Die Buchmacher - Archiv

Börsenblatt

328 Presseschau-Absätze - Seite 9 von 33

Die Buchmacher vom 21.08.2006 - Börsenblatt

Mit der Übernahme von K.G. Saur und Niemeyer avanciert Walter de Gruyter zum größten geisteswissenschaftlichen Verlag in Europa, bilanziert das Börsenblatt. Künftig werde de Gruyter 65 statt bislang 45 Prozent des Umsatzes mit Geisteswissenschaft erwirtschaften, prognostiziert Walter de Gruyter-Chef Klaus G. Saur im Interview. Es werde zu "einigen Stellenreduktionen und teilweise auch zum Umzug von Mitarbeitern" nach Berlin kommen. "Wachstum geschieht fast nur noch durch Zukauf. Es ist im Prinzip heute nicht mehr möglich, wirklich organisch zu wachsen", so Saur. (Notiz am Rande: Der eingeblockte Kurz-Kommentar von Michael Roesler-Graichen deutet auf die neue Linie des Fachblattes unter Chefredakteur Torsten Casimir hin. Mehr Meinung, bitte, scheint die Devise der Zukunft zu sein. Auch die Editorials von Casimir deuten in diese Richtung. Bleibt abzuwarten, wie weit diese Strategie bei einer an den Börsenverein angedockten Publikation trägt und ob sich Meinungskonflikte gegenüber der Verbandslinie ergeben)

Einer der größten Profiteure der Grass-SS-Diskussion sind der Autor selbst sowie sein Verlag: Nachdem die Startauflage der Memoiren "Vom Häuten der Zwiebel" (150000 Exemplare) schon vergriffen ist, druckt der Steidl Verlag nach (100000 Exemplare). Grass-Neuerscheinungen würden häufig heftig diskutiert, auch die Verkaufszahlen seien nicht außergewöhnlich, relativiert der Verlag.

Was haben "Die wilden Girls von Montana", "Rache für die schöne Lady", "Blondes Gift aus Mexiko", "Sünderinnen", "Das Lustbett" sowie "Das Kuschelbett" und "Das Lotterbett" gemein? Die Titel aus dem Heyne Verlag sind von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdete Medien vom Index genommen worden. Auf eine lustvolle legale Lektüre!

Im "Menschen"-Ressort stellt das Börsenblatt den offenbar unkomplizierten Verbrecher-Verleger Jörg Sundermeier (hier die Website des Verlags), die joggende Buchhändlerin Franca Neubert und den Krimi-Autor Yasmina Khadra (ja, ein Mann, hier die Homepage) vor, der den Fragebogen ausfüllt. Als Lebensmotto zitiert sich Khadra selbst: "Wer zum Licht geht, ist niemals allein."

Weitere Artikel: Google hat für sein Volltextsuche-Projekt einen neuen Partner gewonnen: Künftig kann Google auch die Bücher im Bestand der University of California einscannen. Die FAZ hat Prestel an Jürgen Krieger, Martin Dort und Johannes Heyne verkauft. Der Rechtehandel der Verlage mit dem Nachbarland Polen boomt (der Umsatz des gesamten polnischen Buchmarkts wird von der Frankfurter Buchmesse auf 620 Millionen Euro geschätzt - was im Vergleich zum deutschen 9-Milliarden Euro-Markt auffällig niedrig erscheint).

Die Buchmacher vom 14.08.2006 - Börsenblatt

Mischt Apple, nachdem iTunes vor Jahren den Startschuss für den legalen Vertrieb digitaler Musikdateien abgefeuert hat, jetzt die Verlagsbranche auf? Das Börsenblattt greift die durch den Engadget-Blog verbreiteten Gerüchte, dass bei iTunes demnächst auch E-Books verkauft werden, auf und verweist darauf, dass der iPod schon heute Texte anzeigen könne. PS: Doch selbst wenn die neuen iPods ein noch kontrastreicheres Display erhalten, stellt sich die Frage, wer auf diesen kleinen Bildschirmen gerne längere Texte liest. Auch die Videofunktion der aktuellen Modelle funktioniert tadellos, und trotzdem sieht man in der U-Bahn selten jemanden mit weißen Stöpseln im Ohr, der Kinofilme oder Musikvideos auf dem 2,5-Zoll-Schirm anschaut.

Wer hat Angst vor Amazon, könnte eine wöchentliche Kolumne in den Branchenblättern überschrieben sein. Diesmal klagen die Kunstbuch-Sortimenter, weil der Onlinebuchhändler englischsprachige Titel günstiger von den Verlagen einkaufen und (da die Titel nicht preisgebunden sind) in Deutschland günstiger als alle anderen anbieten kann. Konsequenz: Appetit holen sich die Leser zunehmend im Buchhandel, bestellt wird zu Hause am Rechner. Auch die Bibliotheken bestellen nach den Börsenblatt-Recherchen zunehmend im Netz. In einem weiteren Artikel weisen die Frankfurter darauf hin, dass Amazon auch das Engagement im Schulbuchgeschäft forciert und seit Juli ein großes "Schul-Special" mit mehr als 45000 Titeln hervorkehrt.

