Die Buchmacher

Die Buchmacher

Ein Blick in die Branchenblätter der Buch- und Verlagswelt. Jeden Montag ab 12 Uhr.
09.08.2004. In dieser Woche lesen Sie: Warum Wolfgang Balk (dtv) für und Ulrich Störiko-Blume (Beltz & Gelberg) gegen die Rechtschreibgegenreform ist. Warum Christian Strasser sich endgültig aus der Buchbranche verabschiedet. Und wie Joanne K. Rowlings Website aussieht. Von Sandra Evertz

Börsenblatt

Kontrovers über die Rechtschreibreform diskutieren die Verleger Wolfgang Balk (DTV) und Ulrich Störiko-Blume (Beltz & Gelberg) in einem öffentlichen Briefwechsel auf Börsenblatt online. Während für den Kinderbuchverleger vor allem die zusätzlich anfallenden Kosten ("Alle Kinder- und Jugendbuchverlage mussten bereits einmal ihre komplette Backlist neu setzen lassen") gegen eine Rückkehr zur alten Rechtschreibung sprechen, hält der Taschenbuchverleger die Rechtschreibreform für "größtenteils misslungen" und in ihrem Ergebnis für "fahrlässig chaosgenerierend". Korrekturkosten, meint Balk, für Neuauflagen bei Kinder- und Schulbüchern seien überschaubar. Viel mehr Kosten würde die Umstellung des Bibliothekenbestands und der Produktion literarischer Verlage mit sich bringen.

Antiquariate sind von der Kaufzurückhaltung weniger betroffen als die klassischen Sortimente. Wie aus einer vom Börsenverein in Auftrag gegebenen Studie hervorgeht, ist der Umsatz der Gebrauchtbuchhändler im ersten Quartal 2004 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2,6 Prozent gestiegen. Die Neuen Medien hätten die Lage der Antiquariate in den vergangenen zehn Jahren zwar verschärft, gleichzeitig habe das Internet das Geschäft aber auch belebt, erläutert das Börsenblatt. Ein Drittel der gebrauchten Bücher wird mittlerweile online verkauft.

"Packager" heißen die heimlichen Büchermacher. 160 Firmen, die meisten davon mit Sitz in den USA und Großbritannien, sind unter diesem Stichwort im Katalog der Frankfurter Buchmesse gelistet. "Packaging", erklärt das Börsenblatt, "umfasst die Entwicklung eines Buchs von der Idee bis zum gedruckten Werk und dessen anschließenden Verkauf an einen Verlag." Das sei ein äußerst schwieriges Geschäftsfeld, verbunden mit einem nicht geringen unternehmerischen Risiko. In Deutschland treten Packager nur in Ausnahmefällen in Zusammenhang mit klassischen Verlagen auf, gefragt sind sie vorrangig bei zweitverwertenden Sonderauflagen und Buchproduktionen für Nebenmärkte.

Die Buchpreise steigen langsamer als die Lebenshaltungskosten. Während das Verhältnis in den letzten zweieinhalb Jahren der D-Mark noch umgekehrt war, verteuerte sich die Produktgruppe Buch seit der Einführung des Euro um nur noch 1,4 Prozent. Die Lebenshaltungskosten zogen im selben Zeitraum um 3,3 Prozent an.

Der zu Hanser gehörende Zsolnay Verlag hat Anfang August den ebenfalls literarischen und in Wien ansässigen Deuticke Verlag übernommen. An den Personalien ändert sich nichts: Martina Schmidt bleibt Programmleiterin bei Deuticke, Herbert Ohrlinger bei Zsolnay. Programmchef ist Hanser-Verleger Michael Krüger. "Wir wollen seit längerem unsere Basis in Österreich verbreitern", erzählte Stephan Joß, kaufmännischer Geschäftsführer bei Hanser, dem Börsenblatt zum Hintergrund der Verlagsübernahme. Zum Hanser-Engagement in der Schweiz sagte Joß, man stehe mit dem Zukauf von Nagel & Kimche ökonomisch gesehen recht gut da und warte nun ab, ob sich der Verlag zu einem zweiten Zsolnay entwickle.

