
Die
BBC muss laut Statut neunzig Prozent aller Zuschauer erreichen. Doch nachdem sie bereits die
Premier League verloren hat, droht ihr auch der Verlust der Rechte an Wimbledon oder David Attenboroughs Dokus. Und dann soll sie auch noch mit Netflix konkurrieren, das allein 2018
zwölf Milliarden Dollar für Inhalte ausgeben konnte. Mit 3,8 Milliarden Pfund kann die
BBC das nicht finanzieren,
räumt Owen Bennett-Jones ein. Andererseits leide der Sender auch eindeutig unter einem inkompetenten, überbezahlten Management - und viel
zu üppig ausgestatteten Redaktionen. Warum sollen dreißig Leute zum Weltwirtschaftsforum nach Davos? Hundert zum Staatsbegräbnis von Nelson Mandela? "Solche Exzesse sind nicht nur teuer, sondern kontraproduktiv. ... Gelegentlich erscheint auf den Bildschirmen neuer Mitarbeiter die Botschaft: 'Bitte nicht bei XY anrufen. Wenn sie noch einen Anruf von der
BBC bekommen, reden sie nie wieder mit uns.' Solche Probleme entstehen, weil jedes Programm über sein eigenes Budget verfügt. Das heißt, dass die
BBC niemals ihre Mittel in großem Maße einsetzen kann. Denn es bedeutet auch, dass für
BBC-Journalisten
die größte Konkurrenz immer die eigenen Leute sind. Typischerweise wird es ein Korrespondent, der für die Zehn-Uhr-Nachrichten einen amerikanischen Parteitag abdeckt, für
unter seiner Würde halten, einem anderen Magazin einen Bericht zu schicken.
Die ganze Hackordnung runter wird jeder Korrespondent seinen eigenen Status dadurch bestärken, dass er es ablehnt, in einem Programm zu erschienen, über das er sich erhaben fühlt, während er immer versuchen wird, in das nächst höhere zu kommen. Am unteren Ende werden
Radio Wales und Radio Schottland von Freien bedient, denen es egal ist, ob sie von 'Today' oder 'Good Morning Scotland' vierzig Pfund für drei Minuten bekommen. Weil jedoch nichts vertraglich festgelegt ist, sind die Grenzen permanent umkämpft und in Bewegung. Bei all diesem Gezerre wird kaum ein Gedanke daran verschwendet, was die anderen Medien machen. Für einen BBC-Korrespondenten ist es egal, ob ITV ein Interview mit jemandem bekommt. Wichtig ist allein, dass kein anderer aus der BBC es bekommt."
Weiteres: T.J Clark
preist in seinem sehr schönen Text die Ausstellung "Mantegna und Bellini", die jetzt noch in der
National Gallery in London und ab März in der
Gemäldegalerie in Berlin zu sehen sein wird. Und da er sich nicht unbedingt durch Besuchermassen hindurchkämpfen muss, wie er bemerkt, hat er Zeit, die "Darbringung Christi im Tempel" in der
zarten Version von Bellini und in der
lebensprallen von Mantegna zu vergleichen. John Lanchester
grübelt über die Frage, warum er viel lieber
Agatha Christie liest als
Margery Allingham and
Dorothy Sayers, die eigentlich die besseren Schriftstellerinnen waren. Sein Ergebnis: Deren Bücher funktionieren einfach nicht so gut: "Je höher das Maß an
Schriftstellerhaftigkeit desto größer ist das Risiko des Scheitern, genremäßig."