Zweiter großer Player, den die restliche Branche mit einer Mischung aus Hass und Bewunderung beobachtet: Thalia. In einem vierseitigen Artikel zeichnet das Börsenblatt die Strategie des größten Filialisten nach, ohne dem Leser allerdings viel Neuigkeiten anzubieten. Auf einer (bei buchreport abgekupferten) Karte zeigen die Branchenjournalisten, wie sich Thalia bereits nahezu flächendeckend in Deutschland ausgebreitet hat. Im Interview präsentiert sich Thalia-Chef Michael Busch unverbindlich und branchenpolitisch korrekt und bestätigt erneut die Strategie, Thalia als bundesweit bekannte Marke etablieren zu wollen. Den Marktanteil von Thalia schätzt Busch deutschlandweit auf "unter fünf Prozent", im deutschsprachigen Raum auf sieben Prozent.

Last but not least steigt auch der Spiegel ins Buch-Editionen-Geschäft ein, mit 40 Bestsellern der vergangenen Jahrzehnte. Ob das mal gut geht, angesichts des Schwächelns einiger aktueller Editionen? Na klar, versichert Spiegel-Kultur-Chef Matthias Matussek im Interview mit dem neuen BöBla-Chefredakteur Torsten Casimir. Matussek hofft, dass sich die Edition als "Best of"-Sammlung, "ähnlich wie eine gute Pop-Collection von Platten", behaupten wird. Bei der Lizenzjagd, räumt Matussek ein, habe der Spiegel nicht alle Wunschtitel bekommen, so fehle unter anderem Gabriel Garcia Marquez.

In einem wunderbaren Streitgespräch - das Highlight der Ausgabe - treffen Eichborn-Gestern (seines Zeichens Vito von, 1995 als Geschäftsführer ausgeschieden) und Eichborn-Heute (Matthias Kierzek, Matthias Bischoff) aufeinander. Unter seiner Regie wäre der Verlag stärker gewachsen und hätte die Schwergewichte Moers und Enzensberger vor dem Weggang bewahren können, betont der Verlagsgründer selbstbewusst. Interviewer Holger Heimann stellt scharfe Fragen, legt den Finger tief in die Wunden der heutigen Verlagschefs - Eichborn musste zuletzt Umsatzeinbrüche und den Rechtsstreit mit dem Mehrheitsaktionär Ludwig Fresenius verkraften -, konfrontiert Kierzek mit der These, er sei kein richtiger Verleger. Allen drei hält er abschließend entgegen, dass sie nicht dort angekommen seien, wo sie hinwollten. Eichborns Replik: "Allein Die andere Bibliothek gerettet zu haben, legitimiert das hier."

Weitere Artikel: Random House expandiert in Korea und übernimmt den Verlag Joong Ang. 70 Prozent der Deutschen sind für die Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten. Das Handelsblatt bringt im September die Schäffer-Poeschel ein zwölfbändiges Wirtschaftslexikon heraus. Der Börsenverein kooperiert mit der Deutschen Welle, um den Deutschen Buchpreis zu unterstützen. Der buch.de-Umsatz ist im ersten Halbjahr 2006 um 23 Prozent gestiegen.

Die Buchmacher vom 07.08.2006 - Börsenblatt

Unter der Überschrift "Ärgerliche Verharmlosung" stellt sich der neue Börsenblatt-Chefredakteur Torsten Casimir den Lesern vor und nimmt Bezug auf die "Störtebekers von heute", die "fette Beute mit Hörbüchern, eBooks und eingescannten Büchern" machten. Den Kampf gegen die Internetpiraten hat auch der oberste Holtzbrinck-Bücherverleger Rüdiger Salat aufgenommen, der im Interview ein stärkeres Problembewusstsein bei den Verlagen einfordert. Außerdem müsse dringend das geplante Gesetz (Umsetzung der so genannten Enforcement-Richtlinie) im Vorfeld modifiziert werden, damit die Rechteinhaber leichter gegen die Piraten vorgehen können. Nach dem Gesetzesentwurf kann ein Verstoß nur auf dem richterlichen Weg geahndet werden; außerdem muss der Rechteinhaber belegen, dass der Anbieter der Dateien eine Bagatellgrenze überschritten hat.

"Her damit!" heißt der Slogan, mit dem Langenscheidt die Käufer im Oktober dazu aufruft, ihre alten Wörterbücher gegen neue zu tauschen und eine Gutschrift zu erhalten. Auf positive Reaktionen aus dem Handel verweist Marketingchef Matti Schüsseler. Ilona Rehme (Sortimenter-Ausschuss im Börsenverein) schimpft in einem Kommentar über den "Unfug der Umtauschaktionen". Überall lägen die alten Schinken in den Buchhandlungen herum, so dass sich die Sortimenter "auf Twiggy-Format" hungern müssten, um in die Personalräume oder in den Sanitärbereich gelangen zu können.

Unter der Adresse www.was-verlage-leisten.de (noch nicht zugänglich) plant der Börsenverein eine Imagekampagne für Verlage, um in der Urheberrechtsreform die Pläne der Bundesregierung zu entschärfen. Auch das verbandstreue Börsenblatt unterstützt das Ansinnen und gibt die Kommentarseite künftig "in loser Folge" für Beiträge von Verlegern zum Thema "Was leisten Verlage?" frei. Als Erster berichtet Matthias Ulmer von den Mühen des Lektorats, einem Leser, dessen Kaktus leidet, ein schönes Buch zum Thema zu servieren.

