rechnung trägt. 'Die Personen auf diesen Seiten sind keine Menschen', schreibt er; im Lager war alle, ob Folterer oder Gefolterter, 'paradoxerweise vereint in einer gemeinsamen inneren Trostlosigkeit'."

Außerdem ist ein bemerkenswertes Gespräch zwischen Präsident Barack Obama und der Autorin Marilynne Robinson zu lesen, in dem Obama Robinson davon abzubringen versucht den christlichen Einfluss auf die amerikanische Demokratie nur positiv zu sehen.

Magazinrundschau vom 22.09.2015 - New York Review of Books

In seinem autobiografischen Buch "Gamelife" lässt Autor Michael W. Clune sein Leben beim Videospielen und sein "wirkliches" Leben immer wieder ineinanderfließen. Kein Wunder, meint Gabriel Winslow-Yost, der das Buch mit großem Interesse gelesen hat. "Schon per Definition ist die Zeit, die man mit einem Spiel verbringt, Zeit, in der man handelt, Entscheidungen trifft; Videospiele erfordern generell viel Zeit - dutzende, manchmal hunderte Stunden, verteilt über Wochen oder sogar Monate hinweg. All dies bedeutet, dass ein Konto für ein Videospiel zwangsläufig eine Erinnerung an das eigene Leben beinhaltet, an eigene Erfolge und Fehler, Entscheidungen und Bedauern (obwohl die Aktionen und Ergebnisse eines Spiels simuliert sind, die Entscheidungen, und die Emotionen, die sie inspiriert haben, sind es nicht)."
Stichwörter: Videospiele