
Vor eine Woche hat
Adam Zagajewski den Jean-Améry-Preis für Essayistik erhalten, ohne dass es die deutsche Öffentlichkeit allzusehr interessiert hätte (immerhin hat ihn der
Tagesspiegel interviewt, unser
Resümee).
Eurozine bringt einen kurzen, höchst aktuellen
Essay Zagajewskis, der zeigt, wie sehr der Lyriker und Essayist den Améry-Preis verdient hat. Zagajewski analysiert hier die beiden Seelen in der Brust europäischer Intellektueller -
Aufklärung und Romantik - als widerstreitende Tendenzen. Beiden gesteht er Legitimität zu, allerdings blicken wir heute eher in die
Fratze des Romantizismus mit seiner Tendenz zu Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit: "Ich muss zugeben, dass ich viele Argumente der Verteidiger des 'alten Europa' verstehen kann, wenn auch nicht alle. Es ist eine sehr
komplexe Ideenschlacht, die nicht auf das einfache Schema 'Fortschritt versus Reaktion' reduziert werden kann. Selbst heute kann dieser Clash der Ideen nicht ignoriert werden, und sei es, weil er Generationen von Intellektuellen geprägt hat. Ich kann die Argumente der Autoren verstehen, die das Schwinden der Religion, den Verfall der Fantasie, die Tendenz, Menschen als rein biologische Wesen zu sehen, beklagen. Allerdings würde ich das
Erbe der Aufklärung niemals völlig zurückweisen. Es scheint, dass wir Europäer unfähig bleiben, die beiden Hauptelemente unserer Erfahrung zu vereinbaren, das des Tages und das der Nacht, das der im Common Sense begründeten Handlung und das der ekstatischen Poesie."
Eurozine war Partner des Améry-Preises und stellt aus diesem Anlass einen ganzen Strauß lesenwerter Texte zusammen, die für den Preis nominiert waren.
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