Die Buchmacher - Archiv

Börsenblatt

328 Presseschau-Absätze - Seite 12 von 33

Die Buchmacher vom 16.01.2006 - Börsenblatt

Der Streit um die Vergütungsregeln für Übersetzer ist völlig aus dem Ruder gelaufen. So formuliert es Joachim Unseld, FVA-Chef und Vorsitzender der AG Publikumsverlage im Börsenverein. Neun unterschiedliche Urteile seien bislang in München und Berlin gefällt worden, im Februar wolle das Landgericht Hamburg in drei weiteren Fällen entscheiden, fasst das Börsenblatt die aktuelle Sachlage zusammen. Die Publikumsverleger und Börsenvereinsjustiziar Christian Sprang befürchten, dass die Richtersprüche letztlich Übersetzungen aus der literarischen Landschaft verdrängen werden. Dagegen wollen sie mit einer gemeinsamen Resolution vorgehen.

Die deutschen Verlage registrieren ein zunehmendes Interesse des englischsprachigen Auslands an junger deutscher Literatur. Von einer "Trendwende" möchten sie aber noch nicht sprechen, ergab der Rundruf des Börsenblatts.

In der Schweiz mischt der erfolgreichste deutsche Buchhändler, Thalia, zwar ganz oben mit, hat aber die Konkurrenz noch nicht vollständig verdrängen können. Orell Füssli führt bei den Eidgenossen mit 73 Millionen Euro Umsatz die "Top 3" der Buchhandelsketten an, gefolgt von eben Thalia (63 Millionen Euro) und Ex Libris (rund 40 Millionen Euro).

Die Geschäftsidee vieler Bibliotheken, Bestseller gegen Gebühr auszuleihen, stößt den Buchmachern übel auf. Es handle sich um ein wirtschaftliches Entgelt, erklärte der auf Urheberrecht spezialisierte Jurist Gernot Schulze dem Börsenblatt. Das Recht auf Vermietung hätten die Bibliotheken aber bei den Verlagen und Urhebern nicht eingeholt. Auch die Benutzer ärgern sich. Finanzieren sie die Bibliotheken nicht schon mit ihren Steuern?

Der Kulturauftrag wird vom Fernsehen, insbesondere von ARD und ZDF, sträflich vernachlässigt. Das findet "Lesen!"-Moderatorin Elke Heidenreich, die im Börsenblatt-Interview die Abschiebung der Kultur auf die so genannten Kultursender Arte und 3sat anprangert. Heidenreich wünscht sich literaturkritische Sendungen a la "Literarisches Quartett". In "Lesen!" werde ja nur empfohlen, keine Kritik betrieben.

Der britische Verlegerverband Publishers Association braucht Spenden. Nur mit finanzieller Unterstützung kann er sich ein zweites Beschwerdeverfahren, welches die Übernahme des Filialisten Ottakar's durch Konkurrent Waterstone's verhindern soll, leisten. Das erste Verfahren vor der Kartellaufsicht hat den Verband knapp 100.000 Pfund für Berater- und Anwaltshonorare gekostet. Und diesmal wird's noch teurer, weiß das Börsenblatt.

Das Münchener Medienunternehmen Foreign Media Group Germany hat, wie zur Buchmesse angekündigt, seine ersten Bücher auf den deutschen Markt gebracht: fünf Kinderbücher und einen Thriller. Die Bücher erscheinen unter der Marke Pimento. Wie das Programm in 2006 weiterentwickelt wird, steht noch nicht fest, schreibt das Börsenblatt. Das Amsterdamer Mutterhaus Foreign Media Group beschäftigt 130 Mitarbeiter und hatte sich für 2005 ein Nettoumsatzziel von 80 Millionen Euro vorgenommen.

Schröder sei dank? Der Schweizer Ringier-Verlag hat Interesse an der Übernahme des Berliner Kulturmagazins "Monopol" angemeldet. Gesellschafter und Herausgeber sind Florian Illies und Amelie von Heydebreck. Vergangenes Jahr waren Gespräche mit dem Spiegel-Verlag über eine Beteiligung an "Monopol" geplatzt.

Meldungen: HDS Retail konnte sich im Wettbewerb um die Buchhandelsflächen im neuen Berliner Hauptbahnhof durchsetzen, ab Ende Mai versorgt der Hachette-Ableger die dort täglich erwarteten 300.000 Reisenden und Konsumenten. Im Heinrich Heine-Jubiläumsjahr 2006 (150. Todestag am 17. Februar) hebt die Stadt Düsseldorf die Dotierung für den Heine-Literaturpreis von 25.000 Euro auf 50.000 Euro an. Um den Deutschen Hörbuchpreis konkurrieren 33 Hörbücher in fünf Kategorien, die Auszeichnung des WDR wird am 12. März bei der LitCologne verliehen.

Die Buchmacher vom 10.01.2006 - Börsenblatt

Geld zurück-Forderungen im großen Stil sind den Buchhändlern zwischen den Jahren erspart geblieben und auch sonst fanden die wenigsten Sortimenter bei einer stichprobenartigen Umfrage des Börsenblatts Anlass zum Klagen. Wohl unter anderem auf Grund der wenigen Spitzentitel, die im Weihnachtsgeschäft aus der Masse herausragt waren, lagen zahlreich Büchergutscheine unter dem Christbaum. Eingelöst wurden sie zum großen Teil zeitnah, was den Buchhändlern auf der Zielgeraden des alten Jahres "zufriedenstellende Umsätze" bescherte. Bücher hätten - neben Parfümerieartikeln und Wintermode - zu den Gewinnern im Dezember gehört, zitiert das Börsenblatt den Hauptverband des Deutschen Einzelhandels.

