Projekt des Künstlers und Kurators Enotie Paul Ogbebor zu den Benin-Bronzen. Foto: Grassi Museum
Marc Reichwein besucht für die Welt das Leipziger Museums für Völkerkunde (Grassi Museum) und seine Chefin Léontine Meijer-van Mensch, die wie viele andere gerade versucht, die ethnologischen Sammlungen neu zu erfinden. Zum Beispiel mit einer Ausstellung von sieben Benin-Bronzen "im Rahmen des Großprojekts mit dem etwas sperrigen Titel 'Reinventing Grassi.SKD'", die für die Idee steht, Objekte aus der ethnologischen Sammlung in Zusammenarbeit mit einem Künstler oder Kurator aus dem jeweiligen Kulturkreis zu präsentieren. Hier ist es der nigerianische Künstler Enotie Paul Ogbedor, der im Grassi Museum "einen gelungenen Dialograum geschaffen" hat, so Reichwein. "In farbsatten Gemälden hat er sich von den prachtvollen historischen Bronzen inspirieren lassen. In seiner Zusammenschau erfährt man etwas über die Rolle der Frauen in Benin, aber auch über christliche Überschreibungen. Im heutigen Nigeria, erläutert Ogbedor, bestehe die Neigung, Benin-Bronzen als bloße Fetisch-Objekte oder gar Götzenbilder zu diskreditieren. Deutlich wird, dass jedes Kulturgut stets durch den Ort und die Gesellschaft, die es betrachtet, mit markiert wird."
Andreas Platthaus wiederum ist für die FAZ nach Halle gereist, wo der Kunstverein Talstraße eine Ausstellung der Fotografin Helga Paris präsentiert. Sie und ihr Mann Ronald "gehörten zur Künstlerszene in Prenzlauer Berg, enge Freundschaften pflegte Helga Paris besonders zu Schriftstellerinnen wie Elke Erb, Christa Wolf und Sarah Kirsch. So entstanden Fotos, die nicht nur Lebensumstände dokumentieren, sondern auch Lebensschwierigkeiten. Und persönliche Zuneigung. ... Rund sechzig Aufnahmen bilden den Ausgangspunkt der Schau, doch sie sind leider erst am Ende des Parcours versammelt, im zweiten Obergeschoss. Dort entfaltet sich ein Panoptikum unangepasster DDR-Kunst mit Protagonisten wie Heiner Müller, Cornelia Schleime, Helmut Brade, Günter de Bruyn, Katja Lange-Müller, Carlfriedrich Claus, Ursula Scheib, Adolf Endler oder Bert Papenfuß und an Schauplätzen wie dem Atelier von Hans Scheib oder dem Salon von Ekkehard Maaß. Immer wieder in Gruppenbildern dabei übrigens Sascha Anderson - wie als Mahnung, dass es in der DDR keine geschützten Bereiche gab."
Weitere Artikel: In der FRschreibt Ingeborg Ruthe über Max Beckmanns Gemälde "Geburt" (1937), das man in der Neuen Nationalgalerie Berlin sehen kann. Im Tagesspiegelstellt Lars von Törne die Moskauer Künstlerin Victoria Lomasko vor, die nach dem Angriff auf die Ukraine ins Exil ging. In der NZZschreibt Tobia Bezzola einen großen Nachruf auf den Künstler Franz Gertsch. In der tazschreibt Sebastian C. Strenger zum Tod der Künstlerin Dorothy Iannone.
Besprochen werden die Ausstellung ""Susanna - Bilder einer Frau vom Mittelalter bis MeToo" im Kölner Wallraf-Richartz-Museum (taz) und Katy Hessels Kunstgeschichte "The Story of Art Without Men" (Standard).
