Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Kunst, Ausstellungen, Architektur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.01.2023 - Kunst

Hito Steyerl ist zusammen mit der Schriftstellerin Olivia Wenzel mit dem Hugo-Ball-Preis der Stadt Pirmasens ausgezeichnet worden, die Preisverleihung hat die Künstlerin allerdings abgesagt - nach Lektüre von Balls Schrift "Zur Kritik der deutschen Intelligenz", wie Nicola Behrmann in der FAZ berichtet. Und sie erklärt: "Bereits in der Vorrede verkündet Ball, er wolle 'eine Konspiration der protestantischen mit der jüdischen Theologie (seit Luther) und eine Konspiration beider mit dem preußischen Gewaltstaat (seit Hegel)' aufzeigen, die nichts weniger als 'die Unterwerfung Europas und der Weltherrschaft' und 'die universale Zerstörung von Religion und Moral' zum Ziel gehabt hätten. Gewidmet ist die 'Kritik' den 'Führern' einer nicht näher bestimmten 'moralischen Revolution', während jüdische Intellektuelle wie Heine, Marx, Lassalle, Hermann Cohen und Walter Rathenau von Ball pauschal als 'Adoptivprotestanten aus materialistischer Wahlverwandtschaft' heraus denunziert werden." Statt der feierlichen Verleihung ist jetzt eine Diskussion angesetzt

Weitere Artikel: Ingeborg Ruthe freut sich in der FR, dass die beiden Kunstsammler Paul Maenz und Gerd de Vries 750 wertvolle Werke auf Papier dem Berliner Kupferstichkabinett überlassen, und das ganz ohne anmaßende Forderungen mit der Schenkung zu verbinden. In der FAZ weist Leonhard Horowski darauf hin, dass nicht alle Stücke des in Dresden geraubten Juwelenschatzes zurückgegeben werden, zum Beispiel die Große Brustschleife der Amalie Auguste.

Besprochen werden die Ausstellung "Femme fatale" in der Hamburger Kunsthalle, die männlichen Blick, Macht und Gender unter die Lupe nimmt (Tsp) und John Willheims Fotoband "War of Whispers" (der taz-Kritiker  Jochen Becker zufolge den geheimen Krieg der CIA in Laos ziemlich ästhetisch dokumentiert).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.01.2023 - Kunst

Bild: Annie Leibovitz: Renate und Leo Fritz Gruber. © Annie Leibovitz Repro: Rheinisches Bildarchiv Köln

Eine "kleine, feine" Ausstellung widmet das Kölner Museum Ludwig aktuell der im Oktober 2022 verstorbenen "Grand Dame der Fotografie" Renate Gruber, die dem Haus gemeinsam mit ihrem Mann ihre fotografische Sammlung vermachte, freut sich Cornelia Ganitta im Monopol Magazin: "Zu sehen sind viele Kuss-Münder, aber auch berührende Porträts der Grubers von Annie Leibovitz sowie einige Innenansichten aus dem Haus der Eheleute in Köln, die Candida Höfer im Jahr 2000 im menschenleeren Zustand machte. L. Fritz Gruber hatte es 1957 erworben, zwei Jahre später war seine frisch Angetraute eingezogen. Die Aufnahmen zeigen eine Fülle von Büchern, Möbeln, Vasen, einen knallgrünen Teppich, einen Warhol an der Wand sowie einen stets über der Couch hängenden Mistelzweig. Für viele war das Haus geradezu eine Institution. Helmut Newton, Henri Cartier-Bresson, Edward Steichen und Chargesheimer waren hier zu Gast."