Selbstbewusst stellen sich Buchhändler und Verlage nach dem Verkauf von Gondrom an Thalia auf. Tom Kirsch, Geschäftsführer der Kette Buch & Kunst, wertete die Übernahme nicht als Niedergang des mittelständischen Buchhandels. Es handle sich, wie bei der Schließung der Ferber'schen in Gießen, um eine "Einzelfallentscheidung". Alle vom Börsenblatt befragten Marktteilnehmer gingen von einem Andauern des Konzentrationsprozesses im Sortiment aus. Dtv-Chef Wolfgang Balk sah die Konzentration im Buchhandel als Teil eines größeren Prozesses - hin zu einer Ent-Individualisierung. Diese Entwicklung könne man bedauern, sagte Balk, aufzuhalten sei sie allerdings nicht.

Profis, die Ebay oder den Amazon-Marketplace nutzen, halten die Spielregeln des festen Ladenpreises größtenteils ein, freut sich das Börsenblatt. Dennoch sind letztes Jahr von der Kanzlei des Preisbindungstreuhänders mehr als 300 "schwarze Schafe" ausfindig gemacht worden. Vor allem vorgeblich "private Anbieter", die wegen der hohen Verkaufszahlen der Preisbindung unterliegen, haben versucht, die Ladenpreise zu unterwandern.

Für diejenigen, die sich im Rahmen der WM auch auf geistiger Ebene mit Fußball beschäftigen möchten, halten die Buchhändler viele, viele Fußballtitel bereit. Das Barsortiment Umbreit habe seit Juli 2005 rund 1.500 Bücher zum Thema ans Lager genommen, versucht das Börsenblatt eine Größenordnung herzuleiten. Auch der Onlinedienst des Branchenmagazins läuft sich für das Sportereignis des Jahres warm. Die Redaktion will ab sofort das "Fußball-Buch des Tages" vorstellen.

Gleich zu Beginn des neuen Jahres beschäftigt sich das Parlament mit Büchern, genauer: mit dem Preisbindungsgesetz. Für den 19. Januar ist die erste Lesung des Entwurfs angesetzt, der unter anderem Änderungen bei den Schulbuchnachlässen vorsieht. Die FDP will dazu die Modernisierung des Urheberrechts (so genannter zweiter Korb) forcieren. In einem Antrag hat die Oppositionspartei eine Dokumentation über die Veränderungen des Urhebervertragsrechts seit 2002 gefordert. Die Liberalen möchten Änderungen im Hinblick auf Praxisauswirkung und Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Kultur- und Medienwirtschaft bewertet wissen.

Verleger Jochen Jung will die Feste nicht nur feiern, wie sie fallen, sondern mehr.

Schließlich die Meldungen: Der Kookbooks Verlag bekommt in Berlin ein neues Domizil mit eigenem Ladenlokal: Unter dem Namen "Sonnenstudio" verkauft Verlegerin Daniela Seel ab Mitte Januar Kookbooks, Musik-CDs und Hörbücher von Suppose. Der Schriftsteller Habib Bektas und der Übersetzer und Autor Yüksel Pazarkaya haben in Erlangen den Sardes Verlag gegründet, neben zeitgenössischer türkischer Literatur sollen bei Sardes Werke deutsch-türkischer Autoren erscheinen. Rüdiger Safranski wird im Juni mit dem mit 12.500 Euro dotierten Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg ausgezeichnet.

Die Buchmacher vom 02.01.2006 - Börsenblatt

Das Börsenblatt ist in dieser Woche allein auf weiter Flur!

Zwischen den sonst eher nachrichtenarmen Tagen bestimmt Thalia, größter Buchhändler im deutschsprachigen Raum, die Schlagzeilen. Der Marktführer (461 Millionen Euro Jahresumsatz) will zum 1. Januar die Buchhandelskette Gondrom (26 Filialen, mehr als 60 Millionen Euro Jahresumsatz) übernehmen - vorbehaltlich der Zustimmung des Bundeskartellamts. Mit dem Zukauf überspringt Thalia die 500-Millionen-Euro-Umsatzhürde und steigert seinen Marktanteil von fünf auf sechs Prozent. "Der Veränderungsprozess im Sortimentsbuchhandel ist damit um eine Facette reicher: Die Konzentration spielt sich unter den größten Unternehmen ab", kommentiert das Börsenblatt den Deal.

Zwar konnte der Einzelhandelsverband bei Redaktionsschluss des Börsenblatts noch keine endgültige Aussage zum Ausgang des Weihnachtsgeschäfts 2005 treffen, jedoch rechnete er "ungefähr mit den gleichen Einnahmen wie 2004". Der Buchhandel scheint im Mittel zu liegen: Eine Börsenblatt-Umfrage unter 60 Sortimentern hat ein leichtes Umsatzplus von einem Prozent ergeben. Das Weihnachtsgeschäft sei - als Folge der Flut an Billigbibliotheken und Sondereditionen - geprägt von der Suche nach günstigen Angeboten gewesen, der "Run" auf die Buchläden habe erst spät eingesetzt und vor allem Frauen hätten "Panikkäufe" zu Heiligabend getätigt, teilten die Buchhändler, zu den Besonderheiten befragt, mit.

Auch bei den Onlinern wurden die Bücher diesmal erst "kurz vor Schluss" in den Warenkorb gelegt. Die meisten Bestellungen seien zwei Wochen vor dem Fest eingegangen, melden einstimmig Weltbild.de und Buch.de. Trotz der Spätkäufe sind die Online-Anbieter von Büchern "äußerst zufrieden". Weltbild feiert dank täglich eingehender Bestellungen im Wert von mehr als einer Million Euro "das beste Weihnachtsgeschäft" seit Bestehen seines Angebots, Amazon.de freute sich in Spitzenzeiten über 400.000 bestellte Artikel pro Tag.

