
Angesichts der nach Europa drängenden Flüchtlinge wird sich
Polen an
mehr Vielfalt gewöhnen müssen,
meint der Soziologe Alexander Smolar und erinnert in einem ausführlichen Interview daran, dass
Homogenität in Mitteleuropa nicht die historische Regel ist: "Polens Homogenität - ethnisch, national, kulturell, religiös - machte den Transformationsprozess viel einfacher. Es gab nicht die Konflikte wie in anderen Ländern, die einen Großteil der politischen Energien aufbrauchten und notwendigen Wandel verhinderten.
Jugoslawien ist zum Beispiel mit dem Ende des Kommunismus in einen grauenvollen Konflikt getaumelt, obwohl es zu dem Punkt viel weiter war als Polen, viel westlicher und ökonomisch enger mit dem Westen verbunden. Polens Homogenität ist ein Resultat von
Millionen Toten und der erzwungenen Migration von noch mehr Millionen. All diese unvorstellbaren Tragödien haben einen undeutlichen, doch starken Makel auf dem kollektiven Gewissen hinterlassen. Unser Land ist
kulturell verarmt, was sich in einer wachsenden Nostalgie zeigt, doch das alte Polen ist für immer verschwunden."
"Was sich hier noch bewegt, ist
blanke Zukunftsangst",
seufzt Robert Menasse beim Blick auf ein ermüdetes Europa, das sein perspektivisches Ziel und seinen "historischen Vernunftgrund", die
Überwindung des Nationalismus, völlig aus dem Blick verloren habe: "Wäre François Hollande imstande, Mitterands Satz "Le nationalisme c"est la guerre" frei heraus zu sagen? Würde es Angela Merkel wagen, den Satz von Walter Hallstein "Das Ziel ist die Überwindung der Nationen" zumindest zu buchstabieren? Zwar kann jeder auf die Frage "Was ist die EU?" im Schlaf mit "
Friedensprojekt!" antworten, gähnen und weiterschlafen, aber diese Antwort ist weniger als die halbe Wahrheit. Die ganze Wahrheit war, ist und bleibt: "Sicherung von nachhaltigem Frieden durch die Überwindung der Nationen und Schaffung eines nachnationalen Europa.""
Burkhardt Wolf schließlich
rekonstruiert, wie der
Vietnamkrieg den
hors-champ, den Erzähler aus dem Off, ins politische Kino brachte: "Godards Kino stellt ein politisches
cinéma verité in dem Sinne dar, dass es nicht zur Manifestation politischer Wahrheiten dient, sondern vielmehr "die
Wahrheit des Kinos" manifestiert, indem es das Imaginäre der Bilder auf deren Ungedachtes hin überschreitet. Oder anders gesagt: Um "wahre" und in diesem Sinne "politische" Filme zu machen, muss vom Bildfeld ein Bezug zum hors-champ gestiftet werden. Der
hors-champ beschränkt sich dabei nicht auf den kritischen Off-Kommentar. Ganz allgemein kann man ihn als das (noch)
nicht sichtbare Feld jenseits des Bildkaders bestimmen."