Karl Ove Knausgard

Kämpfen

Roman
Cover: Kämpfen
Luchterhand Literaturverlag, München 2017
ISBN 9783630874159
Gebunden, 1280 Seiten, 29,00 EUR

Klappentext

Aus dem Norwegischen von Paul Berf und Ulrich Sonnenberg. Die Rücksichtslosigkeit anderen - aber vor allem sich selbst gegenüber. Die Radikalität des Ansatzes. Die schwindelerregenden Wechsel zwischen kleinsten Details und großen Gedanken. Die essayistischen Passagen zu Themen der Kunst- und Literaturgeschichte. Und diesmal auch: die Schilderung einer Krankheit und Ehekrise.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.06.2017

Rezensent Matthias Hannemann weiß um den Zwiespalt zwischen Spannung und Abneigung angesichts von Karl Ove Knausgards monumentaler Selbstentblößung, deren vorerst letzter Band jetzt auf Deutsch vorliegt. Hannemann liest die Abschnitte im Buch, die sich mit der Bedeutung unverfälschter Namen befassen, mit dem Holocaust und mit Hitler nicht immer frei von mulmigen Gefühlen. Doch er begreift das Buch als intellektuelles Abenteuer und Roman und achtet es, wenn sich der Autor auf das "schwierige Feld" der Einfühlung begibt oder die Idee hinter seinem Projekt noch einmal bedenkt. Letzteres macht den Band für den Rezensenten vor allem anderen interessant: die Auseinandersetzung mit dem eigenen Werk.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.06.2017

Burkhard Müller kommt aus dem ehrfurchtsvollen Staunen gar nicht raus. Der sechste und letzte Band von Karl Ove Knausgards autobiografischem Projekt, bei dem es laut Rezensent wieder darum geht, den Begriff des Banalen zu vernichten, das Schnullerhafte an einem Schnuller und damit das Geheimnisvolle der Welt zu erfassen, dokumentiert den Durchbruch des Schriftstellers Knausgard und dessen Ärger mit der Familie. Das wird nicht langweilig, versichert Müller, der die Originalität des Denkens dieses Autors noch in jedem Satz über die Verwendung eines Ajax-Putzmittels, über die Lektüre von Celan, Peter Handke oder auch Adolf Hitler entdecken kann. Eine Quintessenz findet Müller aber auch in diesem Band nicht. Dafür ist das Werk zu facettenreich, meint er.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 02.06.2017

Christian Bos ist Zeuge, wie Karl Ove Knausgard sich bis aufs Letzte entblößt. Es ist die Hölle, meint er, nachdem er lesen musste, was die Suche nach Wahrhaftigkeit dem Autor beschert hat: nichts als Leid und Ärger. Und erst den anderen! Dass Knausgards "schön geschachtelten" Sätze vor allem Banalitäten beschreiben, scheint Bos da zweitrangig. Oder doch nicht? Schließlich steckt dahinter ziemlich viel Kunstfertigkeit, meint er. Im letzten Band des Projekts nun leckt der Autor seine Wunden, laut Bos unter anderem in einem 500-seitigen Essay über Celan und Hitlers "Mein Kampf". Darin steckt nicht weniger als die Poetologie von Knausgards Werk, weiß der Rezesent.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 24.05.2017

Für Rezensent Ulrich Greiner ist der nunmehr letzte Band die Krönung von Karl-Ove Knausgards "monströsem" Selbstbespiegelungs-Epos. Der Kritiker liest in diesem Band, der ihm auch eine "skrupulöse Rückschau" des Autors liefert, wie Verwandte von Knausgard auf die Entblößung der Intimitäten reagierten. Fasziniert folgt er auch den Begründungen dieser "Poetik des Autobiografischen", die Knausgard von Peter Handke über Paul Celan bis zu Hitler führen, dessen "Mein Kampf" er mit Zeitzeugen wie Victor Klemperer konfrontiert und durch Lektüre von Ernst Jünger, Martin Heidegger, Stefan Zweig oder Giorgio Agamben zu verstehen versucht. Und so hofft der Kritiker, dass Knausgard sein radikal "naives Wissen- und Ergründenwollen" und das glänzende Vermögen, Menschen und Situationen plastisch werden, nun in neue Werke einfließen lassen wird.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.05.2017