"Mystery Shopper" nennt man Testkäufer, die im Auftrag von Einzelhändlern Läden und Personal unter die Lupe nehmen. Unternehmensberater Ralf Deckers (BBE Unternehmensberatung in Köln) macht Werbung in eigener Sache und zeigt sich überzeugt, dass auf diesem Weg Verkauf und Service nachhaltig verbessert werden können. Bis zu 100 Kriterien müssten die Testkäufer beachten. Das Instrument, warnt der Kölner, sei allerdings nicht dazu gedacht, Mitarbeiter loszuwerden oder bloßzustellen.

Im "Menschen"-Ressort stehen diesmal die Buchhändlerin Ruth Klinkenberg und Kritikerin Iris Radisch. Die verrät im Fragebogen, dass das "Literarische Quartett" im August voraussichtlich zum letzten Mal mit Marcel Reich-Ranicki tagt.

Weitere Artikel: Unabhängige Buchhändler laufen in Großbritannien Sturm gegen die Pläne der Verlage, die Preise zum Weihnachtsgeschäft zu erhöhen. Der US-E-Bookanbieter Franklin hat sämtliche Anteile am deutschen E-Bookdienstleister Kreutzfeldt Electronic Publishing gekauft. Die Google-Büchersuche zeigt dem Leser jetzt auch die nächstgelegene Buchhandlung an.

Die Buchmacher vom 31.07.2006 - Börsenblatt

Die Blogosphäre wird zunehmend zur Brutstätte von Bestsellern analysiert der Chef der "Literarischen Welt" Elmar Krekeler im Börsenblatt-Kommentar. Als Beispiele nennt Krekeler Bastian Sick (wurde zwar nicht durch Blogs, aber immerhin durch das Internet bekannt), Glenn Greenwald, ("How Would A Patriot Act") und die - dem Feuilleton unheimliche - Autorin Kathrin Passig ("Riesenmaschine" heißt ihr Grimme-preisgekröntes Blog). "Modem an und alle Möglichkeiten offen", rät der offenbar flatrate-abstinente Autor den Verlagen. Martin Schöb unterfüttert den Trend mit einem weiteren Artikel, in dem er auf die Ursprünge von Blogs (z.B. Rainald Goetz' Internettagebuch "Abfall für alle" - Goetz hat sich inzwischen aus dem Netz verabschiedet) verweist und bei den Verlagen nachfagt, ob sie künftig auf die so genannten Blooks setzen. Andrea Best (Goldmann) hält "qualitativ gute Blog-Bücher" für Ausnahmen, bei Aufbau beobachten die Strategen die Blogosphäre "aus Marketinggesichtspunkten" (hier sei noch einmal auf einen Verleger verwiesen, der Blogs etwas ernster nimmt).

Der schweizerische Branchenverband SBVV und der Börsenverein ziehen nach der Untersagung der Preisbindung durch die Kartellbehörde Weko vors Bundesgericht. Jetzt fällt die endgültige Entscheidung frühestens 2007. Sowohl in Deutschland als auch in Österreich fürchten die Verbandsfunktionäre einen "Rutsch in der Politik" (Börsenvereins-Justiziar Christian Sprang), wenn ein Land aus dem deutschsprachigen Raum auf die Preisbindung verzichtet. "Schwieriges Kapitel" überschreibt Carlo Bernasconi seine Analyse des schweizerischen Buchmarkts. Fazit: Die unabhängigen Buchhandlungen verschwinden allmählich von der Bildfläche - besonders in der preisbindungsfreien französischsprachigen Schweiz -, der Umsatz der Branche ist rückläufig (ein Trend, der durch die erwzungene Senkung der Buchpreise verschärft werden dürfte),

Trotz höherer Kraftstoffpreise sind die Transportgebühren in der Branche stabil. Doch bei den Auslieferungen von KNV und Umbreit denken die Logistiker über eine Erhöhung der Preise nach. Bei Umbreit könnte dies 2007 der Fall sein, Runge-Chef Dieter Seggewiß rechnet sogar ab dem 1. Oktober 2006 mit Teuerungen im Büchersammelverkehr.

Im "Menschen"-Ressort präsentiert sich BLV-Verleger Hartwig Schneider umgänglich und freundlich - die Branche sei voller Verrückter, ist der Ex-Bauernverbands-Funktionär überzeugt. Ilja Trojanow füllt den "Fragebogen" mit Leben und interessanten Antworten aus. Welches Buch er gerne schreiben würde? "Don Quijote an der Börse". Nächstes Ziel? "Immer suchen, nie finden." Hauptcharakterzug? "Kopfgeburten im ICE". Außerdem gratuliert Kristof Wachinger dem Verleger Klaus G. Saur zum 65. Geburtstag.

Weitere Artikel: Die Ergänzung des Preisbindungsgesetzes ist in Kraft getreten, dazu zählen die Regelungen zur deutlichen Kennzeichnung von Mängelexemplaren und Liberalisierung von Räumungsverkäufen. Die Alexander-von-Humboldt-Buchhandlung in Potsdam hat schließen müssen. Verlage und der Dokumentelieferdienst Subito haben nach jahrelangem Streit Vergütungsregeln für wissenschaftlicher Texte verabschiedet, die ins Ausland verschickt werden; eine Einigung für den Binnenmarkt steht noch aus (ein Musterprozess soll Klarheit schaffen).