Albrecht Dürers "Apokalyptische Reiter" aus Die Apokalypse des Johannes (Blatt 5), 1511. Kunstmuseum St. Gallen
Das Kunst Museum Winterthur hatte seine Ausstellung über "Kunst und Krieg" schon vor dem Überfall Russlands auf die Ukraine geplant. Die ungewollte Aktualität trifft die NZZ-Kritikerin Maria Becker jetzt wie ein Schlag: "Wir können nicht mehr sehen ohne die medialen Bilder im Hinterkopf. Das Zusammentreffen mit der Realität wirkt beklemmend. Es ist, als ob sich etwas Unvorhergesehenes plötzlich krass bewahrheiten wollte. Das Geschehen in der Ukraine, das wie eine Auferstehung des Kriegs aus unserer jüngeren Historie anmutet, erscheint aus der Distanz unwirklich. Doch wir wissen: Es ist so real wie ein Bombenkrater. Besonders verstörend ist, dass die Greuel in den Grafiken von Goya und Callot sich in den Bildern der Kriegsverbrechen in der Ukraine spiegeln. Es ist nicht der virtuelle Krieg wie in den Videos von Harocki, der sich in Gesichtern von gamenden Soldaten und traumatisierten Veteranen abzeichnet. Es sind die Bilder aus der Zeit vom 17. bis zum 19. Jahrhundert, die auferstanden sind: Die gleiche Grausamkeit und Verrohung und die gleiche Abstumpfung vor dem Tod. Der Krieg mache mehr Menschen böse als er töte, hieß es in der Antike. In der Ukraine zeigt er sein uraltes Gesicht."
Weitere Artikel: Reza Afisina und Iswanto Hartono von Ruangrupa, jetzt an der Hochschule für bildende Künste Hamburg unterrichtend, lassen im Interview mit der Zeit jede Kritik an sich und der Documenta abperlen als wären sie aus Teflon. "Zeit: Sie sagen, dass Sie BDS nicht unterstützen, haben aber einen Letter Against Apartheid unterschrieben, der dazu aufruft, wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen mit Israel zu beenden. Hartono: Wir unterstützen keine Form der Apartheid und keine Form des Boykotts." Johanna Adorján schreibt in der SZ zum Tod der Pariser Galeristin Suzanne Tarasieve. Ingeborg Ruthe schreibt zum Tod der Malerin Dorothy Iannone (BlZ).
Besprochen werden die Helen-Frankenthaler-Ausstellung im Essener Folkwang Museum (allerschönste "Farbfeldmalerei" und ein "Flow von Klarheit und Leichtigkeit" begeistern FAZ-Kritiker Georg Imdahl) und die Ausstellung "Hamburg und Tirol - Eine Alpenfreundschaft?" im Museum am Rothenbaum (Standard).
Juan Francisco Elso: Por América (José Marti), 1986. Foto: Museo del Barrio Hellauf begeistert kommt Holland Cotter aus einer Retrospektive des 1988 mit nur 32 Jahren verstorbenen kubanischen Künstlers Juan Francisco Elso im New Yorker Museo del Barrio, die für ihn - kurz vor Schluss - noch zu einer der besten Ausstellungen des Jahres aufstieg. Eine fantastische Entdeckung, meint Cotter in der New York Times, ihr Herzstück sei die Skulptur "Por América (José Martí)": "Als Hommage an José Marti, den antikolonialistischen kubanischen Helden und Schriftsteller des 19. Jahrhunderts, der 'Amerika' als eine noch zu verwirklichende soziale Utopie, transkulturell und transhemisphärisch, begriff, besteht die Skulptur aus einer einzigen holzgeschnitzten, glasäugigen männlichen Figur. Der etwa 1,50 Meter große Mann schien mitten im Schritt gefangen zu sein, als sei er erschöpft oder betäubt. Seine blasse Haut ist mit braunem Schlamm verschmiert. Sein Oberkörper und seine Gliedmaßen sind von blumenförmigen Pfeilen durchbohrt, die auch den Boden zu seinen Füßen durchstießen. In der rechten Hand trägt er eine aufrecht stehende Machete, eine potenzielle Waffe, die hier auch an eine Fackel und eine Märtyrerpalme erinnert (er starb 1895 im Kampf für die Unabhängigkeit Kubas von Spanien). Elso kombinierte die Attribute eines christlichen Heiligen, einer afrikanischen Geisterfigur, eines politischen Denkmals und eines Selbstporträts des Künstlers und stellte Marti als ein Gespenst auf dem Marsch dar, eine Verkörperung der Verletzlichkeit als Macht."
