
Francis Gooding
liest mit angehaltenem Atem
Tim Flannerys Frühgeschichte Europas, die bis in die Kreidezeit zurückreicht, als der Kontinent
ein Archipel und von Dinosaurier bevölkert war. Ein paar Meteoriteneinschläge, Temperaturschwankungen und Kontinentdrehungen später entwickelten sich die Neanderthaler, von denen wir so wenig wissen, obwohl sie etwa in der
Höhle von Bruniquel faszinierende Steinkreise hinterließen: "
Unsere nächsten Verwandten, und die letzte andere menschliche Spezies, mit der wir den Planeten teilten, sind uns noch immer ein 'tiefes Rätsel', schreibt Flannery. Nach ihrer Auslöschung in Westeuropa vor ungefähr 39.000 Jahren waren wir allein.' Was ist mit ihnen passiert? Es gibt wenig konkrete Beweise, aber wie auch bei den Miniaturelephanten des Mittelmeers lautet die Antwort wahrscheinlich, dass ihnen der Homo Sapiens passierte. Vielleicht gab es Konkurrenz um Nahrung und Habitat, vielleicht Krankheiten oder Krieg und Vernichtung. Außer Zweifel steht, dass es enge Kontakte zwischen beiden Spezies gab, denn was auch sonst geschehen sein mag, wir wissen, dass es erfolgreiche Kreuzungen gab. Tatsächlich scheint es, als wäre eine hybride Bevölkerung aus der Sapiens-Neanderthaler-Vereinigung hervorgegangen, die die ursprünglichen Neanderthaler ersetzte. Fossile menschliche Überreste aus ganz Europa legen nahe, dass in den ersten 25.000 Jahren der menschlichen Besiedelung alle Europäer auf diese ersten Hybride zurückgeführt werden können und ungefähr
sechs Prozent Neanderthal-DNA in sich tragen. Flannery nennt sie 'Bastarde' und fragt sich, ob Wissenschaftler, hätte es sie damals gegeben, 'Europäer als eine neue hybride Spezies klassifiziert hätten'. Hybridität, Immigration, Transformation: Das natürliche Europa ist für Flannery am stabilsten in seiner Wandelbarkeit, am reinsten in seiner Gemischtheit. Es ist die
Mutter der Metissage, ein Schmelztiegel der Kreuzungen, in dem Frösche, Elefanten, Vögel, Huftiere, Menschen und andere sich erfolgreich mit ihren nahen Verwandten mischten."
Die Tories konspirieren langsam, aber handeln schnell,
lernt David Runciman von
Charles Moore, der nun den dritten Teil seiner
Margaret-Thatcher-Biografie vorlegt, in dem es vor allem um den Sturz der britischen Premierministerin ging. Ihr eigenes Kabinett drängte sie zum Rücktritt, um
Michael Heseltine Parteirevolte zu ersticken und stattdessen John Major als Premier zu installieren: "Es war, wie Moore es ausdrückt, 'eine Verschwörung in der Tradition des Tory-Establishments - hier entschloss sich nicht ein kleiner Kreis von Extremisten zum politische Mord, sondern ein größerer, locker Verbundener Männerclub wollte an seinen Gewohnheiten festhalten'. Sie litten unter ihrer
unaufhörlichen Kampfeslust und ihrem
Appetit auf Veränderung. Schlimmer noch, sie glaubten, dass sie unter Thatcher niemals die Chance bekämen, die Dinge auf ihre Art zu erledigen. Eineinhalb Jahre später standen Wahlen an, und wenn sie die verlöre, verbrächten sie die beste Zeit ihres politischen Lebens in der Opposition. Andererseits stünden, wenn Heseltine gewänne, die meisten von ihnen völlig im Regen. 'Die
Stammesältesten, aber eigentlich auch die führenden jungen Parteimitglieder, wollten ein ruhiges Leben und ein gemeinsames Fortkommen. Sie arbeiteten dafür im Geheimen, diskret und
ohne leninistische Klarheit in Bezug auf die Mittel.' Thatcher betrachtete dies später als '
Verrat - mit einem Lächeln im Gesicht'. So sahen sie es gewiss nicht, auch wenn sich viele von ihnen schuldig fühlten. Sie glaubten einfach, dass das Spiel manchmal so gespielt werden müsste."