Die Buchmacher vom 23.07.2006 - Börsenblatt

Einen Kommentar über das Scheitern beim Kommentarschreiben legt Rainer Moritz vor. Statt dem Buchhändler Tipps zu geben, wie die Euphorie der WM ins Sortiment gelotst werden kann - bekanntlich herrschte in den Buchhandlungen während des Turniers gähnende Leere -, leitet der Chef des Hamburger Literaturhauses ein Ablenkungsmanöver ein. Warum nicht auf die tollen Herbstromane hinweisen? Doch angesichts von Titeln wie "Angstblüte" (Martin Walser), "Alles umsonst" (Walter Kempowski) und "Alte Schachteln" (Marlene Faro) fällt es selbst dem Positivdenker schwer, aufmunternde Worte zu finden.

Männer und Frauen hören unterschiedlich Hörbüchern zu. Zu diesem Fazit gelangt eine Studie der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur. Demnach greifen Frauen (am liebsten bei der Hausarbeit) zu Hörbüchern, um sich zu entspannen und zu unterhalten, Männer hingegen, um sich (am liebsten beim Autofahren) weiterzubilden. Bevorzugtes Abspielmedium ist nicht der iPod, sondern die CD, die auf der heimischen Stereoanlage abgespielt wird.

Nicht besonders zuversichtlich wirkt Urs Breitenstein, Präsident des schweizerischen Verbands SBVV, angesichts des erneuten Veto der Kartellwächter der Weko zur Preisbindung. Der Verband werde jetzt gebundenen Preise verteidigen, indem auf das "überwiegend öffentliche Interesse" hingewiesen wird. Sollte die Preisbindung kippen, drohen westschweizerische Verhältnisse - dort werden die kleinen Buchhandlungen von den französischen Filialisten, so Breitenstein, "überrollt".

Dem Trend zur leicht verdaulichen Erlösungsliteratur a la Peter Hahne ("Schluss mit lustig") ist eine vierköpfige Diskussionsrunde auf der Spur, darunter Bestseller-Pater Anselm Grün. Der verrät, dass er in der Regel nur fünf bis sieben Wochen an einem Buch schreibe - pro Woche habe er nur sechs Stunden Zeit zum Schreiben. Beim BöBla-"Rundruf" untermauert das Gros der Befragten die Hausse der religiösen Bücher. Bei Pustet erklärt man sich den Boom mit den Folgen der Papstwahl.

Im "Menschen"-Ressort stellt das Börsenblatt Ronald Gutberlet alias Robert Brack alias Virginia Doyle vor - allen drei gemein: Sie schreiben Krimis. Richard K. Freiherr von Rheinbaben, Chef beim ZVAB, präsentiert sich als familienliebender und teamgeisternder Unternehmer. Ulrich Wickert füllt der "Fragebogen" kurz und knapp aus. Lieblingsbeschäftigung? "Über einem Buch einnicken". Hauptcharakterzug? "Hohes Drehmoment".

Weitere Artikel: Bonnier will mit einerr Minderheitsbeteiligung bei HörbuchHamburg einsteigen (hier mehr). Die Verbraucherzentrale Bundesverband sieht die Rechte von Kunden der Onlineportale iTunes, Musicload sowie des E-Bookanbieters Ciando eingeschränkt und hat Abmahnungen verschickt. Der Bertelsmann-Club will die Zahl der exklusiven "Premieren" in diesem Jahr von 45 auf 60 Titel erhöhen. Verlage nutzen Anthologien zunehmend als "Experimentierfeld für literarische Talente" sowie Werbung für die Backlist.

Die Buchmacher vom 14.07.2006 - Börsenblatt

Werke in der Originalsprache zu lesen, sei so gefragt wie nie, forscht das Börsenblatt nach Trends im Geschäft mit fremdsprachiger Literatur. Die Petersen-Buchimporteure gehen davon aus, dass der Warengruppenanteil des Segments schon in wenigen Jahren den der Hörbücher übertreffen könnte (spricht das für fremdsprachige Literatur oder gegen die traditionell im Buchhandel entwicklungsgehemmten Hörbücher?). Neben den Importeuren, bilanziert das Börsenblatt, profitieren die Barsortimente und mutigen Buchhändler vom Geschäft. Rückenwind bekommen die Trendberichterstatter durch eine Umfrage unter Sortimentern. Sowohl bei Osiander in Villingen als auch in der Bücherstube M. Schoeller (Berlin) wächst das Segment - Schoeller erwirtschaftet sogar ein Drittel des Umsatzes mit internationaler Literatur.