Der scheidende Börsenvereinsvorsteher Dieter Schormann macht der Branche in einem Abschiedskommentar Mut, warnt jedoch vor Übermut: Es gehe langsam aufwärts, aber es sei nicht gesagt, ob die positive Entwicklung zu einer dauerhaften Trendwende führe. "Die Buchbranche erwartet noch einige wirtschaftliche Kämpfe in den nächsten Jahren", vermutet der langjährige Buchhandlungs-Inhaber, den die Reaktionen auf den Verkauf der eigenen Buchhandlung an Branchenprimus Thalia zum Rücktritt vom höchsten Ehrenamt im Verband gebracht haben.

Auf zwei Seiten blickt Verlegerin Rosemarie von dem Knesebeck auf die rund fünfjährige Amtszeit Dieter Schormanns zurück. Ein unumstrittener Vorsteher sei Schormann nie gewesen, schreibt Knesebeck. Sie erinnert sich an dessen "markenbewussten, medientauglichen Auftritt mit Fliege, Brille, Schal in einer strahlenden Farbe sowie zwei Uhren am Handgelenk, manchem zu laut für die Branche". Schormann habe mit großem Elan die Idee eines erfolgreichen Branchenmarketings verfolgt - bis heute sei sie an der Uneinigkeit der Branche gescheitert. Auf die Fahnen schreiben kann sich der zu diesem Zeitpunkt "Altvorsteher" das Anpacken der Themen Verbandsreform, Sanierung der Börsenvereinsfinanzen, Preisbindungsgesetz, Stärkung der Buchmessen und Ausbau der Marktforschung.

Im preisbindungsfreien Großbritannien verschärft sich der Wettbewerb im Sortiment: Das Florieren der Vertriebszweige Internet (Umsatzanteil 2005: 11,2 Prozent, 2004: 9,1 Prozent) und Supermarkt (2005: 8,5 Prozent, 2004: 5,6 Prozent) zwingt die stationären Buchhändler mit Nachlässen bis zu 50 Prozent in die Knie.

Meldungen: Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki ist mit dem Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet worden, fast gleichzeitig verlieh ihm die Freie Universität Berlin die Ehrendoktorwürde. Nach Macmillan (Holtzbrinck) und Random House gibt der amerikanische Verlag HarperCollins Pläne für eine Plattform digitaler Inhalte bekannt. Laut Bestseller-Jahresauswertung von Media Control GfK International sind J. K. Rowlings "Harry Potter und der Halbblutprinz", das Original "Harry Potter and the Half-Blood Prince" und Dan Browns "Sakrileg" die meistverkauften Bücher 2005. Und hier die aktuelle SWR-Bestenliste von Januar 2006.

Die Buchmacher vom 19.12.2005 - Börsenblatt

Zwar wird 2005 als "Jahr der digitalen Volltextsuchen" in die Buchhandelsgeschichte eingehen, die Resonanz der Verlage ist jedoch bisher verhalten. Einer Börsenvereins-Umfrage unter 139 Publikums- und Fachverlagen zufolge haben erst 22 Prozent Verträge mit Google und Amazon geschlossen, acht Prozent wollen sich demnächst beteiligen. Die Haltung scheint abwartend, denn 73,1 Prozent der befragten Verlage verfügten bereits über digitalisierte Datensätze. Annähernd die Hälfte der Befragten befürwortet die geplante brancheninterne Lösung zur Volltextsuche, die den Verlagen die Hoheit über ihre Inhalte sichern soll.

Nicht glücklich sind Verlage, die Publikationen zur Fußball-WM herausbringen, damit, dass sich Ausrichter Fifa etliche Begriffe als Marken schützen ließ. Fifa-Titelschutz gilt zum Beispiel für "WM 2006" oder "Fußball WM 2006". "Im Auftrag eines Verlags hat inzwischen eine Kanzlei die Löschung dieser Marken mit der Begründung beantragt, dass solche Gattungsbegriffe nicht monopolisiert werden dürfen", berichtet das Börsenblatt. In erster Instanz waren die Richter auf Seite der Buch- und Zeitschriftenverlage. Nun muss der Bundesgerichtshof entscheiden.

Das Marketing zur Weltbild-Goldbibel (siehe "Buchmacher"-Archiv) findet Carola Markwa perfekt - aber unlauter. Auf der Meinungsseite fragt sich die Leiterin der Buchhandlung Weiland u.a., was die katholische Kirche wohl davon hält.

Letzten Freitag hat in Istanbul der Prozess gegen den diesjährigen Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels, Orhan Pamuk, begonnen. Im Vorfeld des Gerichtstermins verfassten prominente Autoren - darunter die Literaturnobelpreisträger Grass, Garcia Marquez und Saramago sowie Umberto Eco und Mario Vargas Llosa - eine Solidaritätserklärung für Pamuk, der wegen "Herabsetzung des Türkentums" angeklagt ist. Zur Last gelegt wird dem Autor ein Interview, in dem er offen die Verfolgung von Armeniern und Kurden angesprochen hatte. Dafür droht ihm eine bis zu dreijährige Haftstrafe. Gegenüber der türkischen Zeitung Radikal erklärte Pamuk zuversichtlich, er rechne nicht damit, ins Gefängnis zu müssen.