Meldungen: Das Medienkaufhaus Dussmann bleibt einmalig in Berlin - Firmenchef Peter Dussmann erklärte die Pläne seiner Geschäftsführerin Martina Tittel, eine Filiale in Hamburg zu eröffnen (siehe Archiv), für nichtig. Das Bundeskartellamt hat die Bonnier-Beschwerde über Heyne (Archiv) zurückgewiesen - ob der Streit auf zivilrechtlichem Weg weitergeführt wird, ist noch offen. Die Stadtbücherei Heidelberg gilt laut Bibliotheksindex (mehr) als die beste Großstadtbibliothek Deutschlands, bei den wissenschaftlichen Bibliotheken rangieren die der Fachhochschule Aschaffenburg sowie die Stadt- und Universitätsbibliothek Göttingen auf den vordersten Plätzen.
Archiv: Börsenblatt

buchreport.magazin

Im Buchreport-Interview verabschiedet sich Verleger Christian Strasser, Jahrgang 1945, aus der Branche. Tief enttäuscht ist er über die Filetierung seiner ehemaligen Verlage Ullstein Heyne List (heute zu Bonnier und Random House gehörend), die er selbst mit zehn seiner Mitarbeiter und Hilfe von Investoren hatte kaufen wollen: "Es ist schmerzhaft zu sehen, wie das, was wir alle mit großer Identifikation und Leidenschaft aufgebaut haben, einem aus der Hand genommen, geteilt und in großen Bereichen auch zerstört wurde."

In diesem Jahr feiert Arche 60-jähriges Bestehen. "Männlich" war der Zürcher Verlag bis Anfang der 1980er Jahre - Gertrude Stein bis dahin die einzige Schriftstellerin -, altmodisch und uneffektiv. Nach der Verlagsübernahme durch Elisabeth Raabe und Regina Vitali vor 22 Jahren sei aufgeräumt, dem kleinen Literaturverlag behutsam ein neues Profil verpasst worden, blickt der Buchreport zurück. Mut hätten die beiden "Verlegerinnen der alten Schule" für Experimente gehabt, etwa bei der Verbindung von Sachbuch und Belletristik. Wirtschaftlich schwierig sei es 1987, nach der Übernahme des Luchterhand Literaturverlags (heute unter dem Dach von Random House), gewesen. Denn: Oberste Priorität hat für Raabe und Vitali seit jeher verlegerische Unabhängigkeit.

An die Zukunft der Gesamtausgaben, den "letzten Luxus des Literatur-Betriebs" (Buchreport), glaubt Verleger Michael Klett. Auch unter Nicht-Bildungsbürgern sei es zu einer Prestige- und Lifestylefrage geworden, sich die aufwändigen Editionen ins Regal zu stellen. Das Postbildungsbürgertum werde von den Verlagen nicht mehr so leicht erreicht - da nicht ganzheitlich "gebildet", sondern auf bestimmte Kulturbereiche spezialisiert -, aber auch dort entstehe eine Nachfrage. Klett: "So ist es gegen alle Voraussagen erstaunlich, wie verhältnismäßig gut literarische Verlage noch existieren können."

Kinderbücher werden immer internationaler, der deutsche Kinderbuch-Herbst spricht, zieht man in Betracht, was die Verlage eingekauft haben, Englisch. "Die Kinderwelten gleichen sich in einer durch Medien und Internet zusammenrückenden Welt einander an, das macht auch Bücher universaler", beschreibt Hanser-Verlagsleiter Friedbert Stohner im Buchreport-Spezial "Kinder- und Jugendbuch". Zunehmend schwerer werde es, so die Erfahrung der Lizenzabteilungen vieler Kinderbuchverlage, eigene Titel auf ausländischen Märkten zu platzieren. Am ehesten punkten deutsche Verlage dort mit Fantasy-Titeln.