Für sein Projekt "The Polar Silk Road" reiste der österreichische Fotograf Gregor Sailer in die Arktis, um Militärbasen und Forschungsstationen festzuhalten. Die "surreal" anmutenden Bilder sind ab Samstag in der Berliner Alfred Ehrhardt Stiftung zu sehen, berichtet in Monopol Jule Klenert, die mit Sailer über militärische Aufrüstung in der Arktis gesprochen hat: "Je weiter sich das Eis zurückzieht, desto mehr Rohstoffquellen werden frei und desto größer ist das Interesse auch an fossilen Energiequellen. Meines Erachtens werden die Spannungen weiter zunehmen, weil nicht nur die arktischen Anrainerstaaten mitmischen wollen, sondern auch Nationen wie China, das kein direkter Anrainerstaat ist. China erkauft sich den Zugang über Investitionen in Infrastrukturprojekte oder erwirbt beispielsweise Förderlizenzen seltener Erden auf Grönland."

Weitere Artikel: Im Guardian folgt Rhiannon-Lucy Cosslett der Katze durch die Kunstgeschichte. Eine Lehrkraft an der Hamline University in Minnesota zeigte in einem Seminar über islamische Kunst Mohammed-Bilder islamischer Künstler, um zu zeigen, dass es im Islam keineswegs verboten ist, Bilder des Propheten zu zeigen. Einige muslimische Studierende fühlten sich in ihren Gefühlen verletzt, der Vertrag der Lehrkraft wurde nicht verlängert, berichtet Hannes Stein in der Welt. Besprochen wird die Ausstellung "She is in it not not at all" der Schweizer Künstlerin Julia Znoj im Kunstraum Schwaz (Standard).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.01.2023 - Kunst

Tadeusz Kulisiewicz: Pejzaż ze Szlembarku, 1963. Bild: Zachęta

Jetzt hat auch Polen PiS-Regierung auch der Warschauer Kunstgalerie Zachęta einen neuen Direktor verpasst, den linientreuen Janusz Janowski, und Standard-Kritikerin Herwig G. Höller bekommt in einer ersten Ausstellung prompt Harmlos-Hübsches aus den Beskiden präsentiert. Dabei sei der von Janowski protegierte Künstler Tadeusz Kulisiewicz ein kommunistischer Staatskünstler gewesen: "Während der Zachęta-Direktor zumindest in diesem ersten Projekt auf einen apolitischen Konservativismus setzt, bleibt sein Gegenüber im bereits zuvor gewendeten Zentrum für zeitgenössische Kunst Schloss Ujazdowski in Warschau seinem deutlich radikaleren Ruf treu. So präsentierte der 2020 ebenso von Kulturminister Gliński ernannte Ujazdowski-Chef Piotr Bernatowicz im vergangenen Sommer das umstrittene Projekt The Influencing Machine des US-amerikanischen Kurators Aaron Moulton, der das zu Beginn der Neunziger von US-Milliardär George Soros gegründete Netzwerk von osteuropäischen Zentren für zeitgenössische Kunst als 'Zwang durch Philanthropie' und Werkzeug für liberale Propaganda entlarvt haben will."

Weiteres: Im Tagesspiegel erzählt Rolf Brockschmidt, wie Oxford-Archäologen eine Kopie des Parthenon-Frieses erstellen.

Besprochen werden die Ausstellung "Neues Licht aus Pompeji" in der Münchner Antikensammlung (die taz-Rezensentin Annegret Erhard "ein Kaleidoskop des Luxus und der Moden spätrömischer Dekadenz" bot), Reinhard Muchas Großinstallation "Kasse beim Fahrer 0.2" in der Berliner Galerie Sprüth Magers (taz), die große Guido-Reni-Schau im Frankfurter Städel (NZZ), die Etel-Adnan-Retrospektive im Münchner Lenbachhaus (Standard).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.01.2023 - Kunst

Hrair Sarkissian, Unexposed, 2013. Courtesy of the artist.

