Karl Ove Knausgard

Kämpfen

Roman
Cover: Kämpfen
Luchterhand Literaturverlag, München 2017
ISBN 9783630874159
Gebunden, 1280 Seiten, 29,00 EUR

Klappentext

Aus dem Norwegischen von Paul Berf und Ulrich Sonnenberg. Die Rücksichtslosigkeit anderen - aber vor allem sich selbst gegenüber. Die Radikalität des Ansatzes. Die schwindelerregenden Wechsel zwischen kleinsten Details und großen Gedanken. Die essayistischen Passagen zu Themen der Kunst- und Literaturgeschichte. Und diesmal auch: die Schilderung einer Krankheit und Ehekrise.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 24.05.2017

Für Rezensent Ulrich Greiner ist der nunmehr letzte Band die Krönung von Karl-Ove Knausgards "monströsem" Selbstbespiegelungs-Epos. Der Kritiker liest in diesem Band, der ihm auch eine "skrupulöse Rückschau" des Autors liefert, wie Verwandte von Knausgard auf die Entblößung der Intimitäten reagierten. Fasziniert folgt er auch den Begründungen dieser "Poetik des Autobiografischen", die Knausgard von Peter Handke über Paul Celan bis zu Hitler führen, dessen "Mein Kampf" er mit Zeitzeugen wie Victor Klemperer konfrontiert und durch Lektüre von Ernst Jünger, Martin Heidegger, Stefan Zweig oder Giorgio Agamben zu verstehen versucht. Und so hofft der Kritiker, dass Knausgard sein radikal "naives Wissen- und Ergründenwollen" und das glänzende Vermögen, Menschen und Situationen plastisch werden, nun in neue Werke einfließen lassen wird.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.05.2017

Also Keel fühlt sich beglückt mit Karl Ove Knausgards sechstem und letztem Band seines autobiografischen Romanprojekts. Das Buch setzt die Lektüre der anderen Bücher voraus, schreibt Keel, und schildert Knausgards Leben als Autor, Ehemann und dreifacher Vater in Malmö. Darüber hinaus gibt der Band Keel Einblicke in die Ehekrise der Knausgards und zwar derart intim, dass es den Rezensenten zum Nachdenken über die Rolle realer Personen als Romanfiguren anregt. Der Autor bewegt sich an der Grenze zwischen Faktizität und Fiktion, meint Keel nachdenklich. Allerdings stellt er auch fest, wie Knausgards Schreiben seinen Drive verliert, sobald der Autor, wie in dem im Roman enthaltenen Essay "Der Name und die Zahl", die Reflexion von der Lebenswirklichkeit ablöst.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 22.05.2017

Das klingt nach enttäuschter Liebe - buchstäblich, denn Rezensentin Hanna Engelmeier vergleicht ihre Knausgard-Lektüreerfahrung mit einer Verliebtheit, die der Leserin plötzlich den Alltag einer ganz anderen, bis dahin unbekannten Person verzauberte. Genau so lasen sich für sie die früheren Bände des monumentalen Projekts: als Einblick in ein "Durchschnittsleben mit Durchschnittsglück und -unglück". Was Engelmeier dem letzten Band übelnimmt, ist, dass sich Knausgard nun zuguterletzt mit einem eingestreuten Essay von 500 Seiten - knapper ging's nicht - in den literarischen Kanon einreihen will und sich außerdem noch an Hitlers Machwerk "Mein Kampf" abarbeitet, das nicht ganz zufällig den gleichen Titel trägt wie sein eigenes Monumentalwerk. Diese Abhandlung kommt Engelmeier aufdringlich und abgeschmackt vor. So ist es für die Rezensentin am Ende erleichternd, dass es mit den 3.600 Seiten Knausgard nun wirklich vorbei ist.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 20.05.2017

Muss man den letzten Teil von Karl Ove Knausgards autobiografischem Mammutprojekt wirklich lesen?, fragen sich die Rezensenten Phillip Haibach und Mara Delius. Unbedingt, jauchzt Haibach glücklich, denn Knausgard verspricht auch in diesem 1200-Seiten-Brocken wieder süffige Lektüre, die angenehm vor sich "hinplätschert" und doch immer wieder ebenso "schöne" wie "kluge" Gedanken hervorbringt, die immer wieder variiert, gesteigert oder dekonstruiert werden. Das ist "meditative Prosa" vom Feinsten, verspricht der Kritiker, der ohnehin alle Bände immer wieder lesen könnte, um mit Knausgard zu lieben, zu leben, zu träumen, zu sterben oder zu kämpfen.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 20.05.2017

Rezensentin Mara Delius kann die Knausgard-Begeisterung ihres "Welt"-Kollegen Phillip Haibach nicht nachvollziehen. Die "Autofiktionsnummer" mag der norwegische Schriftsteller zwar beherrschen, meint die Kritikerin. Während der Lektüre der von Knausgard-Fans als Hyperrealismus gepriesenen, ewig langen Schilderungen von Einkaufslisten, Windelwechseln und Silberfischen stellt sich bei Delius statt Sogkraft allerdings nur pure Erschöpfung ein. Und dass in diesem "künstlerisch bräsigen" Literaturprojekt formal ebenso wenig passiert wie inhaltlich, macht es für die Rezensentin wahrlich nicht besser. "Öde Pseudoauthentizität" eines "emsigen Egoliteraten", schimpft sie.
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