
Vor zwei Jahre wäre
Kapstadt beinahe
das Wasser ausgegangen, nachdem es vier Jahre nicht geregnet hatte. Seitdem liefert sich die Stadt eine Art furchtbares Rennen mit
São Paulo, Chennai und
Mexiko-Stadt. In weniger als fünf Jahren werden zwei Drittel der Weltbevölkerung unter Wassermangel leiden,
berichtet Rosa Lyster in einer Kontinente umfassenden Reportage: "Ich dachte immer, dass die Menschen es im übertragenen Sinne meinten, wenn sie sagten, Mexiko City versinke, oder dass diese Tatsache nur für Hydrologen oder Ingenieure sichtbar wäre. Aber nein:
Die Stadt sackt ab, während sie immer mehr Wasser aus immer tieferen Schichten hochpumpt, und droht in dem Lehmbett zusammenzustürzen, auf dem sie errichtet ist. Selbst wer nicht weiß, was ein
Grundwasserleiter ist, kann das sehen.
In der Kathedrale spürt man es: Der Boden wellt sich uneben, die Säulen neigen sich, und wenn man beim Gehen seine Augen schließt, fühlt man sich wie auf einem Boot. 2016 spracht Papst Franziskus zu den mexikanischen Bischöfen. Er ermahnte sie, den Drogenhandel anzuprangern und den Gemeinden dabei zu helfen, 'den Fluten zu entkommen, in denen so viele ertränken'. Gewalt wird oft auf diese Art beschrieben, aber diese Worte tönen leer in einem Gebäude, das in einer Stadt untergeht, die sich
zu Tode trinkt. Es gibt unzählige Straßen mit schiefen Häusern, Geschichten von wegsackenden Grundschulen, in Itztapalapa wurde eine Kind von einem Senkloch verschluckt. Das sollte nirgendwo passieren, aber wirklich nicht in Mexiko-Stadt, wo es
an mehr Tagen im Jahr regnet als in London. Die ursprünglichen
Aztekenstadt Tenochtitlan wurde auf einer Insel in der Mitte eines Sees erbaut, umgeben von weiteren Seen. Bevor Cortés begann sie trockenzulegen und die Stadt für immer verwandelte, war sie so etwas wie ein
Süßwasser-Venedig. In Zeiten des Klimawandels kann man das nicht mit aller Sicherheit sagen, aber Mexiko ist nicht Kapstadt. Es regnet dort viel, und der Regen wird direkt in das Abwassersystem kanalisiert. Das Problem ist nicht Wasserknappheit, sondern
Missmanagement, schlechte Infrastruktur und Ungleichheit."
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Jair Bolsonaro stürzt mit seiner Strategie, Donald Trump auch in der Corona-Krise alles nachzumachen ("Affe sehen, Affe tun"), das Land ins totale Chaos,
stöhnt Forrest Hylton: Das Parlament opponiert, die Gouverneure meutern, die Ökonomie stürzt ins Bodenlose: Vier Fünftel der Bevölkerung verdienen ihr Gelf in der
informellen Ökonomie. Mit Begeisterung und großem Vergnügen
liest Julian Barnes die versammelten Attacken von
J.
K.
Huysmans auf die moderne Kunst des 19. Jahrhundert