Die Zahlendreher der Branche kommen mit der neuen Ausgabe von "Buch und Buchhandel in Zahlen" (hier zu kaufen) auf ihre Kosten, aus dem das Börsenblatt die wichtigsten Ergebnisse zusammenfasst. Demnach greifen immer mehr Leser beim Bücherkauf zum Hardcover (den Zeitungseditionen sei dank). Auch Hörbücher liegen weiter im Trend und haben einen Anteil am gesamten Belletristikmarkt von 5,9 Prozent erreicht. Im Lizenzgeschäft sind nicht mehr China und Korea die attraktivsten Abnehmerländer, sondern Polen und Tschechien - vermutlich als Folge der EU-Osterweiterung. Mit 89869 Neuerscheinungen hat die Buchbranche die Vorjahresmarke der Titelproduktion erneut getoppt. Die interessanteste Passage des Statistikteils widmet sich der Kaufkraft für Bücher, die in den Regionen um München, Frankfurt, Düsseldorf und Stuttgart "extrem hoch" ist. Fast im gesamten Osten liegt der Pro-Kopf-Index für Bücher demgegenüber unter dem Durchschnitt (204 Euro für Bücher und Schreibwaren pro Jahr und Bundesbürger); eine Ausnahme bildet Berlin, wo Infras Geodaten eine durchschnittliche Bücher-Kaufkraft gemessen hat.

Über das Audiotorium (hier das Programm - leider haben die Veranstalter die Vorträge nachträglich noch nicht ins Netz gestellt, zu lesen sind nur die 2005er Vorträge), der Konferenz der Hörbuchbranche in München, berichtet die scheidende Börsenblatt-Vizechefin Sibylle Fuhrmann. Nachdem der Hörbuchbetrieb bislang das Hörbuch als Massenmedium etablieren wollte, richte sich ihr Augenmerk inzwischen auf verschiedene Vertriebskonzepte - und dabei besonders auf die Downloadportale. Ein Top-Thema in München: das steigende Interesse an Podcasts. Alex Wunschel, selbst Podcaster im Marketingbereich (hier seine Homepage), schätzt die Zahl der Podcast-Hörer in Deutschland auf 500000. Bei der Vermittlung von Sachthemen biete sich das neue Medium auch in der Buchbranche an.

Auch Wochen nach der Bachmannpreis-Verleihung bleibt das Börsenblatt am Ball. Im Kommentar erkennt der Verleger Jochen Jung in der Gewinnerin Kathrin Passig einen "neuen Autorentyp", der unangestrengt und mit kurzem Anlauf (am Siegertext schrieb die Autorin angeblich weniger als einen Tag) in die oberste Etage des Literaturbetriebs springen konnte. "Wenn die mal gelernt haben, was man braucht, wenn man auf die lange Distanz geht - na, das kann ja heiter werden", sieht Jung abschließend die traditionellen verlegerischen Felle davonschwimmen. "Ein Wahnsinn, gell?"

Nachdem Weltbild gute Zahlen für 2005 vorgelegt hat (Umsatzplus von neun Prozent auf 1,4 Milliarden Euro) sind die Augsburger weiter auf Wachstumskurs. Im Interview mit dem Börsenblatt hält sich Weltbild-Chef Carel Halff auch Übernahmen sowie ein Eingagement auf dem Gebrauchtbuchmarkt offen.

Im "Menschen"-Ressort stehen der Erziehungsratgeber Jan-Uwe Rogge, der Einmann-Verleger Jürgen Schweier und der FAZ-Korrespondent in Madrid Paul Ingendaay, der mit dem BöBla-Fragebogen - nach zahlreichen Schnarchantworten in den vergangenen Heften - ein kleines Glanzlicht setzt. Kostprobe: Welches Buch Ingendaay gerne schreiben möchte? Eines, das traurig macht und dennnoch stärkt.

Weitere Artikel: Die TMI Vertriebs GmbH steuert als Rackhjobber auch Bücherabteilungen in Warenhäusern und Supermärkten an. Die Vorbereitung zur Umstellung der ISBN auf 13 Stellen (Headline: "Jetzt schlägt's 13") läuft nach Einschätzung der BuchIndustrie StandardAgentur zumindest bei den großen Verlagen plangemäß; bei kleineren Verlagen herrsche noch Unklarheit. Wolfgang Schneider stellt eine Auswahl an Büchern zum Benn-Jubiläum (50. Todestag) vor.

Die Buchmacher vom 10.07.2006 - Börsenblatt

Schwerpunktthema im Börsenblatt sind die neuen Drucktechnologien - und dabei besonders die "große Zukunft" von Print-on-Demand. Besonders für Klein- und Nachauflagen in Fach- und Wissenschaftsverlagen lohne sich das Verfahren schon heute. Demgegenüber hätten sich Individualbücher, bei denen beispielsweise die Inhalte auf den Leser zugeschnitten werden, noch nicht durchgesetzt - zu teuer. Im Interview bescheinigt Druck-Experte Ernst-Peter Biesalski (Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur, Leipzig) dem Druckverfahren gute Entwicklungschancen - unter der Voraussetzung, dass die Kosten gesenkt werden. So werde PoD auch für mittlere Auflagen interessant - und dann "kommt richtig Musik in den Markt."