Ist der Standort Ostdeutschland für die Branche noch attraktiv? wollte das Börsenblatt in seinem wöchentlichen Rundruf wissen, nachdem Reclam angekündigt hat, sich aus Leipzig zurückzuziehen. Andere Verlage und auch Buchhandlungen bauen allerdings weiter auf den Osten.

Die Uni- und Landesbibliothek Halle muss sich von etwa 200.000, teils "sehr wertvollen" Büchern trennen. Die Bücher seien zu DDR-Zeiten durch Enteignung in den Bestand der Bücherei gelangt, erläutert das Börsenblatt. Nun soll den Rückforderungen der ehemaligen Besitzer entsprochen werden.

Personalien: DuMont-Verleger Gottfried Honnefelder wird im Januar 2006 Nachfolger vom zurückgetretenen Börsenvereinsvorsteher Dieter Schormann, Honnefelders Stellvertreterposten übernimmt Ole Schultheis von der Bücherjolle Starnberg. Vorsteher-Neuwahlen sind für Mai angesetzt. Adrienne Hinze, derzeit bei Fischer Taschenbuch Assistentin der Programmgeschäftsführung, soll am 1. März das neu geschaffene Amt der Geschäftsführerin bei der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen (AvJ) antreten.

Meldungen: Bertelsmann hat im Börsenblatt Spekulationen der Süddeutschen Zeitung zurückgewiesen, das Unternehmen wolle seine Anteile (25,1 Prozent, geschätzter Wert: zwischen sieben und acht Milliarden Euro) an der Groupe Bruxelles Lambert (GBL) zurückkaufen. GBL will im kommenden Jahr den Börsengang wagen, die Gütersloher halten sich zu diesem Thema in eigener Sache weiterhin bedeckt. Der Marebuchverlag publiziert die Taschenbuchausgaben seiner Titel ab 2007 exklusiv bei Fischer in Frankfurt, bis dahin besteht die Taschenbuch-Kooperation mit Piper. Piper startet im kommenden Frühjahr das Label Piper Nordiska.

Die Buchmacher vom 13.12.2005 - Börsenblatt

Aldi heizt seit letzter Woche die Schnäppchenjagd an. Für einen Verkaufspreis von gerade mal 12,95 Euro haben die 1.600 Aldi Süd-Filialen Hörbuchpakete (Krimis und Weltliteratur) mit jeweils zwölf CDs geschnürt. Für den Discounter exklusiv produziert hat sie der Tandem Verlag. Mit der Aldi-Kooperation wolle Tandem-Geschäftsführer Herbert Ullmann "die Zielgruppe erweitern", schreibt das Börsenblatt. Die Buchhändler sind - zumal mitten im Weihnachtsgeschäft - sauer. Bei solch einem Preisdumping können sie nicht mithalten.

Bei den Verlagen sitzt das Geld bekanntermaßen nicht locker und von hohen Vorschüssen können heutzutage nur noch Autoren träumen, die wirklich Rang und Namen haben. Oder hatten. Die angekündigten Memoiren des Altkanzlers sollen nach Insider-Einschätzungen bis zu 1 Million Euro wert sein. Um welche Summen es bei den Verhandlungen um das Schröder-Honorar tatsächlich geht, ist noch nicht durchgesickert, nur soviel, dass Random House und Hoffmann und Campe mit von der Bieter-Partie sind. Stellvertretend für Gerhard Schröder, der zwar noch keine Zeile zu Papier gebracht hat, mit seinem Marktwert aber zufrieden sein sollte, führt der Hamburger Medienanwalt Matthias Prinz die Gespräche mit den Verlagen.

Vor wenigen Wochen noch gab der zum Douglas-Konzern gehörende Buch-Filialist Thalia den Branchenmagazinen ausführlich Auskunft über seine Expansionspläne. Mit finanzieller Beihilfe der Verlage plante der Branchenprimus die Eröffnung weiterer Läden. Dass eine Berliner Thalia-Filiale (im Ring Center I) kurz vor der Schließung steht, bestätigte die Douglas-Tochter dem Börsenblatt weniger auskunftsfreudig und ohne die Nennung von Gründen.

Jahr für Jahr führt die Logistikumfrage des Ausschusses für den Zwischenbuchhandel (im Börsenverein) vor Augen, dass die Rationalisierungspotenziale in der Branche nicht ausgeschöpft werden. Das Börsenblatt hat von einer Tagung der Auslieferer VVA und VM Verbesserungsvorschläge mitgebracht: So sollten die Verlage beispielsweise über ihre Konditionenmodelle nachdenken, die Buchhändler über die konsequentere Nutzung elektronischer Bestellwege und die Bündelung von Bestellungen. Den Auslieferern würde die Lagerung der Titel nach Drehzahl (nicht nach Verlagen) eine Ersparnis bringen. Zwar gibt es in allen Disziplinen Vorreiter, doch für das Gros der Branchenteilnehmer gilt: Die alten Zöpfe müssen radikal ab.

Welche Warengruppen dem Sortiment im neuen Jahr Aufwind geben werden, fragte das Börsenblatt in seinem wöchentlichen Rundruf bei Sortimentern nach. Bei aller Unterschiedlichkeit der Einschätzungen räumte die Mehrzahl der Buchhändler dem Kinder- und Jugendbuch große Chancen ein.

Deutsche Bücher sollen in der Schweiz billiger werden. Zurzeit liegen dort die Franken-Preise der aus der Bundesrepublik importierten Bücher bis zu 14 Prozent über dem Euro-Umrechnungskurs. Der Schweizerische Buchhändler- und Verlegerverband einigte sich mit Preisüberwacher Rudolf Strahm darauf, dass die Schweizer Sortimente die Preise für Bücher aus Deutschland in einem ersten Schritt um durchschnittlich zwei Prozent senken (ab Juli 2006) und in einem zweiten Schritt um nochmal zwei Prozent (ab Juli 2007). Die jetzt gefundene Regelung liege zwischen den beiden Extremen "vollständige Preisbindung" und "vollständige Preisliberalisierung", zitiert das Börsenblatt Verhandlungsführer Strahm.

