Das
Börsenblatt ist in dieser Woche allein auf weiter Flur!
Zwischen den sonst eher nachrichtenarmen Tagen bestimmt
Thalia, größter Buchhändler im deutschsprachigen Raum, die Schlagzeilen. Der Marktführer (461 Millionen Euro Jahresumsatz) will zum 1. Januar die Buchhandelskette
Gondrom (26 Filialen, mehr als 60 Millionen Euro Jahresumsatz) übernehmen - vorbehaltlich der Zustimmung des
Bundeskartellamts. Mit dem Zukauf überspringt Thalia die 500-Millionen-Euro-Umsatzhürde und steigert seinen Marktanteil von fünf auf sechs Prozent. "Der Veränderungsprozess im Sortimentsbuchhandel ist damit um eine Facette reicher: Die
Konzentration spielt sich unter den größten Unternehmen ab", kommentiert das
Börsenblatt den Deal.
Zwar konnte der
Einzelhandelsverband bei Redaktionsschluss des
Börsenblatts noch keine endgültige Aussage zum Ausgang des
Weihnachtsgeschäfts 2005 treffen, jedoch rechnete er "ungefähr mit den gleichen Einnahmen wie 2004". Der Buchhandel scheint im Mittel zu liegen: Eine
Börsenblatt-Umfrage unter 60 Sortimentern hat ein leichtes
Umsatzplus von einem Prozent ergeben. Das Weihnachtsgeschäft sei - als Folge der Flut an Billigbibliotheken und Sondereditionen - geprägt von der Suche nach
günstigen Angeboten gewesen, der "Run" auf die Buchläden habe erst
spät eingesetzt und vor allem
Frauen hätten "
Panikkäufe"
zu Heiligabend getätigt, teilten die Buchhändler, zu den Besonderheiten befragt, mit.
Auch bei den
Onlinern wurden die Bücher diesmal erst "kurz vor Schluss" in den Warenkorb gelegt. Die meisten Bestellungen seien zwei Wochen vor dem Fest eingegangen, melden einstimmig
Weltbild.de und
Buch.de. Trotz der Spätkäufe sind die Online-Anbieter von Büchern "äußerst zufrieden". Weltbild feiert dank täglich eingehender Bestellungen im Wert von mehr als einer Million Euro "das beste Weihnachtsgeschäft" seit Bestehen seines Angebots,
Amazon.de freute sich in Spitzenzeiten über 400.000 bestellte Artikel pro Tag.
Der scheidende Börsenvereinsvorsteher
Dieter Schormann macht der Branche in einem
Abschiedskommentar Mut, warnt jedoch vor Übermut: Es gehe
langsam aufwärts, aber es sei nicht gesagt, ob die positive Entwicklung zu einer
dauerhaften Trendwende führe. "Die Buchbranche erwartet noch einige wirtschaftliche Kämpfe in den nächsten Jahren", vermutet der langjährige Buchhandlungs-Inhaber, den die
Reaktionen auf den Verkauf der eigenen Buchhandlung an Branchenprimus
Thalia zum Rücktritt vom höchsten Ehrenamt im Verband gebracht haben.
Auf zwei Seiten blickt Verlegerin
Rosemarie von dem Knesebeck auf die rund fünfjährige Amtszeit
Dieter Schormanns zurück. Ein unumstrittener Vorsteher sei Schormann nie gewesen, schreibt Knesebeck. Sie erinnert sich an dessen "markenbewussten, medientauglichen Auftritt mit Fliege, Brille, Schal in einer strahlenden Farbe sowie zwei Uhren am Handgelenk, manchem zu laut für die Branche". Schormann habe mit großem Elan die Idee eines erfolgreichen
Branchenmarketings verfolgt - bis heute sei sie an der Uneinigkeit der Branche gescheitert. Auf die Fahnen schreiben kann sich der zu diesem Zeitpunkt "Altvorsteher" das Anpacken der Themen
Verbandsreform, Sanierung der
Börsenvereinsfinanzen,
Preisbindungsgesetz, Stärkung der
Buchmessen und Ausbau der
Marktforschung.
Im preisbindungsfreien
Großbritannien verschärft sich der Wettbewerb im Sortiment: Das Florieren der Vertriebszweige
Internet (Umsatzanteil 2005: 11,2 Prozent, 2004: 9,1 Prozent) und
Supermarkt (2005: 8,5 Prozent, 2004: 5,6 Prozent) zwingt die stationären Buchhändler mit
Nachlässen bis zu 50 Prozent in die Knie.
Meldungen:
Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki ist mit dem
Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet worden, fast gleichzeitig verlieh ihm die
Freie Universität Berlin die
Ehrendoktorwürde. Nach
Macmillan (Holtzbrinck) und
Random House gibt der amerikanische Verlag
HarperCollins Pläne für eine
Plattform digitaler Inhalte bekannt. Laut Bestseller-Jahresauswertung von
Media Control GfK International sind
J. K. Rowlings "Harry Potter und der Halbblutprinz", das Original "Harry Potter and the Half-Blood Prince" und
Dan Browns "Sakrileg" die
meistverkauften Bücher 2005. Und
hier die aktuelle
SWR-Bestenliste von Januar 2006.