In einem zwar etwas wirren, aber dabei interessanten Kommentar entwirft der Neurowissenschaftler Manfred Spitzer ein "Gedächtnis aus dem Drucker". Demnach ermöglichen die "drucktechnischen Umwälzungen", dass sich jemand demnächst mit einem normalen Tintenstrahldrucker auf essbarer Pappe eine Pizza ausdruckt. Oder per 3-D-Druck den passenden Schuh. Oder sogar - und jetzt wird es abenteuerlich - neue Neuronen, wenn ein paar ältere abgestorben sind. Durch die "Elektro-Spray-Technik" könnten lebende Zellen in ultrafeinen Tröpfchen gedruckt werden (Hier Spitzers Vision zum Ausdrucken).

Beim Landgericht Hamburg haben der Börsenverein und die Wissenschaftliche Buchgesellschaft mit ihrer gewünschten Einstweiligen Verfügung gegen die Google-Digitalisierung in Bibliotheken auf Granit gebissen. Jetzt bereitet Verbandsjustiziar Christian Sprang eine Musterklage vor. "Im Gegensatz zum Eilverfahren können in einem Hauptsacheverfahren bestimmte Aspekte in die Tiefe geprüft werden", erklärt der Jurist im Interview. Nachteil: Bis zu einem rechtskräftigen Entscheidung des Bundesgerichtshofes können vier bis fünf Jahre vergehen.

Ein Plädoyer für die "Spürnasen und Spediteure" in den Verlagen hält Gudrun Bolduan, Geschäftsführerin des Verlegerausschusses im Börsenerein. Verleger und Lektoren hätten in den vergangenen Jahren, unter dem Einfluss der Kostenlos-Kultur des Internet, zu wenig auf ihre gründlichen Leistungen als Entdecker und Förderer von Texten hingewiesen. Wie die Selbstvermarktung künftig aussehen soll, bleibt Bolduan dem Leser schuldig.

In den vergangenen Monaten sind aus der Zentrale des DuMont Buchverlags in Köln fast nur Krisensignale nach außen vorgedrungen. Im Interview mit dem Börsenblattt legt der neue Programmchef Marcel Hartges (früher bei Rowohlt) seine Strategie vor. Auf drei Säulen will Hartges das Buchprogramm bauen: Die anspruchsvolle Literatur soll internationaler ausgerichtet sowie ein breites Sachbuchprogramm und Spannungsliteraturprogramm aufgebaut werden. Daneben soll der Akzent beim Kunstbuch auf Gegenwartskunst gelegt werden. Darüberhinaus bleiben die Aussagen von Hartges noch im Ungefähren oder politisch Korrekten: Die Anbindung an den Zeitungsverlag sei löblich. DuMont werde auch in Zukunft an der Buchsparte festhalten. Beim Marketing sei Originalität oft wichtiger als die Höhe des Budgets.

Im "Menschen-"Ressort stellt das Börsenblatt das Buchhändlerehepaar Hellmut und Ilona Rehme vor. Den "Fragebogen" hat diesmal die Übersetzerin Elisabeth Edl ausgefüllt. Highlight der ansonsten langweiligen Antworten: "Mit meinem Bären im Schaukelstuhl" würde Edl am liebsten einen Tag den Platz tauschen.

Weitere Artikel: Unter neuem Dach mit der alten Flagge weitersegeln will Grüttefien: Vater Jens-Peter und Sohn Sven bleiben auch nach der mehrheitlichen Übernahme durch Thalia Geschäftsführer, auch die Marke Grüttefien soll erhalten bleiben. Spanische Lizenzfischer ködern immer häufiger bei deutschen Kinderbuchverlagen. wird zum E-Book-Portal ausgebaut.

Die Buchmacher vom 03.07.2006 - Börsenblatt

Mit Kunstbüchern lässt sich nach wie vor gutes Geld verdienen, ist die Bilanz einer Börsenblatt-Analyse zum Kunstbuchmarkt. Dennoch habe die Nische mit Problemen zu kämpfen. Zum einen sei die Zukunft des Kunstbuchbereichs bei DuMont unklar - der neue Verlagsleiter Marcel Hartges habe "Akzentverschiebungen" angekündigt. Außerdem belaste die Einkaufspolitik des Buchhandels das Geschäft. Kunstbücher über 20 Euro seien für die Ketten Risikofaktoren. Außerdem schielten die Filialisten nur nach Spitzentiteln.

Einen "heißen Herbst" kündigt Börsenvereins-Hauptgeschäftsführer Alexander Skipis im Interview zum Zweiten Korb der Urheberrechtsreform an. Retten, was zu retten ist, lautet die Devise der Frankfurter, die mit den bisherigen Entwürfen der Novelle unzufrieden sind und deshalb die Lobbyarbeit in Berlin verstärken wollen. Mit einem sechsseitigen Artikel bringt das Börsenblatt die Leser auf den jüngsten Stand in der komplexen Paragraphendebatte und verweist auf die für das Buchgeschäft zentralen Punkte der Refom - wie den umstrittenen Passus zum elektronischen Dokumenteversand.

Drei linke Vögel, die 1981 einen Verlag gegründet haben - und nach getaner Arbeit oft zum Surfen nach Dänemark gefahren sind: In einem schönen Porträt stellt das Börsenblatt die Gründer des Verlags Die Werkstatt vor. Bis dato haben die Göttinger das größte Fußball-Sachbuchprogramm in Deutschland aufgebaut. Im "Haifischbecken", in das die Verlage zur Fußball-WM gestiegen sind, will das Trio jedoch nicht mitschwimmen. Eigentlich seien im Juni drei Wochen Betriebsferien geplant gewesen, um durch Deutschlands Stadien zu reisen - doch dann seien sie bei der Verlosung der Tickets leer ausgegangen.