Meldungen: Reclam bricht die Zelte in seiner Gründungsstadt Leipzig ab und veröffentlicht nur noch von Ditzingen aus - das Label Reclam Leipzig soll beibehalten werden. Der Hörverlag schreibt erstmals den Prix Hörverlag, einen Preis für das Format Original-Hörspiel, aus. Audibleblog.de bietet kostenlos zum Download einen Crash-Kurs zum Thema "Hörbuch" an.

Die Buchmacher vom 06.12.2005 - Börsenblatt

Schon knapp vier Monate vor Messebeginn kann sich Oliver Zille, Direktor der Leipziger Buchmesse, für seine Arbeit auf die Schulter klopfen: Die Zahl der Anmeldungen hat einen neuen Rekordstand erreicht. Zille rechnet für die kommende Messe mit rund 2.200 Ausstellern (rund fünf Prozent mehr als in diesem Jahr) auf einer um fünf Prozent erweiterten Fläche (in 2005: 49.000 Quadratmeter). Mit über 100 Teilnehmern aus dem Bereich Hörbuch bleibe Leipzig die wichtigste und größte Hörbuch-Veranstaltung in Deutschland, berichtete der Messe-Chef dem Börsenblatt stolz.

Langsam verlieren die Verlage ihre Scheu vor dem Internet. Auf einer von Rowohlt veranstalteten Tagung zum zehnjährigen Bestehen der verlagseigenen Homepage versprach sich Marketing-Chef Lutz Kettmann vom Online-Buchhandel eine "interessante neue Vertriebsschiene", durch die backliststarke Verlage kompensieren könnten, was im stationären Handel verloren zu gehen drohe. Resümee des Fachpublikums war, dass die Möglichkeiten, die das Internet der Buchbranche bietet, noch längst nicht ausgeschöpft werden.

Erwartungsgemäß wenig begeistert sind die rechnenden Köpfe in den Verlagen nach den Urteilen um die Übersetzervergütung (siehe Buchmacher-Archiv). Dirk Strempel vom Hanser Verlag wirft den Gerichten beispielsweise vor, dass sie keine Vorstellung von den Folgen ihrer Beschlüsse hätten. Gert Frederking von Frederking & Thaler freundet sich mit dem Gedanken an, Übersetzungen nicht mehr in Deutschland anfertigen zu lassen, sondern aus dem Ausland einzukaufen. Eckhard Kloos fordert, stellvertretend für den Rowohlt Verlag, die Einstellung der Gerichtsprozesse. Die derzeitige Rechtsunsicherheit sei für die Branche nicht tragbar, sagte Kloos dem Börsenblatt. Durch die Urteile werde der Markt so gestört, dass er auszutrocknen drohe.

Welche Fähigkeiten Verleger von Haus aus mitbringen müssen, hat sich Jochen Jung, Leiter des Jung und Jung Verlags in Salzburg, überlegt und reibt sich an der Meinung seines Kollegen Bernd F. Lunkewitz (Aufbau Berlin).

Google treibt neben Google Book Search die Realisierung einer digitalen Weltbibliothek voran. Der Library of Congress hat der Suchmaschinenbetreiber zur Weiterentwicklung des Projekts eine Finanzspritze von drei Millionen Dollar zugesagt. Hintergedanke von Google sei es, mit der "größten Bibliothek der Welt" an der Entwicklung von Standards zur Katalogisierung digitaler Inhalte zu arbeiten, denkt sich das Börsenblatt. Über die "Digital Library" soll jeder Internetnutzer kostenlos Zugriff auf seltene Bücher, Karten und andere Druckwerke erhalten.

Personalien: Altbundeskanzler Gerhard Schröder geht unter die Buchmenschen. Dem Zürcher Ringier-Konzern wird er künftig in beratender Funktion zur Seite stehen. Mit seiner internationalen Erfahrung soll er neue Märkte in Asien und Osteuropa öffnen. Neben Beiträgen für die Ringier-Zeitung "Blick" verfasst Schröder auch seine Memoiren (die Verlage pokern schon um den Zuschlag).

Meldungen: Katharina Wagenbach-Wolff, Verlegerin der Friedenauer Presse (Berlin), wird, unter anderem für ihre "Beharrlichkeit" und "Entdeckerfreude", mit dem Kurt-Wolff-Preis ausgezeichnet. Bestseller-Autor Harry Thürk ("Die Stunde der toten Augen"), vom Spiegel "Konsalik des Ostens" genannt, ist in seiner Heimatstadt Weimar verstorben.

Die Buchmacher vom 28.11.2005 - Börsenblatt

Im Streit um die Vergütungsregeln - aktuelle Gerichtsurteile haben den Urhebern, auch den Übersetzern, den Rücken gestärkt - startet Börsenvereinsjustiziar Christian Sprang einen Vermittlungsversuch. Sprang schlägt vor, in den Verträgen zwischen Übersetzern und Verlagen keine fixen Vergütungsmodelle festzuschreiben. Der Übersetzer solle vielmehr bei Vertragsunterzeichnung zwischen drei Optionen wählen: hohes Seitenhonorar bei geringer Absatzbeteiligung oder geringes Seitenhonorar bei hoher Absatzbeteiligung oder mittlereres Seitenhonorar bei mittlerer Absatzbeteiligung. Durch die Wahl trage der Übersetzer das unternehmerische Risiko mit.

