
Eliot Weinberger
fasst mit dem Text "Zehn typische Tage in Trumps Amerika" sehr einschlägig den Wahnsinn zusammen, mit dem Politik und Medien die Öffentlichkeit
an den Rand der Erschöpfung bringen: Während
Pornostar Stormy Daniels den Boulevard mit Geschichten über Donald Trumps Schwanz versorgte, wurde laut Weinberger auch die
Kohleindustrie dereguliert, erklärte Trump das
FBI zum Krebsgeschwür, kostet der Hurrikan Florence zehn Menschen, 5.500 Schweine und 3.400.000 Hühner das Leben, feuerte die
Umweltbehörde grundlos die Leiterin der Abteilung für Kindergesundheit und behaupteten Republikaner in Texas, dass die Demokraten
Barbecues verbieten wollen. Und dann natürlich das brutale Spektakel um
Brett Kavanaugh, das mit jedem Gladiatorenkampf im Kolosseum mithalten konnte. Und für Weinberger die wesentlichen Punkten verschleiert: "Was das öffentliche Interesse betrifft, hat Kavanaughs Angriff als betrunkener Jugendlicher seine extrem trüben persönlichen Finanzen in den Hintergrund gedrängt, wie auch seinen Lebensstil, der sein Gehalt
weit übersteigt, die 200.000 Dollar Schulden, die sich plötzlich
in Luft auflösten, seine mutmaßliche
Sportwetten-Sucht, seine eindeutige Ablehnung von Abtreibung und Gewerkschaften; seine Überzeugung, dass ein Präsident von strafrechtlicher Verfolgung ausgenommen ist; seine Liste von sexuell drastischen Fragen, die er für den damalige Sonderermittler Kenneth Starr im Amtsenthebungsverfahren gegen Bill Clinton erstellt hatte, und die hunderttausend Seiten an Dokumenten, die bei seiner Arbeit für George Bush entstanden sind und die sich die Republikaner weigerten, herauszurücken - womit sie unter anderem seine Rolle bei der Formulierung der
Folterpolitik deckten, den Diebstahl von Papieren der Demokratischen Partei und das Autorisieren von Abhörmaßnahmen
ohne richterlichen Beschluss."
Die Sozialwissenschaftlerin
Sheng Yun bekennt, dass sie sich nie für den Feminismus interessiert hat, und sieht in China den Beweis, dass es gut ohne geht. Denn die KP mag ja eine reine Männergesellschaft sein, der chinesische Kapitalismus aber sei eine
Domäne der Frauen: "Viele der heutigen Startups in China wurden von Frauen um die dreißig gegründet, und ich kenne viele Firmen, in denen nur Frauen arbeiten. Jack Ma, der Gründer von
Alibaba, der mit den Plattformen
Taobao und
Alipay Zugang zu den Daten von einer Milliarde chinesischer Konsumenten hat, sagt, dass
Frauen die Zukunft der Wirtschaft sind. Ein aktueller Report behauptet, dass 79 Prozent aller Tech-Firmen in China mindestens eine Frau im Vorstand hat; in den USA liegt die Zahl bei 53 Prozent. Laut
Bloomberg bringen Frauen in China mehr als die Hälfte aller neuen Internet-Firmen an den Start. Es ist kaum vorstellbar, dass sich Männer verbünden könnten, um den Aufstieg von Frauen in der chinesischen Ökonomie zu stoppen. Je jünger die Kohorte, desto weniger scheinen Gender-Unterschiede eine Rolle zu spielen. Bei den Millenials kann man kaum noch Anzeichen männlicher Dominanz sehen. Männliche Pop-Idole entsprechen mit ihrem Unisex-Look dem 'Frischfleisch'-Style, bestimmt,
dem weiblichen Blick zu gefallen, aber unbewusst vielleicht auch, um femininer auszusehen - Mädchen sind in der Schule schließlich besser und cooler."
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liest Bob Woodwards Bericht aus dem Weißen Haus "Fear".