Der in Syrien geborene Künstler Hrair Sarkissian setzt sich in seinen Fotografien, Videos und Skulpturen mit Krieg und staatlicher Gewalt auseinander, mit dem Ziel, das "Verstehen des Leidens der anderen" möglich zu machen, erzählt Frauke Steffens, die für die FAZ die eindrucksvolle Werkschau "The Other Side of Silence" im Bonnefanten Museum in Maastricht besucht hat: "'Execution Squares' von 2008 zeigt öffentliche Plätze in syrischen Städten, meist in friedlich wirkendem Morgenlicht. Nur wer die Beschreibung zu den großformatigen Fotos liest, erfährt, dass das Regime auf all diesen Plätzen Menschen hinrichtete. In der begehbaren Installation 'Deathscapes' von 2020 sind es dagegen nur Geräusche, die die Geschichte erzählen - in einem dunklen Kubus stehen die Besucher und hören laute Arbeitsgeräusche. Spitzhacken, Schippen, fallendes Geröll, ein paar Vogelstimmen. Es sind Aufnahmen einer Ausgrabung: in Spanien legten Archäologen ein Massengrab aus der Zeit der faschistischen Diktatur Francos frei. Ein 2021 beendetes Werk, 'Last Seen', zeigt leere Zimmer, Sofas, Küchen, still gewordene Orte familiärer Geselligkeit. Menschen, deren Angehörige ermordet wurden, in Kriegen starben oder verschwunden sind, haben dem Künstler gezeigt, wo sie sie zuletzt gesehen haben - in Argentinien, Bosnien, dem Libanon."

Zu seinem 75. Geburtstag im Oktober richtet die Wiener Albertina dem österreichisch-irischen Künstler Gottfried Helnwein eine große Werkschau aus. Im Standard-Gespräch mit Stephan Hilpold behauptet Helnwein, es sei bewiesen, dass CIA, FBI und andere staatliche Stellen "Millionen Menschen, Wissenschafter, Künstler und Journalisten" auf Twitter mundtot gemacht hätten. Außerdem erklärt er, warum er Alice Schwarzers offenen Brief unterstützt hat: "Je länger der Konflikt dauert, desto mehr Opfer wird es geben. Alle beteiligten politischen Kräfte arbeiten derzeit an einer weiteren Eskalation, ich sehe keinen Politiker, der sich ernsthaft um eine Deeskalierung bemüht. War es wirklich fair, dass Schwarzer und hunderte Künstler und Intellektuelle, die sich in ihrem Appell für Friedensverhandlungen eingesetzt haben, mit einem derartigen Shit-storm überzogen wurden?"

Außerdem: In der taz resümiert Sophie Jung einen Vortrag des Historikers Volker Weiß, der in der Berliner Neuen Nationalgalerie darüber sprach, wie sich eine rechte Kunsttheorie auch in der Malerei der Neuen Sachlichkeit niederschlagen konnte. Im Tagesspiegel erinnert Rüdiger Schaper an den amerikanischen Maler Frederic Church, einen Vertreter der Vertreter der Hudson River School, der eine moderne Vorstellung von der Natur schuf und dessen Werke derzeit in der Ausstellung"Chasing Icebergs" in der Olana State Historic Site in Hudson, New York zu sehen sind.

Besprochen wird die Ausstellung "Gestickte Gärten. Osmanische Textilien aus der Sammlung Borgs" im Berliner Pergamonmuseum (Tagesspiegel) und die Tobias-Zielony-Ausstellung im Marta Herford (monopol).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.01.2023 - Kunst

Markus Copper, Kursk, 2004. Foto: Finnische National Galerie / Petrie Virtanen


Der 2019 verstorbene finnische Künstler Markus Copper liebte die Gefahr, und sein Publikum liebte sie auch, wenn beispielsweise ein riesiger Juggernaut unaufhaltsam auf es zurollte. Jetzt kann man viele seiner Kunstwerke in einer Retrospektive in der finnischen Nationalgalerie für zeitgenössische Kunst Kiasma sehen - und sie wirken immer noch, selbst entschärft, lernt monopol-Kritikerin Katharina Cichosch. "Peng!, knallt eine Guillotine im Anschauungsvideo herunter - wie um zu belegen, dass Coppers technisch ausgeklügelte Kontraptionen auch wirklich funktionieren, wenn sie sollen." Vor allem aber "widmet sich Copper jenen, deren Schicksal man sonst selten im Kunstzusammenhang begegnet: Der Besatzung des russischen U-Boots Kursk, die wahrscheinlich auch deshalb sterben musste, weil Russland ausländische Unterstützung lange ablehnte. Ihre Anzüge hängen wie Gespenster im äußersten Winkel des Ausstellungsraums. Eine andere gigantische Skulptur widmete der Künstler afghanischen und pakistanischen Frauen - der Kern der Arbeit, ein Turm aus handgeformten Tonziegeln, darauf genitalverstümmelte Vaginen, drohte allerdings bei längerem Gebrauch tatsächlich zu bersten, weshalb es hier wieder nur ein Video zu sehen gibt. Es sind existenzielle Arbeiten, die noch immer etwas wollen von ihrem Publikum, die es nicht in Ruhe lassen. So wandelte sich Coppers Werk binnen weniger Jahre von Kunst, die mit ihrer Gefährdung für Leib und Leben flirtete, zu einer Kunst, die immer wieder um Verletzbarkeit und Sterblichkeit ebenjenes Lebens kreist."

