Die Buchmacher

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Ein Blick in die Branchenblätter der Buch- und Verlagswelt. Jeden Montag ab 12 Uhr.
03.07.2006. Warum die Dampfmaschine Google nicht mehr aufzuhalten ist. Wann Bertelsmann in Deutschland eine große Buchhandelskette aufbaut. Weshalb Kunstbücher über 20 Euro No-Gos sind. Und wer in der Zentralen Intelligenz Agentur arbeitet.

buchreport.express

Noch bevor das Landgericht Hamburg am vergangenen Mittwoch die vom Börsenverein und der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft gewünschte einstweilige Verfügung gegen das Digitalisieren von Bibliotheksbeständen durch Google abgeschmettert hat (hier feiert Google den Etappensieg, hier vermeldet der Börsenverein die Niederlage), ahnte buchreport: "Die Volltextsuche können weder die Richter in Hamburg noch anderswo in der Welt stoppen." Die "Dampfmaschine Google" sei nicht mehr aufzuhalten; "Goliath Google", der "Wohltäter mit der eisernen Faust", habe längst soviel Fahrt aufgenommen, dass er nicht mehr zu stoppen sei. Warum die juristischen Chancen schlecht sind, oder welche Perspektiven sich für die Google-Büchersuche ergeben, darüber schweigt sich der tendenziell allgemeinplätzeschwangere Text allerdings aus. (Eine gute Zusammenfassung des Streits um digitale Bücher lieferte die SZ)

Wann baut Bertelsmann in Deutschland eine eigene Buchhandelskette (neben den Club-Filialen) auf, fragt buchreport anlässlich der Übernahme der portugiesischen Buchhandelskette Livraria Bertrand und verweist nach Frankreich. Nach der Übernahme von Alsatia und Librairies Privat stieg Bertelsmann dort zum zweitgrößten Buchhandelsunternehmen auf.

Die Zwischenbuchhändler erweitern kontinuierlich ihr Sortiment. Nach KNV steigt auch Libri in den Handel mit Papier-, Büro- und Schreibwaren-Artikeln ein - einen "Kampf um die buchfreie Zone" wittert buchreport sogar. Viele Buchhändler stehen dem PBS-Geschäft, wie buchreport berichtet, allerdings zögerlich gegenüber, weil die Artikel auch beim Discounter von nebenan zu haben sind.

"Harry Potter" und Dan Brown haben den Weg für englischsprachige Bücher in Deutschland geebnet. Nie zuvor seien so viele englische und US-amerikanische Autoren hierzulande auf Lesereise unterwegs gewesen, analysieren die Dortmunder. Als Hintergrund hat buchreport den "Turf War" im Blick, der Ende Mai zur BookExpo America zwischen US- und englischen Verlagen aufgeflammt sei. Demnach fürchten die Engländer, "dass ihnen die Amerikaner den angestammten Exklusivzugang nach Kontinentaleuropa mit billigen US-Ausgaben streitig machen wollen."

Weitere Artikel: Springer Science + Business Media startet ein umfassendes E-Book-Programm: 10000 Titel präsentiert die Fachverlagsgruppe in einem eigenen Portal. Klett und Cornelsen kooperieren bei Internet-Lernplattformen für Schüler. Lübbe Audio dockt an die älteste deutsche gedruckte Science-Fiction-Serie "Perry Rhodan" im September mit einer Hörspielserie an. Irene Naumczyk verkauft ihre Personalagentur an die langjährige Mitarbeiterin Sabine Dörrich. Random House übernimmt 80 Prozent von BBC Books. Und hier die Bestseller.
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Börsenblatt

Mit Kunstbüchern lässt sich nach wie vor gutes Geld verdienen, ist die Bilanz einer Börsenblatt-Analyse zum Kunstbuchmarkt. Dennoch habe die Nische mit Problemen zu kämpfen. Zum einen sei die Zukunft des Kunstbuchbereichs bei DuMont unklar - der neue Verlagsleiter Marcel Hartges habe "Akzentverschiebungen" angekündigt. Außerdem belaste die Einkaufspolitik des Buchhandels das Geschäft. Kunstbücher über 20 Euro seien für die Ketten Risikofaktoren. Außerdem schielten die Filialisten nur nach Spitzentiteln.

Einen "heißen Herbst" kündigt Börsenvereins-Hauptgeschäftsführer Alexander Skipis im Interview zum Zweiten Korb der Urheberrechtsreform an. Retten, was zu retten ist, lautet die Devise der Frankfurter, die mit den bisherigen Entwürfen der Novelle unzufrieden sind und deshalb die Lobbyarbeit in Berlin verstärken wollen. Mit einem sechsseitigen Artikel bringt das Börsenblatt die Leser auf den jüngsten Stand in der komplexen Paragraphendebatte und verweist auf die für das Buchgeschäft zentralen Punkte der Refom - wie den umstrittenen Passus zum elektronischen Dokumenteversand.

Drei linke Vögel, die 1981 einen Verlag gegründet haben - und nach getaner Arbeit oft zum Surfen nach Dänemark gefahren sind: In einem schönen Porträt stellt das Börsenblatt die Gründer des Verlags Die Werkstatt vor. Bis dato haben die Göttinger das größte Fußball-Sachbuchprogramm in Deutschland aufgebaut. Im "Haifischbecken", in das die Verlage zur Fußball-WM gestiegen sind, will das Trio jedoch nicht mitschwimmen. Eigentlich seien im Juni drei Wochen Betriebsferien geplant gewesen, um durch Deutschlands Stadien zu reisen - doch dann seien sie bei der Verlosung der Tickets leer ausgegangen.

Im Interview mit dem Börsenblatt offenbart die Bachmann-Preisträgerin Kathrin Passig, dass sie an dem Siegertext weniger als einen Tag geschrieben habe - und dass der Text ihr erster literarischer sei (bisher hat Passig Sachbücher geschrieben, derzeit schreibe sie am "Lexikon des Unwissens"). Abseits des Schriftstellerdaseins arbeitet Passig als Geschäftsführerin der Zentralen Intelligenz Agentur, eines PR-Büros, das in Berlin unter anderem die "Bunny Lectures" veranstaltet.

In einem Besinnungsaufsatz lüftet Arno Geiger das Geheimnis seiner Motivation zu schreiben (Autoren- und Leserselbstfindung). Aufschlussreicher ist da schon das Lebensmotto von Moritz Hagenmüller, Geschäftsführer von Books on Demand (BoD): "Break the Rules!" Lieblingsbeschäftigung? "Umsetzen." Nächstes Ziel? "Zweistellige Rendite bei einstelligem Handicap."

Weitere Artikel: Die Türkei hat den Zuschlag für den Gastland-Auftritt auf der Frankfurter Buchmesse 2008 erhalten. Der Zwischenbuchhändler Libri hat einen Kopperationsvertrag mit PBS Deutschland geschlossen und bietet künftig Buchhändlern entsprechende Warengruppenpakete an. Nach der Insolvenz des Europa Verlags startet Arne Teutsch mit dem Neuen Europa Verlag durch. Der Bertelsmann Club hält unter dem neuen Chef Fernando Carro (in Insiderkreisen "Turbo-Fernando" genannt) an dem Ziel fest, 2006 schwarze Zahlen zu schreiben. Thalia übernimmt in Östereich die traditionsreiche Wagnersche Buchhandlung. Nach Google will auch Microsoft Bestände von Bibliotheken einscannen. Mit zwei US-Universitätsbibliotheken hat Microsoft Kooperationsvereinbarungen für die "Windows Live Books Search" unterzeichnet.
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