Angesichts der Aufregung um die Forderungen von Thalia (siehe Archiv) blickt das Börsenblatt zu den niederländischen Nachbarn: Dort sind Verlags-Marketingaktionen in Buchhandlungen seit Jahren gang und gäbe. "Besonders die großen Buchhandelsketten wie Ako, Bruna und BGN bieten Verlagen immer neue Varianten, ihre Titel der Kundschaft gegen Bezahlung zu präsentieren", schreibt das Magazin. Mit Ausnahme des Kassenraums sei fast jeder Platz zu mieten. Noch nicht kaufen können die Verlage das Verfügungsrecht über die Verkaufsfläche.

Aus Google Print wird Google Book Search. Die Internetsuchmaschine will mit der neuen Namensgebung Missverständnisse aus dem Weg räumen. Bei dem Projekt gehe es nur um die Online-Suche in digitalisierten Buchinhalten, unterstreicht Google-Mitarbeiter Jens Redmer. Der Name Google Print habe bei Nutzern den Eindruck erweckt, Dokumente auch ausdrucken zu können. Gerüchte, Google bastle in den USA an einer Online-Bibliothek, die es Nutzern erlauben soll, Textdateien gegen Gebühr für eine begrenzte Laufzeit auszuleihen, wollte Redmer im Börsenblatt weder dementieren noch bestätigen.

Branchenbeobachter Boris Langendorf sieht die Buchbranche im Aufwind. Vor dem Hintergrund des allgemein schlechten Einzelhandelsklimas habe sich der Buchhandel sehr beachtlich gehalten, sagt Langendorf. In seinem Geschäftsklima-Index des Sortimentsbuchhandels ist ein positiver Trend abzulesen - und das, obwohl die Daten aus einem Erhebungszeitraum stammen, in dem noch nicht bekannt war, ob "der Mehrwertsteuerkelch" am Buchhandel vorbei geht. Langendorf: "Unterm Strich winkt der Branche jetzt sogar ein kleiner Wettbewerbsvorteil."

Der Übernahme Verlagshauses Gerth Medien durch Random House muss das Kartellamt noch zustimmen, denn mit dem traditionsreichen Gütersloher Verlagshaus, dem im September erworbenen Kösel Verlag und Gerth Medien würden drei christliche Verlage zum Random House-Verbund gehören. Durch den Zukauf werde das Programm der beiden anderen Verlage gut ergänzt, erklärte Random House-Geschäftsführer Joerg Pfuhl dem Börsenblatt. Außerdem eröffne er neue Chancen im Vertrieb. Gerth Medien betreibt einen christlichen Buchclub und einen Online-Shop.
Personalien: Armin Gontermann übernimmt zum 1. Januar 2006 zusätzlich zur Verlagsleitung von Ullstein Taschenbuch die Leitung von Ullstein Hardcover und Propyläen. Ulrich Störiko-Blume baut für die Kölner Vemag ein neues Kinder- und Jugendbuchprogramm auf.

Meldungen: Berichte, denen zufolge der Bertelsmann-Vorstandsvorsitzende Gunter Thielen vor seinem Vertragende im August 2007 aus dem Amt scheiden könnte, wies der Gütersloher Medienkonzern mit dem Hinweis auf die Einhaltung des offiziellen Zeitplans zurück. Thomas Palzer erhält für seinen Roman "Ruin" (Blumenbar) den Tukan-Preis der Stadt München. William T. Vollmann wird für seine Sammlung "Europe Central" mit dem US-amerikanischen National Book Award ausgezeichnet. Mit der Bücherschau junior in München will der bayerische Landesverband des Börsenvereins Kinder unter zwölf Jahren und Eltern ansprechen (ab März 2007, im Jahresturnus)

Die Buchmacher vom 21.11.2005 - Börsenblatt

Den Konditionen-Poker von Thalia (siehe Archiv) schätzen sowohl die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs als auch die Rechtsabteilung des Börsenvereins als ein wettbewerbsrechtlich unzulässiges "Anzapfen" der Verlage ein. Bei ähnlich gelagerten Fällen hätten die Gerichte entschieden, dass Unternehmen, die einen solchen Vorstoß machten, absolute Marktmacht besitzen müssten, erläutert das Börsenblatt. Diese Voraussetzung dürfte bei Thalia wohl nicht gegeben sein. Noch nicht.

Das Börsenblatt und der Hessische Rundfunk haben die "Hörbücher des Jahres" gewählt. "Wörter Sex Schnitt", eine fünf CDs umfassende Box mit Tonaufzeichnungen von Rolf Dieter Brinkmann (bei Hörsturz Booksound), kam bei den Erwachsenen-Hörbüchern auf den ersten Platz, Fritzi Haberlands Lesung von Kate DiCamillos "Winn-Dixie" (Hörcompany) liegt bei den Hörbüchern für Kinder und Jugendliche vorn. In der Jury-Erklärung heißt es, die Brinkmann-CDs seien ein "akustisches Denkmal von besonderem Wert" und "Winn-Dixie" werde mit der "richtigen Mischung aus guter Laune und Einfühlungsvermögen" vorgelesen.

Der Börsenverein rät den Verlagen, in Anbetracht des angebrochenen "Zeitalters der Digitalisierung", zur stärkeren elektronischen Vermarktung der Inhalte. Inwieweit die Potenziale schon genutzt werden, fragte das Börsenblatt bei Fach- und Publikumsverlagen nach.