Fabrice Hyber, La Vallée, Ausstellungsansicht in der Fondation Cartier. Foto: Michel Slomka / Myop-Lumento


Brigitte Werneburg ist für monopol zur Pariser Fondation Cartier gereist, wo der Maler Fabrice Hyber 20 Klassenzimmer eingerichtet hat, mit 60 Leinwänden, die die Natur in La Vallée zeigen, einem Landstück, das zum Gehöft seiner Eltern in der Vendée gehört. "Viele der gezeigten Arbeiten behandeln Erinnerungen, Fragen und Überlegungen, zukünftige Pläne im Zusammenhang mit La Vallée", erzählt sie. "Im Gemälde 'La Serrie, paysage biographique de mes parents' von 2022 ist das didaktische Moment in Hybers Kunst deutlich zu sehen. Das Bild berichtet von der Entwicklung des Ortes ausgehend von einer kargen farblosen Landschaft am linken Bildrand, die sich in Leserichtung nach rechts mehr und mehr füllt und grüner und bunter wird. Am Ende erkennt man den Baum wieder, dem Fabrice Hyber unter dem Titel 'Impossible - 100 pommes, 1000 cerises' schon 2006 ein liebevoll ironisches Porträt samt beweisführender mathematischer Formel widmete. Die Leinwand dient Hyber also dazu, den Prozess des Nachdenkens in Form komplexer Storyboards darzulegen. In ihnen werden die unterschiedlichsten Themen berührt, das zeigen Titel wie 'Le musée du plastique' (2022), 'Holly Holly Oil' (2006), 'War' (2008) oder das Wimmelbild voll instruktiver Sexszenen 'Je sais No. 5' (2022)." Werneburg empfiehlt auch nachdrücklich den Podcast zur Ausstellung "Voices of the Valley".

Besprochen werden außerdem eine Retrospektive der indischen Fotografin Dayanita Singh in der Münchener Villa Stuck (taz) und die Ausstellung der Fotografin Candida Höfer im Kunstmuseum Liechtenstein und der Hilti Art Foundation (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.01.2023 - Kunst



Soheila Sokhanvari: Eve (Portrait of Katayoun (Amir Ebrahimi)), 2021 and Tobeh (Portrait of Zari Khoshkam), 2020 © Soheila Sokhanvari. Courtesy of the artist and Kristin Hjellegjerde Gallery

Hin und weg ist Jan-Philipp Fruehsorge (monopol) von den Miniaturporträts, auf denen die iranische Künstlerin Soheila Sokhanvari im Barbican Centre in London die Rebellinnen ihres Landes verewigt hat: "Wand und Boden sind vollflächig mit islamischen Ornamenten versehen, während aus Lautsprechern ein Soundtrack klingt, den Mariuous Aristopoulos aus den berühmtesten Stimmen jener Jahre kompiliert hat. Den Titel der Show, 'Rebel Rebel', hat sich Soheila Sokhanvari von David Bowie geliehen, und dass es Frauen in Iran nicht gestattet ist öffentlich zu singen, ist dabei nur ein Aspekt in dieser Zelebrierung ihrer heroischen Dissidenz. ... Der Parcours aus 28 Miniatur-Portraits, dramatisch beleuchtet im Halbdunkel des Ausstellungssaals, präsentiert Sängerinnen, Schauspielerinnen, Tänzerinnen und Autorinnen. Allesamt Frauen, deren Biografien von den schmerzvollen Herausforderungen erzählen, die ihnen in den Jahrzehnten des Pahlavi-Regimes abverlangt wurden. Der historische Kontext schönt nichts. Zwar wurde ihnen eine gewisse Sichtbarkeit zugestanden, die in den Jahren nach 1979 abrupt und brutal genommen wurde, doch in dem konservativ-patriarchalischen System hatten diese Frauen um ihre Autonomie und Karrieren hart zu kämpfen."