Im Interview mit dem Börsenblatt offenbart die Bachmann-Preisträgerin Kathrin Passig, dass sie an dem Siegertext weniger als einen Tag geschrieben habe - und dass der Text ihr erster literarischer sei (bisher hat Passig Sachbücher geschrieben, derzeit schreibe sie am "Lexikon des Unwissens"). Abseits des Schriftstellerdaseins arbeitet Passig als Geschäftsführerin der Zentralen Intelligenz Agentur, eines PR-Büros, das in Berlin unter anderem die "Bunny Lectures" veranstaltet.

In einem Besinnungsaufsatz lüftet Arno Geiger das Geheimnis seiner Motivation zu schreiben (Autoren- und Leserselbstfindung). Aufschlussreicher ist da schon das Lebensmotto von Moritz Hagenmüller, Geschäftsführer von Books on Demand (BoD): "Break the Rules!" Lieblingsbeschäftigung? "Umsetzen." Nächstes Ziel? "Zweistellige Rendite bei einstelligem Handicap."

Weitere Artikel: Die Türkei hat den Zuschlag für den Gastland-Auftritt auf der Frankfurter Buchmesse 2008 erhalten. Der Zwischenbuchhändler Libri hat einen Kopperationsvertrag mit PBS Deutschland geschlossen und bietet künftig Buchhändlern entsprechende Warengruppenpakete an. Nach der Insolvenz des Europa Verlags startet Arne Teutsch mit dem Neuen Europa Verlag durch. Der Bertelsmann Club hält unter dem neuen Chef Fernando Carro (in Insiderkreisen "Turbo-Fernando" genannt) an dem Ziel fest, 2006 schwarze Zahlen zu schreiben. Thalia übernimmt in Östereich die traditionsreiche Wagnersche Buchhandlung. Nach Google will auch Microsoft Bestände von Bibliotheken einscannen. Mit zwei US-Universitätsbibliotheken hat Microsoft Kooperationsvereinbarungen für die "Windows Live Books Search" unterzeichnet.

Die Buchmacher vom 26.06.2006 - Börsenblatt

Als nice guys und girls unter den Filialisten präsentieren sich die vier Geschäftsführer von Osiander im Interview mit dem Börsenblatt. Anders als Thalia mit ihrem "Verdrängungswettbewerb" gehe Osiander (14 Standorte) nicht an die Standorte, die von alteingesessenen Buchhandlungen besetzt werden. Weitere Grenzen des Wachstums seien die regionale Ausrichtung (maximal zwei Autobahn-Stunden vom Logistikzentrum Tübingen entfernt) sowie das Eigenkapital (Quote: 25 Prozent).

Der Manga-Markt ist gesättigt, hat das Börsenblatt beim Comic-Salon in Erlangen erfahren. Da Mangas rund 80 Prozent des Comicmarktes ausmachen, müssen sich die Verlage neu orientieren. So setzen immer mehr Verlage auf deutsche Zeichner wie Christina Plaka (auf die auch schon ein Wikipedia-Eintrag hinweist).

Das Bundeskabinett hat auf die Kritik des Bundesrates zum Zweiten Korb des Urheberrechts reagiert. In der "Gegenäußerung" heißt es, dass Bibliotheken und Museen an beliebig vielen Terminals die Werke aus ihrem Bestand zugänglich machen dürfen - Voraussetzung ist lediglich der Besitz eines Exemplares (das die Verlage mitunter kostenlos als Pflichtexemplar zur Verfügung stellen müssen). Bis zum 7. Juli können sich die Verleger jetzt schwarz ärgern. Dann findet die 1. Lesung im Bundestag statt.

"Das große Preistheater" ist der Kommentar von Rainer Moritz überschrieben, mit dem sich der Chef des Literaturhauses Hamburg wieder weit aus dem Fenster lehnt. Der Literaturbetrieb fördere mit seinen Preisen jene Vetternwirtschaft, "die er sofort und aufs Schärfste" bei Politikern beklagen würde. Warum erhalten immer wieder dieselben Schriftsteller von denselben Juroren die Preise, fragt Moritz mutig - und nennt die typischen Preisträger mit Namen: Terezia Mora, Herta Müller, Durs Grünbein und Felicitas Hoppe. Auswege aus dem Preis-Dickicht zeigt Moritz nicht auf. Wie wär's mit einer von der Bundesregierung eingesetzten Meta-Jury, die auf die proportionale Preisvergabe an Autoren beider Geschlechter sowie aller Generationen und Vermögenshintergründe achtet?

Was soll bloß aus den Vertretern werden, fragt das Börsenblatt, drei Wochen nachdem buchreport dieselbe Frage gestellt hat. Hintergrund: Da die Vertreter von ihren Rundreisen immer weniger Bestellungen mitbringen, muss die Bezahlung neu geregelt werden - bislang werden Vertreter fast nur für Reise- und Anschlussaufträge honoriert. Am Round Table fordert Ex-Suhrkamp- und Neu-Herder-Vertriebschef Georg Rieppel eine möglichst schnelle Ausarbeitung neuer Vergütungsmodelle. Buchhändlerin Annemarie Schneider erklärt, dass sie heute nur noch die Hälfte der Vertreter des Jahres 2000 empfängt. Auf den Zeiger gingen ihr die "Drückervertreter" - die allerdings nur einmal und nie wieder kämen.