Besprochen werden neuangekaufte Werke der Bundeskunstsammlung im Chemnitzer Museum Gunzenhauser (die taz-Kritikerin Sarah Alberti zufolge vor allem vom Leben in der postmigrantischen Gesellschaft erzählen) , die große Rosemarie-Trockel-Ausstellung im Frankfurter MMK (die SZ-Kritiker Till Briegleb auch als "Einspruch gegen gesellschaftliche Konventionen und sture Herrschaft" versteht), eine Ausstellung über die asketische Religion des Dschainismus im Zürcher Museum Rietberg (NZZ), die Ausstellung "Susanna: Bilder einer Frau vom Mittelalter bis MeToo" im Kölner Wallraff-Richartz-Museum (FAZ) und die Schau des Filmkünstlers Julian Rosefeldt in der Völklinger Hütte (Zeit).
Außerdem: In der SZ erzählt Johanna Adorjan die Geschichte von Babubhai Prajapati, der in Gujarat im Westen Indiens eine riesige Herde Votivpferde töpfert und von denen einige dank der Kunsthistorikerin Katharina Koppenwallner nun in Europa gezeigt werden.
Besprochen werden zwei Werke von Max-Beckmann in der Ausstellung "Kunst der Gesellschaft 1900-1945" in der Berliner Neuen Nationalgalerie (Berliner Zeitung), die Version des 1945 verschollenen Wandbildes "Auferstehung", das die Künstlerin Rebecca Raue für eine Kapelle der Nikolaikirche gemalt hat (FR), eine elektro-akustische Installation von Haroon Mirza in der Berliner Galerie Max Goelitz (Tagesspiegel), die Ausstellung "Gego. Lines in Space" mit Werken der Bildhauerin Gertrud Goldschmidt in der Pariser Galerie LGDR (Welt) und die große Rosemarie-Trockel-Ausstellung im Frankfurter Museum für Moderne Kunst (FAS).
Korrektur vom 5. Januar 2023: Wir hatten ursprünglich geschrieben, Ndikung wolle erst in sechs Monaten mit der Presse sprechen. Richtig ist: "im nächsten Jahr".
Bernd Scherer, Intendant des Hauses der Kulturen der Welt, geht in den Ruhestand. Zum Jahreswechsel übernimmt seinen Posten Bonaventure Soh Bejeng Ndikung. Der will mit der Presse aber erst im nächsten Jahr sprechen. Zu spät, findet Claudius Seidl in der FAZ, der gern mit Ndikung über dessen Sympathie für den BDS gesprochen hätte. Andererseits könnte das auch sehr unergiebig sein, weil Ndikung vor allem ein großer Künstler des Whataboutism ist, so Seidl: "Wenn es um die Menschen geht, die aus Afrika nach Europa fliehen, richtet sich Ndikungs Protest, zu Recht, gegen die, die sie nicht hereinlassen wollen. Von denen, die sie vertrieben haben, ist aber nie die Rede. Nein, jenseits von Europa und Nordamerika gibt es nur einen Staat, gegen den sein Engagement und Aktivismus sich richten, und das ist Israel. Neulich, in einem Interview mit der Jüdischen Allgemeinen hat Ndikung, dem wegen eines acht Jahre alten Facebook-Posts Antisemitismus vorgeworfen worden war, sich von der (eher linken) antisemitischen Boykottbewegung BDS distanziert. Um im nächsten Satz schnell den rechtsextremen Antisemitismus zu verdammen. Er hat die antisemitischen Bilder auf der Documenta verurteilt. Um im nächsten Satz darauf zu weisen, dass das betreffende Banner auch 'schwarzenfeindliche Tropen' zeige."