Weiteres: André Görke berichtet im Tagesspiegel von einer "toxischen" Ausstellung in der Zitadelle Spandau, wo die von Josef Thorak für Adolf Hitler geschaffenen riesigen Bronzepferde zu sehen sind. Da die Pferde "mit historischer Einordnung gezeigt werden", bleibt unklar, was daran toxisch sein soll. Kosten spielen im Louvre Abu Dhabi keine Rolle, versichert uns Sabine B. Vogel in der NZZ, deshalb kann man dort jetzt eine Blockbuster-Impressionistenschau sehen, die im Westen kaum noch einer finanzieren könnte oder wollte. Im Tagesspiegel erzählt Frank Herold von einem Ukrainer, der ein Banksy-Graffiti in Hostomel, einem Vorort von Kiew, klauen wollte. Ingeborg Ruthe erzählt in der FR von einem Experiment in Irland: 2000 Kunstschaffende profitieren dort drei Jahre lang von einem staatlichen Grundeinkommen von 325 Euro pro Woche: "Allerdings müssen alle Ausgewählten ihre Arbeit während des Pilotprojekts begutachten lassen und sich verpflichten, für Forschungszwecke regelmäßig über ihr Schaffen zu berichten."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.01.2023 - Kunst

Hermann Goepfert: Optophonium, 1961/62. Foto: Kunstmuseum Krefeld

Dass ausgerechnet Krefelds Kaiser-Wilhelm-Museum die experimentelle Klangkunst-Ausstellung "On Air" zeigt, gefällt taz-Kritiker Oliver Tepel, der sich mit Sinn für Ironie an der mechanischen Poesie der Klangmaschinen von Jean Tinguely und Güther Ueckers erfreut oder an der strengen Intellektualität von Bruce Nauman und John Baldessari: "Tatsächliche, unmittelbare, die Distanziertheit auch der antiakademischen Avantgarde durchbrechende Körpererfahrung suchen wenige Arbeiten. Gegen Ende der Schau trifft man auf Bernhard Leitners 'Vertical Space' aus dem Jahr 1975. Es erzeugt den Eindruck, man sei durchflossen von Klang, als würde man Teil der Töne, einem helleren, von oben kommendem Pochen und dunkleren, von unten aufsteigenden Sounds. Hermann Goepferts 'Optophonium' aus Holz, Metall, Farbe, Licht, Tonband, Lautsprechern und 57 Aluminiumplatten schafft, was sein Titel verspricht: eine audiovisuelle Science-Fiction-Fantasie der frühen 60er, so rauschhaft wie subtil."

Weiteres: Im Standard berichtet Olga Kronsteiner, dass die Erben des jüdischen Bankiers Paul von Mendelssohn-Bartholdy nun gerichtlich vom japanischen Versicherungskonzern Sompo Vincent van Goghs "Sonnenblumen" zurückverlangen. Monopol stellt die Personen vor, die im kommenden Jahr eine wichtige Rolle im Kunstbetrieb spielen werden. In Monopol erhebt Leonie Wessel grundsätzlichen Einspruch gegen die Wahl einer Farbe des Jahres durch die Farbe Pantone, besonders jedoch gegen das anstrengende Magenta.