Zu teuer, zu langsam - lauten die Haupt-Kritikpunkte am Börsenvereinsprojekt "Volltextsuche Online". Mittlerweile scheinen auch die Initiatoren gemerkt zu haben, dass es keine Zeit zu verlieren gilt, wenn die Branche noch "Herr über die Buchinhalte" (Börsenblatt) bleiben möchte. Bis Juni 2006, so will es die Taskforce Volltextsuche im Börsenverein, sollen mindestens 100 Verlage mit ihren Texten im gemeinsamen Netzwerk vertreten sein. Da Onlinehändler Amazon & Co. bereits mit ähnlichen Angeboten vorgeprescht und im Netz sind, denkt die "Taskforce" neben der Branchensuchmaschine über ein Shopsystem, auf das die Sortimenter Zugriff haben, nach.

Der Spiegel Verlag weitet seine Aktivität im Buchgeschäft aus. Im relaunchten und erweiterten Webshop von Spiegel Online werden seit letzter Woche - in Kooperation mit dem Barsortiment Libri - "hausnahe", meist anspruchsvolle Bücher, CDs und DVDs feilgeboten, weiß das Börsenblatt. Auch die DVD-Edition des Spiegels ("100 Jahre Deutschland"), bisher exklusiv in Thalia-Filialen erhältlich, ist jetzt über den hauseigenen Shop bestellbar. Ein Vollanbieter wie die SZ-Mediathek wolle man nicht werden, war aus der Spiegel-Marketingabteilung zu vernehmen.

Personalien: Die scheidende Kulturstaatsministerin, Christina Weiss, wird Mitglied im Stiftungsrat, der alljährlich den Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels (mehr) kürt. Weiss ist nicht nur durch ihre Kulturarbeit auf Bundesebene mit der Buchwelt eng verbunden - sie hat viele Jahre das Hamburger Literaturhaus geleitet.

Meldungen: Der Bertelsmann-Vorstandsvorsitzende, Gunter Thielen, ist in New York mit dem Global Leadership Award ausgezeichnet worden. Seit seinem Amtsantritt im August 2002 habe er das Unternehmen rasch konsolidiert und erfolgreich in eine neue Wachstumsphase geführt, begründete die Jury das Votum für Thielen.

Die Buchmacher vom 14.11.2005 - Börsenblatt

Bedeckt hielten sich Verleger und Buchhändler letzte Woche noch zum Konditionen-Poker von Thalia (siehe Archiv). Mittlerweile hat nicht nur das Feuilleton harsche Kritik am Vorgehen des Branchenprimus geäußert (unter adnerem Wieland Freund in einem Bericht in der Welt), nach dem ersten Schock wird nun auch Empörung in der Branche laut. "Thalia ist ein sehr guter Veranstaltungspartner für uns, aber Exklusivrechte kann es nicht geben", erklärte Droemer Knaur-Geschäftsführer Christian Tesch entschlossen. Georg Rieppel, Marketing-Chef von Suhrkamp, glaubt, dass die Thalia-Forderungen zu einer Gefährdung der Preisbindung, einer Unglaubwürdigkeit gegenüber anderen Geschäftspartnern oder zu einem Verlust der ökonomischen Basis der Verlage führen. (Hier weitere Ergebnisse des Börsenblatt-Rundrufs und hier ein Kommentar von Rainer Moritz.)

Klar, dass mit Volltextsuchen früher oder später der große Reibach gemacht werden soll. Vorreiter Amazon scheint auch bei Paid Content die Nase vorn zu haben. Über den auf "Search inside!" basierenden Dienst "Amazon Pages" will der Onlinehändler schon ab 2006 einzelne Seiten oder Kapitel digitaler Bücher verkaufen. Ähnliche Pläne hätten Google, Holtzbrinck Publishers und Random House US, weiß das Börsenblatt. Nicht in Erfahrung bringen konnte das Branchenmagazin, ob und wann hierzulande mit den neuen Bezahl-Angeboten zu rechnen ist.

Das Totalverbot von Maxim Billers Roman "Esra" - zwei Bekannte des Autors hatten sich darin wiedererkannt, ihre Persönlichkeitsrechte verletzt gesehen und geklagt - halten sowohl der Börsenverein als auch der deutsche P.E.N. für "überzogen". Beide Organisationen und zudem der Verband deutscher Schriftsteller wurden nach der Verfassungsbeschwerde von Billers Verlag Kiepenheuer & Witsch um eine Stellungnahme zu dem Verbotsurteil gebeten. Der P.E.N. will in Anbetracht der Konkurrenz von Persönlichkeitsrecht und Kunstfreiheit versuchen, Maßstäbe für ein Abwägungsverfahren zu entwickeln, erfuhr das Börsenblatt vom Präsident der Vereinigung, Johano Strasser.

Der deutsche Buchmarkt wächst bis zum Jahr 2009 im jährlichen Mittel um 1,3 Prozent. Das prognostiziert der "German Entertainment und Media Outlook" von PricewaterhouseCoopers. Die Bereiche Belletristik und Sachbuch können sich nach PwC-Berechnungen sogar über ein überdurchschnittliches Wachstum von 2,1 Prozent freuen. Soweit zur guten Nachricht. Der Umsatz, der in den kommenden vier Jahren mit Büchern gemacht werden soll, fällt nämlich im Vergleich zum Umsatz mit anderen Medien geringer aus: Für den gesamten Unterhaltungs- und Medienmarkt (dazu zählen die Marktforscher von PwC neben dem Buch elf weitere Segmente, unter anderem Film, Fernsehen, Internet und Musik) wird ein Zuwachs von durchschnittlich 4,1 Prozent erwartet. Hier die Studie zum Download.