Also Keel fühlt sich beglückt mit Karl Ove Knausgards sechstem und letztem Band seines autobiografischen Romanprojekts. Das Buch setzt die Lektüre der anderen Bücher voraus, schreibt Keel, und schildert Knausgards Leben als Autor, Ehemann und dreifacher Vater in Malmö. Darüber hinaus gibt der Band Keel Einblicke in die Ehekrise der Knausgards und zwar derart intim, dass es den Rezensenten zum Nachdenken über die Rolle realer Personen als Romanfiguren anregt. Der Autor bewegt sich an der Grenze zwischen Faktizität und Fiktion, meint Keel nachdenklich. Allerdings stellt er auch fest, wie Knausgards Schreiben seinen Drive verliert, sobald der Autor, wie in dem im Roman enthaltenen Essay "Der Name und die Zahl", die Reflexion von der Lebenswirklichkeit ablöst.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 22.05.2017

Das klingt nach enttäuschter Liebe - buchstäblich, denn Rezensentin Hanna Engelmeier vergleicht ihre Knausgard-Lektüreerfahrung mit einer Verliebtheit, die der Leserin plötzlich den Alltag einer ganz anderen, bis dahin unbekannten Person verzauberte. Genau so lasen sich für sie die früheren Bände des monumentalen Projekts: als Einblick in ein "Durchschnittsleben mit Durchschnittsglück und -unglück". Was Engelmeier dem letzten Band übelnimmt, ist, dass sich Knausgard nun zuguterletzt mit einem eingestreuten Essay von 500 Seiten - knapper ging's nicht - in den literarischen Kanon einreihen will und sich außerdem noch an Hitlers Machwerk "Mein Kampf" abarbeitet, das nicht ganz zufällig den gleichen Titel trägt wie sein eigenes Monumentalwerk. Diese Abhandlung kommt Engelmeier aufdringlich und abgeschmackt vor. So ist es für die Rezensentin am Ende erleichternd, dass es mit den 3.600 Seiten Knausgard nun wirklich vorbei ist.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 20.05.2017

Muss man den letzten Teil von Karl Ove Knausgards autobiografischem Mammutprojekt wirklich lesen?, fragen sich die Rezensenten Phillip Haibach und Mara Delius. Unbedingt, jauchzt Haibach glücklich, denn Knausgard verspricht auch in diesem 1200-Seiten-Brocken wieder süffige Lektüre, die angenehm vor sich "hinplätschert" und doch immer wieder ebenso "schöne" wie "kluge" Gedanken hervorbringt, die immer wieder variiert, gesteigert oder dekonstruiert werden. Das ist "meditative Prosa" vom Feinsten, verspricht der Kritiker, der ohnehin alle Bände immer wieder lesen könnte, um mit Knausgard zu lieben, zu leben, zu träumen, zu sterben oder zu kämpfen.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 20.05.2017

Rezensentin Mara Delius kann die Knausgard-Begeisterung ihres "Welt"-Kollegen Phillip Haibach nicht nachvollziehen. Die "Autofiktionsnummer" mag der norwegische Schriftsteller zwar beherrschen, meint die Kritikerin. Während der Lektüre der von Knausgard-Fans als Hyperrealismus gepriesenen, ewig langen Schilderungen von Einkaufslisten, Windelwechseln und Silberfischen stellt sich bei Delius statt Sogkraft allerdings nur pure Erschöpfung ein. Und dass in diesem "künstlerisch bräsigen" Literaturprojekt formal ebenso wenig passiert wie inhaltlich, macht es für die Rezensentin wahrlich nicht besser. "Öde Pseudoauthentizität" eines "emsigen Egoliteraten", schimpft sie.
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