Die Buchmacher

Die Buchmacher

Ein Blick in die Branchenblätter der Buch- und Verlagswelt. Jeden Montag ab 12 Uhr.
02.08.2004. Diese Woche lesen Sie: Für welche Sprache Übersetzer fehlen. Um wieviel Prozent Amazon wächst. In welchem Buchladen es einen Schlussverkauf gibt. Warum Harry Potter die Statistiken kaputt macht. Von Sandra Evertz.

Börsenblatt

Es fehlt an fähigen literarischen Übersetzern aus dem Koreanischen. Das hat der Frankfurter Buchmesse-Chef, Volker Neumann, 15 Monate vor Koreas Gastlandauftritt festgestellt. Es liege eine Liste von 100 Titeln aus allen Sachbereichen vor, deren Übersetzung gefördert werden solle, erzählte Neumann im Börsenblatt-Interview. "Die literarische Qualität der Texte aus Korea ist sicherlich über jeden Zweifel erhaben. Sehr deutlich werden jedoch die kulturellen Differenzen."

Nachdem der diesjährige Gastlandauftritt der arabischen Welt bei der Frankfurter Buchmesse im Vorfeld immer wieder für Negativ-Schlagzeilen gesorgt hatte, bemühen sich die Messemacher jetzt stetig, gut' Wetter zu machen. Es verspreche, einer der interessantesten Gastlandauftritte überhaupt zu werden, ließ Messe-Sprecher Holger Ehling jüngst verlauten. In den vergangenen Tagen hätten sich noch einige Sponsoren gefunden, auch würden die arabischen Intellektuellen die Messebeteiligung ernst nehmen.

Internetbuchhändler Amazon wächst und wächst. Im laufenden Geschäftsjahr rechnet er mit einem Umsatz zwischen 6,6 und 6,9 Milliarden Dollar. Wie gewohnt nennt der US-Konzern keine gesonderten Zahlen für seinen deutschen Zweig. Nur soviel wurde preisgegeben: Die Auslandstöchter in Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Japan steigerten den Umsatz im zweiten Quartal 2004 (verglichen mit dem Vorjahresquartal) um 50 Prozent.

Buchläden waren laut einer Studie der Amerikanischen Verleger-Vereinigung auch im Jahr 2003 der wichtigste Vertriebskanal der US-Verlagshäuser. In Zahlen: 47,7 Prozent Umsatz machten die Verlage mit den stationären Buchhandlungen. Als zweitstärkster Absatzweg kristallisierte sich mit 41,8 Prozent der Vertrieb über Grossisten und Rackjobber heraus.

Knapp zehn Tage vor Ende der Sommeraktion "Das große Lesen" am 6. August haben 90.000 Menschen ihr Lieblingsbuch gewählt. 50.000 Stimmen davon gingen über das Internet ein. Nominiert seien internationale Schriftsteller, etwa T.C. Boyle, Umberto Eco oder Henning Mankell, wie deutsche, von Johann Wolfgang von Goethe über Hermann Hesse bis hin zu Bernhard Schlink, erklärte das ZDF, einer der Veranstalter, gegenüber dem Börsenlatt. Literaturnobelpreisträger Günter Grass müsse noch mehr Wähler gewinnen, um in die "Top 50" zu kommen, hieß es.

Die Verlagsgruppe Seemann Henschel, Leipzig, hat rückwirkend zum 1. Januar dieses Jahres die Verlagsgesellschaft Koehler & Amelang, spezialisiert auf Bücher zur Geschichte und Kulturgeschichte, von der DVA übernommen. Zuletzt hatte Koehler & Amelang keine Titel mehr produziert. 2005 sollen unter der neuen Führung zwölf bis 16 Novitäten auf den Markt kommen.

Personalien: Bernhard Suchy, bisher DVA, ist neuer Programmchef Sachbuch bei Ullstein. Sein Vorgänger, Thomas Rathnow, hat die Programmleitung des Siedler Verlags übernommen. Bettina Feldweg, zuletzt bei Kabel und Piper für den Bereich Unterhaltung zuständig, verantwortet künftig das Programm des Malik Verlags.