"Innovations-Pathos mit radikaler Folgenlosigkeit", wie sie Seidl Ndikung bescheinigt, beherrscht perfekt auch dessen Vorgänger Scherer, der im Interview mit dem Tagesspiegel zu erklären versucht, warum im Haus der Kulturen alles stattfindet, nur keine Kunst. Das aber mit viel "künstlerischer Sensibilität". Ndikung selbst wehrt sich gegen Vorwürfe der Israelfeindlichkeit, berichtet der Tsp mit dpa.
Weitere Artikel: Sabine Seifert schildert in einer taz-Reportage die Hintergründe zum Streit um den Naumburger Dom, dem wegen eines neuen Altarbildes der Verlust des Unesco-Welterbetitels drohen soll. In der Berliner Zeitungschreibt Ingeborg Ruthe den Nachruf auf Maya Widmaier-Picasso, die Diplomatin der Familie. Zum Tod des Schweizer Malers Franz Gertsch schreiben Kerstin Stremmel in der NZZ und Stefan Trinks in der FAZ.
Besprochen werden drei Ausstellungen über die Wechselwirkung zwischen Werbegrafik und Kunst beim Steirischen Herbst in Graz (Standard), die Parfüm-Ausstellung "Le Grand Numéro Chanel" im Grand Palais Éphémère in Paris (BlZ), Mischa Kuballs Konzeptkunstwerk "nolde/kritik/documenta" im Fridericianum in Kassel (taz), die Ausstellung "George Grosz reist nach Sowjetrussland" im Kleinen Grosz Museum in Berlin (FAZ) und die Ausstellung "Susanna. Bilder einer Frau vom Mittelalter bis MeToo" im Wallraf-Richartz-Museum in Köln (SZ).
Verwandtschaft war lange Zeit etwas, von dem man sich befreien musste, damit das moderne Ich zu sich selbst finden konnte. Das hat sich geändert, wie die Ausstellung "Sisters & Brothers. 500 Jahre Geschwister in der Kunst" in der Tübinger Kunsthalle. "Zerstörerische Emotionen" gibt es hier eher selten, notiert Alexandra Wach in der FAZ, während sie auf die sich zugeneigten Preußenschwestern Johann Gottfried Schadows oder die Fotos von Heinrich Kühn blickt, der seine Kinder mit "Weichheit ohne Süßlichkeit" zu porträtieren suchte: "Eine kritische Geometrie möglicher Konstellationen bricht erst unter den Zeitgenossen auf, denn sowohl der Erste Weltkrieg als auch die Zeit des Nationalsozialismus lassen die Vorstellung einer in der Not beschützenden Geschwisterzelle aufkommen, die Antagonismen nicht duldet. Selbst ein Otto Dix verfällt 1929 dem Trend und malt drei putzige Kleinkinder in harmlos verspielter Umarmung. Das Klischee der sich in Liebe zugeneigten Geschwister parodiert 2016 allerdings Cindy Sherman. Die US-Amerikanerin schlüpft in die Rolle vierer fiktiver Schwestern, allesamt Klone ihrer selbst, die keinerlei Platz für Konkurrenzdenken übrig lassen."
Weitere Artikel: Sören Kittel berichtet in der Berliner Zeitung weiter vom erfolgreichen Rechtsstreit des Galeristen Johann König gegen die Zeit, die gerade vergeblich versucht, sich gegen den Vorwurf des Rufmords zu wehren. Boris Pofalla reiste für die Welt in die texanische Wüste, um dort die Galerie von Max Hetzler im 1700 Einwohner großen Marfa zu besuchen. Steffi Pyanoe besucht für den Tagesspiegel den Fotografen Daniel Biskup. Christian Zaschke stellt in der SZ das neue Museum of Broadway in New York vor.