Personalien: Klaus Kämpfe-Burghardt, bislang kaufmännischer Geschäftsführer des zur Bonnier Gruppe gehörenden Carlsen Verlags, wird ab 1. März 2006 für die Bonnier Media Holding einen Geschäftsbereich mit internationaler Ausrichtung aufbauen. Sein Nachfolger ist Joachim Kaufmann, derzeit Vertriebschef bei Ravensburger.

Meldungen: Erfolgreiche Bilanz: Medienhändler Buch.de (13 Internet-Shops, darunter Thalia.de und Bol.de) hat in den ersten drei Quartalen des Geschäftsjahrs circa 32 Millionen Euro umgesetzt, was einer 20-prozentigen Steigerung gegenüber 2004 entspricht. Erfolgreicher Start: Innerhalb von einer Woche konnte der Zeitverlag 20.000 Komplettpakete (a 245 Euro) seiner 20-bändigen Lexikonreihe "Welt- und Kulturgeschichte" an den Mann bringen. Erfolgreiche Unterlassungsklage: Nicht wiederholen darf Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki folgende Behauptung in Bezug auf Martin Walser: "Er verübelt Juden, dass sie überlebt haben. Das ist durchaus kein Antisemitismus, das ist schon Bestialität."

Die Buchmacher vom 07.11.2005 - Börsenblatt

In welcher Form wollen die Verlage an einer "Volltextsuche online" teilhaben? hat das Börsenblatt nachgefragt. Grundsätzlich waren die interviewten Verlagsmitarbeiter neugierig, aufgeschlossen gegenüber dem neuen Marketing-Instrument - und bereits mehr oder weniger aktiv. Auf den verlagseigenen Internetseiten durchsuchbar sind u.a. Bücher von Campus und Diaphanes, "Search inside!" und "Google Print" wird zurzeit von Hanser bzw. Schüren getestet. Durch die Bank unterstützenswert fanden die befragten Buchmacher das vom Börsenverein initiierte Projekt "unabhängige Digi-Plattform". Für "überaus sinnvoll" und "für kleinere und mittlere Verlage unentbehrlich" hält es zum Beispiel Verleger Wulf D. v. Lucius. Bemängelt wurden nach wie vor die Kosten. Dazu Verlegerin Annette Schüren: "Wir würden uns gern beteiligen, aber die bisherigen Modellrechnungen (rund 10.000 Euro bei 50 Novitäten im Jahr und einer Backlist von 500 Titeln) kommen für uns nicht in Frage." (In einem aktuellen Interview mit dem Börsenblatt berechnet Matthias Ulmer, Mitglied der Taskforce Volltextsuche beim Börsenverein, den Verlagen übrigens 3.000 Euro Minimum jährlich für Server und Backlist plus rund 30 Euro für jede Novität.)

Die Auszeichnung des Schriftstellers Orhan Pamuk mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels hat die türkische Öffentlichkeit gespalten. "Während liberale Zeitungen wie Radikal den gesamten Text der Dankesrede abdruckten, beschränkten sich andere Blätter auf kurze, unkommentierte Meldungen", berichtet das Börsenblatt. Hürriyet, die auflagenstärkste Tageszeitung, habe kritisiert, dass vor allem Pamuks Äußerungen zu den dunklen Punkten der Geschichte (Kurdenpolitik und Armenier-Genozid) in der Paulskirche für Beifall gesorgt hätten.

Büchner-Preisträgerin Brigitte Kronauer will nicht "schwierig" sein. Das sei ein ihr ewig anhaftendes Klischee, das wohl hauptsächlich von Leuten kolportiert werde, die nichts von ihr gelesen hätten, sagte sie im Gespräch mit dem Börsenblatt. Auch möchte sie nicht lesen oder hören, ihre Werke kämen, ganz postmodern, nicht aus dem Leben, sondern aus der Literatur. Kronauer: "Irrtum, Holzweg, Quatsch!"

Zur ersten Priorität des neuen Börsenvereins-Hauptgeschäftsführers, Alexander Skipis, ist die Lobbyarbeit für den Erhalt des reduzierten Mehrwertsteuersatzes bei Büchern geworden. Zwar haben sich vor der Bundestagswahl noch alle Parteien für die "sieben Prozent auf Bücher" ausgesprochen, einen Unsicherheitsfaktor sieht das Börsenblatt jedoch bei den beiden jetzigen Verhandlungsführern um die Sanierung der Staatsfinanzen, Roland Koch und Peer Steinbrück: Sie forderten seit längerem eine Anhebung auf acht Prozentpunkte, Koch habe sogar kürzlich in der Berliner Zeitung mit dem Gedanken gespielt, für Bücher den vollen Mehrwertsteuersatz einzuführen.

Den Zusammenbruch des Schweizer Buchmarkts fürchtet der Präsident des Schweizer Buchhändler- und Verlegerverbands, Men Haupt, gesetzt den Fall, dass den Forderungen des Preisüberwachers Rudolf Strahm nachgegeben wird. Strahm möchte erreichen, dass Bücher aus Deutschland zum paritätischen Wechselkurs umgerechnet und dann nur noch minimal erhöht werden. "Das bricht den meisten Sortimenten das Genick - selbst Großbuchhandlungen würden in die roten Zahlen schlittern", warnt Haupt.

Meldungen: Die Literaturagentin und Übersetzerin und Ray-Güde Mertin wurde zur "BücherFrau des Jahres" gewählt; ihr besonderes Engagement gilt der portugiesischen Literatur. Wladimir Kaminer erhält den mit 10.000 Euro dotierten erstmals verliehenen Literaturpreis der Stahlstiftung Eisenhüttenstadt. Die Schweizer Buchhandlungen der W. Jäggi AG firmieren in Zukunft unter Thalia.