Meldungen: Norma Khouris Erinnerungen "Du fehlst mir, meine Schwester" (Rowohlt) stehen unter dem Verdacht, gefälscht zu sein. Das Berliner Kulturkaufhaus Dussmann beabsichtigt, in der Hamburger Innenstadt eine Niederlassung zu eröffnen - auch der Marktführer der Hansestadt, Thalia, will weiter wachsen. Zehn von 16 Bundesländern sind, laut einer Handelsblatt-Umfrage, bereit, die Ladenöffnungszeiten von Montag bis Samstag rund um die Uhr freizugeben - das Saarland ist dagegen, fünf Länder überlegen noch.
Archiv: Börsenblatt

buchreport.express

Mit dem Schulbuchgeschäft - die Marge liegt hier bei circa 25 Prozent - ist im Vergleich zu anderen Sparten nicht der schnelle Euro zu machen. "Trotzdem wird der Kreis der Händler, die sich daran beteiligen immer größer", meldet der Buchreport in seiner Titelgeschichte. Mit von der Partie sind jetzt auch die Online-Tochter von Weltbild, Amazon, Buecher.de und Buch.de. Zwar ärgerten sich die Internetversender über die "dürftigen" Rabatte, doch wollten sie im Marketing punkten und sich als Buchhändler mit Vollsortiment profilieren. Jeder neue Mitbewerber bedeutet übrigens einen Umsatzverlust der bisher beteiligten Händler.

Vor fünf Jahren lehnte die Branche bei den Buchhändlertagen einen flächendeckenden Schlussverkauf - mit MA- und antiquarischen Titeln, versteht sich - ab. Die Buchbranche bleibt bei ihrem Entschluss und beteiligt sich auch nach der Aufhebung des Schlussverkaufs im EInzelhandel nicht am ersten Pseudo-SSV. "Weil an den MA-Tischen jederzeit günstige Bücher zu finden sind, schätzt das Gros der Sortimenter die möglichen Umsatzpotenziale im Schlussverkauf seit jeher gering ein", schreibt der Buchreport. Als einziger stationärer Buchhändler organisiert die Mayersche derzeit ihre so genannten Weißen Buchwochen als Marketing-Aktion. Anders sieht's bei den österreichischen Nachbarn aus, wo der Schlussverkauf der Buchhändler seit 23 Jahren fest im Terminkalender steht.

Trotz aller Warnungen, dass die Kundschaft noch orientierungsloser wird: Die Zahl der Neuerscheinungen ist im letzten Jahr gestiegen. Die Verlage fürchten, dass bei einer Reduzierung ihres Novitätenausstoßes ihre Präsenz im Buchhandel leiden und sie eine Verringerung der Titelzahl Marktanteile kosten könnte, vermutet der Buchreport und warnt: "Häufig führt solches Sicherheitsdenken in die Irre, denn die meisten Neuerscheinungen verschwinden in der Versenkung, ohne am Markt einen nennenswerten Effekt zu hinterlassen."

Harry Potter macht die Buchhandelsstatistiken kaputt. Zwar sei die Freude über 500.000 verkaufte Exemplare der englischen Ausgabe von HP V, die im vergangenen Juni auf den Markt kam, erst mal groß gewesen, erinnert sich der Buchreport. Doch warte der Buchhandel in diesem Jahr auf einen vergleichbaren Selbstläufer. Folge: Seit Anfang Juli verzeichnet die Belletristik ein dickes Minus im Vergleich zum Vorjahr. Weitere unerfreuliche Überraschung: Auf den überschwänglich georderten deutschen Übersetzungen des fünften Potter-Bandes blieben viele Buchhändler sitzen. Mittlerweile hat der Carlsen Verlag trotz seiner offiziellen Verweigerung von Remissionen begonnen, überzählige Exemplare zumindest teilweise zurückzunehmen.

Zum Schluss: die Bestsellerlisten.