Auch in dieser Woche menschelt es im Börsenblatt ganz schön: Die Ausgabe enthält Porträts der Illustratorin Sybille Hein sowie von Börsenvereinsvorsteher Gottfried Honnefelder. Martin Walser höchstpersönlich gratuliert Honnefelder zum 60. Geburtstag (26. Juni): Der Beinahe-Unseld-Nachfolger und Ex-Dumont-Verleger sei beliebt, ein toller Autofahrer, aber kein guter Angestellter und zum Spielen aufgelegt.

Weitere Artikel: Die USA werden 2008 nicht das Gastland der Frankfurter Buchmesse - die Präsidentschaftswahlen kommen dem Plan in die Quere; jetzt wollen die Frankfurter die Türkei an sich binden. Das Debüt der Buchmesse Kapstadt, an der die Frankfurter Buchmesse organisatorisch beteiligt ist, war nach Einschätzung von Ex-Vize-Messe-Direktor Holger Ehling "ein voller Erfolg". 418 Verlage aus 26 Ländern haben auf 5300 Quadratmetern ihre Bücher präsentiert. Das Verzeichnis lieferbarer Bücher hat neue Funktionen (verbesserte Suche, Lieferbarkeitsinformationen). Buchhändler klagen über das durch die Fußball-WM vermieste Geschäft.

Die Buchmacher vom 19.06.2006 - Börsenblatt

Eine Frau an der Spitze einer Verlagsgruppe hat weiterhin Seltenheitswert - trotz Friede Springer, Liz Mohn und Ulla Berkewicz. Leider wird Wolters Kluwer-CEO Nancy McKinstry im Interview mit dem Börsenblatt auf ihre außergewöhnliche Rolle nicht angesprochen. Stattdessen äußert sich die gebürtige US-Amerikanerin ausweichend bis politically correct zu Gott und der Welt. Weder zum Regierungswechsel in Deutschland noch zur Zukunftsstrategie der 3,7-Milliarden-Euro-schweren Fachverlagsgruppe zeigt sich McKinstry besonders offenherzig. Immerhin lässt sie durchblicken, dass der "Workflow" der deutschen Töchter verbessert werden soll, indem Arbeitsplätze an einzelnen Standorten konzentriert werden. Zur Rolle des Buchhandels merkt die Wolters Kluwer-Chefin an, dass am meisten Geld künftig ins Online-Geschäft investiert werde.

Welche Rolle spielt der Autor in der von Raubkopien geprägten "Mediengesellschaft", lautet die Frage, die Wolfgang Schneider unter Verlegern und Autoren gestellt hat. Einen "galoppierenden Verlust für den Sinn des geistigen Eigentums" beklagt etwa Kiepenheuer & Witsch-Chef Helge Malchow. "Schwarm"-Urheber Frank Schätzing moniert, dass sein Roman komplett im Internet gelesen werden könne, weil er in Russland ins Netz gestellt worden sei (hier ein Artikel von Telepolis zum Problem des Plagiats bei Verlagen und in der Bloggerszene). Hellsichtig zeigt sich einmal mehr Schriftsteller Georg Klein, der davon ausgeht, dass die neuen Medien den Autor "zur Demut" erziehen und "Partisanen-Taktiken" wie "Tücke, Tarnung, Terror" nahe legen. Was der Artikel leider ausblendet, sind die großen Chancen, die für Autoren durch das Internet entstanden sind: Jenseits von Lektoraten und Feuilletonredaktionen eine große Community zu erreichen und beispielsweise mit Blogs (hier das von Alban Nikolai Herbst) PR in eigener Sache zu betreiben.

Zur Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels porträtiert Gunter Hofmann, Chefkorrespondent der "Zeit" in Berlin, den Soziologen Wolf Lepenies. Außerdem stellt sich Ina Hartwig, Literaturchefin bei der Frankfurter Rundschau, selbst mit dem "Fragebogen" vor - und hinterlässt einen sympathischen Eindruck: Glücklich mache sie Proust, geprägt habe sie Freud, Lieblingsfigur sei Pippi Langstrumpf, Lieblingsbeschäftigung Grübeln.

"Was ist gefragt beim Kindersachbuch", lautet die Frage der Woche beim BöBla. Thalia und Co. geben Auskunft.

Weitere Artikel: die sächsische Filialkette B.I.S. will unter dem Namen "Books & More" in Nordrhein-Westfalen expandieren. Mit 400 Ausstellern aus 26 Ländern hat die erste Cape Town Book Fair am Wochenende eröffnet; die Messe wird von der Frankfurter Buchmesse und dem südafrikanischen Verlegerverband organisiert. Der Marix-Verlag startet im Herbst eine 100-bändige Reihe "Wissen der Welt". Patmos lässt zum 60-jährigen Bestehen des Verlags sie Artemis-Bibliothek (Texte der Weltliteratur) wiederaufleben.