
Die Dokumentarfilmer
Ken Burns und
Lynn Novick haben für PBS eine zehnteilige Dokumentation über den
Vietnamkrieg gedreht, und David Thomson
feiert die Doku, die ab heute
auch auf arte läuft, als den schlichtweg
besten Film,
den er je gesehen hat. Unerbittlich und untheatralisch erzählt er keine geordnete Geschichte, meint Thomson, sondern stellt sich
dem Chaos: "In Vietnam tappte jeder im Dunkeln, in einem Tunnel. Diese Umhüllung hieß Einsamkeit, 'Gib dein Bestes' oder 'Folge den Befehlen' - es galt, den Krieg und die Befehle zu überleben. Nach dem Film schwirrt einem der Kopf, von der
unanständigen Arroganz der Politik und dem
hilflosen Gehorsam der Menschen, die dorthin mussten. Es gab vernünftige Aktionen, die Menschen in den Wahnsinn trieben, und Pannen, die Sinn ergaben. Die Tet-Offensive von 1968 war ein Desaster für den Norden, was die militärischen Verluste anging, aber
der Anblick des Vietcong in den Straßen von Saigon entsetzte die Amerikaner. Ihnen war erzählt worden, dass sie am Gewinnen wären. Kaum ein Amerikaner kam unverändert zurück. Noch Jahre später erschossen sich die zurückgekehrten Veteranen. Noch mehr vietnamesische Leben waren zerstört, und Vietnam als Ganzes hat sich bis heute nicht erholt... 'The Vietnam War' ist kein schmackhaftes Serienfutter für gequälte Linke, es ist Diagnose in Form von Autopsie. Die Botschaft schleicht sich in uns ein: In einem verheerten Land ist der
Humanismus die Narrenversion des Überlebens, eine Idee, die sich im Gras verliert, im Dschungel und
im Nebel unser Irrtümer."
Der ewig bleidigte
Pankaj Mishra liest recht hämisch Bücher von Edward Luce, David Goodhart und Mark Lilla über den Niedergang des westlichen Liberalismus in Zeiten von Trump und Brexit: "Die Sehnsucht nach der
guten alten Zeit bestimmt die Intellektuellen der Ostküste heute so sehr wie die vornehmen Leute, die im Süden die Ehre von General Robert E. Lee verteidigen. Es bleibt abzuwarten, ob Amerika, Britannien, Europa und der Liberalismus
wieder groß werden. Es scheint aber offenkundig, dass der Rassist im Weißen Haus und viele seiner Kritiker am gleichen Ziel arbeiten: die
Schließzeiten ihrer westlichen Gärten hinauszuzögern."
Weitere Artikel: Thomas Meaney
schüttelt den Kopf über die
verschnarchten deutschen Medien, die nicht ahnen, dass es auch ihre Aufgabe wäre, ein bisschen politisches Feuer in den Wahlkampf zu bringen. Stattdessen zelebrierten sie unermüdlich "die kluge, starke, geduldige, geerdete, trockene, mitfühlende, taffe, realistische wissenschaftliche, Opern liebende,
Bismarckhafte Wunderkanzlerin, mit der man nichts falsch machen kann".
Anne Enright schreibt über Frauen im Literaturbetrieb.