Besprochen werden die Ausstellung "Kunst und Leben, 1918 bis 1955" zu rund zu fünfzig Künstlerbiografien im Münchner Lenbachhaus (FAZ) und die Rosemarie-Trockel-Retrospektive im Frankfurter Museum für Moderne Kunst (Standard).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.01.2023 - Kunst

Als "barocke Figur mit kosmischem Ego" porträtiert Kito Nedo den Kunstkurator Peter Weibel, der sich als radikaler Enzyklopädiker, Exzentriker und Herr der Unordnung einen Namen gemacht hat und nun mit 78 Jahren als Direktor des Karlsruher ZKM abtritt: "Mit dem Rückzug aus der Öffentlichkeit täte sich Weibel vermutlich einen Gefallen. Seit er im Frühjahr den Emma-Brief mitinitiierte, sich gegen die Lieferung schwerer Waffen aussprach und krude Thesen über die Ukraine verbreitete, hat sein Ansehen als Intellektueller schwer gelitten. Kritiker sprechen von einer neuen 'Qualität der Verblödung'. Nachdenklich macht ihn das offenbar nicht. Selbstzweifel sind nicht seine Sache."

In der FAZ feiert Ulf Erdmann Ziegler Eleganz und Finesse der Künstlerin Wiebke Siem, deren Arbeiten gerade im Salzburger Museum der Moderne gezeigt werden.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.01.2023 - Kunst

Piet Mondrian: New York City I, 1941. Bild: Kunstsammlung NRW

Hyperallergic
kürt für das vergangene Jahr die machtlosesten Menschen im Kunstbetrieb. An erster Stelle rangieren die Sammler von NFT-Kunst, deren Erwerbungen im Laufe des Jahres bis zu 99 Prozent an Wert verloren, gefolgt unter anderem von den KünstlerInnen auf der Documenta 15 oder dem kulturellen Erbe von Tigray und der Ukraine. Und Piet Mondrian: "Er braucht unser Mitleid nicht, es ist einfach urkomisch, dass eines seiner Bilder seit 75 Jahren verkehrt herum hängt. Aus konservatorischen Gründen darf das Museum es jetzt nicht richtig herum drehen. Die Welt, in der wir leben, steht Kopf."

Weiteres: In der SZ erklärt Marc Hoch das vergangene Jahr zum Wendepunkt in der Geschichte der Fotografie. Die Liebe zur analogen Fotografie habe sich wieder Bahn gebrochen, glaubt er, denn echter Film verleihe Aura und Wertigkeit: "Ein gutes Bild ist Gestaltung, Emotion, verdichtete Erinnerung - ist Mühe!" Karlheinz Lüdeking betrachtet in der FAZ Max Ernsts Gemälde "Rendez-vous des amis", das alle Surrealisten versammelt, die Dadaisten jedoch außen vor lässt.

Besprochen wird die Stillleben-Schau im Pariser Louvre (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 31.12.2022 - Kunst

Wiebke Siem. Das maximale Minimum. Ausstellungsansicht im Museum der Moderne in Salzburg. Foto: Rainer Iglar


Fast wie bei einem Hausbesuch fühlt sich Standard-Kritikerin Ivona Jelcic in Wiebke Siems Schau "Das maximale Minimum" im Salzburger Museum der Moderne. "Bei dem freilich einiges aus den Fugen gerät. Vor allem das mit der Vorstellung vom trauten Heim verknüpfte Bild von der braven Hausfrau. Weibliche Rollenbilder hat die 1954 in Kiel geborene Künstlerin auch im Visier, wenn sie Alltagsgegenstände wie Kleidung, Spielzeug, Hüte, Taschen oder Kochlöffel in überdimensionierte Objekte übersetzt oder einen monströsen Teppichklopfer aus Kautschuk in den Treppenaufgang des Museums hängt. Keineswegs eindimensional Es ist, als würden die Dinge ein subversives Eigenleben entwickeln, was für eine Weibliche Skulptur eher schlecht ausgeht: Sie hat sich hoffnungslos in einer Singer-Nähmaschine verfangen."

Außerdem: Ekkehard Maaß schreibt in der Berliner Zeitung zum Tod des Malers Eberhard Göschel.