Leone che azzanna il cavallo. Hellenistsiche Skulptur. Foto: Musei Capitolini Überwältigt ist Welt-Kritiker Hans-Joachim Müller von der Schau "Recycling Beauty" in der Mailänder Fondazione Prada, die zeigt, wie die Römer bei den Griechen abkupferten und die Renaissance bei den Römern: "Wer durch Rom spaziert, entdeckt in den Renaissance-Mauern überall architektonische Einsprengsel aus der Zeit, als Rom noch Weltmacht war. Selbst Päpste und Kardinäle kannten keine Bedenken, die wenig schamhaften Venusfiguren, auf die man im Müll dunkler Jahrhunderte stieß, hochglanz reinigen zu lassen und sie in ihren Gemächern aufzustellen. Wobei das männliche Nacktpersonal - Apollo, Eros, Dionysos - vor allem den Malern allerbeste Anschauung bei schwierigen Körperaufgaben wie dem heiligen Sebastian lieferten. Überhaupt boten die fantastischen Schaustücke, die mit einem Mal zur Lebenseinrichtung der aufbrechenden Epoche gehörten, den Künstlern allerbeste Anschauung zeitloser Meisterschaft. Der marmorne Löwe, der sich im wehrlosen Pferd verbeißt, hat der Bildhauerei bis hin zu Meistern wie Donatello Anregungen geliefert."
Weiteres: Für die FAZ besucht Peter Kropmanns das neueröffnete Zentrum für Glasmalerei, die Cité du Vitrail, in Troyes. Im Monopolempfiehlt Alexandra Wach die Ausstellung zu Helen Frankenthaler "Malerische Konstellationen" im Essener Folkwang Museum.
Joshua Reynolds: Porträt des Omai, 1776 / Wikimedia Seit Wochen wird in Britannien um Joshua Reynolds lebensgroßes Porträt des Polynesiers Omai gerungen, eines der beliebtesten Werke der englischen Porträtmalerei, berichtet Gina Thomas in der FAZ. Lange gehörte es einem irischen Rennpferdzüchter, jetzt scheint er es verkauft und der unbekannte neue Eigentümer eine Exportlizenz beantragt zu haben: "Nach der Schätzung durch zwei von ihm beauftragte Sachverständige ist der Wert des Bildes auf fünfzig Millionen Pfund eskaliert, ein Betrag, der es für die meisten öffentlichen Institutionen unerschwinglich macht und im Handel einiges Stirnrunzeln verursacht hat. Das ist jedoch nun der Preis, der bis März 2023 aufgebracht werden muss, um 'Omai' für die britische Nation zu sichern. Die Londoner National Portrait Gallery behauptete vor einigen Monaten, knapp die Hälfte der Summe gesammelt und zudem mit 2,5 Millionen Pfund die bislang größte Zuwendung des Art Fund erhalten zu haben, einer gemeinnützigen Stiftung, die britische Museen beim Ankauf von Kunstwerken nationaler Bedeutung unterstützt."
Weiteres: Michael Lange gratuliert in der FAZ dem amerikanischen Fotografen Tony Vaccaro zum Hundertsten.
Klaus Nüchtern schlängelt sich in der FAZ in einem etwas gewundenen Essay zu Krieg, Klimawandel und Letzter Generation zu den Bildern Jan Vermeers, deren in sich versunkene Frauen für ihn stets tiefe Ruhe und Frieden ausstrahlen, obwohl Vermeer in Zeiten des Krieges und der Bedrohung lebte. Am Ende überlegt er, ob Vermeer ähnlich gegen den Krieg wirkt wie etwa das Haager Kriegsverbrechertribunal: "Beiden geht es um eine emphatische Wahrnehmung von Menschen als einzigartige Individuen, beide wenden sich gegen eine entpersönlichende Sichtweise, die das Gegenüber zum bloßen Repräsentanten eines Typs, einer Ethnie, eines Kollektivs degradiert. So gesehen könnte man - wenn ein bisschen Pathos erlaubt ist - in Analogie zu Rebecca Solnits hortikulturellem Pazifismus auch behaupten: Das Gegenteil von Krieg sind die Bilder Vermeers."
Besprochen wird Wieland Schönfelders Ausstellung "Was ist verloren?" in der Städtischen Galerie Delmenhorst, die El Lissitzkys Arbeiten zur Revolutionsoper "Sieg über die Sonne" nachgeht (taz).
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